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Mittwoch, 6. Juni 2018

Ekaterine Togonidze / Einsame Schwestern (1)

Lesen mit Whatchareadin, Leserunde 

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Ein Buch, das regelrecht nach Menschlichkeit schreit, nach Mitmenschlichkeit, es schreit nach Liebe und nach Zugehörigkeit.

Hier geht es zum Klappentext, der viel zu ausführlich ist. 

Die Handlung
Die beiden mutterlosen, jungen siamesischen Zwillinge, 16 Jahre alt, werden von der Großmutter versorgt. Die Großmutter bezieht Altersrente. Das Geld muss für sie drei gut eingeteilt werden, denn sonst reicht die Rente nicht aus. Die Mutter der Mädchen ist kurz nach der Geburt gestorben. Der leibliche Vater, Rostom Mortschiladze, Hochschulprofessor, ist bis dato unbekannt. Es gibt noch einen Cousin von der Mutter namens Zaza, der ab und zu Besorgungen für die Mädchen macht …

Die Großmutter war in ihrer Erwerbstätigkeit Lehrerin und brachte den Mädchen Lesen und Schreiben bei …

Die siamesichen Zwillinge gehen keinerlei Außenaktivitäten nach, und da sind Bücher ein idealer Zeitvertreib. Zum Selbstschutz sind die Mädchen von der Außenwelt abgeschnitten, um nicht in den Fängen der Ärzte zu gelangen. Die Welt kennen die Mädchen nur aus dem Fernsehen. Als sie noch klein waren, und die Großmutter das Haus wegen diverser Alltagspflichten verlassen musste, wurden sie von ihr an einem Tisch angebunden, damit sie keinen Blödsinn machen konnten.

Die Mädchen sind körperlich eingeschränkt aber geistig völlig gesund. Sie schreiben beide Tagebücher, um ihre tristen Tage darin festzuhalten. Das Tagebuch soll als ein Beweisstück dienen, dass sie existiert haben, wenn sie eines Tages nicht mehr leben sollten. Sie halten darin ihre tiefsten und intimsten Gedanken fest.  

Sie heißen Diana und Lina. Auch wenn sie äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden sind, aber ihre Charaktere sind verschieden. Lina scheint die emotionalere von beiden zu sein, während Diana mehr von der Ratio geleitet wirkt. Lina schreibt Gedichte …

Plötzlich wird die Großmutter krank, die sich immer mehr zu einem Pflegefall entpuppt, während die Zwillinge rund um die Uhr für sie bis zur Erschöpfung sorgen, bis sie schließlich stirbt. Lina und Diana sind nun völlig auf sich selbst gestellt. Wohin mit dem Leichnam der Großmutter?
Parallel bekommt man Einblicke in das Leben des Vaters der Mädchen, der bis dato nichts über deren Existenz wusste. Es findet eine DNA-Analyse statt. Er kann nicht glauben, dass diese „missratenen“ Kinder aus seinen Genen stammen sollen. Es findet ein Prozess der Auseinandersetzung statt ...
Mit dem Tod der Großmutter erleiden die Mädchen verschiedene Schicksalsschläge, die ihr Leben komplett in eine andere Richtung lenken ...

Für mich besondere und fragwürdige Szenen
Achtung Spoiler
Ich habe nicht so ganz verstanden, weshalb die Großmutter die Mädchen nicht auf das Leben vorbereitet hat. Sie musste damit rechnen, dass sie nicht ewig für sie sorgen konnte, und dass sie spätestens nach ihrem Tod alleine sein würden. Von welchem Geld sollten sie leben? Nicht einmal Einkäufe konnten sie tätigen ... Traurig fand ich zudem, dass Diana und Lina sexuell nicht aufgeklärt wurden, weil die Großmutter die Sexualität wie ein Tabu behandelt hat. Dadurch konnten die Mädchen kein sexuelles Bewusstsein entwickeln, keine ausreichend entwickelte sexuelle Identität. Das brachte die Mädchen später in große Schwierigkeiten. Diese Fragen sind allerdings der Großmutter gegenüber nicht vorwurfsvoll gemeint, denn sie hat auch Großes geleistet, in dem sie ihren beiden Enkelinnen ein Zuhause gegeben hat und für sie bestmöglich gesorgt hat.

Das Schreibkonzept
Das Schreibkonzept finde ich sehr interessant. Aber ich habe vergessen, darauf zu achten, aus wie viel Teilen das Buch besteht. Ich war so in meinem Lesesog drin ... Auf der allerersten Seite findet man einen kleinen Bibelvers ... 

Inhaltlich bekommt man es mit drei Perspektiven zu tun. Die beiden unterschiedlichen Tagebücher von Diana und Lina und die Perspektive des Erzeugers, des leiblichen Vaters, der vom Staatsanwalt kontaktiert wird. Die Perspektiven wechseln einander ab. Dass die Mädchen nicht lange leben, wird schon recht früh deutlich. Die Gegenwart, in der Lina und Diana über ihr Leben schreiben, während in der Perspektive des Vaters die Mädchen bereits schon tot sind. Aber erst am Ende erfährt man, woran Lina und Diana gestorben sind.

Meine Meinung
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Einmal angefangen konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Ein Buch, das sehr nachdenklich stimmt. Die Worte der Mädchen sind dermaßen ausdrucksstark, dass sie mich ganz tief in meiner Seele berührt haben. Ich weiß, dass in den ehemaligen Ostbklockstaaten behinderte Menschen bis heute noch gesellschaftlich nicht toleriert werden. Behinderte Menschen werden häufig weggesperrt und in die Obhut des Staates übergeben. Man nimmt sie aus der Familie raus und sperrt sie in staatlich, geschlossene Einrichtungen und bleiben sich selbst überlassen. Sie bekommen lediglich Nahrung und einen Schlafplatz. Integration und Inklusion, wie wir dies hierzulande kennen, sind dort Fremdwörter. Deshalb sind solche Bücher wie das vorliegende Buch sehr, sehr wichtig. 

Aber nicht nur die gesellschaftlichen Probleme zeigt das Buch gekonnt auf. Auch Probleme, die diese Mädchen miteinander haben, fand ich mehr als brisant. Die Vorstellung, keine Privatsphäre zu haben, ist für mich unvorstellbar. Diese beiden Mädchen würden gerne mal für sich sein, aber dadurch, dass sie körperlich miteinander verwachsen sind, gibt es diese Form, sich mal aus dem Weg zu gehen, nicht. Die Sehnsucht nach Freiheit, das Gefühl in beiden Körpern gefangen zu sein, wird in den Tagebüchern immer wieder hervorgebracht. 

Ungeklärte Fragen?
Wo hat die Autorin ihren Stoff her? Darauf wird es sicher eine Antwort auf Whatchareadin geben, da die Autorin sich bereit erklärt hat, im Chat persönlich auf unsere Fragen einzugehen.

Cover und Buchtitel  
Mit dem Cover bin ich nicht ganz klargekommen. Es gibt viele Unstimmigkeiten; Das Cover entspricht nicht der Beschreibung aus dem Buch, was das Alter und die Verwachsung der Körper betreffen. Wieso hat der Verlag Probleme, die Behinderung der Schwestern auf dem Cover darzustellen????
Auch die Äußerlichkeiten waren nicht stimmig. Diana und Lina haben eine helle Haut und blonde Haare. Verlage aus Deutschland, Österreich und aus den nordischen Ländern scheinen blonde und hellhäutige Menschen in der Literatur für sich gepachtet zu haben. Sehr wohl gibt es in Süd und in Südosteuropa auch Haut- und Haarfarben in mehreren Nuancen … Den Buchtitel fand ich treffend ausgewählt. Zu zweit einsam? Einsamkeit? Zweisamkeit?


Was hat mich zu diesem Buch veranlasst?
Die Neugier. Ich war gespannt, wie diese Menschen mit ihrem Anderssein ihr Leben verbringen. Während des Lesens habe ich mich gefragt, ob die Mädchen ihr Leben bewältigen können, oder ob sie sich selbst aus der Welt ausstoßen werden, weil die Gesellschaft keinen Platz für behinderte Menschen bereithält. Diana und Lina wirkten auf mich arg suizidal.


Und hier ein Bild zum Thema Siamesische Zwillinge


Ich zitiere Wikipedia: Die in Siam (heute Thailand) geborenen Brüder Chang und Eng Bunker (1811–1874), auf welche die Bezeichnung Siamesische Zwillinge zurückgeht.

Aufgepasst: Die Doppelfehlbildung auf dem Foto ist eine Art. Es gibt viele verschiedene Arten. Die beiden Mädchen Diana und Lina sind ab der Hüfte nach unten hin mit einem Körper verwachsen.

Begriffsdefinition, hier auf Wikipedia

Mein Fazit?
Ein Appell für mehr Toleranz, Differenz und Vielfalt.

Und hier geht es zu den Fragen an die Autorin.

Meine Bewertung?
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
1 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein
Elf von zwölf Punkten

Weitere Informationen zu dem Buch
Vielen Dank an den Buchverlag und an Watchareadin für das Leseexemplar.

·         Gebundene Ausgabe: 180 Seiten
·         Verlag: Septime Verlag (19. Februar 2018)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3902711744

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Gelesene Bücher 2018: 24
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Sonntag, 3. Juni 2018

Nickolas Butler / Die Herzen der Männer (1)

 Lesen mit Sabine St.

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Ein Buch über die inneren Abgründe der Männer; über deren Schwächen, Hemmungen und Nöte ... Ein Buch über Mobbing ...

Gestern Nacht habe ich endlich das Buch ausgelesen. Leider hat es nicht gehalten, was es in den ersten Abschnitten versprochen hat. Und das sehe nicht nur ich so. Da ich das Buch zusammen mit Sabine gelesen habe, habe ich unten ein paar unserer gemeinsamen  Eindrücke festgehalten. Sabine besitzt keinen Blog. Schade, denn Sabine kann sich wahnsinnig gut über ein gelesenes Buch ausdrücken, ähnlich wie auch meine Freundin Christina Sauer. Aber ich kann von Monerl, eine Lesefreundin aus meiner Heimatregion, die Rezension schon mal verlinken. Monerl hat das Buch letzte Woche gelesen, und sie hat mich gebeten, ihre Rezi noch nicht zu lesen, solange ich mit dem Buch zugange bin, damit ich nicht beeinflusst werde. Sie sei neugierig auf unsere Meinung. Am Ende dieser Besprechung kann man durch einen Klick auf Monerls Buchbesprechung zugreifen, die ich mittlerweile gelesen habe. 

Die Handlung
Der Held dieser Geschichte ist Nelson Clouthy. Er feiert im Sommer 1962 seinen 13. Geburtstag. Die Geschichte beginnt recht dramatisch. Nelson hat viele Jungs zu seinem Geburtstag eingeladen, die mit einer Ausnahme alle nicht erschienen sind. Sie wollen nichts mit Nelson zu tun haben. Nelson hat nicht genug Selbstvertrauen und dadurch auch keine Freunde, obwohl er in der Schule und bei den Pfadfindern erfolgreich ist. Er weint ganz entsetzlich. Die Mutter, Dorothy, nimmt seinen Jungen in den Arm, spricht tröstend auf den Jungen ein, während der Vater erst verbalaggressiv wird und anschließend den Jungen mit dem Gürtel schlägt, weil er die Tränen seines Sohnes nicht auszuhalten weiß. Gefühle werden hier vonseiten der Männer als Schwäche angeprangert. Nelson ist eine gutmütige Figur, die sensibel ist und keiner Fliege etwas zuleide tut.  Nelson befindet sich während der Sommermonate im Lager der Pfadfinder und muss auch dort viele Hürden überwinden. Hier sind nur Jungens unterwegs, aus denen richtige Männer herangezogen werden sollen, die z. B. fähig sein wollen, später in den Krieg zu ziehen ...
Im weiteren Ablauf bekommt man es mit weiteren männlichen Figuren zu tun, die ebenfalls grausam sind. Bis zum Schluss lernt man Männer kennen, die gewaltträchtig sind. In den letzten Episoden vergewaltigt ein Arzt eine Frau, nachdem er sie erst mit Schlaftabletten im Getränk narkotisiert hat … Dieser Arzt wurde schließlich wegen Vergewaltigung und wegen versuchten Mordes eingebuchtet …

Das Schreibkonzept
Der Ablauf der Geschichte besteht aus vier Teilen und aus 48 Kapiteln. Er beginnt historisch, Sommer 1962, und endet in der Gegenwart, Herbst 2019. Manchmal gibt es zwischen den unterschiedlichen Epochen Sprünge. Das heißt, wenn man sich in der Gegenwart befindet, wird man im nächsten Absatz plötzlich wieder in die Geschichte zurückversetzt. Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Man kommt schnell in die Handlung rein. Man hat es hier mit drei Generationen zu tun.

Für mich drei besondere aber fragwürdige Szenen
Vorsicht Spoiler

Erste Szene: Der Wettkampf
Die Pfadfinder entwickelten für einen Wettkampf zwei Mannschaften. Die Mannschaft, die den Wettkampf verloren hat, soll einen Nickel in die Latrine werfen. Ein Junge dieser Crew wird herausgepickt, der in die Latrine klettern soll, und in den Fäkalien nach dem Nickel suchen muss. Der Junge darf erst aus der Latrine herauskommen, wenn er den Nickel gefunden hat ... Mir war sofort klar, welche Mannschaft das Wettspiel verlieren, und welcher Junge auserkoren wird, in die Latrine zu steigen. Wollte der Autor uns mit dieser Szene schocken?

Zweite Szene: Die Ehefrau in der Selbstverteidigung
Nelsons Vater verliert seinen Job, angeblich, weil Nelson im Pfadfinderlager seine Kameraden wegen des gesetzeswidrigen Verhaltens an den Leiter des Lagers ausgeliefert hat. Als der Vater versucht, sich an seinen Sohn zu rächen und erneut gewalttätig wird, greift die Mutter ein, und sticht mit einer Gabel überall auf den Körper des Vaters ein und schmeißt ihn hochkant aus dem Haus. Dies war eine Szene, die mir eigentlich gut gefallen hat. Endlich wehrt sich mal eine Frau/Mutter gegen den fiesen Mann/Vater.

Dritte Szene: Das Versprechen
Nachdem Dorothy ihren Mann Glete aus dem Haus geworfen hat, muss sie schauen, wie sie alleine klarkommt. Nelson macht eine Ausbildung an der St. John Militärakademie ... Nach der Ausbildung kommt er wieder nach Hause. Als Nelson sich erneut aufmachen möchte, von zu Hause auszuziehen, um seinen eigenen Weg gehen zu können, muss er der Mutter zwei Versprechen abnehmen. Regelmäßig eine Karte schreiben, damit  sie weiß, dass ihr Sohn am Leben ist … Das zweite Versprechen bestand daraus,  jedes Jahr zu Weihnachten nach Hause zu kommen. Da Nelson die Mutter als sein bester Freund bezeichnet hat, geht man davon aus, dass er seine Versprechen halten wird. Tut er aber nicht. Nach seinem Auszug sieht er seine Mutter nicht mehr lebendig. Über ein Telegramm erfährt er viele Jahre später, dass die Mutter an einem Schlaganfall gestorben ist. Daraufhin fährt er zurück nach Hause, nimmt an der Beerdigung teil und macht eine Haushaltsauflösung, damit das Haus verkauft werden kann. In dem Kleiderschrank seiner Mutter findet Nelson alle Weihnachtsgeschenke, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, die die Mutter für ihn gekauft hatte. Spätestens hier müsste Nelson vor dem schlechten Gewissen in den Boden versinken. Tat er aber nicht, es waren keine ausreichenden Gewissensbisse, und deshalb war uns diese Szene nicht glaubwürdig genug. Etwas von der guten Erziehung der Mutter hätte in Nelsons Herzen einen liebevollen Anklang finden müssen. Erstrecht, weil sie nach dem Rauswurf des Vaters alleine zu Hause war. Selbst von Nelson, der eigentlich ein guter und sensibler Junge war, entwickelte man als Leserin ihm gegenüber spätestens hier ein negatives Herzensbild. Wie lieblos muss man sein, um eine so gute Mutter, die sich schmerzlichst nach ihrem Sohn sehnt, für ihre restliche Lebenszeit alleine zu lassen?

Natürlich sind das nicht die einzigen Szenen, die Fragen aufwerfen und nachdenklich stimmen. Weitere sind dem Buch zu entnehmen. 

Welches Weltbild versucht der Autor uns LeserInnen aufzuzwingen?
Die Antwort hätte ich eigentlich lieber von dem Autor selbst gehört. Und weil ich den Autor nicht fragen kann, kann ich sie mir nur aus meiner Sicht versuchen zu geben ...
Ich habe echt ein Problem anzunehmen, dass es in den Herzen der Männer reihum, über Generationen hinweg, so grauenvoll ausschaut, wie der Autor uns mit seinem Buch weiszumachen versucht. Ich kenne viele gutmütige Männer und viele anstengende Männer, andersherum aber kenne ich auch Frauen, die in ihrem Herzen ähnlich hart sind wie die Männer in der hiesigen Männerwelt. Sie greifen sicher nicht nach einem Gürtel, tun aber andere Dinge, die nicht weniger harmlos sind. Frauen, die nicht das Herz am rechten Fleck haben. Doch hier im Buch werden die Frauen eher idealisiert, während der Mann global in seiner gesamten Rohheit dargestellt wird.

Meine Meinung
Wie schon gesagt, waren die ersten 150 bis 200 Seiten vielversprechend. Doch nach und nach flauten meine Konzentration und mein Interesse immer mehr ab. Und die letzten 150 Seiten haben sich für mich lesetechnisch als schleppend erwiesen. Am liebsten hätte ich das Buch abgebrochen. Vom Niveau her hat mich dies an Elena Ferrantes Buch erinnert, das ich im ersten Band auch als recht einseitig und sehr klischeehaft erlebt hatte, wenn es darum ging, die Gesellschaft eines Landes literarisch widerzuspiegeln. Ferrantes Folgebände musste ich wegen dieser Einseitigkeit auslassen. Es hat sich an der Aggressivität dieser Gesellschaft nichts verändert ... Zurück zum Buch; mich hat außerdem gewundert, wie der sensible Jason es geschafft hat, sich zu einem Soldaten ausbilden zu lassen, um anschließend für den Vietnamkrieg eingezogen zu werden. 

Lesen mit Sabine St.
Dieses Buch hat für Sabine und für mich für viele Diskussionen gesorgt. Wir waren einer Meinung, dass das Buch wenig anspruchsvoll ist, die Handlungen nicht ausreichend glaubwürdig, und die ProtagonistInnen nicht wirklich authentisch, wenn man von den ersten Abschnitten absieht. Insgesamt psychologisch wenig fundiert. Enttäuscht waren wir auch von dem Verlag Klett-Cotta, der sonst recht anspruchsvolle Bücher auf den Markt bringt. Das Buch Die Herzen der Männer wäre besser in einem Verlag aufgehoben, der ausschließlich einfache Unterhaltungsliteratur produziert. Es hätte die LeserInnen erreicht, die sich von diesem Inhalt leichter beeindrucken lassen. Für anspruchsvolle Leserinnen, wie wir es sind, stellte sich diese Literatur als eine glatte Enttäuschung heraus. Dies ist aber nicht überheblich gemeint.

Buchtitel und Cover
Schon der Titel Die Herzen der Männer hätte mich nicht angesprochen, wenn das Buch von einem weniger anspruchsvollen Literaturverlag aufgesetzt worden wäre. Ich habe so meine Probleme mit Stereotypen. Sind denn wirklich alle Herzen der Männer gleich? Sicher gibt es in der Erziehung zwischen den Geschlechtern Unterschiede, auch heute noch, aber jedes Kind, das Gewalt in der Kindheit erfährt, wächst mit einer Störung auf, Mädchen sind davon nicht ausgenommen. 
Das Cover war ansprechend aber leicht austauschbar, wie man hier das Buch von Tilman Röhrig, Thoms Bericht, sehen kann. Wie blamabel. 

Sabine hat noch folgendes Buch gefunden:

Mein Fazit?
Das Buch war mir viel zu trivial, zu leicht durchschaubar, zu facettenarm. 

Ungeklärte Fragen
Ein Buch über Männer, ein Buch über Mobbing unter Männern, aber wer sind die LeserInnen? Welche Zielgruppe will man mit diesem Buch erreichen? Lesen auch Männer dieses Buch, oder sind es wieder mal hauptsächlich nur die Frauen die Interessentinnen? Dies würde mich wirklich interessieren.

Was hat mich zum Kauf dieses Buches veranlasst?
Aus persönlichen Gründen hat mich die Thematik gereizt.

Weitere Rezensionen:
Hier geht es zu Monerls Buchbesprechung.

Weitere Informationen zu dem Buch
·         Gebundene Ausgabe: 477 Seiten
·         Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 2. Druckaufl. (11. Februar 2018)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3608983139

Meine Bewertung?
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
1 Punkte: Differenzierte Charaktere
0 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
0 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
1 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein
Schs von zwölf Punkten

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Gelesene Bücher 2018: 23
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86

Montag, 21. Mai 2018

Joanne K. Rowling / Harry Potter und der Orden des Phönix (2)

Zweite von zwei Buchbesprechung zur o. g. Lektüre  

Ich habe es geschafft, den dicksten Potter auszulesen. Der fünfte Band, den fand ich bisher am anspruchsvollsten. Und leider war das auch der traurigste Band. Man hat hier des Öfteren Potter in seinen schwersten Lebenskrisen erlebt, und ich mit ihm getrauert habe, als er seine wichtigste Bezugsperson an Lord Voldemort verloren hat.

Jede Menge Zettelchen kleben zwischen den Buchseiten, und ich werde diesmal meine Buchbesprechung ein wenig ausweiten, damit ich in Zukunft, nach einer gewissen Zeit, mich mental immer wieder in das Geschehen einbringen kann. Wem die Buchbesprechung zu ausführlich ist, der kann einzelne Unterpunkte einfach querlesen oder überspringen. Dies ist der Vorteil an einer strukturierten Buchbesprechung. Man kann sich die Punkte aussuchen, die man lesen oder überspringen möchte. Trotzdem versuche ich mich auch an einem bedeckten Schreibstil zu halten. Wenn ich die Besprechung mit Hilfe von Unterpunkten gliedere, wird es mir helfen, nicht zu viel von den verschiedenen Handlungen zu verraten.

Sehr viel Stoff bietet das Buch, dass ich schauen muss, was ich hier einbringen werde.

Die Handlung
Wie geht es nun weiter mit der Geschichte in dieser zweiten Buchbesprechung?
Harry Potter bekommt einen Wachtraum, in dem er sieht, wie Mr Weasley von einer Schlange tätlich angegriffen wird und ihn lebensgefährlich verletzt. Potter warnt seine Freunde, niemand möchte ihm so recht glauben, aber tatsächlich, Mr Weasley befindet sich wegen eines Schlangenbisses in der Klinik. Das Abstruse an diesem Traum ist, dass Potter glaubt, dass er die Schlange gewesen sei und er habe Mr Weasley angegriffen und ihn töten wollen. Dahinter würde Lord Voldemort stecken. Potter glaubt, von Voldemort besessen zu sein und fühlt sich in seiner Haut nicht mehr wohl und hat Angst, er könnte von ihm ausgespäht werden. Potter kann nicht mehr richtig schlafen, aus Angst, Voldemort könnte im Schlaf erneut von ihm Besitz ergreifen. Er vertraut sich Sirius und dem Schulleiter an. Der Schulleiter Dumbledor verordnet ihm zum eigenen Schutz Einzelunterricht im Okklumentik bei Prof. Snape. Okklumentik ist eine Kunst, sich vor Wahrträume, wie Potter sie erlebt hat, zu schützen. Die magische Verteidigung des Geistes gegen das Eindringen von außen. Ausgerechnet Prof Severus Snape soll Potter unterrichten, der seinen Schüler partout nicht ausstehen kann. Potter kommt nicht sehr weit mit seinem Unterricht. Es fällt ihm schwer, das Gelernte umzusetzen. Ein Grund mehr für Snape, den Jungen runterzumachen.

Neuer Lehrer Firenze
Die Schule bekommt einen neuen Lehrer, den der Wildhüter Hagrid angeschafft hat. Einen Zentauren namens Firenze, den ich als schülerzugewandt erlebt habe. Allerdings wird dieser Zentaur von seiner Herde verstoßen, da er nun den Menschen dienen würde …  Ein glatter Verrat, die Herde versteht nicht, weshalb Firenze sein Wissen an Menschen weitergibt. Sie fühlen sich von ihm sogar entehrt … Die Zentauren werden es später mit der Lehrerin Umbridge zu tun bekommen ...

Prof Dolores Umbridge
Treibt auf der Schule weiterhin ihr Unwesen.
Sie schafft es, Prof Sybill Trelawney angeblich wegen des schlechten Unterrichts von der Schule zu verweisen.
Die Schülerin Marietta hat den Geheimclub DA verraten, sodass Potter verhört wird. Es droht ihm ein dauerhafter Schulverweis.
Der Schulleiter nimmt den Geheimclub DA auf seine Kappe, daraufhin verliert er seinen Posten als Schulleiter und Prof Umbridge rückt nach, sie wird die neue Schulleiterin. Dumbledore soll nach Askaban geschickt und vor Gericht gestellt werden.

Prof Severus Snape
Noch immer fies Potter gegenüber. Doch später wird klar, weshalb er es in so einer destruktiven Weise auf Potter abgesehen hat. Snape wird aus dem Büro gerufen, als er Potter Okklumentikunterricht erteilt. Er rennt raus, Potter bleibt unerlaubt im Büro und wagt einen Blick ins Denkarium. Dort sieht Potter seine Eltern, Albus Dumbledore, Black Sirius, Remus Lupin und Severus Snape, als sie selbst fünfzehnjährige SchülerInnen auf der Hogwarts waren. Snape war ein unbeliebter Schüler, der den Spitznamen Schniefelus erhalten hatte. Vor allem von dem arroganten James Potter wird er hochgezogen. Das kann Snape nicht vergessen und rächt sich an den Sohn Harry. Harry Potter wird nachdenklich und bekommt Mitleid mit Snape. Er wendet sich an seinen Paten, und möchte wissen, ob sein Vater tatsächlich ein so arroganter Fiesling gewesen sei … Aber Prof Snape rettet Potter auch vor Umbridge, die von ihm das selbsthergestellte Serum namens Veritae haben wollte, um damit herauszufinden, ob Potter bei ihrem Verhör die Wahrheit sagt. Snape gab an, kein Serum mehr auf Vorrat zu haben …

Prof Minerva McGonagall
Habe ich als sehr angenehm erlebt. Bei der Berufsberatung bzw. bei der Punkteverteilung setzt sie sich für Potter ein, während Umbridge Potters Leistung ins Negative zieht, ihn für untauglich hält. Potter will Auror werden. Im Beisein von Dolores Umbridge sagt Minerva McGonagall, dass sie Harry helfen würde, ein Auror zu werden. Eine sehr angenehme Szene.
Auch am Ende sorgt diese Minerva McGonagall für Gerechtigkeit allen Gryfindors-SchülerInnen gegenüber, als sechs der SchülerInnen sich dem Kampf gegen Voldemort im Zauberministerium gestellt hatten.
McGonagall ist selbst verletzlich, wird durch Umbridges miese Zaubereien angegriffen und ins Hospital gebracht.

Zwillinge Fred und Georg Weasley
Erfinden ein Pulver für die SchülerInnen, da sie der Meinung sind, dass sie alle an einer Umbrigitis 😈 leiden würden. Prof Umbridge kann die Zwillinge nicht aus der Schule werfen, da sie freiwillig ihren Abgang machen.  Sie verlassen die Schule ohne Abschluss und eröffnen einen Zauberladen mit Schabernack-Zauber-Artikeln. Ich fand diese Szene recht lustig.

Black Sirius
Hält sich weiterhin versteckt. Immer wenn Potter eine Aussprache gesucht hat, musste er es über den Zauberkamin mit einem Flohpulver machen. Das Flohpulver verhilft ZauberInnen, zu reisen. Wirft man eine Prise von dem Pulver ins Feuer, leuchtet es grün auf, und man kann durch den Kamin treten. Potter machte dies in Umbridges Kamin ...
Er erhält wieder einen Traum, diesmal würde sich Sirius in Gefahr befinden. Er ist stark beunruhigt, erzählt seinen FreundInnen Ron und Hermine und möchte ihm schnellstens zur Hilfe eilen. Sie versuchen Umbridge aus dem Büro zu locken, damit Harry den Kamin benutzen kann, um Kontakt mit Sirius aufzunehmen. Hermine steht draußen und hält Wache. Umbridge war diesmal schneller. Sie erwischt Potter am Kamin, die Wache wurde ausgetrickst … Beide SchülerInnen, Potter und Hermine, werden ausgefragt, mit wem Potter Kontakt aufgenommen habe. Hermine ist schlau und findet einen Weg, sie aus dieser kritischen Situation herauszufinden und führt Dolores Umbridge mit einer Lügengeschichte in den verbotenen Wald zu den Zentauren ...
Die SchülerInnen Ron, Hermine, Neville, Ginny, Luna und Potter machen sich mit Hilfe der Thestralen auf den Weg ins Zauberereiministerium nach London, um Sirius aus der Patsche zu helfen. Hier findet nun ein schwerer Kampf statt … In dem Zaubereiministerium wird Potter mit der Prophezeiung konfrontiert, die in einer Glaskugel gehalten wird.

Ist Potters Zukunft vorhersehbar? Ist sein Tod vorhersehbar? War der Tod seiner Eltern vorhersehbar? Voldemort hatte versucht, Harry als Kind aufgrund einer Prophezeiung zu töten.
  
Zum Scheibkonzept
Wie in den anderen Bänden, allerdings wird in diesem Band erst durch das Ende der Verlauf der Geschichte richtig rund. Ich habe das Ende wie einen geschliffenen Diamanten erlebt. Alles fügt sich zusammen.

Cover und Buchtitel?
Das Buchcover vorne; das könnte der magische Raum der Wünsche sein, in dem Potter 25 SchulkameradInnen bestimmte Zauberübungen beibringt, wie z. B. den eigenen Patronus finden und ihn zielbewusst zum Einsatz bringen. Potters Patronus ist der silberne Hirsch gewesen, der ihm am Anfang dieser Geschichte im Kampf gegen die Dementoren zu Hilfe kam.
Das Buchcover auf der Rückseite; das könnte die Schlange sein, die Mr Weasley lebensgefährlich bedroht hat.
Der Buchtitel, der erschloss sich mir auch erst am Ende. In dem Orden des Phönix befinden sich alle Mitglieder, die gegen Lord Voldemort kämpfen. Auch Prof Snape gehört diesem Orden an.

Ungeklärte Fragen
Wie kam Prof Severus Snape zu seinem Spitznamen  Schniefelus? Ich kann mich einfach nicht mehr erinnern, weshalb Snape diesen Spitznamen erhalten hat. Sicher kann meine Bücherfreundin Tina hier aushelfen.
Nachtrag: Ich habe eine Antwort von Tina bekommen. Ich kürze sie aber ab. Snape hat den Spitznamen erhalten, aufgrund seiner ungepflegten Erscheinung. Auf der ersten Zugfahrt hätte seine Nase getropft, daher der Schniefelus. 

Meine Meinung
Gelungenes Märchen, gelungene Fantasygeschichte. Allerdings finde ich sie für Zwölfjährige inhaltlich etwas zu schwer und zu düster. Sehr traurig fand ich den Verlust um Black Sirius. Die einzige Person, die eng mit Potters Eltern gelebt hatte, ist nun auch nicht mehr vorhanden. Dagegen angenehm fand ich, wie Umbridge ins Verderben gestürzt wird ... Schön fand ich den Zusammenhalt der fünf SchülerInnen Potter gegenüber.
Am Ende sind nun alle Gefahren überstanden, die Prüfungen geschrieben und mit Bravour abgeschlossen, sodass die SchülerInnen wieder für die großen Ferien zurück nach Hause fahren. Eine traurige Zeit für den jungen Harry? Potter ist nicht allein; die ganze Gemeinde steht während der Sommerferien hinter ihm, sollte er von der Verwandtschaft wieder diskriminiert werden. Das wurde den Dursleys sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. Na, da bin ich gespannt, ob sie sich im sechsten Band besser benehmen konnten.

Mein Fazit?
In der ersten Buchbesprechung hatte ich ein paar Lücken in meinem Kopf, da ich z. B. das Verhalten von Tante Petunia nicht ganz nachvollziehen konnte, als es darum ging, den Neffen durch den Onkel auf die Straße zu setzen. Sie wusste es zu verhindern. Wovor hatte sie Angst, ihren Neffen auszusetzen? Am Ende kommt die Auflösung. Es war der Schulleiter Albus Dumbledore, der der Tante einen Heuler geschickt hatte, um sie an ihre Pflichten zu erinnern ...

Zur Lesestruktur
Mir hat das gutgetan, die Geschichte zur Mitte hin aufzuteilen, sie in zwei Zeitabständen zu lesen und werde es nun mit allen voluminösen Büchern so handhaben. Es nimmt mir den Druck, zu lange an einem Buch zu lesen, und andere Bücher sonst so lange warten müssen, bis sie dran sind. Vor allem die Rezensionsexemplare, die man gerne sehr zeitnah durchnehmen möchte.

Meine Bewertung
2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein
 Zwölf von zwölf Punkten.

Und hier geht es zur ersten Buchbesprechung dieses Bandes.
___________
Wenn du die Wahl hast, ob du recht behalten
oder freundlich sein sollst,
wähle die Freundlichkeit.
(Dr. Wayne D. Dyer)

Gelesene Bücher 2018: 21
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86