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Deine Seele ist kein unbeschriebenes BlattDer Wissende weiß, dass er glauben muss.
(Friedrich Dürrenmatt)
Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre
Mir hat auch dieses
Buch von Alexander Gosztonyi sehr gut gefallen. Gelesen hatte ich kürzlich von ihm Das große Buch der Seele. Am Ende dieser Buchbesprechung gibt es eine Verlinkung dahin. Vieles, was er
schreibt, konnte ich mir selbst auch denken, da es bei mir seit meines Lebens etliche Überlegungen in diese Richtung schon gab. Außerdem hatte ich
selber schon häufigen Kontakt nach oben, deshalb kann ich gar nicht anders, als
daran zu glauben ... Doch auch in diesem Buch haben sich mir jede Menge
Aha-Erlebnisse aufgetan. Es ist sehr eindrucksreich geschrieben. Die sieben
Entwicklungsstufen fand ich spannend und sprachlich sehr anschaulich dargestellt.
Ich glaube, dass jeder, der kritisch mit sich umgeht, seine Entwicklungsstufe
in diesem Buch wird finden können, wenn ich auch eine Sache vermisst habe, auf
die ich in später kurz eingehen werde. Da ich in meiner
letzten Buchbesprechung desselben Autors mich sehr ausführlich in meiner Rezension
ausgelassen habe und sich hier manches nochmals wiederholen würde, habe ich
eher das Bedürfnis, in kurzer Form über einzelne Punkte dieses Buch zu diskutieren. Ich werde
mich hier aber hauptsächlich auf die dritte Entwicklungsstufe auslassen, weil dies
die Stufe ist, die mich in diesem Leben am meisten beschäftigt.
Ich weiß, dass ich
mich mit dieser Buchbesprechung für gewisse Leser*innen weit aus dem Fenster
hinauslehnen werde, für andere dagegen kann diese kleine Diskussion wertvolle Impulse beinhalten, aber ich möchte nur ein Zeichen setzen und Mut machen, verkrustete
Verhaltens- und Denkweisen durch's kritische Hinterfragen aufzubrechen. Man findet
immer Argumente, eine Besprechung wie diese rational abzulehnen, insofern geht es mir nicht darum, recht haben zu müssen, sondern nur um neue Sichtweisen möglich zu machen.
Niemand ist gezwungen, sie zu übernehmen.
Hier geht es zum
Klappentext, zum Autor*inporträt, zu den ersten Leseeindrücken und zu den
Buchdaten.
Ich möchte gerne begründen,
weshalb ich mich für diese transzendentalen Themen interessiere, die der Autor
thematisch aufgreift. Weil ich das Bedürfnis habe, Dinge besser zu verstehen,
die unser menschlicher Verstand nicht zu erfassen in der Lage ist, und er aus
diesem Grund vieles negiert und rational abwehrt. Aber was ist eigentlich unter einer Transzendenz
zu verstehen?
Tranzendental (neulat. überschreitend)
heißt diese zweite Art von Intelligenz, weil sie den Menschen dazu verhilft,
über die bloße Erscheinungswelt, über das Materielle und auch über das nur
rational Erfassbare hinauszugelangen und das Wesensmäßige unmittelbar zu
erfassen. (143)
Zum einen, weil ich
selber neugierig bin zu erfahren, auf welcher Entwicklungsstufe ich mich
befinde, und zum anderen, weil ich Antworten auf kosmopolitische Fragen suche, die mir
die Naturwissenschaft schuldig bleibt. Wir orientieren uns häufig an die Lehren
der Wissenschaft, doch nicht nur, dass die Wissenschaft an ihre Grenzen stößt,
sondern sie hat sich selber häufig geirrt und falsche Theorien in die Welt
verpflanzt. Ich erinnere mich an die Anfänge meines Studiums, als im Hörsaal der
Dozent damals zu uns sprach, dass das, was wir heute hier lernen, sich morgen als falsch herausstellen könnte.
Die sieben seelischen Entwicklungsstufen in diesem Buch bezeichnet der Autor als das innere Alter der
Seele und vergleicht sie mit der Entwicklung eines Menschen vom Säugling bis zum Erwachsenen. Wie die Seele ist auch die Psyche ist nicht sichtbar, sie lebt im Körper. Niemand kann die Psyche eines Menschen sehen, und doch wissen wir alle, dass es sie gibt.
Ich habe in der
Buchvorstellung geschrieben, dass ich glaube, dass unsere Gesellschaft sich größtenteils
in der dritten Entwicklungsstufe befindet, das ist die Stufe der Rationalität. Damit
möchte ich nicht ausdrücken, dass wir alle gleich sind. Jeder Mensch lebt sie
auf seine Art aus. Aber wie komme ich darauf? Weil auf die Herzensbildung kaum
Wert gelegt wird, und viele Themen werden regelrecht mit der Ratio
kaputtgeredet. Jeder bildet sich zu allem eine private Meinung, ohne zu fühlen,
was der Kopf denkt. Die Kinder werden schon in der Grundschule geimpft, die
ersten Weichen werden hier gestellt, wenn nicht schon im Kindergarten, dass nur
das Abitur zu einem beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg führen würde. Und
naturwissenschaftliche Berufe stehen bei uns in der Gesellschaft ganz hoch oben in der
Beliebtheitsskala, was die Wertschätzung und der Arbeitslohn betreffen. Oder der Rassismus. Noch
immer wird z. B. über die Hautfarbe oder über die Herkunft eines Menschen und
dessen Rechte diskutiert, statt sich in diesen Menschen hineinzuversetzen,
empathisch zu ergründen, was dieser Mensch in einer sog. „homogenen Gesellschaft“
durchmacht. Ein Mensch, der sich auf empathischer Ebene weiterentwickelt hat,
Wird sich Klarheit darüber verschaffen,
wie es in einem Menschen in dieser oder jener Situation innerlich aussieht, was
er jeweils empfindet, fühlt, denkt, welche Gefühlslage sich hinter seinen
Worten, seinem Benehmen verbirgt, er wird auf Ton und auf Gebaren achten, um
die Hintergründe zu verstehen, um bis zur Quelle von Leid, Verzweiflung in der
großen, großen Angst zu kommen. Dabei wird er tunlichst vermeiden, eine
Diskussion auf der Verstandesebene zu suchen, etwas >beweisen< oder
>widerlegen< zu wollen, um das Wesentliche, das Gefühl und die
Stimme des Herzens, totzureden. (180)
Gefühle werden häufig
als Schnulzen und als Sentimentalitäten abgetan, als wenig sachlich, mag sicher
auch bei dem einen oder anderen zutreffen, doch es kommt auf den Menschen darauf an, wie er sie äußert, aber auch
auf der Verstandesebene können Gedanken auf einer niederen und unreifen Ebene ausgedrückt
werden. Auch hier kommt es auf den Menschen an, wie er sein Denken formuliert
und wo er sich in seiner Entwicklung gerade befindet. Aber es kommt auch auf das Gegenüber an,
wie dieser Gefühle beim anderen bewertet.
Der Wert oder Unwert solcher Ergründung
ist an ihrem Erlebnisgehalt ablesbar. Beruht die Erklärung auf einer immanent
logischen Konzeption mit Voraussetzungen, die nur rein theoretisch >erarbeitet<
wurden, so schwebt die Argumentation unverwurzelt in der Luft und hat zur
echten Wirklichkeit keinen Bezug. Die Realität, die sie darstellt, ist zwar
auch eine, jedoch eine rein abstrakte Denkrealität. Sie besteht nur insofern,
als sie er-und gedacht wird, darüber hinaus hat sie keine Bedeutung auch nur
für eine der Wirklichkeitsspähren. Es ist ein Abenteuer des sich selbst
überlassenen Verstandes, der seine Eroberungszüge durchführt, ohne vom
eroberten Land echten Nutzen ziehen zu können. Die erdachte Theorie erweist
sich als Schal, sobald sie mit der Wirklichkeit konfrontiert oder in der
irdischen Realität umgesetzt wird. (219)
Ich denke dabei auch an den Mathematiker und Philosophen René Descartes, der mit seinen Lehren Theorien verbreitet hatte, die für
bestimmte Lebewesen bis heute noch fatale Folgen mit sich brachte. Er bezeichnete Tiere z. B.
nur als Maschinen, und sie dadurch keine fühlenden und denkenden Wesen seien. Wie
konnte Descartes sich nur so täuschen? Ist er es nicht gewesen, der gefühllos
war und er seine Gefühllosigkeit auf die Tiere übertragen hatte? Jedes Tier,
dem man Schmerz zufügt, von dem lassen sich laute Schreie vernehmen, und es wird dadurch ganz deutlich, dass Tiere sehr wohl wie wir Menschen Schmerzen und
in Stresssituationen auch Ängste empfinden. Dafür benötige ich keinen Mathematiker, der mir dies erklärt.
In der Stufe der
Rationalität ist auch häufig kein Platz für Immaterielles. Wir glauben häufig
nur an das, was man sehen und anfassen kann.
Die Identifikation des Lebens schlechthin
mit dem Leben in der irdisch grob-stofflichen Materie gilt noch auf der dritten
Entwicklungsstufe. Auf dieser Stufe stellt der Mensch rational erfasste, oft
nur er dachte Ordnungen auf und versucht, auch die Lebenserscheinungen
systematisch einzuordnen, zu rationalisieren. Da er aber nur das als wirklich
existierend betrachtet, was eine irdisch-materielle Erscheinungsweise hat,
reduziert er im Grunde alles Erfassbare auf das Materielle. Eine Folge davon
ist, dass nur das als >wissenschaftlich< gilt, was auf der
irdisch-materiellen Ebene zugänglich ist; was mit Instrumenten der Physik nicht
messbar ist, gilt als nicht-existent, und alle seelisch-geistigen Vorgänge
werden auf die Funktion des Gehirns zurückgeführt. Und die Tatsache, dass der
Mensch und jedes Lebewesen eine Seele hat, gehört dann selbstverständlich zu
den Ammenmärchen. (39)
Das genau sind die
Gründe gewesen, weshalb es mich zu diesen Büchern der Geheimwissenschaft hingezogen hat. Ist der
Mensch tatsächlich die Krone der Schöpfung und andere Mitseelen wie Tiere und
Pflanzen nur Zufallsprodukte, die man nach Belieben ausbeuten kann? Wenn
mir Mitmenschen auf meine Frage antworten, ob ihnen das Leid der Tiere nichts
ausmachen würde, bekomme ich häufig zu hören, dass die Tiertötung des Fleisches wegen völlig normal sei, weil dies
schließlich alle Menschen auf der Welt tun würden, und so höre ich sie aus der
Ratio heraus sprechen. Sich aber in die Tiere hineinzuversetzen, welche Pein
sie erdulden müssen, nur damit der Gaumen des Menschen befriedigt wird, würde
es den Tieren mithilfe der Empathie deutlich besser gehen.
Es ist mir dennoch
schwergefallen, mich über eine Rezension dieses Buches zu entscheiden, in dem
die Grenzwissenschaft in den Fokus gerückt wird. Warum? Weil man schon im Alltag
Schwierigkeiten hat, diese Themen in Diskussionen miteinzubeziehen. Es fällt
den meisten schwer, an eine Welt zu glauben, die mit den Händen nicht greifbar ist,
obwohl sich diese geistige Welt, dieses Wissen in uns allen befindet.
Der Mensch hat das Bedürfnis, die
Anziehung des Unsichtbaren in sich zu unterdrücken oder sogar abzutöten,
solange er die Stimme des Unsichtbaren nicht vernehmen will oder noch nicht
vernehmen kann. Er tut es, indem er mit seinem Verstand, natürlich mit einem
einseitig gebrauchten, verabsolutierten Verstand, in sich alles erstickt, was
mit dem Übersinnlichen korrespondieren und auf dessen Anruf er mit Resonanz
antworten möchte. Er tut es meistens, indem er sich in das Abenteuer der Ratio stürzt.
Anstelle der wahren Wirklichkeit setzt er die abstrakte Realität, und er ergeht
sich in theoretischen, theologischen und philosophischen, seit der Neuzeit in
wissenschaftlichen Ergründungen, die die Stelle der Wirklichkeit des
Übersinnlichen und sogar alles Himmlischen einzunehmen haben. (219)
Meine Identifikation mit den Entwicklungsstufen
Auch ich habe mich in der dritten Entwicklungsstufe
gesehen, aber mehr in einem Übergang in die vierte Stufe, da ich ebenso über
mediale Erfahrungen verfüge, die mit der vierten Entwicklungsstufe beginnen würden. Ich lerne, in diesem Leben tatsächlich zweigleisig
zu fahren. Ich arbeite mit meinem Kopf, aber auch mit meinem Herzen. Dennoch
fällt es auch mir oftmals schwer, mich vom Herzen her mehr zu öffnen. Auch ich
trage die Schwierigkeit mit mir herum, an immaterielle Dingen zu glauben, die mit
dem Verstand und mit den Händen nicht greifbar sind. Durch dieses Buch weiß
ich nun, dass ich mich in einem Lernprozess befinde, weiterhin mehr auf mein
Herz zu hören. Irgendwann wird jeder Mensch lernen, die Balance zwischen Herz
und Verstand zu finden, doch zum Licht und zur universellen Liebe ist es das
Herz, das uns, wie der Autor sagt, hinführen wird.
Unsere Aufgabe lautet demnach, ein
wahrhaftig menschlicher Mensch zu werden und Hochachtung vor jeder Kreatur zu
haben. (125) Die Gefühlsfähigkeit ist die Voraussetzung für die echte
Liebesfähigkeit. (25)
Bis dahin wird es für viele von uns noch ein weiter Weg sein.
Cover und Buchtitel
Der Buchtitel war es, der mich neugierig und mich
zum Weiterlesen nach dem ersten Werk Das
große Buch der Seele gestimmt hat. Mich und meine Mitmenschen mit den Augen
der Liebe zu betrachten ist eine Herausforderung, die ich gerne vom Autor
vorgelebt haben wollte, und von daher habe ich Cover und Buchtitel nach dem
Lesen als recht stimmig empfunden, weil mein Mitgefühl, wie ich weiter unten
schon geschrieben habe, durch das Buch deutlich gesteigert werden konnte,
wobei ich schon allein durch meinen Beruf mit psychisch kranken Menschen tagtäglich
vor dieser Herausforderung gestellt bin.
Der Untertitel Deine
Seele ist kein unbeschriebenes Blatt zeigt auf, dass es seine Berichtigung
hat, so zu sein, wie man ist, dass die Seele gefüllt ist mit den zahlreichen
Vorerfahrungen ihrer Vorleben.
Zum Schreibkonzept
Das Buch beginnt mit einem Vorwort, das Heinrich von
Nievergelt verfasst hat. Aber wer ist Heinrich von Nievergelt? Ein Berufskollege? Ich konnte im Internet nicht fündig werden. Danach beschreibt Gosztonyi erstmal allgemein den Weg
zur Vollendung. Er bereitet die Leser*innen quasi auf die Hauptthematik vor. Er
beschreibt die Etappen der Entwicklung, bis er schließlich in den folgenden
Kapiteln auf die unterschiedlichen Entwicklungsstufen von eins bis sieben in
sehr ausführlicher aber gut verständlicher Form eingeht. In jeder
Entwicklungsstufe gibt es weitere Unterpunkte. Das Buch endet mit einer äußerst
interessanten Danksagung durch seine Ehefrau und mit einer Bücherliste.
Es zeigt, dass das Buch sehr gut strukturiert und
gegliedert ist. Man merkt deutlich, dass der Autor in seiner Thematik sicherlich
auch durch seinen Beruf als Rückführungstherapeut zu Hause ist. Er scheint auch
über mediale Erfahrungen aus der Kindheit zu verfügen. Denn in dem Vorwort geht
hervor:
Alexander Gosztonyi war noch Schüler
in Ungarn, als ihm ein Medium prophezeite: “Du wirst als Erwachsener einmal
Bücher schreiben und in deiner nächsten Inkarnation sie selber lesen”.
Gosztonyi ist zudem bibelfest, zitiert häufig
daraus, bezieht sich aber auch sehr kritisch zur Heiligen Schrift, was ich zusätzlich
noch sehr interessant fand.
Meine
Meinung
In mancherlei Hinsicht erschien mir
das Buch sehr negativ. Auf positive Entwicklungen dürfe sich der Mensch nichts
einbilden, denn sie seien Geschenke Gottes, doch für die negativen Anteile
haben wir Menschen uns durch die Anhäufung von schlechtem Karma von Stufe zu
Stufe abzurackern. Wenn man Gosztonyi liest, beschleicht mich am Ende ein
Gefühl von einer ewigen Anstrengung durch zahlreiche Leben über die der Reinkarnation.
Wenig geht der Autor auf positive Entfaltung eines Menschen ein, die man als
gutes Karma bezeichnen könnte. Das leuchtet mir nicht ein. Negatives hat sich
der Mensch selbst verschuldet, Positives seien Geschenke Gottes. Aber so hat
der Autor das nicht gemeint, es liest sich nur so, weil er auf das Gute, das
sich der Mensch erschaffen hat, zu wenig eingeht.
Es ist doch auch schön, auf der
Welt zu sein, man hat Freude und Spaß am Leben, was mir etwas in diesem
Buch zu kurz gekommen ist. Ich war froh über die Kenntnisse seines Werkes Das große Buch der Seele zu verfügen,
denn durch dieses Buch konnte ich besser ableiten, mit wieviel Liebe er sein
Wissen in die Bücher gepackt hat, um es uns Menschen weiterzureichen.
Und die Wertung von Gut und Böse
würde es im Göttlichen nicht geben, da beides gottgewollt sei und beides neutral. Zur Weiterentwicklung der Seele müsse der Mensch
auf beiden Bewusstseinsebenen von Gut und Böse seine Erfahrungen machen. Das
sog. Böse sei notwendig, damit der Mensch dadurch aus sich heraus das Gute
entfalten könne. Das hieße aber nicht, dass der Mensch tun könne, was er will.
Alles Schlechte, was er fabriziert, würde auf ihn selbst zurückfallen.
Die Seelenstufen lesen sich ein
wenig wie ein Schubladendenken, aber auch das ist so nicht gemeint. Selbst wenn
Menschen einer Gesellschaft in ihren Werten miteinander partizipieren und kooperieren, ist doch
jeder Mensch anders und jeder lebt diese Eigenschaften anders aus. In einer
Schulklasse gleichen sich auch nicht alle Schüler*innen, obwohl sie alle vor den selben Aufgaben ihrer Klassenstufe gestellt sind.
Hermann Hesse
Eine Brücke zwischen der
grobstofflichen und der feinstofflichen Welt
Ich denke oft darüber
nach, dass es eine Brücke geben müsste, die diese beiden Welten für uns (suchende)
Menschen verbindet. Ich erinnere mich dabei tatsächlich an Hermann Hesse, der
sich ebenso sehr intensiv in seinen Büchern Das Glasperlenspiel und Siddharta über die feinstoffliche Existenz ausgelassen hat. Auch Hesse äußerte darin eine gewisse Sehnsucht nach einer Brücke dieser Art. Laut Gosztonyi
scheint es tatsächlich diese Brücke zu geben, allerdings erst in der siebten
Entwicklungsstufe. Hier habe der Mensch wie eine Brücke Verbindung zu beiden
Bereichen. Erst in dieser Stufe würde der Mensch dafür diese innere Reife und Stärke erworben
haben.
Was hat das Buch in mir bewirkt?
Ich habe mehr Mitgefühl mit meinen
Mitmenschen erworben. Mithilfe des Buches wird deutlich, welchen Lebenskampf
wir alle führen, und dass es nicht einfach ist, diese Entwicklungsstufen zu
erlangen. Anders als mit der menschlichen Entwicklung von Geburt bis zur Bahre
verlaufen die seelischen-geistigen Abläufe viel längerfristiger ab. In den
unterschiedlichen Entwicklungsstufen würde man immer wieder hineingeboren
werden. Nicht, weil der Mensch unfähig oder dumm ist, nein, weil die
Erfahrungen erst gemacht werden müssen, die der Mensch auf den verschiedenen
Stufen erwerben müsse, um aufsteigen zu können. Erfahrungen als Mann, dann
wieder als Frau, Erfahrungen mit Religionen, dann wieder ohne Religionen,
Erfahrungen mit den verschiedenen Berufsgruppen, mit den unterschiedlichsten Familien,
Erfahrungen mit verschiedenen Kulturen, etc. um nur ein paar Beispiele zu
nennen. Die Stufen kann man mit einer Schule vergleichen. Wenn wir innerlich
reif sind, werden wir eine Stufe höher steigen, sozusagen versetzt in die
höhere Klasse, nur, dass hier die jeweiligen Schuljahre nicht auf zwölf Monate
zu begrenzen sind. Wie und wann wir es geschafft haben, diese Schule Erde zu verlassen,
das heißt, von dem Reinkarnationszyklus endlich befreit zu werden, möchte ich an
folgendem Zitat aufzeigen.
Sein anfänglich noch recht theoretisches Wissen über
die Doppelgeschlechtigkeit der Seele, dass sie also zugleich Männliches und Weibliches
in sich schließt, begann erst auf den höheren Stufen zur inneren Realität zu
werden, als er nämlich anfing, diese beiden Eigenarten menschlichen Seins
bewusst zu entfalten. Dazu war nötig, dass er fähig wurde, den Menschen nicht
mehr nach der äußerlichen Erscheinung, so auch nicht nach dem biologischen
Geschlecht und dem biologischen Alter, sondern nach den menschlichen Qualitäten
und nach dem inneren Alter einzustufen. Er musste reif werden, um den Menschen
im Menschen und nicht bloß die nach außen erscheinende Person wahrzunehmen. (254)
Niemand wird aus diesem Raster
fallen. Es wird niemand im Fegefeuer verschwinden. Der Schöpfer weiß, wie schwer unsere
Bürden sind, und dass die schlechten Erfahrungen zu unserer Entwicklung
dazugehören, sie sind sogar gottgewollt, weshalb wir immer nach dem physischen Tod
wieder mit Liebe empfangen und nach einer Ausruhphase mit Liebe wieder zurück
auf die Erde geschickt werden. Immer wieder in einer anderen Rolle, die Erde
als Bühne begreifend. An diesem Bild Bühne
wird deutlich, wie mannigfaltig die Rollen von Personen sein können, die der
Mensch immer wieder abwirft, um später in eine weitere Rolle zu schlüpfen, um sein
neues Lebensstück in einer anderen Façon spielen zu können.
Mein Fazit
Ein sehr zu empfehlendes Buch, das zum Weiterforschen anregt. Allerdings
setzt das Buch unbedingt eine gewisse geistige Aufgeschlossenheit voraus. Aber wer sie nicht mitbringt, der wird diese Besprechung sowieso mittendrin wieder abbrechen.
Wie ist das Buch zu mir gekommen?
Gosztonyis Werk Das
große Buch der Seele hat mich dermaßen erfüllt, dass ich unbedingt auch
dieses Buch lesen wollte. Auf der letzten Seite sind sämtliche Buchtitel des
Autors aufgelistet.
Wer Interesse zur Buchbesprechung Das große Buch der Seele bekommen hat,
der kann sie hier nachlesen.
Meine Bewertung Sachbuch
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck und Verständlichkeit
2 Punkte: Sehr gute Umsetzung der Thematik.
2 Punkte: Sehr
gute aufklärerische und kritische Verarbeitung
2 Punkte: Logischer Aufbau, Struktur und
Gliederung vorhanden.
2 Punkte: Anregung zur Vertiefung, zum
weiteren Erforschen und zur Erkundung
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein
Zwölf von zwölf
Punkten.
Vielen herzlichen Dank an den Windpferd - Verlag für das Leseexemplar.
_____________
Jeder kann die Welt mit seinem
Leben ein kleinwenig besser machen.
(Charles Dickens)
Gelesene Bücher 2020: 19
Gelesene Bücher 2019: 34
Gelesene Bücher 2018: 60
Gelesene Bücher 2017: 60
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86
Ich lese mit Herz und Verstand!
Um die Welt, Menschen und Tiere
besser zu verstehen.
Die Herkunft eines
Menschen
Die Wurzeltheorie
verdammt Menschen zu ewigen Ausländer*innen, nur, weil sie eine andere
Hautfarbe, eine andere Religion oder einen anderen Namen tragen.
Bäume haben Wurzeln, doch Menschen haben Beine, und der liebe Gott wird
sich schon bei der Einrichtung der Welt auf diese Weise etwas gedacht haben. Im
Grunde sind wir nicht dazu da, ortsfest wie ein Baum zu leben“.
(Denis Scheck im Interview mit Iris Wolf, aus ARD-Buchmessenbühne)
Es lebe die menschliche Vielfalt in
Deutschland und überall.
(M. P.)