Sonntag, 18. August 2019

Proust und die Dreyfusaffäre

Seite 240 - 249  

Wieder jede Menge literarische Gespräche, auch über Bücher, die in Serien in Zeitungen gedruckt werden. Proust zeigt sich seinen Schriftstellerkollegen wieder von der besten Seite. Er verhält sich ihnen gegenüber sehr wohlwollend und wertschätzend.

Mit Anne hatte ich schon gestern Abend telefoniert, und so erzählte sie mir, dass sie zwei Textpassagen aus den Briefen herausgeschrieben hat, die ich nun hier im Folgenden zusammen mit ihren Gedanken in der Besprechung hineinkopieren werde.

Annes Eindrücke, die ihr besonders wichtig sind in der brieflichen Auseinandersetzung zwischen Proust und seinen Schriftstellerkollegen Henri de Regnier und Constantin de Brancovan

"An Henri de Regnier
Samstag, 5. August 1899
… Nun, das ist nur ein Vorwand, der mir erlaubt, Ihnen zu sagen, dass die, La Double Maitresse' die wunderbare und köstliche Gefährtin meiner Tage ist. Tage, an denen eine ,dringende Aktualität' die Veröffentlichung hinausschiebt, sind verlorene Tage. Ich glaube, wegen meines so lebhaften konstanten Vergnügens an allem, was Sie schreiben, wegen der andauernden Lust, Sie zu lesen, die mit jeder Seite Befriedigung erfährt und gemehrt wird (,O Sehnsucht, alter Baum, dem die Lust als Rinde dient'), gehöre ich zu denen, welchen die Veröffentlichung den größten Genuss bereitet.

>>Es war so schön zu lesen, wie neidlos Proust die Arbeit des Kollegen würdigt. <<

>>Ja, da stimme ich dir voll zu, liebe Anne. Proust ist wirklich ein sehr, sehr netter Zeitgenosse gegenüber seinen Mitmenschen gewesen.<<

"An Constantin de Brancovan
Samstagabend, 19. August 1899
Mon cher Prince,
soeben habe ich diesen bezaubernden und unleserlichen Brief erhalten. Sie wissen, dass das, was Sie schreiben, die Mühe lohnt, gelesen zu werden, und Ihnen liegt daran, dass man sich diese Mühe macht. Sie sind der Mallarmé der Schrift. Im Grunde handelt es sich dabei um eine zusätzliche Nettigkeit, denn so sorgen Sie dafür, dass ich mehr Zeit mit Ihrem Brief verbringe, als wenn er leicht zu lesen wäre. Da ein Brief wie ein Besuch ist, ist ein schwer entzifferbarer Brief wie ein langer Besuch. Die Ihren sagen: Ich komme nicht nur auf einen Augenblick, ich bleibe den ganzen Tag. Ich habe ihn damit verbracht, Ihren Brief zu lesen, und er ist mir teuer geworden aufgrund der Mühe, die er mir gemacht hat. Aber dessen bedurfte es gar nicht, um ihn zu lieben, und das hätte ich Ihnen gleich sagen sollen, statt dieser albernen Witzeleien..."

>>Ich liebe es, über das Lesen oder Schreiben zu lesen. Als ich diesen Brief gelesen habe, sah ich mich in einer Kemenate sitzen, an einem Holztisch, nur mit einer Kerze als Lichtquelle.<<

Ja, Anne, das kann ich mir sehr gut bei dir vorstellen. Eine weitere schöne Textstelle hast du herausgesucht, auf die ich auch eingegangen wäre. Nun bin ich aber froh, dass du mir das Abschreiben des Textes abgenommen hast. Einen Brief zu lesen und ihn mit einem Besuch gleichzusetzen finde ich einfach genial, wie tief sich Proust trotz Witzeleien mit seinen Mitmenschen befasst hat und welche Gleichnisse er immer wieder in seinem Ausdruck findet. Und noch dazu einen unleserlichen Brief. Andere würden solche Briefe in den Müll werfen.

Mich hat noch die Dreyfusaffäre beschäftigt, die außerdem nicht abgeschlossen ist und Proust sich mittlerweile deutlich zu Dreyfus bekennt. Dreyfus wurde, nachdem er erst freigesprochen war, ein zweites Mal verurteilt, zu zehn Jahren Haft. Neue Lügen machten sich politisch breit, die ihm zum Verhängnis wurden. Das Urteil wurde in einem Casino angeschlagen. In einem Gartenpavillion hört er die kleine Noallies, eine Dichterin, schluchzen, als sie die Verurteilung von Dreyfus vernimmt. Proust schreibt im September an seine Mutter.

An Jeanne Proust
September 1899, Proust ist hier 28 Jahre alt.
Als ich Constantins Gartenpavillon betrat, um dort vor dem Essen zu rauchen, hörte ich Wehklagen. Es war die kleine Noailles, (…) die von Schluchzern geschüttelt und mit erstickter Stimme hervorstieß: >Wie konnten sie das nur tun? Wie konnten sie es wagen, ihm das zu sagen, und das gegenüber dem Ausland, gegenüber der ganzen Welt, wie konnten sie nur?< Sie weinte so heftig, dass es einfach rührend war, und das hat sie in meinen Augen rehabilitiert.

In seinen Augen war die Dichterin rehabilitiert, was für ein schöner Vergleich. Scheinbar hatte er von ihr zuvor kein gutes Bild gehabt, und ihr Schluchzen um Dreyfus zeigt, dass sie ein mitfühlendes Wesen ist, ohne dass ich weiß, in welcher Verbindung sie zu dem Verurteilten stand.

An die Mutter schreibt Proust zu dem:
Sei nicht allzu traurig über das Urteil. Es ist traurig für die Armee, für Frankreich, für die Richter, die so grausam waren, einem erschöpften Dreyfus die neuerliche Anstrengung abzuverlangen, abermals Mut zu fassen. Aber diese physische Tortur, an die moralische Kraft zu appellieren, wenn jemand bereits gebrochen ist, wird die einzige sein, die er noch auszuhalten hat, und dann ist es auch schon vorbei.

Und er hatte recht. Tatsächlich wurde Dreyfus vom französischen Staatspräsident Emile Loubet begnadigt, wie aus der Fußnote hervorgeht. Emilie Loubet, * Dezember 1838, gest. Dez. 1929. Er war von 1899 bis 1906 Staatspräsident. Ein Staatspräsident, der Gutes vollbracht hat. Solche Menschen, vor allem Politiker, möchte ich hier gerne festhalten.

Weiter schreibt er:
Für ihn kann alles nur noch gut ausgehen, in moralischer Hinsicht durch die Wertschätzung der Welt, in physischer Hinsicht durch die Freiheit, die man ihm zur Stunde, wie ich vermute, zurückgegeben hat. Was das Urteil selbst angeht, so wird es auf gerichtlichem Wege kassiert werden. Moralisch gesehen ist es schon passiert.  

Wie recht er hatte. Prousts Mutter hatte tiefes Mitgefühl für Dreyfus, die so wie er auch Jüdin war.

Ich habe mir eine DVD zu der Dreyfusaffäre gekauft, die ich mir aber noch nicht angeschaut habe. Vielleicht nehme ich mir das für morgen vor.

So, dies waren nun auch meine Eindrücke. Viele waren es diesmal nicht, dafür hat Anne für ein wenig Ausgleich gesorgt.

Weiter geht es nächstes Wochenende von Seite 250 bis 259.
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um gelebt, nicht aber um verstanden zu werden.
(Marcel Proust)

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Freitag, 16. August 2019

Meine literarische Reise nach Dublin (4)

Nun ist endlich Wochenende, und ich mich dransetzen kann, über den vierten Dublin-Tag zu schreiben, um ihn hier endlich reinstellen zu können. Das Video, das ich zur Überbrückung hochgeladen habe, lasse ich bestehen und ist am Ende der Besprechung zu finden. 


Unser vierter Tag in Dublin.
Oscar Wilde

Sonntag, 04.08.2019
Der vierte Tag ist ein Sonntag, und die Stadt wirkte um elf Uhr morgens, als läge sie noch in einem tiefen Schlaf. Die Straßen waren frei, und auf den Gehwegen sah man kaum Passanten, ausgenommen die Tourist*innen, die die Stadt füllten. Wir machten uns auf, Oscar Wilde zu besuchen. Man findet ihn in der Innenstadt in einem Park namens Merrion Square. Eine Skulptur, The Oscar Wilde Memorial, mitten auf einem Felsen, wie man auf dem Foto sehen kann. In dem Park gab es noch mehrere Figuren zu sehen, sehr stark leidende Figuren, die mich sehr nachdenklich gestimmt haben. Dublin ist wie ein Museum, überall findet man Statuen, an die man stehen bleiben muss, und nicht einfach an ihnen vorbeigehen kann. Historisch betrachtet weiß ich, dass die Iren viel Leid erlitten haben.

 Und sie haben es geschafft, für ihre Unabhängigkeit zu kämpfen, die sie einst an die Engländer verloren hatten … Gegenüber des Parks, auf der anderen Straßenseite, befand sich das Haus von Oscar Wilde. Leider konnte man seine Lebensräume nicht besichtigen, da hier 1994 ein Amerikanisches College eingezogen ist. Später habe ich allerdings erfahren, dass man die Innenräume durchaus besichtigen kann, aber nur in einer Gruppe von bis zu 25 Personen. Und dies mit Voranmeldung, am besten schon von der Heimat aus.

Muss ich erklären, wer Oscar Wilde war? Ein paar Sätze, obwohl ich mir gar nicht vorstellen kann, dass es Leser*innen gibt, die ihn nicht kennen. Aber vielleicht junge Leute, die noch nichts von ihm gehört haben. Ich hatte Oscar Wilde auch erst in meinen Zwanzigern literarisch kennengelernt.

Oskar Wilde wurde nicht alt. Er wurde 1854 geboren und starb 1900 mit 46 Jahren. Er ist noch früher als Marcel Proust gestorben. Proust lebte aber auch nur fünf Jahre länger. Oscar Wilde war ein irischer Dichter, Dramatiker und Schriftsteller. Ein Jahr nach seiner Geburt zog seine Familie in dieses Haus in georgianischer Architektur und blieb bis 1876 dort wohnen.

Und viele Künstler*innen haben wir gesehen, die an dem Gelände des Parks ihre Malereien ausgestellt hatten. Ich kam mir vor wie in Paris. Paris in Dublin. Manche Bilder durfte ich abfotografieren, manch andere Künstler*innen waren eher kleinlich, sie wollten nicht, dass man ihre Bilder knipst.
Als Nächstes liefen wir weiter die Straße entlang und kamen an das Trinity College, das wir erst vom Campus aus besichtigt hatten. Ich hatte darüber noch gar nichts im Reiseführer gelesen, und so hatten wir das College durch eigene Erkundung entdeckt. Tanja ruhte sich etwas aus, während ich durch den Campus spazieren ging, als ich auf ein Gebäude gestoßen bin, in dem sich viele Menschen befanden. Ich bin die Treppe hoch, und sehe, dass die Türe etwas angelehnt stand, ich aber nicht rein konnte. Ich ging die Treppe wieder runter, und machte mich auf die Suche nach dem Haupteingang. Ich musste einen großen Bogen um das gesamte Gebäude machen, als ich schließlich eine große Schlange an Menschen am Eingang wahrgenommen habe. Ich reihte mich nun auch hinten an. So viele wie wieder hinausgegangen sind, so viele sind hineingelassen worden. Doch vorher ging ich schnell zu Tanja, die noch immer auf der Treppe saß und so bat ich sie, in dem Café auf mich zu warten, das sich ebenfalls auf dem Universitätsgelände befand.

Als ich endlich die Schlange hinter mir hatte, musste man noch an der Kasse 14,00 € Eintritt bezahlen. Danach erst konnte man den Long-Room und anschließend die alte Bibliothek besichtigen. Im Long-Room war das Book of Kells beheimatet. Book of Kells ist eine illustrierte Handschrift aus dem achten / neunten Jahrhundert. Außerdem hatte hier die älteste Harfe Irlands ihren Platz, auf die man als Besucher*in staunend schauen konnte. 

 In einem anderen Raum gab es jede Menge Souvenirs zu sehen und zu kaufen, aber richtig interessant war für mich die alte Bibliothek, die 1732 errichtet wurde, und die sich im oberen Gebäude befand. Wohin das Auge reicht; books, books, books; books and visitors. Es war nicht möglich, ein Foto zu schießen, ohne irgendwelche fremde Leute vor der Kamera zu haben, weshalb ich mir einige Fotos aus dem Internet heruntergeladen habe, die als gemeinfrei deklariert sind. Von wegen, haha, wie zu sehen ist, habe ich die Bibliothek doch ohne die Besucher*innen in meiner Sammlung finden können, allerdings nicht in ihrer Gesamtheit. 

Gegründet wurde das College 1592 von der Königin Elisabeth I für protestantische Studenten. Obwohl eine Frau das College gegründet hatte, durften trotzdem keine Frauen an dem College studieren. Erst 1904 waren auch Frauen zum Studium zugelassen.

Danach sind Tanja und ich in die Innenstadt gelaufen, die voll belebt war, da alle Geschäfte
auch sonntags geöffnet hatten. Beeindruckt hatten uns hier die Preise. Eine Kugel Eis kostete stolze 4,50 €. Aber wir haben es uns gegönnt, und haben je zwei Kugeln bestellt.
Interessant waren die Attraktionen für Kinder. Nicht nur am Meer, auch hier in der Innenstadt sorgt man für die Kleinen für viel Bespaßung. Kleinstfahrräder, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte, wurden den Kindern vorgeführt, um sich selbst auszuprobieren, um darauf zu fahren. Nicht einfach, aber manche haben es geschafft, diese kleinen Vehikel in den Griff zu bekommen.

Danach suchten wir wieder ein Restaurant auf. Es war früher Abend und wir noch nicht zu mittaggegessen hatten. Nach langem Suchen haben wir endlich eine für uns geeignete Gaststätte erobert. Es war eine ehemalige Schuhfabrik, die zu einem Gasthof umfunktioniert wurde. Es war sehr schön darin, aber sehr, sehr laut. Trotzdem hatten wir an den Speisen unsere Freude. Es hat uns geschmeckt und danach sind wir wieder zurück ins Hotel gelaufen. Insgesamt war dies für uns beide ein schöner Tag. Und wieder musste ich in Ruhe meine ganzen Fotos sortieren und auswerten. Außerdem hatten wir vor, am nächsten und letzten Tag den Dubliner Flughafen zu besichtigen. Immerhin besitzt der Flughafen zwei Terminals. So viel wie in Frankfurt, wenn auch der Frankfurter Flughafen um das zigfache größer ist. 

Viel planen wollten wir unseren letzten Tag nicht und wollten ihn einfach  auf uns zu kommen lassen. 

Da morgen wieder Wochenende ist, und Proust auf uns wartet, werde ich den fünften Tag erst Anfang nächster Woche besprechen. Ich werde hauptsächlich meine anderen Fotos dort einfügen, mit jeweils nur wenig Text, damit das Layout nicht verunstaltet wird.

Das Video, das ich zur Überbrückung hier hochgeladen habe, weil ich die Besprechung zum vierten Tag noch nicht geschrieben hatte, möchte ich nicht löschen. 


Nun, bis zum fünften und letzten Tag, der eine kleine Fotogalerie bergn wird. 




Montag, 12. August 2019

Proust und die Verehrung einer Märchenfigur namens Mogli

Seite 228 - 239  

Und wieder gibt es spannende Einblicke aus Prousts Leben. Einige Briefe waren durch die Dreyfusaffäre wieder sehr politisch. Aus einem anderen Brief geht die Erkrankung seiner Mutter hervor. Und erneut gab es interessante Literaturgespräche zu entnehmen, diesmal von einem Märchen, das auch uns gegenwärtig allseits bekannt ist. Spannend war, wie intensiv Proust dieses Märchen in sich eingesaugt hat.

Ich freue mich jedes Wochenende auf Marcel Proust, und ich spüre deutlich, wie sehr er von Brief zu Brief in meiner Seele wächst. 


An Adrien Proust
September 1898, Proust ist 27 Jahre alt
Trouville

Prousts Mutter ist krank, wurde in einem Pariser Krankenhaus notoperiert, aber er spricht nicht über die Art der Erkrankung, da sie als bekannt vorausgesetzt wird, denn er schreibt an seinen Vater und berichtet über die Genesung seiner Mutter. Die Mutter befindet sich nun zur Erholung in einem Kurort namens Trouville, und scheint wieder zu Kräften zu kommen. Proust befindet sich in Trouville an ihrer Seite. In diesem Brief geht es aber nicht nur um die Befindlichkeit der Mutter, sondern auch um die eines jungen Marine-Infanterist, der drei Jahre in Madagaskar zugebracht und sich dort ein tropisches Fieber eingeholt habe. Proust bezeichnet dieses Fieber als eine Art von Blutvergiftung. Das Fieber sei allerdings erst im Heimatland ausgebrochen, immer wieder in Schüben und so bittet er seinen Vater, der von Beruf Arzt ist, um ein Heilmittel oder um eine Überweisung zu einem Spezialisten.

Das fanden wir, Anne und ich, sehr rührend, wie besorgt und Anteilnehmend Proust nicht nur für seine Mutter ist, sondern auch um diesen jungen Mann, wir aber nicht wissen, in welcher Beziehung er zu diesem Menschen steht. Wir werden wohl nicht erfahren, ob der Vater hier hat Abhilfe schaffen können.

An Marie Nordlinger
Dezember 1898

Proust erhält von der Dame eine Weihnachtskarte, über die er sich sehr gefreut hatte. Wie schön er ihr diese Freude zum Ausdruck gebracht hat, liest man an folgender Textstelle:
Mademoiselle, mit Ihrer Weihnachtskarte haben Sie mir eine große Freude bereitet. Wären wir nur Vernunftwesen, würden wir an Geburtstage, Feste, Reliquien, Gräber nicht glauben. Aber da wir auch ein wenig aus Materie bestehen, glauben wir gerne, dass sie auch in der Wirklichkeit etwas darstellt, und wir wollen, dass das, was in unserem Herzen einen Platz hat, auch einen kleinen Platz außerhalb von uns einnimmt, dass es, wie unsere Seele mit unserem Körper, ein materielles Symbol hat.

Diese Sichtweise fanden Anne und ich sehr rührend, sehr weise.

Seine Ansicht zur Weihnachtsfeier hat Proust so schön ausgedrückt, dass ich Weihnachten in diesem Brief, mitten im August, regelrecht riechen konnte.
Und in dem Maße, wie Weihnachten für uns seine Wahrheit als Geburtstag einbüßt, wird es, kraft der zarten Strahlung der angehäuften Erinnerungen, zu einer immer lebendigeren Wirklichkeit, in der das Kerzenlicht, die melancholische Erwartung eines ersehnten Besuchs, der durch den Schneefall verhindert wird, der Duft der Mandarinen, der die Wärme der Zimmer durchtränkt, die Lustbarkeiten in der Kälte und am Feuer, die Gerüche von Tee und Mimosen wieder aufscheinen, überzogen vom köstlichen Honig unserer Persönlichkeit, die wir dort unwissentlich über Jahre hinweg abgelegt haben, Jahre, in denen wir sie – wie gebannt von egoistischen Zielen – nicht mehr spürten und jetzt, mit einem Mal, unser Herz schneller schlagen lässt. (235)

Ist dies nicht ein schöner Text? Aus der Fußnote ist zu entnehmen, dass Proust diese Szene ähnlich in seinem Roman Jean Santeuil, eine Ausgabe von 1965, hat einfließen lassen.

Doch Anne hat angemerkt, dass Proust Madame Nordlinger intellektuell nicht ausreichend gewürdigt habe und er sie auf ihren Humor, auf ihre Art, Witze zu erzählen, reduzierte:
Ich hoffe sehr, (…) dass Sie bald nach Paris zurückkommen. Ich wäre glücklich, wieder in den Genuss ihres so köstlichen Witzes zu gelangen und in den Genuss Ihrer Anmut, die so erfrischend ist wie ein Weißdornzweig. (236)

Wer weiß, vielleicht bekommen wir noch mehr zu dieser Dame zu lesen, um uns ein umfassenderes Bild zu ihrer Charakterisierung und zu ihrem Charme zu machen.

An Robert d´Humiéres
Februar 1899

Robert d`Humiéres ist zusammen mit seinem Kollegen Louis Fabulet Übersetzer von Kiplings Dschungelbuch gewesen. Proust ist in dem Märchen ganz aufgegangen, lobt die Übersetzer.
So hat mir gestern die Revue de Paris mit dem bewundernswerten >Moglis Entführung< einen weiteren Grund gegeben, Sie zu verehren. Auch ich bin entführt worden, bin wie Mogli auf den Schultern der Affen durch den Dschungel gestürmt und habe Freundschaft mit dem Geier geschlossen.

Proust zeigt sich immer voller Dankbarkeit zu seinen Schriftstellerkollegen, wenn sie es schaffen, ihn mit ihren Werken zu verzaubern.
Wenn man sich schon größer fühlt, nachdem man so schöne Dinge gelesen hat, um wie viel mehr muss da nicht derjenige über sich hinausgewachsen sein, der sie so wunderbar übersetzt hat, der viel länger und auf viel vollkommenere Weise Kipling war als ich selbst, der ich ihn verstanden und genauso geliebt habe.

Nun spricht er direkt mit Mogli:
Und auch Sie, lieber Mogli, kleines Menschenkind, sehen in diesem Augenblick den Dschungel vor sich, auf den Sie sich, nachdem Sie Kipling so schön übersetzt haben, geistigen Besitzanspruch erworben haben. Machen Sie sich auf die Suche nach den Pfaden der Affen, den Ruinen der Hindu-Stadt, um mir von alldem erzählen zu können.
Gott weiß, wie sehr mich das interessiert.

Immer wieder erlebt man, wie Proust manche literarischen Figuren nach dem Lesen in sich ein zweites Mal aufleben lässt.

Im letzten Absatz dieses Briefes bedankt sich Proust erneut bei d´Hümières gebührend für die Übersetzung:
Ich kann Ihnen für >Moglis Entfürung< gar nicht genug danken. Mit dieser Übersetzung haben Sie mir eine der größten literarischen Freuden bereitet, die ich je empfunden habe. Ich gehe mit diesem entzückenden Poem bei allen klugen und empfindsamen Menschen hausieren, die ich kenne. Kennen Sie sich in Kiplings Leben aus?

Doch Proust stellt sich auch kritische Fragen, und konfrontiert d´Humières damit.
Wissen Sie, woher bei (Kipling) dieses so eigene Interesse für das Leben der Tiere, all diese Entführungen, diese Reise auf dem Rücken der Elephanten oder Affen oder Panthern führt? (…) Das Einzige, was mir missfällt, ist, wenn es so scheint, als wolle er allegorisch werden, zum Beispiel das Affenvolk, das nichts aufbauen kann usw. Glauben Sie, dass er da eine Allegorie schreiben wollte?

Eine Allegorie zu was? Er befürchtete, dass mit den Affen die Menschen gemeint sein könnten. Hier hätte ich Lust, nochmals Das Dschungelbuch zu lesen. Ich denke, dass ich es tun werde.

Aber ich wollte jetzt auch noch wissen, wie alt Kipling zu Prousts Zeiten war und habe festgestellt, dass der Altersunterschied nicht sehr groß gewesen ist. Rudyard Kipling ist 1865 geboren und 1936 gestorben. Er ist gerade mal sechs Jahre älter als Marcel Proust und hat aber ein deutlich längeres Leben als er gehabt, Proust, der die 50 nicht überschreiten konnte, während Kipling 71 Jahre alt wurde. Und trotzdem war er ein Genosse aus Prousts Zeiten.

Telefongespräch mit Anne
So richtig intensiv haben wir uns diesmal nicht ausgetauscht, da sehr viele Briefe Wiederholungen zu politischen Motiven enthielten. Weitere Gedanken zu Anne habe ich entsprechend im Text deutlich hervorgehoben.

Weiter geht es nächstes Wochenende von Seite 240 bis Seite 249.

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Samstag, 10. August 2019

Meine literarische Reise nach Dublin (3)

Unser dritter Tag in Dublin.  
James Joyce

Samstag, den 03.08.2019

Als Erstes wollten wir uns nach dem Frühstück die Samuel Beckett – Brücke anschauen. Eine wundervolle Brücke im Format einer Harfe. Da ich ja selbst Musik so wahnsinnig liebe, bin ich von solchen Symbolen sehr angetan. Wobei die Harfe eines von mehreren der Wappenzeichen Irlands ist. Warum die Brücke nach Beckett benannt wurde, ist mir bis heute nicht wirklich klar geworden. Im Internet findet man lediglich zur Brückenkonstruktion Informationen, wie zum Beispiel, dass sie 120 Meter lang ist und 48 Meter hoch, und dass sie die Mackenstreet, die Südseite des Flusses, mit der Guild Street im Norden verbindet. Wer die Brücke gebaut hat, und andere Bautechnische Beschaffenheiten kann man auf Wikipedia entnehmen.

Ein paar Meter von der Brücke entfernt befand sich ein Touristenschiff, sodass Tanja und ich die Gelegenheit ergriffen haben, mit dem Schiff mitzufahren. Der Schiffskapitän konnte uns allerdings nicht zusichern, ob wir mitfahren konnten, und bat uns, abzuwarten. Das Schiff war auch schon mit vielen Tourist*innen beleget. Kurze Zeit darauf bekamen wir die Zusicherung, mitfahren zu dürfen. Eine Schifffahrt von 60 Minuten für jeweils 25,00 € pro Person, einfache Fahrt. Gefahren sind wir mit dem Schiff nach City Centre to Dun Laoghaire. Ich informierte mich, ob man von dort aus gut ins James Joyce Centre gelangen könne. Als der Touristenführer bejahte, sind wir eingestiegen. 

Das bunte Irland zeigte sich auch im Meer sehr farbenprächtig. Grüne, gelbe, blaue und rote Leuchttürme bekamen wir zu sehen. Ich fand sie wundervoll, weil ich genau diese Farben so sehr liebe. 

Später, als das Schiff angelegt hat, sind wir an dem Hafen, im Centre Dun Laoghaire, spazieren gegangen. Und so verbrachten wir völlig ungeplant wieder etwas Zeit am Meer, wenn auch nur den halben Tag. 

Danach sind wir dann aufgebrochen, das James Joyce Center aufzuspüren. Ich wurde langsam kribbelig, weil ich es kaum abwarten konnte, endlich sein Haus, das mittlerweile ein Museum ist, zu entdecken. Wir sind weiter mit dem Bus gefahren, hier war mir mein Smartphone, vielmehr Googlemaps, eine große Hilfe, weil es mir angezeigt hat, mit welcher Buslinie wir weiterfahren konnten, um unser Ziel zu erreichen. Und tatsächlich, nicht mehr weit, befanden wir uns mitten im James Joyce Centre. Das gesamte Zentrum war geschmückt mit vielen Statuen und Büsten. Ich habe alles fotografiert, was mir über den Weg gelaufen ist. Wunderbare Figuren …

Bis zu dem Museum war es nicht mehr weit, bis wir plötzlich vor dem Haus standen. Tanja wollte nicht mit mir rein, sie ging stattdessen in ein Café. Keine Ahnung, wie lange ich in dem Museum verbringen wollte, aber ich musste mich festlegen, auf eine Uhrzeit, um Tanja wieder zu treffen, und sie nicht ganz so lange alleine zu lassen. Eine Stunde müsste genügen, dachte ich mir, aber sie hat mir nicht genügt. Ich hätte locker zwei Stunden für die Besichtigung aufbringen können. Das nehme ich aber nicht so eng, ich werde wieder nach Dublin reisen, und ein weiteres Mal das gesamte Zentrum besuchen.

James Joyce hat allerdings nicht sein ganzes Leben in Dublin zugebracht. Wer ist James Joyce eigentlich? Er war ein irischer Schriftsteller, ist 1882 in Dublin geboren und 1941 in der Schweiz gestorben, wo er auch begraben ist. Er verbrachte sein Leben größtenteils in Dublin, Paris, Triest und in Zürich. Bekannt ist der Autor mit den Werken Dubliner und Ulysses. Beide Werke habe ich noch ungelesen in meinem Bücherregal stehen. 

Ulyssus ist keine einfache Leküre, aber zählt zur Weltliteratur. Ein Buch von über 800 Seiten. Es geht um den Protagonisten Leopold Bloom, der aufgezigt, was er an einem einzigen Tag in Dublin erlebt hat. Joyce hat Haare auf den Zähnen, er ist sehr kaltschnäuzig und wahnsinnig sarkastisch und humoristisch. Er nimmt so einige Figuren auf die Schippe. Ich hatte mir in Dublin das eBook runtergeladen, weil ich nach dem Museumsbesuch es nicht abwarten konnte, mir selbst einen ersten Überblick zu dieser Romangeschichte zu verschaffen. James Joyce`Buch wurde damals von den Amerikanern wegen seiner Obszönitäten vehement abgelehnt. Heute feiert der Autor auch bei den Amerikaner*innen große Wertschätzung. 


Durch die Reise nach Dublin bin ich nun sehr neugierig auf diese Bücher geworden. Aber Joyce war nicht nur Literat, nein, er war auch musisch bewandert. Er war Baritonist. Außerdem wurden seine Gedichte vertont und aufgenommen. Im Haus fand ich sein Wohnzimmer und seine Schlafkammer richtig spannend.
Und was sehe ich auf dem Tisch? Das ist der Tisch, an dem Joyce gearbeitet hat, worauf ich ein Werk von Marcel Proust sehe, Jean Santeuil, ein Roman von mehr als 700 Seiten. Leider gibt es dieses Buch nicht mehr bei uns in Deutschland. Mir ist das Buch durch Prousts Briefe bekannt. James Joyce, der elf Jahre jünger als Proust ist, hat auch Proust gelesen. Als ich dieses Buch sah, hüpfte meine Seele innerlich vor Freude mehrere Sprünge, dass ich nun wie durch ein Wunder eine Vorstellung von diesem proustischen Werk bekommen durfte. Dieses Werk in den Händen zu halten, war mir ein Genuss. Ich erlebe es häufig, dass ich Dinge, die ich im eigenen Land nicht finde, sie mir im Ausland völlig unerwartet begegnen. Wie viel hatte ich im Netz recherchiert, viel Zeit hatte ich aufgebracht, weil ich überall nach diesem Buch gesucht hatte. Wer hätte das gedacht, dass ich es ausgerechnet hier in Dublin bei Joyce auf dem Arbeitstisch  liegen finden würde. Ist das zu verstehen, wie beglückt man über solche Begebenheiten sein kann? 

Nachdem ich Joyces Haus besichtigt habe, draußen wartete schon Tanja, sind wir durch dieses Viertel gelaufen und haben die vielen schönen Statuen bewundert. Mir fällt es schwer, eine Auswahl zu treffen, welche Fotos ich von den vielen Fotos, die ich gemacht habe, hier reinstellen möchte. Dadurch, dass das Textbild, bzw. das Layout durch die Fotos hier auf Blogspot stark in Mitleidenschaft gezogen wird, weil Blogspot häufig nicht das Layout wieder gibt, das ich vorgebe. Dieses Problem ist bei vielen Blogger*innen dieser Seite bekannt. 

Ich habe mir überlegt, eine eigene Seite zu erstellen, auf dem ich die Fotos wiedergeben werde, ohne viel Textbeitrag. 

Anschließend gingen wir wieder Essen. Es war schon spät, unser Magen knurrte.
Nach dem Essen sind wir wieder zurück ins Hotel. Wir waren müde, der Tag war lang, aber ich fühlte mich durch diesen Tag stark bereichert.
Im Hotel machten wir uns wieder frisch, danach verarbeitete ich meine Materialien und bereitete mich auf den nächsten Tag vor.

Dies war das Wesentliche aus unserem dritten Tag in Dublin.

Da ich dieses Wochenende mit Anne-Marit wieder Proust lesen werde, werde ich den vierten Tag erst Anfang nächster Woche schreiben. Da ich morgen Vormittag, am Sonntag, den 11.08.2019, eine Fahrradtour nach Reinheim plane, eine Stadt im Landkreis von Darmstadt-Dieburg, so werde ich weniger Zeit haben, alle meine literarischen Projekte umzusetzen, weshalb ich das Eine oder Andere verschieben muss.


Donnerstag, 8. August 2019

Meine literarische Reise nach Dublin (2)

Unser zweiter Tag, Freitag, 02.08.2019 


Tanja hat den Wunsch geäußert, an die See fahren zu wollen. 

An der Hotelrezeption 
wurden wir beraten, welcher Strand sehenswert sei. Und so wurde uns Bray empfohlen, dass dies die schönste Meeresgegend von Dublin sei. Nach Bray kam man am besten mit dem Zug, wenn man ohne Auto ist. 

Bild könnte enthalten: Personen, die sitzen, Tisch und Innenbereich
Auf dem Weg zum Bahnhof sind wir an einer katholischen Kirche stehen geblieben, um sie von innen zu besichtigen. Sie war innen wirklich wunderschön. Ich selbst bin keine Kirchgängerin, aber ich besichtige ganz gerne Kirchen. Tanja dagegen ist sehr fromm, besucht sonntags zu Hause regelmäßig den Gottesdienst. Gefallen hat mir der Adler, konnte aber noch nicht herausfinden, was er symbolisieren sollte. Vielleicht hatte er keine tiefere Bedeutung, denn von hinten betrachtet zeigte sich der Adler als ein Lese- und Rednerpult. In der Kirche saßen Menschen, die den Rosenkranz gebetet hatten.

Nach der Besichtigung nahmen wir den Weg zum Bahnhof wieder auf. Doch wir haben haben auf unserem Weg so viele schöne Dinge entdeckt, aber auch viel Trauriges. Nachdenklich stimmende Statuen. Mitten auf einem Wohnplatz. Eine Frau in Flammen. 

Bild könnte enthalten: Pflanze, Tisch und im Freien
Weiter gingen wir unseren Weg. Wir hatten ungefähr eine Stunde Zugfahrt vor uns. Und eine Stunde wieder zurück. Zwei Stunden Fahrtzeit. Aber die Zugfahrt war wunderschön, auf dem Weg nach Bray aus dem Zugfenster das Meer zu betrachten. Es schien sehr einsam auf der rauen See gewesen zu sein. Aber jede Menge Meeresvögel hielten sich hier auf. Es gab kaum Badegäste.
Irland sorgt für ganz viel Bespaßung für die kleinen Gäste. Jede Menge Kirmes parallel zum Strand. Kinderkarussell, Riesenrad, und noch weitere Actiongeräte, ähnlich wie bei uns auf dem Heinerfest. Das hatte ich so noch nie erlebt.

Aber es war kein Strand, an dem man hätte gut Spazierengehen können, weshalb ich mich ans Wasser setzte, und das Meer betrachtete. Aber auch die Menschen beobachtete ich. Tatsächlich viele rothaarige Iren waren zu sehen, aber in der Mehrzahl waren die Rothaarigen auch in Irland nicht. Viele Blondhaarige, aber auch viele Dunkelhaarige.

Am Strand gab es ein Schild, das darauf hinwies, dass das Baden hier gefährlich sei. Ich beobachtete vier erwachsene Schwimmer, die nicht ins Meer rausgeschwommen sind, sondern seitlich schwammen.
Tanja ging alleine weiter, während ich mal meinen Gedanken nachgehen konnte, ohne ständig abgelenkt zu werden. Später trafen wir uns wieder zur Heimfahrt. Wir verbrachten viele Stunden am Meer, haben uns ausgetauscht und haben viel Zeit mit Nichtstun zugetan.
Gegen 17:00 Uhr fuhren wir wieder zurück. Und hungrig waren wir. Wir hatten noch nicht zu mittaggegessen.

Als wir wieder in Dublin waren, suchten wir in der Nähe vom Hotel ein Restaurant. Die Pubs waren alle voll, viele Dubliner genossen wohl den Feierabend und den Eintritt ins Wochenende.
Endlich hatten wir ein Restaurant entdeckt, das uns beiden behagt hatte. Gute vegetarische Speisen für mich, Tanja aß ein Fleischgericht.

Es wurde spät, sodass wir Lust hatten, zurück ins Hotel zu gehen, um uns frisch zu machen. Tanja wollte danach ein Cocktail trinken gehen, so gingen wir beide in die Bar des Hotels. Aber sie hatten keine Cocktails.
Ich ging wieder zurück aufs Zimmer, um mich auf den nächsten Tag vorzubereiten. Denn der nächste Tag sollte den Schriftstellern gewidmet werden.

Darüber werde ich dann morgen berichten.

Mittwoch, 7. August 2019

Meine literarische Reise nach Dublin (1)

Fünf Tage habe ich dort mit meiner Freundin Tanja verbracht. Vom 01. August bis 05. August 2019.

Fünf Tage werde ich retrospektivisch aufzeichnen. Jeden Tag einen.
Fünf Tage in Dublin, in einem wundervollen vier Sterne Hotel waren wir einquartiert. Ein hoch fürstliches Frühstücksbuffet zu jedem Tagesbeginn, mit sehr netter Hotelbelegschaft. Das Mespil Hotel, in der 50-60 Mespil Road, Dublin 4, in der Nähe des Zentrums der Stadt, kann ich bestens weiterempfehlen.

Ich war aufgeregt, weil ich seit 12 Jahren nicht mehr verreist bin. Ich hatte vor zwölf Jahren meinen traumatisierten Kater Momo zu mir geholt, den ich nicht zurücklassen konnte, da Momo es mit meinem Fortgehen mit einem erneuten Verlust in Verbindung gebracht hätte. Momo habe ich vor zwei Jahren einschläfern lassen, weil er an Krebs erkrankt war. Nun habe ich noch zwei Katzen, aber die beiden anderen haben kein Trauma in der Art, wie Momo es hatte. Trotzdem werde ich nicht lange wegsein, immer nur fünf bis sechs Tage, weil meine andere Katzendame meine Abwesenheit in der Art nicht kennt. Glücklicherweise gibt es eine Familie bei uns im Haus, die auch eine Katze haben, und wir uns bei Reisen gegenseitig die Haustiere betreuen. Das hatte ich viele Jahre zuvor noch nicht.

Natürlich war ich aufgeregt, weil ich so viele Jahre nicht mehr verreist bin und ich nicht wusste, ob meine Englischkenntnisse dafür noch ausreichen. Außerdem habe ich mich für Tanja verantwortlich gefühlt, da sie gar kein Englisch kann, und ich wollte für uns beide alles richtigmachen.

Den ersten Tag begannen wir in Dublin recht früh, da wir mit der Lufthansa um 7:15 Uhr von Frankfurt aus geflogen sind. Wir waren um 10:30 Uhr im Hotel. Eigentlich wollten wir beide ein eigenes Zimmer, aber diese wären für jeden jeweils 300,- € teurer geworden. Umso mehr haben wir uns dann gefreut, als wir an der Rezeption gefragt wurden, ob wir gemeinsam in einem Bett schlafen wollen oder zwei separate Betten haben wollten. Klar, dass wir uns für die zwei separaten Betten entschieden haben. Im Zimmer angekommen, fragte mich meine Freundin Tanja, welches Bett ich haben wollte, und sie überließ mir das größere.

Geht es mit uns beiden gut? Tanja ist ein ganz anderer Mensch als ich, sie hat ganz andere Hobbys als ich, denn mich hat es durch die die Musik nach Dublin verschlagen, während Tanja sonst immer in den Süden gereist ist. Mal etwas anderes, sagte sie, als sie sich meiner Reise anschließen wollte. Ja, und die Schriftsteller, auf die war ich auch neugierig. James Joyce, Oscar Wilde wollte ich besuchen. Tanja ist immer schön mitgedackelt, obwohl sie gar nichts mit Literatur am Hut hat. Doch was uns verbindet ist unser Menschenbild …

Zum Geburtstag habe ich von meiner Familie eine Fitnessuhr geschenkt bekommen, die in Irland zum vollen Einsatz gebracht wurde. Am ersten Tag in Dublin haben wir über 25000 Schritte geschafft, da wir auf die öffentlichen Verkehrsmittel verzichtet haben. Wir wollten Dublin auf eigene Faust erst mal erkunden.

Aber ganz so ziellos waren wir nicht, denn ich wollte unbedingt ein Musikgeschäft aufsuchen, um Musiknoten zu der traditionellen irischen Musik zu kaufen. Ich liebe irische Musik, vor allem auch irische Balladen.

Mithilfe meiner Navigation mit dem Handy konnten wir das Musikhaus finden, aber leider führte es nur Musikinstrumente, aber keine Musiknoten. Der Mitarbeiter schrieb mir eine Adresse zu einem anderen Musikhaus auf, wo ich Musiknoten erwerben könne. Tatsächlich haben wir dieses Geschäft mit etwas Mühe finden können und so habe ich dort im Sortiment sechs Notenbücherfinden können, die ich noch nicht in meinem Repertoire hatte. Ich war so beseelt von Glück, denn in Deutschland konnte ich keine neuen Notenbücher finden, da ich schon fast alle im Bestand hatte.

Danach war der Tag schon um, und so sind wir wieder zurück ins Hotel. Mittaggegessen hatten wir im Stadtzentrum, in einem Pub, das uns aber nicht sonderlich geschmeckt hat, da es sehr fettlastig war, und wir beschlossen haben, die nächsten Tage in ein nobles Restaurant einzukehren.

Im Hotel hatte ich keine Langeweile, denn ich hatte viele Fotos geschossen, die ich sortiert hatte, um sie meinen Freund*innen auf Facebook und auf WhatsApp zu teilen, denn viele waren neugierig, wie ich Irland erleben würde.  

Und ich hatte mich weiter kundig machen wollen, wo die Reise am nächsten Tag gehen sollte. Habe mich mit meinem Reiseführer und mithilfe des Internets informiert und vorbereitet. 

Tanja hat sich in der Zwischenzeit mit dem TV beschäftigt. Es gab aber nur ein deutsches Programm, und zwar  ARD. Sie wollte Nachrichten schauen …

Dies war unser erster Tag in Dublin. Wir waren von der Stadt so verblüfft, weil es eine so vielfältige und eine so bunte Stadt gewesen ist. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren in Bezirke unterteilt, und so hatten Bus und Straßenbahn von Bezirk zu Bezirk eine andere Farbe. Die Häuser waren bunt, rote, gelbe, grüne Türen mit schönen Motiven als Türglocke. Da ich Farben so liebe, kommt mir dieses Bunte sehr gelegen.

Auch die Menschen waren symbolisch betrachtet bunt, sie waren locker. Die Verkehrsregeln wurden von den Passanten, obwohl überall Ampeln standen, alles andere als respektiert. Und die Autofahrer hielten an, obwohl sie grün hatten. Niemand hat gehupt. Tanja war zögerlich, ich aber habe mich den Iren angepasst, und hatte schließlich auch nicht mehr diese Art von Verkehrsregeln beachtet und bin bei Rot auf die andere Straßenseite marschiert. Gebracht hat mir das nicht viel, keine Zeitersparnis, da ich drüben auf Tanja warten musste. 


Keine Fotobeschreibung verfügbar.

Verblüfft hatte uns auch der Saint Stephen´s Green Park, der von Möwen und Menschen übervölkert war. Viele Menschen verbrachten dort ihre Pausen, nahmen im Park ihren Lunch ein, dass wir durch die Menschenmasse etwas abgeschreckt waren. 

So, morgen Abend berichte ich über den zweiten Tag unserer Reise. Den Park wollten Tanja und ich am Wochenende nochmals aufsuchen, wenn die Menschen nicht zur Arbeit müssen, und der Park sicherlich weniger Menschen bergen würde.