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Samstag, 23. Juni 2018

Liane Cornelius / Ich fühle so tief ich kann (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre  

Gestern Abend habe ich das Buch ausgelesen: Es ist eine ganz andere Form von Literatur gewesen, wie ich sie sonst gewohnt bin ... Das Buch hat psychologischen Tiefgang auf der Ebene von Selbsterfahrung.

Hier geht es zum Klappentext und zu den Buchdaten.

Die Handlung
Man bekommt es in dieser Geschichte mit zwei Menschen zu tun, die in der Kindheit ein schweres seelisches Trauma erlitten haben. Die Icherzählerin Liane, 57 Jahre alt, beschreibt aus ihrer Perspektive ihre gesamte psychische Lebenssituation und in Ansätzen auch die ihres Gefährten. Liane ist körperlich nicht ganz gesund und hat einige schwere Hürden zu überwinden. In kurzen Zeitabständen musste sie sich mehrere Operationen unterziehen. Liane, und sicher jeder andere Mensch in ihrer Lage, stellt sich die Frage, weshalb sie in diesem Alter schon so viele Gebrechen zu erleiden habe? Um die Antwort zu finden, geht sie weit zurück in ihre Kindheit und hinterfragt das Familiensystem, in das sie hineingeboren wurde und sie geprägt hat. Leider erfuhr Liane von ihren Eltern nicht die Liebe, die ein Kind braucht, um gesund aufwachsen zu können. Sehr kühle Eltern, die ihr materiell zwar nichts haben fehlen lassen, allerdings kam die emotionale Zuwendung, die Liebe, viel zu kurz. Liane ist mutig, sie gräbt und gräbt und gräbt tief in ihrer Psyche, um Antworten auf die vielen Fragen zu finden, die sich ihr stellen. Dabei erfährt man ein wenig von der Herkunft der Eltern, und dass auch sie selbst wenig Liebe von ihren Eltern bekommen haben. Dies zu wissen genügt Liane allerdings nicht, denn jeder Mensch sei mit dem Eintreten in das erwachsene Alter für sich selbst verantwortlich, ganz besonders, wenn man eigene Kinder bekommen möchte, um sie nicht mit ihren seelischen Defiziten zu belasten.

Nach den vielen Operationen bekommt Liane häusliche Krankengymnastik verordnet, da sie körperlich stark beeinträchtigt ist. Schon in der ersten Stunde kommen sich Liane und der Physiotherapeut namens Andreas recht nahe. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, obwohl sie Lebenspartner haben. Liane ist mit Toni verheiratet, und Andreas liiert mit Laura. Wenn diese Anziehung fast magisch wirkt, dann spielen äußere Differenzen, wie zum Beispiel der Altersunterschied, keine Rolle, denn Andreas ist gerade mal Anfang dreißig, während Lianes Gemahl Toni schon Ende siebzig ist. Liane und Andreas kommen sich mit der Zeit immer näher, bis Liane entdeckt, was die Gründe dieser Anziehung sein könnten? Beide erlitten in ihrer Kindheit ein schweres seelisches Trauma, doch beide gehen unterschiedlich damit um. Während Liane sich intensiv damit befasst, macht Andreas lieber einen großen Bogen um alles, was mit unangenehmen Gefühlen zu tun hat. Es ist Andreas, der Liane von der ersten Behandlungsstunde anfängt zu duzen. Liane macht dies nachdenklich und vermutet dahinter einen Mutter-Sohn-Konflikt. Und in den weiteren Behandlungsstunden werden beide mit alten emotionalen Konflikten konfrontiert. Liane entgeht nichts. Sie ist aufmerksame Leserin ihrer Gefühle, aber auch die von Andreas, der ihre duale Seele zu sein scheint ...

Zwischendrin wird man immer wieder zurück in Lianes gefühlskarge Kindheit geführt, die auch geprägt war von Entwertung und mangelnder Wertschätzung vonseiten ihrer Eltern …

Andreas wird das zu viel, dieses wiederholte Hinterfragen seiner seelischen Blockaden, die er durch Liane widergespiegelt bekommt, und versucht, sich von ihr zurückzuziehen …

Liane ist adipos, und das schon von Kind auf, da sie das Essen unbewusst als ein Hungern ihrer Seele empfunden habe. Sie kompensiert ihren elterlichen Liebesmangel mit dem Essen.

Wie es mit den beiden weitergeht, ob Liane es schafft, sich und Andreas mit Hilfe von Selbstanalysen zu heilen, und woraus Andreas´ erlittener Missbrauch besteht, ist dem Buch zu entnehmen …

Das Schreibkonzept
Das Buch beginnt mit einem Prosavers und endet mit demselben Vers wieder. Eine Identifikation der Icherzählerin mit dem Fluss … Hier wird man etwas vorbereitet, dass der Roman sich mit tiefen Gefühlen beschäftigt. Man findet in dem Buch viele Reflexionen und Gedanken. Dialoge allerdings sind hier recht rar.

Anschließend beginnt der Roman, der auf 395 Seiten aus 31 Kapiteln besteht. Der Schreibstil ist in einer selbstreflektiven Form konstruiert, indem man hauptsächlich in die Perspektiven der Icherzählerin geworfen wird, die ihre Gefühle und ihre Gedanken und die ihres Partners schon fast detektivisch unter die Lupe nimmt …

Ich fühle so tief ich kannCover und Buchtitel?
Das Cover finde ich etwas zu abstrakt, denn es kann alles Mögliche bedeuten, ist aber trotzdem passend, denn man weiß oftmals nicht, was sich in der tiefen, menschlichen Seele so alles verbirgt, wenn man sich auf die innere Reise begibt. Der Buchtitel hat gehalten, was er versprochen hat. 

Ungeklärte Fragen
Dadurch, dass es kein Autorenporträt gibt, konnte ich meine Frage nicht klären, ob die Autorin aus der eigenen Betroffenheit dieses Buch geschrieben hat? Ich vermute eher schon. Außerdem deckt sich der Name der Autorin Liane, ein Pseudonym, mit dem der Protagonistin.

Meine Meinung
Die Auseinandersetzung mit den Abgründen der Psyche und den vielen blinden Flecken eines Menschen fand ich einerseits ganz interessant, andererseits erlebte ich diesen Leseprozess als etwas zu langatmig. Irgendwann hat man genug von den vielen recht persönlichen Psychoanalysen, auch wenn mir bewusst ist, dass die psychologische Auseinandersetzung in dieser Form viel Mut erfordert. Ich verstehe aber auch Menschen, die sich scheuen, an sich zu arbeiten, nicht, weil sie zu bequem sind, sondern weil sie einfach Angst davor haben, in eine Krise zu geraten, aus der sie selbst mit professioneller Hilfe nicht mehr herausfinden. Nicht jeder hat die Kraft dazu, tief, so tief es geht, in sich zu graben, um die Leichen im tiefsten Keller zu bergen. So manche Psychose entwickelte sich bei einigen Menschen durch die Auseinandersetzung mit ihrer Psyche, mit der sie nicht fertig geworden sind. Ein Selbstschutz, der uns von der Natur mitgegeben worden ist, wird häufig aktiviert, und es gut ist, dass es ihn gibt.

Mein Fazit?
Dies ist ein Buch für alle mit einer verletzten Psyche und für die, die Bereitschaft aufbringen möchten, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, um an sich zu arbeiten, damit ein gesundes Leben auch mit Hilfe von Selbstheilungskräften möglich wird. Ein Buch für alle, die auf gedruckten Seiten erfahrbare Psychologie erleben möchten.

Liane Cornelius lässt anhand ihrer Figuren den psychologischen Selbsthilfeprozess vorleben. 

Vielen Dank an die Autorin für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Meine Bewertung
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
1 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
0 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein
Neun von zwölf Punkten.
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Gelesene Bücher 2018: 26
Gelesene Bücher 2016: 72
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Gelesene Bücher 2011: 86


Samstag, 21. April 2018

Rached Kaiser / Couchsurfen als Experiment: Wirklich ein bequemes Sofa?! (1)


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre 

Ein außergewöhnliches Buch, das ich in dieser Art noch nicht hatte. Es soll ein Erzählband sein, wobei ich mir unter Erzählungen komplett etwas anderes vorgestellt habe. Es scheint mehrere Formen zu geben. Klar, Erzählungen sind kleine Prosatexte, trotzdem hatte ich etwas anderes darunter verstanden. Für mich haben Erzählungen etwas Profundes.
Mit diesem Hintergrund wusste ich erst nicht, unter welchem Label ich das Buch auf meinem Blog einordnen sollte? Ich habe jetzt das richtige gefunden, und zwar das Label Selbsterfahrung. Die Geschichten sind keine fiktiven Geschichten, sondern erfahrene Geschichten aus dem realen Leben entnommen. Sie bestehen hauptsächlich aus einfachen Dialogen und kurzen Beschreibungen des Autors vor und nach einer vorgestellten Geschichte, die auf wahre Begebenheiten beruhen. 

Die Handlung
Der 35-jährige Autor reist für 1,5 Jahre mit einem VW-T2-Bus quer durch Deutschland und beschreibt seine ersten Erfahrungen  als Couchsurfer, die er in zwölf Geschichten gepackt hat. Man fragt sich, was ein Couchsurfer ist? Das habe ich mich zu Beginn des Lesens selbst gefragt. Ein Couchsurfer ist ein Reisender, der kostenlos für ein, zwei oder mehrere Nächte bei einem Host, Gastgeber, essen und übernachten darf. Er kann sich die Stadt mit seinem Host ansehen oder auch alleine. Die meisten Hosts haben ihn auf ihren gesellschaftlichen Veranstaltungen mit eingeladen. Die Erlebnisse mit der unbekannten Stadt waren eher sekundär, da der Autor sich in seinem Buch hauptsächlich über die Beziehung mit seinen Hosts ausgelassen hat.

Wie kommt man an Kontaktdaten?
Es gibt eine kommerzielle Couchsurfing-Community, bei der man Kontaktdaten über sich hinterlassen und über den Host erwerben kann. Die ProbandInnen waren alles Frauen zwischen 19 und 28 Jahren. Vereinzelt gab es ältere Hosts.

Zum Scheibkonzept
Auf der allerersten Seite ist ein Zweizeiler von Rilke abgedruckt ... 
Das Buch beginnt mit einer Einleitung, in der der Autor seine Regeln zum Couchsurfing abgedruckt hat. Auf den späteren Seiten sind acht Couchsurfingregeln abzulesen. Die Kapitel sind durchnummeriert, in denen die Geschichten eingeordnet sind. Es sind insgesamt zwölf Geschichten, demnach zwölf Kapitel. Zu Beginn eines jeden Kapitels wird der Host mit Stammdaten vorgestellt. Der Name ist nicht vollständig. Man erfährt nur den Vornamen des Hosts. 

Stadt:
Name:
Alter:
Profilbilder:
Erstes Bild:
Zweites Bild:
Restliche Bilder:
Über die Person:
Hobbies:
Schlafplatz:

Die Bilder sind nicht mit Fotos hinterlegt. Die Personen auf den Fotos werden beschrieben. Am Ende eines Hostings ist der Titel eines Lieblingsbuchs oder der Titel eines Lieblingsfilms des Gastgebers abgedruckt.
Das Buch endet mit einem Nachwort und mit einer Selbstreflexion über Kaisers Erfahrungen nach der Reise.

Meine Meinung
Obwohl dieses Buch eine komplett andere Form von Literatur ist, habe ich die Geschichten alle interessiert verfolgt. Was sind die Gründe? Weil ich diese Privatsphäre interessant fand, über die man durch den Autor einen Blick hineinwerfen konnte. Als Dauerlektüre oder als Wiederhollektüre würde ich ein Buch dieser Art nicht nochmals lesen wollen, auch nicht von einem anderen Autor. Wer weiß, was Kaiser literarisch noch für Pläne haben wird?  Auf jeden Fall wünsche ich ihm weiterhin viel Erfolg.

Ungeklärte Fragen
Warum hat sich der Autor ausschließlich Frauen als Host ausgesucht? Hauptsächlich junge Frauen. Nur eine Dame war über sechzig und drei über dreißig. Darüber kann man munkeln ... 
Und ich habe mich gefragt, ob die Probandinnen wissen, dass deren Daten und deren persönlicher beschriebener Lebensstil in einem Buch veröffentlicht werden? Auch wenn der Familiennamen fehlt, könnte man Personen durch diese Beschreibungen leicht ausfindig machen. Ich habe alle Berichte als sehr persönlich, manche habe ich zusätzlich auch als sehr peinlich erlebt. Mich wundert es, dass Menschen freiwillig so vieles von sich öffentlich preisgeben, noch in einer Form, die nicht mehr so leicht rückgängig zu machen ist. Mir haben diese Menschen alle leidgetan, denn was erstmal gedruckt ist ... 

Cover und Buchtitel?
Das Cover ist reine Geschmackssache, passt aber wunderbar zu den Geschichten. Die zwei Damen darauf konnte ich nach dem Lesen des Buches wunderbar identifizieren, der Herr scheint der Autor zu sein. Es hat auf jeden Fall ein Wiedererkennungswert.

Mein Fazit?
Ich habe ein Inhaltsverzeichnis vermisst. Als ich nochmals die einzelnen Personen nachschlagen wollte, war es mühsam, sie wieder zu finden. Ansonsten habe ich das Buch als eine interessante, abwechslungsreiche Lektüre erlebt.

Meine Bewertung?
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
0 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein. 
10 von 12 Punkten

Weitere Informationen zu dem Buch

Vielen Dank an den Autor für das Leseexemplar.

·         Taschenbuch: 209 Seiten, 12,90 €
·         Verlag: Kaiser-Verlag; Auflage: 1. (10. Juli 2017)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3000561714
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Da war kein Ort auf der Welt,
den Louis lieber mochte als die Hauptstadt.
Es war nicht der Reichtum,
es war die Vielfalt.
(Aus Louis oder der Ritt auf der Schildkröte)

Gelesene Bücher 2018: 17
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
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Gelesene Bücher 2012: 94
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Montag, 16. Oktober 2017

Milan Meder / I hate you sweetheart

Klappentext
Macho versus Genie. Feuer gegen Wasser. Die Auseinandersetzungen und Machtkämpfe sind dramatisch. Ein größerer Gegensatz zwischen Mann und Frau ist nicht denkbar. Das sind die Gedanken von Johanna und Johannes. So denken auch ihre Freunde. Dann kommt die große Wendung. Johannes versucht Johannas Herz zu erobern. Johanna sträubt sich. Einen größeren und arroganteren Kotzbrocken gibt es für sie nicht.
Johannes ist bis zu einem gewissen Punkt hartnäckig. Er will sein Ziel erreichen.Johanna denkt nicht im Traum daran.In Johannes verändert sich etwas. Zufrieden mit jeder leichten Beute, beginnt er jetzt mit einem geduldigeren Kampf.Leider wird die Sache damit schlimmer.... wird er am Ende sein Ziel erreichen?

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Es ist eine Liebesgeschichte auf wenigen Seiten geschrieben. Gleich auf der ersten Seite beginnen die Dialoge dieser Geschichte. Es spricht eine junge Frau namens Johanna, vielmehr nimmt man an ihren Gedanken teil. Eine Studentin, die in ihrer Traumstadt Freiburg Pädagogik und Medizin studiert.

Sie wird Zeugin, als ein Medizinstudent von zwei anderen Männern verfolgt wird, und so bezeichnet sie diese beiden Verfolger als Machos, ohne die Hintergründe zu kennen. Sie zeigt sich hilfsbereit dem Opfer gegenüber. Sie stellt sich Fragen, weshalb der Student verfolgt wurde, und ob sie in eine Mobbingszene geraten sei oder ob die beiden nur ihre Aufmerksamkeit haben wollten?

Sie zeigt Zivilcourage und setzt sich für das Opfer ein. Doch die Fragen werden lediglich überhört, einer, namens Johannes, konstatiert stattdessen ihre Schönheit. Sie erwiderte ihm daraufhin, dass er ein schwanzgesteuertes Monster sei. Zwar hatte sich Johannes über diese Äußerung geärgert, aber er ging auf diese Beleidigung nicht ein, stattdessen stellte er sich mit seinem Vornamen vor.

Auf den folgenden Seiten finden abwechselnd die Erzählperspektiven zwischen Johanna und Johannes statt. Johanna mag eigentlich keine Machos, und Johannes mag nur schöne Frauen, er ist es gewöhnt, jede zu bekommen … Johannes bezeichnet sich selbst als einen Triebmenschen. So schlecht hat Johanna angeblich mit der Personenbeschreibung nicht gelegen, und das stimmt Johannes nachdenklich.

Sie begegnen sich sieben Jahre später erneut durch Zufall. Johanna ist mittlerweile mit ihrem Studium fertig und lebt in einer festen Beziehung. Ihre nächsten Pläne wären, wie die vieler anderer Menschen auch, den klassischen Weg einzuschlagen. Nach der Berufsausbildung heiraten, ein Haus bauen und Kinder bekommen.

Merkwürdigerweise fühlt sich Joanna nach diesem Treffen zu Johannes sehr stark hingezogen, und Johannes zu ihr. Was ist mit Johannas Emotionen los? Am Ende stellt sich heraus, weshalb Johannes und sein Mittäter den Studenten verfolgt hatten.


Wie hat mir diese kurze Liebesgeschichte gefallen?

So dramatisch fand ich die Geschichte jetzt nicht, und die Machtkämpfe, wie sie im Klappentext stehen, fand ich auch nicht so schlimm. Die Gegensätze hätten deutlicher hervorgebracht werden sollen. Die Szenen habe ich als sehr seicht empfunden und die Charaktere der ProtagonistInnen hatten auch nicht so viel Tiefgang, wenn man bedenkt, dass Menschen von Natur aus sehr facettenreich sind. Die Szenen habe ich nicht wirklich als authentisch empfunden. Manche Begriffe fand ich nicht richtig gewählt, wie z.B. Macho und Triebtäter. Warum ist Johannes ein Triebtäter? Triebtäter sind kriminalistisch, vergewaltigen Frauen, etc. und man ist auch nicht per se ein Macho, nur weil man einen Mann verfolgt ... 

Ansonsten fand ich die Geschichte von der Idee her nicht schlecht, sie ist aber auf jeden Fall ausbaufähig. Man kann mehr aus ihr machen, sie fantasievoller gestalten. Man muss mehr aus ihr machen, wenn anspruchsvollere Literatur daraus werden soll. Aber vielleicht hat der Autor diesen Anspruch gar nicht, und findet seine Geschichte so wie sie ist perfekt, dann kann die Geschichte so bleiben, wie sie ist. Sie wird ihre Leserschaften finden, davon bin ich überzeugt, da es für jeden Schreibtyp die passenden LeserInnen gibt.

Auf jeden Fall wünsche ich Herrn Medin dabei viel Erfolg.


Wie kam dieses kleine Heftchen zu mir? 

Der Indie-Autor hatte mir eine Anfrage gestellt, seine Liebesgeschichte zu lesen.


Weitere Informationen zu dem Buch

·         Taschenbuch: 28 Seiten, 3,99 €
·         Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (17. August 2017)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3744888738

Dieses Heftchen kann man mitunter auch auf Amazon bestellten. 




Sonntag, 26. Juni 2016

Olivia Monti / Luna Park, Teil 2

Jahrmarkt der Gier


Klappentext
Musstest du schon einmal eine Million Euro verdienen, um nicht zu verhungern? Genau das passiert den Freunden Dugo, Brauni, Camel und Zaza, als ihre Geisterbahnfahrt in der Parallelwelt des Luna Parks endet. Jeder bekommt im Park sofort einen Job. Nur wer eine Million verdient, darf wieder nach Hause. Es ist die Hölle der Gier. Alle dort denken nur noch ans Geldverdienen. Wer keine Million verdient, der muss auf unabsehbare Zeit im Park bleiben und steigt dort immer mehr ab, bis er im armen „Luna Park Süd“ schließlich auf der Straße landet und bettelt. Brauni wird im reichen „Luna Park Nord“ ein erfolgreicher Banker und soll faule Hypothekenpapiere an seine Freunde verkaufen. Camel soll mit seiner Spielhölle armen Schluckern im Süden den letzten Cent aus der Tasche locken. Entkommen dem Park am Ende nur diejenigen, die über Leichen gehen? Band 1 erschien unter "Luna Park, Jahrmarkt des Grauens".

Autorenporträt
Olivia Monti (im realen Leben Olivia Kleinknecht), 1960 in Stuttgart geboren, studierte Rechtswissenschaft in München und promovierte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz über die "Positivität des Rechts" bei Niklas Luhmann. Seit 1994 ist sie freie Autorin. Sie publizierte u.a. bei der Frankfurter Verlagsanstalt, S. Fischer und Edition Epoca.
Ich habe ein paar Seiten gelesen und bin neugierig, wie sich diese fantastische Geschichte weiterentwickeln wird. Es ist ein Jugendbuch, ich schätze mal ab 12 Jahren.

Die Autorin Olivia Monti ist mir unbekannt und das Buch fand so auf ganz ungewöhnlichen Wegen zu mir. Die Autorin hat bei mir angefragt, ob ich Lust hätte, ihr Buch zu renzensieren. Ich stimmte zu und habe das Buch schließlich zugeschickt bekommen.
Es ist mein erstes Indie-Buch, das ich gerade lese.

Teil 1 und Teil 2 könne man unabhängig voneinander lesen …

Leider musste ich das Buch wieder abbrechen, da es mir zu klischeehaft war. Nichts für Jugendliche, die es hier mit vorgefasster Meinung zu tun bekommen. 

Weitere Informationen zu dem Buch


  • Taschenbuch: 424 Seiten, 12,83 €
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (5. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 153088960X
  • ISBN-13: 978-1530889600


Samstag, 28. Mai 2016

Rabih Alameddine / Eine überflüssige Frau (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich habe wieder mal so viele Klebezettelchen zwischen den Seiten haften, die ich aber nicht alle bearbeiten kann, um nicht zu viel zu verraten. Aber symbolisch zeigt es, wie viel der Autor zu dem Thema zu sagen hat ...

 Es ist intellektuell sehr tiefgründig, wenn mir auch viele Gedanken der Protagonistin Aaliya ein wenig belastend erschienen sind, auch wenn sie berechtigte Gründe für diese Gedanken hat. Aber schon der Titel Eine überflüssige Frau hat für mich etwas Schweres.

Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein.
Aaliya ist 72 Jahre alt und lebt allein in einer Wohnung in Beirut. Allein, seit sie mit Anfang zwanzig kinderlos von ihrem Mann geschieden wurde. Seitdem umgibt sie sich mit Büchern. Sie arbeitet als Buchhändlerin und übersetzt jedes Jahr eines ihrer Lieblingswerke ins Arabische. Wieder neigt sich das Jahr dem Ende zu und zum ersten Mal ist Aaliya unsicher, welches Buch sie als nächstes übersetzen soll. Sie beginnt, ihr Alter zu spüren. Erinnerungen durchziehen ihre Gedanken. An ihre Familie. An das Leben in Beirut während des Bürgerkriegs. An Hannah, ihre einzige Freundin. 
Ein Mensch, der aus einer dominant patriarchalischen Gesellschaft stammt, in der es viele von Männern geführte Bürgerkriege gibt und die Frau, die nicht den Normen ihrer Gesellschaftsordnung entspricht, da kann ich mir schon sehr gut vorstellen, wie eine Frau wie Aaliya sich fühlen muss: ungeliebt und überflüssig ...

Eine Frau, die ganz in der Welt der Bücher lebt und dort abtaucht, dass man denkt, sie benötigt keine andere Welt. Sie findet dort ihre PartnerInnen und ihre FreundInnen. Eine Frau, die die Romanfiguren besser kennt, als die Figuren aus ihrem realen Leben … Aaliya bezeichnet sich auch nicht wirklich als ein Menschenfreund … Auf Menschen bezogen, identifiziert sie sich eher mit einem Blinddarm, da der Blinddarm ein überflüssiges Anhängsel sei. Dieser und andere sind schon recht trübe Vergleiche. Mich stimmte es ein wenig traurig, dass eine Gesellschaft einen Menschen so etwas fühlen lässt. Eine Frau, die lieber mit einem Gewehr das Bett teilt, als mit einem Mann, der sich nicht mit den Bedürfnissen einer Frau auseinandersetzen möchte. Und die Frau für die Impotenz ihres Mannes verantwortlich gemacht wird. Aaliya gebraucht hier das Bild eines Moskitos mit einem schlaffen Rüssel. :-)

Recht betroffen haben mich auch die Szenen zwischen Aaliya und ihrer Mutter gemacht. Der vernichtende Umgang von Frauen mit Frauen innerhalb der Familie wird hier in den Vordergrund gerückt. Frauen, die davon überzeugt sind, dass es richtig ist, sich den Vorstellungen und Erwartungen der Männer unterzuordnen, weil sie selbst es nicht geschafft haben, sich dagegen zu stellen … Eine Mutter, die scheinbar nur ihre Söhne liebt, weil sie nicht anders zu lieben gelernt hat ... Eine Mutter, die den Kontakt zu ihrer Tochter abgebrochen hat, als die Ehe in die Brüche ging, und erst wieder auf sie zuging, als sie im hohem Alter ein Pflegefall wird, und die Söhne, die sie so sehr liebt, sie nicht mehr haben wollten …

Auch von ihrem Umfeld her wird Aaliya gemieden. Gleichgesinnte findet die Protagonistin in den Figuren ihrer Bücher. Figuren und AutorInnen, die ebenso einsam sind wie sie selbst. AutorInnen, die das Leben nicht ausgehalten haben. Sie alle begannen  einen Suizid. Sie nennt eine Reihe von bekannter AutorInnen aus der westlichen Welt.

Aaliya befasst sich mit Gedanken, inwieweit die Kunst eine Welt verändern kann? Ist die Kunst in der Lage, die Gedanken eines Menschen so zu wandeln und das Leben danach zu richten, um die Welt damit besser zu machen?
Riesen aus Literatur, Philosophie und Kunst haben mein Leben beeinflusst, aber was habe ich aus diesem Leben gemacht? Ich bleibe ein kleiner Fleck in einem tosenden Universum, das sich kaum um mich schert. Ich bin nichts weiter als Staub, ein Staubpartikel - Staub zu Staub. Ich bin ein Grashalm, auf den der Stiefel des SA-Mannes tritt. 
In Beirut wurden die Ehen arrangiert, und noch immer Bürgerkriege geführt. Wie schwer ist das Leben einer belesenen libanesischen Frau in solch einer Gesellschaft? Welche Entwicklungschancen hat sie? Immerhin genießt sie eine eigene Wohnung mit einem Lesezimmer, davon hätte Virginia Woolf aus ihrer Zeit nur träumen können, wenn ich an ihr Essay Ein eigenes Zimmer denke, aber das reicht nicht aus. Tief in ihrem Inneren sehnt sich Aaliya nach Liebe und Zugehörigkeit, aber nicht nach den vorgegebenen Maßstäben ... So wichtig, wie die Bücher ihr sind, hat sie trotzdem Angst nach ihrem Ableben mit ihnen eingeäschert zu werden ...

Viele Episoden stimmten mich dermaßen nachdenklich bis traurig, da nicht mal Aaliyas Großnichten und Großneffen jemals etwas über ihre Existenz erfahren haben … Wie kann man einen Menschen dermaßen ignorieren?

Mehr möchte ich nicht verraten.

Mein Fazit?

Ich denke, dass selbst in unserer modernen Gesellschaft es Frauen gibt, die, nicht einer Institution wie die der Ehe angebunden sind, und sogar auch partnerlos leben, recht häufig Mitleid ernten. Es gibt Frauen, die sich bewusst für so ein Leben entschieden haben und oftmals werden sie mit Fragen konfrontiert, eher mit angedeuteten Fragen, weshalb sie alleine leben, und ob sie nicht Angst hätten, alleine zu bleiben und alleine alt zu werden … Männer hegen diesen Frauen gegenüber oftmals eine schmutzige Fantasie. Eine andere partnerlose Frau bekam z. B. von ihrem Nachbarn über den Gartenzaun eine riesengroße Karotte aus dem Garten geschenkt, mit der Bemerkung, das solle ein Phallus sein. Diesen Frauen wird von diesen Männern immer ein Mangel angedichtet …

Dem Autor ist es als Mann sehr gut gelungen, sich in die Nöte einer Frau hineinzuversetzen und über sie zu schreiben. Der Roman ist in eine wunderbare, fantasievolle Sprache gepackt, ohne dass sie schnulzig wirkt, mit so vielen interessanten, kritischen und reflektierenden Ideen und Gedanken, die das Leben einer Frau wie Aaliya auf den Kopf stellt.

Ich stellte mir oft die Frage, wie viel Gesellschaft braucht ein Mensch, um in sich ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln zu können? Wie viel davon benötigt eine Frau? Aaliyas Selbstbewusstsein hat aus meiner Sicht durch die Isolation und den Rückzug mit ihren Büchern aber auch einen Riss in ihrer Persönlichkeit, in ihrer Identität …

Aber man nimmt nicht nur an dem Leben von Aaliya teil, nein, auch an dem Leben mit ihren Büchern, über die sie viele Gedanken austauscht, dazu noch viele Gedanken zu den Biografien ihrer bevorzugten AutorInnen. Jede Menge SchriftstellerInnen, die aus einer modernen Gesellschaft kommen, die dennoch in der Einsamkeit versackt sind und das Leben als unerträglich empfanden.

Es ist also nicht nur ein libanesischer, Beiruter Gesellschaftsroman, sondern auch ein Buch über Bücher.

Wegen der zahlreichen Schreibfehler erhält das Buch von mir neun von zehn Punkten.

© Mirella Pagnozzi


Weitere Informationen zu dem Buch 

Gebundene Ausgabe: 470 Seiten, 24,90 €
Verlag: Louisoder; Auflage: 1. (24. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3944153308
ISBN-13: 978-3944153308
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Der Geist als der einzige Ort, an dem man sich verstecken kann.
(Rabih Allemadine)

Gelesene Bücher 2016: 31
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