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Montag, 11. November 2019

Henning Mankell / Die schwedischen Gummistiefel (1)

Quelle Myriam / Pixabay
Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre  

Weiter setzt sich die Geschichte von Die italienischen Schuhe fort mit Die schwedischen Gummistiefel. Dieser Band hat mir etwas besser gefallen. Aber die Figuren waren für mich nach wie vor gestört, kalt und abweisend. Hier suchen Menschen einander Nähe, können aber mit der Nähe nicht wirklich umgehen, wenn sie diese bekommen.  

Der Schluss ist Geschmackssache, mich konnte er nicht befriedigen. Manche Episoden fand ich sehr unlogisch, und manche Sichtweisen sehr einseitig, wenig differenziert.

Ich werde mich hier wieder kurzhalten.

Damit ich nicht alles von Neuem schreiben muss, werde ich am Ende dieser Buchbesprechung sie mit der Besprechung des ersten Bands verlinken.

Hier geht es zum Klappentext, zu den ersten Leseeindrücken und zu den Buchdaten.

Die Handlung
Der einsame Fredrik Welin wird eines Nachts in seinem Bett aus seinen Träumen gerissen, als er von einer Hitzewelle erfasst wird. Panisch sieht er, wie Flammen sein Haus abbrennen. Schnell rennt Welin aus dem Haus und wird selbst Zeuge, wie sein Haus, das er von seinen Großeltern geerbt hatte, niederbrennt. Viele Nachbarn aus anderen Schären kamen mit ihren Booten zur Hilfe, so auch die Feuerwehr, um den Brand zu löschen, wobei das Haus nicht mehr zu retten war, obwohl der Postillion Ture Jansson den Brand von Weitem gesehen haben soll, und schnelle Hilfe gerufen hatte.

Der Kontakt zu Welins Tochter Louise wurde weiter aufrechterhalten. Als Welins Haus abgebrannt ist, und er für einige Zeit obdachlos wurde, war er gezwungen, sich in Louises Wohnwagen einzuquartieren. Zur Erinnerung: Louise ist im letzten Band mit dem Wohnwagen auf Welins Schären gezogen, sie aber hier nicht wohnen blieb, sondern nach Paris gezogen ist. Noch auf der Insel erfährt Welin von ihr, dass er Großvater wird. Welin weiß nicht, ob es ihn freut oder ob es ihn kalt lässt ...

Die Polizei ermittelt, sucht den Brandstifter. Wobei nicht klar ist, ob es ein Brandstifter oder ein Pyromane war, der das Haus angezündet haben könnte. Die Polizei verdächtigt sofort Welin. Was könnte der Grund sein, dass Welin sein eigenes Haus anzündet?

Wie geht das, ein eigenes Haus abzufackeln, während man selbst im Bett liegt und schläft? Denn die Polizei hat durch einen Brandingenieur herausfinden können, dass der Brand nicht an irgendeinem technischen Defekt hätte ausgemacht werden können, denn sie konnten Spuren entnehmen, die besagten, dass Benzin rund um das Haus gelegt und anschließend angezündet wurde. Ohne große Anhörung wurde Welin verdächtigt, und so warfen sie ihm Versicherungsbetrug vor …

Louise kam auf die Insel, als sie hörte, dass Welins Haus abgebrannt wurde. Von der Versicherung konnte er erst dann Ersatzansprüche geltend machen, wenn geklärt wurde, wie das Haus zu Schaden kam. 

Durch den Hausbrand lernt Welin die Journalistin Lisa Modin kennen. Zwischen ihnen beiden entwickelt sich eine freundschaftliche / sexuelle Beziehung. Welin verliebt sich in Lisa, leider stößt er nicht auf Gegenliebe, sodass Welins Bedürfnisse nicht erwidert werden konnten.  

Louise entpuppt sich in Paris zu einer professionellen Taschendiebin. Einmal wird sie dabei erwischt und wird eingebuchtet. Louise bittet von ihrem Handy aus Welin um Hilfe, der schnellstmöglich von Stockholm nach Paris angereist kam ... In Paris lernt er den Vater von Louises werdendem Kind kennen. Es war ein dunkelhäutiger Mann, dessen Herkunft ich wieder vergessen habe. 

Welche Szene hat mir so gar nicht gefallen?
Mich konnten die meisten Szenen einfach nicht überzeugen. Die Journalistin fand ich nicht richtig authentisch. Ich habe sie hier kaum als Journalistin erlebt. Die Polizei selbst zeigte sich ebenso wenig professionell. Wie Mankell die Polizei beschrieben hat, fand ich arg merkwürdig.

Aber welche Szene mich tatsächlich angewidert hat, war Großvaters Tat gegenüber einem Hirsch. Welin denkt über seine Kindheit nach, als er seinen Großvater zum Fischen hinaus auf´s Meer begleitet.
Großvater erblickte einen Rehbock, der angeschwommen kam. Ohne zu zögern ließ er das Netz fallen, das er in den Händen hielt, schob mich zur Seite und setzte sich selbst an die Ruder. Er holte das Reh ein, stand im Boot auf und schlug dem Tier mit einem der Ruder auf den Kopf. Das Ruder zerbrach und das Reh schwamm weiter. Aber Großvater warf sich halb aus dem Boot, und es gelang ihm, das Tier am Geweih zu packen. Zugleich zog er sein Moramesser und schnitt ihm die Kehle durch. (2017, 132)

Mir liefen bei dieser Szene die Tränen. Solche heftigen Tiergeschichten treten häufig bei Mankell auf. Er erinnert mich daran, dass in der realen Welt viele Menschen eine Lust haben, unschuldige Tiere zu quälen und zu töten. Das muss ich mir nicht noch fiktiv reinziehen.

Der kleine Welin war über Großvaters Tat stark irritiert, aber das Kind wird später selber zum Täter, indem es lebendigen Insekten die Flügel ausreist.

Welche Szene hat mir besonders gut gefallen?
Gefallen hat mir, als bei Wiederholungsbränden sich die Menschen auf den Inseln versammelt haben, und sie sich berieten, wie sie sich gegenseitig besser schützen könnten. Es kam auch die Frage nach dem möglichen Täter auf, und die meisten suchten den Täter nicht in den eigenen Reihen, sondern bei den Ausländern. Diese Szene hat Mankell sehr gut beschrieben, wie verzerrt die Wahrnehmung vieler Menschen sein kann. Schade, dass er dieses Niveau im gesamten Ablauf seines Romans nicht hat aufrechterhalten können.

Welche Figur war für mich eine Sympathieträgerin?
Keine.

Welche Figur war mir antipathisch?
Sie wirkten auf mich alle ziemlich gestört, wie ich oben schon geschrieben habe.

Meine Identifikationsfigur
Keine.

Cover und Buchtitel
Ich weiß immer noch nicht, für was die Gummistiefel stehen. Symbolisch betrachtet könnte es den Wunsch Welins ausdrücken, in der Welt unter dem Allwetterschutz mutiger auftreten zu können, ohne nasse Füße zu bekommen, da er hier als ein wenig verweichlicht erscheint. Welin erhält erst am Ende der Geschichte seine Gummistiefel, die er in einem Laden bestellt hat. Er musste lange auf seine Lieferung warten.

Zum Schreibkonzept
Auf den 475 Seiten ist der Roman in fünf Teilen gegliedert, die Anzahl der Kapitel habe ich mir diesmal nicht gemerkt. Mal fangen die Teile mit Kapitel eins an, mal sind sie fortlaufend.

Meine Meinung
Mich hat die gesamte Geschichte nicht überzeugen können. Häufig sehr einseitige Beschreibungen, manchmal auch wieder sehr klischeehaft was die Zuordnung verschiedener Menschen betrifft. Auch den Begriff Rasse ist heute auf Menschen bezogen politisch nicht mehr korrekt. Der Duden schreibt:
BESONDERER HINWEIS In der Biologie wird der Begriff der Rasse nicht mehr auf Menschen angewendet. Wenn auf entsprechende Unterschiede Bezug genommen werden muss, sollten deshalb Ausweichformen wie Menschen anderer Hautfarbe gewählt werden.

Mein Fazit
Eine schlecht recherchierte Handlung, die mich nicht hat überzeugen können, dafür aber ein wundervoller Erzählstil.

Hier geht es zur Besprechung von Die italienischen Schuhe.

Meine Bewertung
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
1 Punkte: Differenzierte Charaktere
1 Punkte: Authentizität der Geschichte
1 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
1 Punkte: Frei von Stereotypen,Vorurteilen, Klischees und Rassismus
1 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein
Sieben von zwölf Punkten.

________________
Vertraue auf dein Herz.
Denn dann gehst du niemals allein.
(Temple Grandin)

Gelesene Bücher 2019: 26
Gelesene Bücher 2018: 60
Gelesene Bücher 2017: 60
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86

Der Mensch ist mehr als nur die biologische Erbmasse.
Er ist, was er innerlich denkt und fühlt.
(M. P.)

Die Herkunft eines Menschen
Die Wurzeltheorie verdammt Menschen zu ewigen Ausländer*innen, nur weil sie eine andere Hautfarbe, eine andere Religion oder einen anderen Namen tragen. Die meisten haben ihre Wurzeln dort geschlagen, wo sie geboren wurden und / oder dort, wo sie ihr ganzes Leben zugebracht haben.
Es lebe die Vielfalt.
(M. P.)

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Henning Mankell / Die italienischen Schuhe (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre 

Nun habe ich gestern mein 24. Buch in diesem Jahr beendet.

Das Buch war nicht schlecht, aber es hat mich nicht richtig gefangen. Mal schauen, was ich aus mir heraus noch quetschen werde. Wenn ich nicht viel in mir finden kann, was das Buch angestoßen haben könnte, dann wird es eine kurze Besprechung geben. Aber die Sprache fand ich sehr schön. Ruhig und besinnend.

Hier geht es zur Buchvorstellung; zum Klappentext, zum Autorenporträt, zu meinen ersten Leseeindrücken und zu den Buchdaten.

Die Handlung
Der Roman behandelt die Lebensweise einer recht einsamen Figur von 66 Jahren. Sein Name ist Fredrik Welin. Fredrik Welin ist Rentner, von Beruf war er ein orthopädischer Chirurg. Sein Vater hatte in einer Kneipe gearbeitet, während seine Mutter Hausfrau war.
Ein Mann von sechsundsechzig Jahren, finanziell unabhängig, der eine Erinnerung in sich trägt, die ihn ständig plagt. Ich bin in einer Armut aufgewachsen, die man sich heute in diesem Land kaum noch vorstellen kann. Mein Vater war ein übergewichtiger Kellner, den man häufig schikanierte, und meine Mutter versuchte, mit dem Geld auszukommen.

Deshalb ist es nicht selbstverständlich, dass der junge Welin es zu einem Studium gebracht hat. Sein Vater hatte ihn dahingehend unterstützt. Trotzdem hatte er keine einfache Kindheit, da seine Eltern ständig Ehekrach hatten, und sich die Mutter häufig weinend zurückgezogen hatte, und der Vater mit Zinnsoldaten spielte. Seine Art, mit dem dauerhaften Ehekrach fertig zu werden, in dem er seine Wut über die Zinnsoldaten zum Ausdruck brachte.

Der junge Welin verliebte sich in jungen Jahren in ein gleichaltriges Mädchen namens Harriet Hörnfeld, das war vor knapp vierzig Jahren.

Welin zog es damals nach Amerika, ohne sich von Harriet zu verabschieden, und brach somit durch seine Gedankenlosigkeit die Beziehung zu ihr ab, und ahnt nicht, welche weitreichende Folgen sein Fortgehen mit sich brachte. In Wirklichkeit flüchtete er regelrecht vor Harriet, da er ihr übermäßiges Verlangen nach Nähe nicht erwidern konnte.

Nun lebt der alte Welin mit einem alten Hund, einer alten Katze und mit einem alten Ameisenhügel im Haus auf einer einsamen Insel, auf den Stockholmer Schären. Völlig abgeschieden. Er bekommt lediglich Besuch von dem Postboten Jure Jansson, der mit seinem Hypochonder-Syndrom auch ein wenig schräg zu sein scheint. Da Welin durch sein zurückgezogenes Leben wenig Post von anderen Menschen bekommt, bringt Jansson ihm mit seinem Hydrokopter Werbeprospekte, die Welin eigentlich gar nicht haben wollte. Aber er hatte keine Chance, der Postbote kam immer wieder mit lästigem Werbematerial.
Das Leben handelt nicht von Sonderangeboten, versuchte ich ihm zu erklären. Das Leben handelt von etwas Wesentlichem. (18)

Was meinte er damit? Das wurde schließlich auf den nächsten Seiten deutlich.
Jeden Morgen hackt Welin bei Minus 19 Grad ein Loch ins Eis, damit er darin völlig nackt baden konnte, um sich selbst spüren zu können.

Eines Tages steht eine dunkle Gestalt auf dem Eis etwas entfernt von seinem Haus, eine ältere Person mit einem Rollator, wie Welin durch das Fernglas erkennen kann. Welin erkennt sofort seine Jugendliebe Harriet wieder. Harriet hat ihr ganzes Leben nicht verwinden können, dass Welin sie ohne ein Wort verlassen hatte. Außerdem hatte er noch ein Versprechen nicht eingehalten, das Harriet dazu bewogen hat, Welin nach so langer Zeit neu aufzusuchen, um ihn zu zwingen, dieses Versprechen endlich einzulösen. Doch hinter dem Versprechen verbirgt sich noch viel mehr ... 

Harriet ist sterbenskrank, weshalb sie unbedingt Welin aufsuchen musste, damit sie noch vor ihrem Tod sämtliche Fronten mit ihm klären konnte.

Das Leben durch Harriet bekommt für Welin eine absolute Wende.

Aber Harriet ist nicht die einzige Frau, mit der er es hier zu tun bekommt. Auf der Insel hat Weli genug Zeit nachzudenken. Als er beruflich noch als Chirurg tätig war, begann er an einer Patientin, die musisch begabt war, einen Kunstfehler. Die 33-jährige Patientin hieß Agnes und sie war damals noch sehr jung, knapp über zwanzig. Agnes wurde an ihrem Arm ein bösartiger Tumor diagnostiziert, der nicht herauszuoperieren war, ohne den Arm abzunehmen. Der Arm wurde von Welin amputiert. Später stellte sich heraus, dass es der falsche Arm war, der abgenommen wurde. Die Musikkarriere dieses Mädchens war dahin.

Obwohl Welin angezeigt wurde, hatte er noch immer ein schlechtes Gewissen dieser Patientin gegenüber. Er nimmt nun Kontakt zu ihr auf. Agnes stößt Welin nicht ab, und so entsteht zwischen beiden ein dauerhafter Kontakt. Hierbei erfährt Welin, dass Agnes in ihrer Wohnung ein Betreuungsheim leitet, indem sie Flüchtlingsmädchen bei sich aufgenommen hat. Alle Mädchen sind durch den erfahrenen Krieg aus der Heimat stark traumatisiert und dadurch psychisch sehr auffällig.

Welche Szenen haben mir gar nicht gefallen?
Es kann sein, dass Mankell mit diesem Buch ein Tabubrecher ist. Hier wird der Tod behandelt, aber nicht nur durch die krebskranke Harriet. Das Alter spiegelt sich auch in den Haustieren von Welin wider. Nicht mehr lange und so hatte auch sein alter Hund sein Leben ausgehaucht. Welin begräbt ihn im Garten vor seinem Haus. Tage oder Wochen später gräbt er das Grab wieder auf und nimmt teil an der Verwesung des Hundes, der überall mit Maden gesät war. Vor allem der Darm sah sehr parasitär aus. Er holte seine alte Katze und setzte sie auf den verwesenden Hund. Die Katze schrie und rannte schleunigst davon.

Ich finde die Handlung mit dem Hund und der Katze eine sehr perverse Szene, dass ich mich fragen musste, was hat den Autor dazu bewogen, diese Szenen aufzuschreiben? Und auch noch die Katze auf den verwesenden Hund zu setzen, grauenvoll.

Welche Szene hat mir besonders gut gefallen?
Mir hat es gefallen, dass Welins Vater, der es beruflich nicht ganz einfach hatte, seinen Sohn auf die höhere Schule und auf die Universität geschickt hatte.

Welche Figur war für mich ein Sympathieträger?
Mich haben alle Figuren kalt gelassen.

Welche Figur war mir antipathisch?
Kann ich nicht beantworten. Keine Figur hat mich positiv oder negativ berührt. Ich stehe ihnen neutral gegenüber.

Meine Identifikationsfigur
Keine.

Cover und Buchtitel
Das Cover finde ich passend, der Buchtitel ist mir nicht ganz schlüssig gewesen. Es gibt zwei Metapher. In einem Zimmer von Welin befindet sich ein Ameisenhügel, den er erst am Ende seiner Geschichte entfernt. Dann die italienischen Schuhe. Der Ameisenhügel könnte symbolisch für Fleiß und Strebsamkeit stehen, während die italienischen Schuhe genau das Gegenteil ausdrücken könnten. Denn Welin lässt sich von einem virtuosen italienischen Schuhmacher perfekte Schuhe anfertigen, für die der Schuster aber ein Jahr benötigt. Dieser italienische Schuster zog auch eine einsame Lebensform vor, weshalb er der Stadt, das hektische Treiben, den Rücken zugekehrt hatte. Hier auf der Insel kann er sich so viel Zeit lassen, wie er braucht, um gute Schuhe herzustellen.
Ich wuchs in einem Niemandsland auf, zwischen Tränen und Zinnsoldaten. Und mit einem Vater, der hartnäckig behauptet, dass das, was einen Kellner mit einem Opernsänger verbinde, die Notwendigkeit sei, bei der Arbeit ordentliche Schuhe zu tragen. (14)
Aber diese Metapher passen nicht so recht ins Konzept. Wirken ohne Zusammenhänge. Man bekommt es schließlich hier nicht mit arbeitswilligen und mit faulen Menschen im Ganzen zu tun.

Zum Schreibkonzept
Der Roman ist aus der Ichperspektive des Fredrik Welin geschrieben. Er besteht auf den 364 Seiten aus vier Teilen, die aber nicht nummeriert sind. Nummeriert sind die Kapitel. Nach jedem neuen Teil beginnen die Kapitel wieder von neuem in der Aufzählung. 

Meine Meinung
Die Geschichte in diesem Roman wirkte auf mich alles andere als authentisch. Mich hat sie nicht überzeugen können. Lediglich den ruhigen Schreibstil fand ich sehr angenehm. Alle Figuren waren in ihrer Art einsame Figuren, nicht nur die, die einsam auf der Insel ihr Leben gefristet haben. Außerdem hat der Autor sehr klischeehaft geschrieben. Welin wurde z. B. in Rom ausgeraubt. Und ein Mädchen namens Sima aus Agnes´ Betreuungsheim konnte die schwierigsten Autoschlösser knacken, die es von einem Italiener beigebracht bekommen hat. 
Sima hatte einmal einen Freund, Filippo hieß er, ein freundlicher junger Mann aus Italien, der ihr alles darüber beibrachte, wie man verschlossene Autos knackt und Motoren startet. (210)

Mankells Vater war Jurist, sodass der Sohn an der Quelle kriminalistischer Fälle saß. Es gibt auch in Schweden Verbrecher*innen sämtlicher Couleurs. Warum aber wählen nordische Autor*innen immer wieder Italiener, die sie zu Tätern ihrer Figuren machen? Das Böse immer schön im Außen suchen und nie bei sich selbst. Wie feige ist das denn?

Der Schwede setzt sich hier wiedermal ins beste Licht, auch was die Aufnahme von Flüchtlingskindern betrifft. Warum schreibt der Autor nicht über die rechte Partei, die in Schweden zusammen mit den Sozialdemokraten eine Regierung gebildet hat? Viele Schweden lehnen Ausländer*innen vehement ab. 

Mein Fazit
Würde ich kein zweites Mal lesen. 

Meine Bewertung
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
1 Punkte: Differenzierte Charaktere
1 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
0 Punkte: Frei von Stereotypen,Vorurteilen, Klischees und Rassismus
0 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Hat mir die Geschichte an sich gut gefallen?
Trotz mittelmäßiger Bewertung meinerseits nur mittelmäßig.
Sechs von zwölf Punkten.

______________
Vertraue auf dein Herz.
Denn dann gehst du niemals allein.
(Temple Grandin)

Gelesene Bücher 2019: 24
Gelesene Bücher 2018: 60
Gelesene Bücher 2017: 60
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
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Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86


Sonntag, 27. Mai 2018

Astrid Lindgren / Die Brüder Löwenherz (1)

Lesen mit Tina

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Ein Jugendbuch von Astrid Lindgren, das, verglichen mit ihren anderen Jugendbüchern, völlig aus dem Rahmen fällt. Ein recht düsterer Fantasieroman, das voll von Abenteuer ist. Und trotzdem ist er mit viel Liebe geschrieben. Ins Zentrum wird hier der Tod gerückt, der zwei Nachleben verspricht.

Die Handlung
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden Brüder Karl und Jonathan Löwenherz. Karl, zehn Jahre alt, leidet an einer unheilbaren Krankheit und ist dadurch bettlägerig. Er weiß, dass er bald sterben muss. Traurig fragt er seinen Bruder, warum er so früh sterben müsse? Jonathan, der seinen kleinen Bruder Krümel nennt, tröstet ihn, und verspricht ihm, dass sie sich nach dem Tod in Nangijala wiedersehen würden. Nangijala wäre ein wunderbarer Ort mit vielen schönen Abenteuern.

Nun kommt es zu einer Katastrophe. Das Haus der Kinder fängt Feuer, und als Jonathan seinen kleinen Bruder aus dem brennenden Haus rettet, kommt er selbst ums Leben. Nicht lange danach folgt ihm Krümel und tatsächlich, sie treffen sich wieder in Nangijala.

Nangijala liegt in den Bergen und ist ein Land voller Märchen und Sagen. Die Dörfer, in denen sie leben, heißen Heckenrosental und Kirschtal. In der ersten Zeit machen die Brüder gemeinsam viele schöne Sachen. Krümel lernt die Taubenkönigin Sophia kennen, die einen engen Kontakt zu den Tauben pflegt. Viele Tauben übermitteln von Dorf zu Dorf wichtige Nachrichten …

Doch Löwenherz hat hier eine schwere Aufgabe zu bewältigen. Und es wird Zeit, seinen kleinen Bruder darin einzuweihen. Er müsse Orwar aus der Katlahöhle befreien. Katla ist ein Feuer speiender Drache. Wenn Jonathan die Befreiung nicht gelingen würde, dann könne Nangijala nicht weiter existieren und alle müssten sterben. Doch der Drache alleine ist nicht die Gefahr. Der Drache wird von Tengil beherrscht. Tengil ist ein Diktator, der sich von den Menschen nimmt, was er haben will. Für die BewohnerInnen von Heckenrosental lässt er eine lange und hohe Mauer errichten, die Tag und Nacht von Tengilsoldaten bewacht wird. Für die BewohnerInnen werden Sperrzeiten eingeführt … Da sich herumgesprochen hat, dass Jonathan Orwar befreien will, hat Tengil seine Soldaten auf ihn gehetzt. Es finden weitläufige Suchaktionen statt … Der kleine Karl vermisst seinen Bruder schmerzlichst und macht sich selbst auf den Weg, zusammen mit seinem Pferd Fjalar, ihn zu suchen. Von den Tengilsoldaten wird Karl geschnappt …

Mehr möchte ich nicht verraten …

Das Schreibkonzept
Auf den ersten Seiten lernt man den kleinen Karl kennen, der in der Ichperspektive von sich und seiner Familie spricht. Zuerst spricht er von seinem Bruder, dann von seiner Erkrankung, etc. Der Erzählstil setzt sich bis zum Ende der Geschichte so fort. Sehr leicht und kindgerecht geschrieben. In dem Buch sind viele schöne Schwarz-Weiß-Illustrationen abgedruckt.

Cover und Buchtitel?
Die Brüder Löwenherz - Astrid Lindgren
Auf dem vorderen Buchcover befinden sich beide Kinder in Nangijala. Karl ist nicht mehr bettlägerig und genießt mit seinem Bruder das Angeln an der frischen Luft. Das Buchcover hinten; beide Kinder befinden sich auf der Flucht von Tengil.

Ist das Buch jugendtauglich?
Ich finde schon. Aber es bitte nicht mit Michel, Lotta, Pippi Langstrumpf … vergleichen …
Kinder mögen Abenteuergeschichten. So ein wenig hat mich das Buch an Herr der Ringe erinnert, nur kindlicher. Allerdings wurde das Buch in der Öffentlichkeit stark kritisiert, dass der Tod für Kinder eine zu ernste Thematik sei und weil der Tod in dem Buch zu stark verharmlost werden würde. Aber ich denke, dass größere Kinder zwischen Fiktion und Realität sehr wohl unterscheiden können. Und kleinere Kinder leben in ihrer eigenen Welt. Sie werden schon rechtzeitig das Eine von dem Anderen zu unterscheiden lernen, wie dies auch mit Märchen der Fall ist.

Neben den vielen Abenteuern, die bezwungen werden müssen, geht es in dem Buch auch um Liebe familiärer und freundschaftlicher Art. Auch Vorurteile anderen gegenüber werden in bestimmten Szenen  thematisiert. Es geht um Gut und Böse und über die Schwierigkeit, das Eine von dem Anderen zu unterscheiden. 

Meine Identifikationsfigur
Jonathan. Ich hatte mich in meiner Kindheit auch immer für andere stark gemacht. Für Kinder und für Erwachsene. Auch um meine 2,5 Jahre jüngere Schwester war ich häufig fürsorglich. 

Ungeklärte Fragen
Die Geschichte hat politische Hintergründe. Es bleibt zu ergründen, wann Astrid Lindgren dieses Buch geschrieben hat? Ich vermute während oder nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Buch hat stark diktatorische Züge. Was ich aus ihren Autobiografien entnehmen konnte; Schweden verhielt sich im Zweiten Weltkrieg neutral. Astrid Lindgren hat aber nicht passiv zugeguckt, während Hitler in Deutschland gewütet hat. Ihre Hilflosigkeit gab sie ihrem Tagebuch kund und schrieb dazu Geschichten.

Meine Meinung
Mich hat das Buch fasziniert. Mit so viel anhaltender Spannung habe ich nicht gerechnet. Sehr interessant geschrieben. Den Schluss fand ich einerseits düster, andererseits hatte es aber etwas Befreiendes, je nachdem, was die BetrachterInnen daraus machen.
Ich selbst habe das Buch auch in meiner Jugend gelesen. 1973 wurde das Buch erstmals ins Deutsche übersetzt und gedruckt. Aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich es damals in meinem ersten Leseleben aufgefasst hatte.

Mein Fazit?
Dies ist das dunkelste Buch, das ich jemals von Astrid Lindgren gelesen habe. Phasenweise habe ich es als recht schwermütig erlebt. Nicht so aufheiternd wie bei der megastarken Pippi oder wie beim frechen Michel. Die Themen fand ich hier mit viel Traurigkeit und Ernsthaftigkeit bepackt.

Eigentlich heißen die Kinder Karl und Jonathan Löwe. Wie es zu dem Namen Löwenherz gekommen ist, ist dem Buch zu entnehmen.

Meine Bewertung
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein
Zwölf von zwölf Punkten.

Auszeichnung
1979 wurde das Buch mit dem internationalen Janusz-Korczak-Literaturpreis und dem Wilhelm-Hauff-Preis geehrt.

Und hier geht es zu Tinas Buchbesprechung.

Weitere Information zu dem Buch

 Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
·         Verlag: Oetinger Verlag; Auflage: 37 (1. Februar 1974)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3789129410
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Gelesene Bücher 2018: 22
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86