Sonntag, 15. Juli 2018

Wie leicht kommt ihr mit euren BuchhändlerInnen ins Gespräch?


Wie leicht fällt es euch, mit der Buchhandlung eures Vertrauens ins Gespräch zu kommen? Nun, ich habe von zwei Freundinnen gehört, dass sie es sehr gut schaffen, mit ihrer Buchhändlerin ins Gespräch zu kommen. Es sei dadurch eine richtig gute Beziehung entstanden. Und so habe ich den Versuch gestartet, hier in Darmstadt mit der einen oder anderen Buchhandlung über die von mir gelesenen Bücher zu sprechen, die sie im Geschäft ausgestellt hatten. Bei zwei Buchläden ist mein Versuch dazu kläglich gescheitert. Ich bin auf taube Ohren gestoßen. Nicht, dass ich geplappert hätte wie ein Wasserfall, nein, ich hatte mich ganz dezent herangetastet, und nichts hat sich getan.

Eine andere Freundin beklagte, dass ihre Buchhändlerin nicht einmal wusste, was ein Bücherblog sei. Ja, das kann man nicht nachvollziehen, aber soetwas gibt´s auch. 

Mit der dritten Buchhandlung hatte ich ein ganz klitzekleines mehr Glück gehabt. Nur leider ließ sich der Gesprächsstrang nicht halten, denn ehe ich mich´s versah, kam die Buchhändlerin gleich mit einem Buch zu mir, das ich unbedingt lesen sollte. Ich sagte ihr, dass ich derzeit durch meine noch ungelesenen hohen Büchertürme keinen Bedarf sehe, mir neue Bücher anzuschaffen. Ich wollte nicht unhöflich sein, und so ließ ich meinen Diskussionsbedarf zu einem von mir ausgesuchten Buch wieder fallen. Nachdem die Buchhändlerin mit ihrem Vortrag zu ihrem Buch fertig war, ergriff ich erneut die Gelegenheit, über ein anderes Buch zu sprechen. Innerhalb weniger Sekunden hatte die Buchhändlerin mir zwei weitere Bücher angeschleppt.

Schade, dass so gar kein Austausch zustande kam. Über ein Buch lässt sich nur austauschen, wenn beide Seiten dasselbe Buch gelesen haben. Die beiden Bücher, die ich mir in dem Buchgeschäft ausgesucht hatte, hatte die Buchhändlerin zwar auch gelesen, sie aber keinen Austausch mit mir gesucht hatte, denn schließlich hatte ich die von mir ausgewählten Bücher schon und konnten an mich nicht mehr herangetragen werden, und sie aber geschickt die Gelegenheit fand, meinen Lesegeschmack herauszufinden. Unsere Interessen waren leider verschieden. Ich suchte den Austausch, während sie die Kundin in mir suchte. Let´s go, sie hat nur ihren Job getan, wofür sie ja auch bezahlt wird.

Mein Fazit?
Über diese Ereignisse, mit den BuchhändlerInnen ins Gespräch zu kommen, bin ich, wie oben schon erwähnt, kläglich gescheitert. Seitdem bin ich wieder nur brave Kundin, suche mir still meine Bücher aus, die ich zum Bezahlen ohne ein Wort zu sagen schließlich an die Kasse trage und den Buchladen danach wieder verlasse.

Schade, denn es ist total schön, über Bücher zu reden, verbal, nicht immer nur über den schriftlichen Weg, indem man ständig über die Ausdrucksform nachdenken muss, und dadurch eine gewisse Spontaneität an Sprache verloren geht.

Mir kommt gerade der Gedanke, dass ich mein Interesse eventuell anders anpacken müsste. In der letzten Buchhandlung sind die Angestellten wirklich belesen, während in den ersten beiden oben erwähnten Buchläden ich mir nicht sicher bin, ob die Angestellten lesen und verkaufen, oder nur verkaufen. Eventuell müsste ich das nächste Mal offen deutlich machen, dass ich erstmal nur den Austausch suche.

Bis auf Weiteres.

Dienstag, 10. Juli 2018

Joanne K. Rowling / Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Band 7)Klappentext
An eine Rückkehr nach Hogwarts ist für Harry nicht zu denken. Er muss alles daransetzen, die übrigen Horkruxe zu finden. Erst wenn sie zerstört sind, kann Voldemorts Schreckensherrschaft vergehen. Mit Ron und Hermine an seiner Seite begibt sich Harry auf eine gefährliche Reise durch das ganze Land. Als die drei auf die rätselhaften Heiligtümer des Todes stoßen, muss Harry sich entscheiden. Soll er dieser Spur folgen? Doch welche Wahl er auch trifft – am Ende des Weges wird der Dunkle Lord auf ihn warten …
Dies ist der siebte und letzte Band der international erfolgreichen Harry-Potter-Serie, die Generationen geprägt hat.

Alle Bände der Serie:

Harry Potter und der Stein der Weisen
Harry Potter und die Kammer des Schreckens
Harry Potter und der Gefangene von Askaban
Harry Potter und der Feuerkelch
Harry Potter und der Orden des Phönix
Harry Potter und der Halbblutprinz
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes


Die Harry-Potter-Serie ist abgeschlossen.


Autorenporträt
J.K. Rowlings Harry-Potter-Romane haben weltweit Rekorde gebrochen und sind vielfach ausgezeichnet worden. Sie wurden über 500 Millionen Mal verkauft, in 80 Sprachen übersetzt und haben auch im Kino Fans auf der ganzen Welt begeistert. Es gibt drei Begleitbände zur Serie, die J.K. Rowling für wohltätige Zwecke geschrieben hat: Quidditch im Wandel der Zeiten und Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind zugunsten von Comic Relief und Lumos, Die Märchen von Beedle dem Barden zugunsten von Lumos. J.K. Rowling hat außerdem das Drehbuch zu Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind verfasst, dem Auftakt einer fünfteiligen Filmreihe. Gemeinsam mit Drehbuchautor Jack Thorne und Regisseur John Tiffany entwickelte sie das Theaterstück Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil eins und zwei, das seit 2016 im Londoner West End aufgeführt wird und 2018 am Broadway Premiere feierte. 2012 gründete sie Pottermore, ein Onlineportal, auf dem Fans Neuigkeiten, Artikel und Beiträge von J.K. Rowling finden können. Sie hat auch einen Roman für Erwachsene geschrieben, Ein plötzlicher Todesfall, und unter dem Pseudonym Robert Galbraith Kriminalgeschichten rund um den Privatdetektiv Cormoran Strike verfasst. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Order of the British Empire, den Companion of Honour, den Légion d’honneur und den Hans Christian Andersen Preis.

Meine ersten Leseeindrücke

So, nun ist der siebte und der letzte Potter-Band dieser Serie bei mir angekommen. Dann habe ich es geschafft. Das hätte ich niemals gedacht, dass ich durchhalten werde. Hierbei ein großes Dankeschön an meine beiden Bücherfreundinnen Tina und Monerl.

Im August lese ich nochmals den ersten Band. Das wird mir Freude machen, weil ich die Zukunft dieses Fantasyromans mittlerweile kenne. Ich werde den ersten Band richtig geneßen. Ich freue mich schon darauf. Ich habe den ersten Band vor mehreren Jahren gelesen und bin nicht über den ersten Band hinausgekommen, da er mir zu kindlich war. Das war auch der Grund, weshalb ich diesen Band nicht nochmals lesen wollte. Ich hatte ja nicht vergessen, was die Hauptthemen waren. Die waren in meinem Kopf noch präsent.

Der siebte Teil liest sich recht gut. Habe soeben meine 200. Seite erreicht. Aber trotzdem werde ich erst Mitte nächster Woche damit durch sein.

Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil eins und zwei (Special Rehearsal Edition Script)Es macht mir mittlerweile Freude, diesen Potter zu lesen. Ich könnte mir vorstellen, mir auch diesen Band anzuschaffen, auch wenn er nicht viel mit den Vorgängern zu tun hat. 
Zumindest hat Potter hier die Schule hinter sich. Diesen Potter würde ich mir schließlich im September vornehmen.

Weitere Informationen zu dem Buch

·         Gebundene Ausgabe: 736 Seiten
·         Verlag: Carlsen; Auflage: 1 (Oktober 2007)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3551577773




Samstag, 7. Juli 2018

Helmut Böttiger / Wir sagen uns Dunkles (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre 

Eine Liebesbeziehung zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann, wie ich sie nicht erwartet habe, obwohl der Buchtitel darauf hingewiesen hat, dass Dunkles, Schweres zwischen ihnen stehen könnte, über das sie sprechen müssten. Ich konnte anfangs, vor dem Lesen dieses Buches, nur spekulieren, was das Dunkle bedeuten könnte, da ich den Klappentext überflogen habe, weil ich selbst meine Entdeckungen machen wollte. Immerhin habe ich an der Universität studiert, an der Ingeborg Bachmann doziert hatte. In der U-Bahn-Station, Bockenheimer Warte in Frankfurt Main, ist an der Wand ein Hörsaal der Goethe-Universität abgebildet, auf der Ingeborg Bachmann als Dozentin zu sehen ist.

Hier geht es zur Erinnerung zum Klappentext und zu den Buchdaten.

Sie sagen sich Dunkles, tauschen sich darüber aus, weil es Zeit wird, das Dunkle nicht weiter zu verdrängen, sondern es an die Oberfläche zu holen. Dieses Dunkle ist eine Gemeinsamkeit, die Celan und Bachmann miteinander zwar teilen, aber in einer entgegengesetzten Form. Obwohl sie beide, aus meiner Sicht, sich geistig sehr ähneln, quasi wie Zwillingsseelen auf mich gewirkt haben, so sind es die politischen Umstände, die unterschiedliche Herkunft und die unterschiedlichen Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus, die sie getrennt haben. Während Celan ein Verfolgter der Nazis war, war Bachmann vom Leben eine begünstigte Österreicherin, wie Böttiger das so schön ausgedrückt hat.
Paul Celan und Ingeborg Bachmann lernten sich in Wien 1948 kennen. Zwischen ihnen beiden entstand eine Liebesbeziehung, die leider auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten war.

Paul Celan
Paul Celan war ein deutscher Jude. Nicht nur, dass er selbst in Rumänien im Arbeitslager von 1942 bis 1945 eingesperrt wurde, und man ihn dort zu Zwangsarbeit verurteilt hatte, verlor er auch seine Eltern, die nach Transnistrien, Ukraine, abtransportiert und dort im KZ ermordet wurden. Ein schweres Trauma für den Sohn Paul, der das Arbeitslager wie durch ein Wunder überlebt hat, er aber für den Rest seines Lebens gezeichnet war.

Celan wurde am 23.11.1920 in Czernowitz, damals noch Rumänien, geboren. Seine Gedichte sind geprägt von diesen horriblen Erlebnissen des Nationalsozialismus. Eigentlich ist der Name Celan ein Pseudonym, das abgeleitet wurde aus dem Geburtsnamen Antschel, der später mit Ancel rumänisiert, und daraus das Anagramm Celan gebildet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchtete Celan erst nach Österreich und zog später weiter nach Frankreich, wo er in Paris bis zu seinem Freitod, 1970, lebte. Paul Celan ertränkte sich in dem Fluss der Seine.
1947 wurde in Bukarest das Gedicht Die Todesfuge auf Rumänisch gedruckt und veröffentlicht. Das Gedicht erschien in der Zeitschrift namens Contemporalus.

Ingeborg Bachmann
Die österreichische Lyrikerin und Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, nur sechs Jahre jünger als Paul Celan, wurde am 25.06.1926 in Klagenfurt, die Hauptstadt vom Bundesland Kärnten, geboren und ist 1973 in Rom durch einen Brand in ihrer Wohnung ums Leben gekommen. Sie war gerademal 47 Jahre alt. Die Art und Weise wie Bachmann umkam, hat sich für mich aus dem Buch wie ein passiver Suizid herausgelesen. Sie litt an einer Polytoxikomanie, sodass sie in ihrem Medikamentenwahn nicht bemerkt hat, wie sie durch eine brennende Zigarette die Wohnung und sich selbst in Brand gesetzt hat.

Auch Ingeborg Bachmann ist von den Nazis geprägt, da die Nationalsozialisten schon in den Anfängen der 1930er Jahre in Kärnten einmarschiert sind. Bachmanns Vater trat zu dieser Zeit in die NSDAP ein. Der Einmarsch Hitlers Truppen prägte Bachmanns Kindheit massiv. Ein Auszug aus ihrem Tagebuch:
(…) diese ungeheure Brutalität, die spürbar war, dieses Brüllen, Singen und Marschieren - das Aufkommen meiner ersten Todesangst. Ein ganzes Heer kam da in unser stilles, friedliches Kärnten … (40f)

Über die zusätzlichen Schrecken des Krieges gibt es eine Szene, die ich mir unbedingt herausschreiben musste. Eine Szene, die ich erschreckend und faszinierend zugleich finde:
Obwohl Nachbarn durch Bombenabwürfe getötet worden sind, flüchtete sie nicht mehr in den Bunker, wo sie es wegen der schlechten Luft und der >>stumpfen, stummen Massen<< kaum aushält. Sie stellt sich einen Sessel in den Garten und liest dort: "Ich habe mir fest vorgenommen, weiter zu lesen, wenn die Bomben kommen“. (2018, 46).
Auch Ingeborg Bachmann ist ein traumatisiertes Kind. Dass der Vater Nazianhänger war, das muss man auch erst mal verkraften, besonders nach dem Krieg, als die Naziverbrechen immer mehr ans Licht kamen. Bachmann zog es nach Italien, wo sie in Rom ihr Leben als freie Schriftstellerin bis zu ihrem Tod fortsetzte. 

Celan schrieb mehrere Gedichte, die er seiner Geliebten gewidmet hat.
Corona zählt zu den vierundzwanzig Gedichten in Mohn und Gedächtnis. Ingeborg Bachmann fand dieses Gedicht als das schönste, das Paul Celan für sie geschrieben hat.
Momente aus >>Corona<< werden zu Formeln, die im weiteren Verlauf ihrer Beziehung wie eine gegenseitige Versicherung verwendet werden. (…) Die >>Gedichte<< sind auf jeden Fall das Maß ihrer Beziehung, sie sind ihre Grundlage. Und zu ihrer Eigenart gehören wesentlich auch dunkle Stellen – es ist die Form von Dunkelheit, die in >>Corona<< vielleicht ihren vollkommensten Ausdruck findet. (…) >>Corona<< wurde in Wien geschrieben. Dieses Gedicht scheint auf eine verborgene viel mehr über die Beziehung zwischen Bachmann und Celan auszusagen, als es konkrete Daten und Dokumente vermögen. (51f)

Mehr möchte ich nicht verraten und verweise Weiteres auf das Buch.

Das Schreibkonzept
Eine literaturwissenschaftliche Doppelbiografie, die in einer sachlichen Sprache abgefasst wurde. Auf den 270 Seiten ist das Buch in vierzehn Kapiteln gegliedert, die kurz und präzise geschrieben sind. Auf einigen Seiten sind von Celan und Bachmann Schwarz-Weiß-Fotografien abgebildet. Auch ein paar wichtige Gedichte der beiden LyrikerInnen kann man dem Buch entnehmen. Die Gedichte sind sehr ausdrucksstark und bespickt mit vielen Metaphern.

Wir sagen uns DunklesCover und Buchtitel
>>Wir sagen uns Dunkles<<, diese Verszeile ist der Code ihrer Liebe. (51), denn es wird Zeit, dass man weiß und man aufhört, die Schatten, die der Nationalsozialismus in vielen Teilen Europas geschlagen hat, noch weiter stumm zu ertragen. Mich hat sowohl das Cover als auch der Buchtitel angesprochen.

Meine Meinung
Zwei sehr traurige Schicksale an Menschen, die mir mehr als sympathisch waren. Mich haben sie sehr bewegt und gleichzeitig traurig gestimmt. Bachmann und Celan reden über das Dunkle hauptsächlich aber in Dichtform. Opfer war nicht nur Celan, auch Bachmann war ein Opfer ihrer Zeit, wie ich oben schon geschrieben habe.
Es sind die Gedichte, die Celan und Bachmann zusammenbringen, aber die politische unterschiedliche Herkunft sie beide getrennt hat. Sowohl Bachmann als auch Celan waren psychisch gesehen keine gefestigten Persönlichkeiten, beide sterben auf eine recht tragische Art und Weise.
Ein wenig störend fand ich in dem Buch die vielen Interpretationen zu den beiden DichterInnen. Es blieb dadurch wenig Raum für eigene Gedanken. Für LeserInnen, die zuvor noch keine Biografien dieser beiden Peersönlichkeiten gelesen haben, können die vielen Interpretationen ein wenig anstrengend wirken. Ansonsten habe ich durch das Buch viel Neues erfahren können. 
  
Mein Fazit?
Wären die Gedichte von diesen beiden DichterInnen nicht so furchtbar traurig, fände ich sie wunderschön. Denn wie kann Dunkles, Grauenvolles schön sein?  In dieser Doppelbiografie habe ich eine Liebesbeziehung erlebt, die ich nach außen hin allerdings als sehr still wahrgenommen habe, nach innen wiederum sehr laut. Oder besser gesagt, für mich wirkte das innerliche Leben dieser beiden äußerst sehr sensiblen Menschen lauter als das äußere …
Abgesehen von einer einzigen Abweichung fand ich das Buch von dem Literaturkritiker Hans Böttiger sehr gut recherchiert und interessant ausgefüllt. Ich bin sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben. Es ist zwar ein relativ dünnes Buch, aber reichlich gefüllt mit weiteren Fakten und Informationen, die ich hier in meiner Besprechung nicht erwähnt habe, um anderen LeserInnen nicht zu viel vorwegzunehmen. Ein sehr lesenswertes Buch für Menschen, die sich näher mit diesen beiden außergewöhnlichen DichterInnen befassen möchten.

Weitere Informationen zu dem Buch
Das Gedicht Corona habe ich gesprochen auch auf Youtube gefunden, das ich von der Ausdrucksweise nicht nur gedruckt so schön finde ... 



Meine Bewertung
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Literaturwissenschaftliches, gut recherchiertes Buch
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein
12 von 12 Punkten.

Vielen Dank an den DVA-Verlag und an das Bloggerportal für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.
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Gelesene Bücher 2018: 27
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86


Sonntag, 1. Juli 2018

Helmut Böttiger / Wir sagen uns Dunkles

Vorab eine kurze Leseplanung dazwischengeschoben 

Nach der Hälfte von dem recht umfangreichen Irving von insgesamt 1137 Seiten, Bis ich dich finde, haben meine Lesepartnerin Tina und ich in der Mitte von 577 Seiten eine Lesepause eingelegt, damit wir noch andere Lesetermine wahrnehmen können. Ich stehe zwischen John Irving und Harry Potter, der ebenfalls recht umfangreich ist, weshalb ich erstmal das Buch von Böttiger vorziehen möchte. Tina liest ab dem 1. Juli in der Leserunde von Whatchareadin mit. Bei mir steht immer zum Monatsbeginn ein weiterer Harry Potter an, mittlerweile den letzten Band, lese ich nach Böttiger, den Irving setzen wir Ende Juli fort, den wir dann im Anschluss wie gewohnt rezensieren werden.

Hier die Buchvorstellung zu John Irvings Buch.

Wir sagen uns DunklesUnd im Folgenden die Buchvorstellung Wir sagen uns Dunkles von Helmut Böttiger.

Klappentext
Die Geschichte einer unmöglichen Liebe
Es ist eine Liebesgeschichte, um die sich viele Legenden ranken: Ingeborg Bachmann und Paul Celan lernten sich als junge, noch unbekannte Lyriker im Frühling 1948 kennen, und ihre Beziehung, die immer wieder von Phasen des Rückzugs gezeichnet war, dauerte bis Anfang der Sechzigerjahre, als beide schon längst zu den bedeutendsten Dichtern der deutschen Nachkriegszeit zählten. Kaum jemand wusste von der Nähe der beiden, und sie hielten es auch in der Tat nie lange miteinander aus – zu unvereinbar der biografische Hintergrund, zu groß die gegenseitig zugefügten Verletzungen, zu sehr hatten sie ihr Leben der Dichtung verschrieben. 
Der vielfach ausgezeichnete Kritiker Helmut Böttiger legt die bislang erste umfassende Darstellung der Beziehung Bachmanns und Celans vor. Eine faszinierende psychologische Studie zweier herausragender Dichter, die gemeinsam um Worte rangen, einander brauchten und doch nicht miteinander leben konnten.

„… die Liebesgeschichte dieser beiden Dichter gehört zu den dramatischsten und folgenreichsten Begebenheiten der deutschen Literatur nach 1945“
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Autorenporträt
Helmut Böttiger, geboren 1956, ist einer der renommiertesten Literaturkritiker des Landes. Nach Studium und Promotion war er als Literaturredakteur u.a. bei der Frankfurter Rundschau tätig. Seit 2002 lebt er als freier Autor und Kritiker in Berlin und veröffentlichte u.a. »Nach den Utopien. Eine Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur« (2004) und »Celan am Meer« (2006). Er war Kurator der Ausstellung »Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland« (2009) und Verfasser des Begleitbuchs. 1996 erhielt er den Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik, 2012 den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Für sein zuletzt veröffentlichtes Buch »Die Gruppe 47« wurde er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2013 ausgezeichnet.
Eigentlich mag ich keine Liebesgeschichten lesen, aber hier mache ich mal eine Ausnahme, da die beiden, Paul Celan Ingeborg Bachmann, recht interessante Persönlichkeiten waren.

Weitere Informationen zu dem Buch

·         Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
·         Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt; Auflage: 2 (28. August 2017)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 342104631X

Hier geht es auf die Verlagsseite von DVA.


Freitag, 29. Juni 2018


Was ist euer beliebtester Leseort?
Auf dem Weg zu meiner Dienststelle hatte ich mich heute gefragt, weshalb ich mein Buch zu Hause gelassen habe? Ich lese gerade mit meiner Freundin Tina einen recht umfangreichen Irving, und da wäre es doch angebracht, in dem Buch in jeder freien Minute zu lesen? Vor allem, wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. Dann kam mir die Frage, was denn mein Lieblingsort zum Lesen ist? Ganz klar kam mir die Antwort. Im Rückzug. Zu Hause in meinem großen Ohrensessel umgeben von mehreren Büchertürmen, die noch ungelesen um meinen Sessel herumstehen. Denn ich möchte die Welt in dem Buch genießen, mich ganz darauf einlassen, auf die Sätze, auf die Wortwahl, auf die Charaktere der Figuren, auf die Geschichte, ohne sie lesend mit der Öffentlichkeit zu teilen. Dies betrifft allerdings nur belletristische Bücher. Fachbücher oder Zeitschriften kann ich ohne Weiteres in der Öffentlichkeit lesen, wenn ich morgens nicht zu müde dafür bin. Viele Menschen lesen gerne in Cafés, in den Sommermonaten in Parks ... Das geht bei mir nicht, weil ich zu sehr von den Geräuschkulissen abgelenkt wäre. Außerdem bin ich jemand, die in der Öffentlichkeit gerne unauffällig Menschen beobachtet, sodass ich mich auf das Lesen nicht ausreichend konzentrieren könnte.

Nach Dienstschluss, auf dem Weg nach Hause, bin ich zu sehr mit meinen Gedanken beschäftigt, reflektiere meine Arbeit in der psychiatrischen Einrichtung mit kranken Menschen, mit denen ich zu tun hatte, und verarbeite so meinen Arbeitstag, was mir gelungen oder misslungen ist, um von meinen Erfolgserlebnissen zu zehren, oder um aus meinen Fehlern zu lernen. Zu Hause kann ich schließlich wieder abschalten, genieße die Ruhe, um mich ganz meinen Büchern lesend und schreibend zu widmen.

Welchen Ort präferiert ihr zum Lesen?

Ich bin auf eure Erlebnisse gespannt.



Montag, 25. Juni 2018

John Irving / Bis ich dich finde

Bis ich dich findeLesen mit Tina


Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl

Bis ich dich finde‹ ist die Geschichte des Schauspielers Jack Burns. Seine Mutter ist Tätowiererin, sein Vater ein Organist, der verschwunden ist. Ein Roman über Obsessionen und Freundschaften; über fehlende Väter und (zu) starke Mütter; über Kirchenorgeln, Ringen und Tattoos; über gestohlene Kindheit, trügerische Erinnerungen und über die Suche nach der einen Person, die unserem Leben endlich einen Sinn gibt.  
Laut seiner Mutter war Jack Burns bereits ein Schauspieler, bevor er Schauspieler wurde, doch die lebhaftesten Erinnerungen an seine Kindheit waren die an jene Augenblicke, in denen er den Drang verspürte, sich an der Hand seiner Mutter festzuhalten. Das waren die Augenblicke, in denen er nicht spielte. So beginnt John Irvings elfter Roman, ›Bis ich dich finde‹ – die Geschichte des Schauspielers Jack Burns. Seine Mutter, Alice, ist eine Tätowiererin aus Leith. Sein Vater, William Burns, ist ein junger Kirchenorganist aus Edinburgh und ein »Tintensüchtiger«, dem nachgesagt wird, daß er sich so viele Tattoos stechen lassen wird, bis sein Körper ein einziges Notenblatt und jeder Quadratzentimeter beschrieben ist. Eine düstere Prophezeiung. Doch Alice lässt sich nicht beirren – der tintensüchtige Organist hat längst ihr Herz erobert. Als Jack vier ist, begleitet er seine Mutter auf eine Reise durch verschiedene Ost- und Nordseehäfen – Hamburg, Kopenhagen, Stockholm, Oslo, Helsinki. Die beiden suchen Jacks Vater, der verschwunden ist. Aber Alice benimmt sich höchst rätselhaft, und der Vater bleibt unauffindbar. Jack wird in Kanada und Neuengland erzogen, doch geprägt – und unauslöschlich gezeichnet – wird er durch seine Beziehung zu älteren Frauen. Erst als er längst kein kleiner Junge mehr ist und als Hollywoodstar in Transvestitenrollen Triumphe feiert, bricht Jack noch einmal – allein – nach Europa auf.

Autorenporträt
John Irving, geboren 1942 in Exeter, New Hampshire, lebt in Toronto. Seine bisher vierzehn Romane wurden alle Weltbestseller und in mehr als 35 Sprachen übersetzt, vier davon verfilmt. 1992 wurde Irving in die National Wrestling Hall of Fame in Stillwater, Oklahoma, aufgenommen, 2000 erhielt er einen Oscar für die beste Drehbuchadaption für die Verfilmung seines Romans ›Gottes Werk und Teufels Beitrag‹. 2013 erhielt er die weltweit wichtigsten Auszeichnungen für seine Darstellung von sexueller Toleranz und Gleichbehandlung in seinem literarischen Werk.

Auszeichnungen

  • John Irving erhält den Straight for Equality in Literature-Award in New York. PFLAG, die amerikanische Non-Profit-Organisation für Familien und Freunde Homo-, Bi- und Transsexueller, würdigt damit John Irvings Bestreben für sexuelle Toleranz und Gleichbehandlung in seinem literarischen Werk. , 2013
  • John Irving erhält den Lambda Literary Foundation Bridge Builder Award der weltweit größten LGBT(Lesbian, Gay, Bisexual and Transsexual)-Literatur-Organisation , 2013
  • John Irving wird im Januar als Mitglied in die ›American Academy of Arts and Letters‹ aufgenommen , 2001
  • John Irving erhält den Oscar für die beste Drehbuchadaption für den Film ›The Cider House Rules‹ , 2000
  •  Wird in die ›National Wrestling Hall of Fame‹ als ›Outstanding American‹ aufgenommen. , 1992
  •  ›National Book Award‹ für ›The World According to Garp‹ , 1980
  •  ›Guggenheim Werkstipendium‹ , 1976

Verfilmungen

  •  John Irving und wie er die Welt sieht, André Schäfer, 2010/2011
  •  The Door in the Floor - Die Tür der Versuchung, Tod Wiliams, 2004
  •  Gottes Werk und Teufels Beitrag, Lasse Hallström, 1999
  •  Simon Birch, Mark Johnson, 1998
  •  Das Hotel New Hampshire, Tony Richardson, 1984

Da dies ein sehr dickes Buch ist, werden Tina und ich es splitten, damit wir dazu kommen, andere Bücher zu lesen, die auch termingebunden sind. Denn zum Monatsbeginn ist bei mir Potter dran, und Tina liest in der Leserunde mit. Mit dieser ersten Hälfte werde ich bis zum kommenden Sonntag zu tun haben. 

29.06.18
Ich werde Potter verschieben, da der letzte Band auch recht umfangreich ist, und möchte unbedingt zwischen Irving und Potter noch ein Rezensionsexemplar lesen, sonst kann ich Potter nicht genießen. 

Dieses Jahr scheint bei mir das Jahr der dicken Bücher zu sein. 

Weitere Informationen zu dem Buch

Hiergeht es zur Diogenes Verlagsseite. 

·         Taschenbuch: 1152 Seiten
·         Verlag: Diogenes; Auflage: 9 (22. Mai 2007)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3257236212


Samstag, 23. Juni 2018

Liane Cornelius / Ich fühle so tief ich kann (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre  

Gestern Abend habe ich das Buch ausgelesen: Es ist eine ganz andere Form von Literatur gewesen, wie ich sie sonst gewohnt bin ... Das Buch hat psychologischen Tiefgang auf der Ebene von Selbsterfahrung.

Hier geht es zum Klappentext und zu den Buchdaten.

Die Handlung
Man bekommt es in dieser Geschichte mit zwei Menschen zu tun, die in der Kindheit ein schweres seelisches Trauma erlitten haben. Die Icherzählerin Liane, 57 Jahre alt, beschreibt aus ihrer Perspektive ihre gesamte psychische Lebenssituation und in Ansätzen auch die ihres Gefährten. Liane ist körperlich nicht ganz gesund und hat einige schwere Hürden zu überwinden. In kurzen Zeitabständen musste sie sich mehrere Operationen unterziehen. Liane, und sicher jeder andere Mensch in ihrer Lage, stellt sich die Frage, weshalb sie in diesem Alter schon so viele Gebrechen zu erleiden habe? Um die Antwort zu finden, geht sie weit zurück in ihre Kindheit und hinterfragt das Familiensystem, in das sie hineingeboren wurde und sie geprägt hat. Leider erfuhr Liane von ihren Eltern nicht die Liebe, die ein Kind braucht, um gesund aufwachsen zu können. Sehr kühle Eltern, die ihr materiell zwar nichts haben fehlen lassen, allerdings kam die emotionale Zuwendung, die Liebe, viel zu kurz. Liane ist mutig, sie gräbt und gräbt und gräbt tief in ihrer Psyche, um Antworten auf die vielen Fragen zu finden, die sich ihr stellen. Dabei erfährt man ein wenig von der Herkunft der Eltern, und dass auch sie selbst wenig Liebe von ihren Eltern bekommen haben. Dies zu wissen genügt Liane allerdings nicht, denn jeder Mensch sei mit dem Eintreten in das erwachsene Alter für sich selbst verantwortlich, ganz besonders, wenn man eigene Kinder bekommen möchte, um sie nicht mit ihren seelischen Defiziten zu belasten.

Nach den vielen Operationen bekommt Liane häusliche Krankengymnastik verordnet, da sie körperlich stark beeinträchtigt ist. Schon in der ersten Stunde kommen sich Liane und der Physiotherapeut namens Andreas recht nahe. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, obwohl sie Lebenspartner haben. Liane ist mit Toni verheiratet, und Andreas liiert mit Laura. Wenn diese Anziehung fast magisch wirkt, dann spielen äußere Differenzen, wie zum Beispiel der Altersunterschied, keine Rolle, denn Andreas ist gerade mal Anfang dreißig, während Lianes Gemahl Toni schon Ende siebzig ist. Liane und Andreas kommen sich mit der Zeit immer näher, bis Liane entdeckt, was die Gründe dieser Anziehung sein könnten? Beide erlitten in ihrer Kindheit ein schweres seelisches Trauma, doch beide gehen unterschiedlich damit um. Während Liane sich intensiv damit befasst, macht Andreas lieber einen großen Bogen um alles, was mit unangenehmen Gefühlen zu tun hat. Es ist Andreas, der Liane von der ersten Behandlungsstunde anfängt zu duzen. Liane macht dies nachdenklich und vermutet dahinter einen Mutter-Sohn-Konflikt. Und in den weiteren Behandlungsstunden werden beide mit alten emotionalen Konflikten konfrontiert. Liane entgeht nichts. Sie ist aufmerksame Leserin ihrer Gefühle, aber auch die von Andreas, der ihre duale Seele zu sein scheint ...

Zwischendrin wird man immer wieder zurück in Lianes gefühlskarge Kindheit geführt, die auch geprägt war von Entwertung und mangelnder Wertschätzung vonseiten ihrer Eltern …

Andreas wird das zu viel, dieses wiederholte Hinterfragen seiner seelischen Blockaden, die er durch Liane widergespiegelt bekommt, und versucht, sich von ihr zurückzuziehen …

Liane ist adipos, und das schon von Kind auf, da sie das Essen unbewusst als ein Hungern ihrer Seele empfunden habe. Sie kompensiert ihren elterlichen Liebesmangel mit dem Essen.

Wie es mit den beiden weitergeht, ob Liane es schafft, sich und Andreas mit Hilfe von Selbstanalysen zu heilen, und woraus Andreas´ erlittener Missbrauch besteht, ist dem Buch zu entnehmen …

Das Schreibkonzept
Das Buch beginnt mit einem Prosavers und endet mit demselben Vers wieder. Eine Identifikation der Icherzählerin mit dem Fluss … Hier wird man etwas vorbereitet, dass der Roman sich mit tiefen Gefühlen beschäftigt. Man findet in dem Buch viele Reflexionen und Gedanken. Dialoge allerdings sind hier recht rar.

Anschließend beginnt der Roman, der auf 395 Seiten aus 31 Kapiteln besteht. Der Schreibstil ist in einer selbstreflektiven Form konstruiert, indem man hauptsächlich in die Perspektiven der Icherzählerin geworfen wird, die ihre Gefühle und ihre Gedanken und die ihres Partners schon fast detektivisch unter die Lupe nimmt …

Ich fühle so tief ich kannCover und Buchtitel?
Das Cover finde ich etwas zu abstrakt, denn es kann alles Mögliche bedeuten, ist aber trotzdem passend, denn man weiß oftmals nicht, was sich in der tiefen, menschlichen Seele so alles verbirgt, wenn man sich auf die innere Reise begibt. Der Buchtitel hat gehalten, was er versprochen hat. 

Ungeklärte Fragen
Dadurch, dass es kein Autorenporträt gibt, konnte ich meine Frage nicht klären, ob die Autorin aus der eigenen Betroffenheit dieses Buch geschrieben hat? Ich vermute eher schon. Außerdem deckt sich der Name der Autorin Liane, ein Pseudonym, mit dem der Protagonistin.

Meine Meinung
Die Auseinandersetzung mit den Abgründen der Psyche und den vielen blinden Flecken eines Menschen fand ich einerseits ganz interessant, andererseits erlebte ich diesen Leseprozess als etwas zu langatmig. Irgendwann hat man genug von den vielen recht persönlichen Psychoanalysen, auch wenn mir bewusst ist, dass die psychologische Auseinandersetzung in dieser Form viel Mut erfordert. Ich verstehe aber auch Menschen, die sich scheuen, an sich zu arbeiten, nicht, weil sie zu bequem sind, sondern weil sie einfach Angst davor haben, in eine Krise zu geraten, aus der sie selbst mit professioneller Hilfe nicht mehr herausfinden. Nicht jeder hat die Kraft dazu, tief, so tief es geht, in sich zu graben, um die Leichen im tiefsten Keller zu bergen. So manche Psychose entwickelte sich bei einigen Menschen durch die Auseinandersetzung mit ihrer Psyche, mit der sie nicht fertig geworden sind. Ein Selbstschutz, der uns von der Natur mitgegeben worden ist, wird häufig aktiviert, und es gut ist, dass es ihn gibt.

Mein Fazit?
Dies ist ein Buch für alle mit einer verletzten Psyche und für die, die Bereitschaft aufbringen möchten, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, um an sich zu arbeiten, damit ein gesundes Leben auch mit Hilfe von Selbstheilungskräften möglich wird. Ein Buch für alle, die auf gedruckten Seiten erfahrbare Psychologie erleben möchten.

Liane Cornelius lässt anhand ihrer Figuren den psychologischen Selbsthilfeprozess vorleben. 

Vielen Dank an die Autorin für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Meine Bewertung
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
1 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
0 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein
Neun von zwölf Punkten.
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