Samstag, 5. Dezember 2015

Carla Guelfenbein / Der Rest ist Schweigen (2)

Lesen mit Anne 

Zweite von zwei Buchbesprechungen zur o. g. Lektüre

Das Buch verdient seine zehn von zehn Punkten. Die Autorin blieb ihrem Schreibstil bis zur letzten Seite treu. Ich habe vor, mir weitere Bücher von ihr anzuschaffen. Lt. Amazon gibt es nicht so viele in deutscher Übersetzung. Nur noch zwei weitere:
Nackt Schwimmen 
Die Frau unseres Lebens
Nun gut, dann habe ich nicht viel nachzuholen.

Wenn diese beiden Bücher ebenso gut ausfallen sollten, dann erkore ich Guelfenbein zu meinen Favoriten.

Und nun zum Inhalt:

Das Buch ist sehr facettenreich ...

Viele einsame Menschen treten hier auf, und die Einsamkeit macht vor dem Alter keinen Halt. Tommy ist kein Kind wie jedes andere. Schon allein die Herzoperation zwingt ihn zu einem sorgsamen Leben, das ihn von anderen Kindern absondert. Auch wenn die OP geglückt ist, kann er sich nicht bewegen wie andere in seinem Alter. In der Schule ist er bei seinen Mitschülern nicht beliebt, sie verspotten ihn recht boshaft. Jeden Tag befinden sich üble eMails in seinem virtuellen Postfach.
Hoer zu du asch. Bloeder wixer verpisss dich doch zu deiner Mami die hat dich ja soooo lieb du opfer lol …Strebersau hast ja e blos deine hefte als freunde … ..!!! .. hahahahaha spasti^ ^…
Tommy ist auch ein Träumer. Oft betrachtet er sich die Natur, in der er die Freiheit sucht. Es folgt nun ein Bild zu einem Vogelschwarm, das auch mich, noch heute, in das Träumen verführt:
Hoch oben verschwindet ein Schwarm Vögel hinter den dichten Wolken. Zugvögel machen mich ein bisschen neidisch, sie sind zu nichts verpflichtet und immer unterwegs an Orte, wo die Sonne scheint.
Sein Vater, der von Beruf Chirurg ist, versucht seinen Sohn von der Welt abzuschirmen, damit sein Herz keine unnötige Belastung auf sich nehmen muss. Tommy zieht sich immer mehr zurück und flüchtet in eine Fantasiewelt. Sein Vater verbietet ihm die fiktive Welt, die aus vielen fiktiven Freunden besteht. Kann man sie einem Kind verbieten? Eigentlich nicht.

Wenn ein Kind anders ist als andere Kinder, weil es schwächer ist, dann wird dieses Kind oft zum Außenseiter gemacht. Ich kenne das zu gut, ich kannte mal ein kleines Mädchen aus meiner eigenen Kindheit, die schon im Kindergarten aus bestimmten Gründen ausgesondert war ... Die anderen Kinder spüren, wenn ein Kind anders ist, wenn ein Kind schwächer ist ... Tommy ist für seine zwölf Jahre ein recht intelligentes Bürschchen. Durch seine Gedanken, die er in der Einsamkeit hegt, entwickelt er jede Menge Weisheiten und jede Menge Erkenntnisse, die für ihn lebensnotwendig sind.

Das folgende Zitat, bezogen auf die Kontaktarmut, verschaffte mir Gänsehaut. Dieses Erlebnis deckt sich mit meinen eigenen Erkenntnissen.
 Ich bin nicht gern allein, aber um einen Freund zu finden, müsste ich mich richtig anstrengen, und wahrscheinlich würde trotzdem nichts dabei rauskommen. Deshalb denke ich lieber über meine neusten Entdeckungen nach.
Dass sich seine Mutter das Leben genommen hat, erfährt Tommy durch Zufall. Auch eine seiner neusten Erkenntnisse, die er still für sich behält. Seitdem begibt er sich heimlich auf Spurensuche, um mehr von seiner Mutter in Erfahrung zu bringen. Auf dem MP3-Player nimmt Tommy heimlich Dialoge von den Erwachsenen auf ...
Mama hat sich das Leben genommen. Das ist die erste Erkenntnis. Aber wie komme ich weiter? Vielleicht wenn ich das zusammentrage, was ich schon weiß, aber vorher nicht wichtig fand. Wie dass Papa nie von ihr spricht. Oder dass er von all ihren Sachen nur das Foto aufgehoben hat, das ich aus der Schublade genommen habe. Oder dass Großvater die wenigen Male, wenn jemand Mama erwähnt, zu schlucken anfängt, als hätte er eine Kröte im Hals. Oder dass wir nie meine Großmutter in Buenos Aires besucht haben, noch nicht mal, als Großpapa gestorben ist. Einmal habe ich Papa nach den beiden gefragt, und er hat erzählt, dass sie wieder nach Buenos Aires gezogen sind, als Mama tot war, weil Großmama aus Buenos Aires kam.
In dem Buch findet man viele, viele schöne Zeichnungen aus Tommys Kinderhand.

Tommys Vater, Juan, der den Suizid seiner Frau nicht wirklich verwunden hat, flüchtet sich recht schnell in eine neue Beziehung und geht mit Alma den Bund der Ehe ein. Juan ist zwar ein guter Chirurg, doch ist er mit menschlichen Gefühlen schier überfordert, weshalb er es nicht schafft, sich in Tommys Welt einzufühlen. Er kennt die Probleme seines Sohnes nicht wirklich.

Alma bringt eine uneheliche Tochter mit in die Ehe, die jünger als Tommy ist. Alma, die aus einer nicht einfachen Familie kommt, in der die Mutter, als Alma noch klein war, mit fast allen Männern geschlafen hat, musste erst mal lernen, damit umzugehen. Alma hatte zwar einen Vater, der für sie sorgte, als er sich von der Mutter getrennt hatte. Trotzdem war Alma auch schon in jungen Jahren ein recht einsamer Mensch und blieb von Mutters exzentrischem Verhalten geprägt und gezeichnet. Alma versuchte aus ihrem Leben etwas Besonderes zu machen. Als junge Frau zog sie nach Spanien und erwarb dort auf einer Schauspielschule ihren Universitätsabschluss. Sie wollte auf keinen Fall wie ihre Mutter werden, auf keinen Fall in ihre Fußstapfen treten. Doch auch hier holt sie die Vergangenheit ein, denn sie schafft es nicht, eine stabile Bindung zu einem Mann zu halten ..., da auch sie versucht, ihre Eheprobleme mit Juan wegzuschweigen, stattdessen flüchtet sie in eine andere Beziehung. Der Jugendfreund Leo, der einst auch mit Almas Mutter sexuellen Kontakt gepflegt hatte, wird auch für Alma wieder interessant ...
Zwischen Juan und mir ragt eine Mauer, über die hinweg wir uns sehen können, durch die aber jede echte Begegnung verhindert wird. Selbst hier im Dunkeln sehe ich sein verbissenes Gesicht, seine energischen, verärgerten Handgriffe. Schweigen ist so facettenreich wie reden, und ich spüre, dass Juans Wortlosigkeit zu einem Zorn gehört, dessen Tiefe und Ursprung ich womöglich gar nicht kenne.
Sie schweigen, bis das Schicksal sie zwingt, das Schweigen zu brechen, aber bis dahin kann alles zu spät sein. Ich möchte nicht allzu viel verraten ...

Auch Almas Mutter schaffte es nicht, über ihre Probleme mit der Tochter zu reden, damit Alma die Chance gehabt hätte, ihre Mutter besser zu verstehen. Eine Mauer baute sich im Laufe des Lebens zwischen der Tochter und der Mutter auf. Alma versuchte als erwachsene Frau ihrer Mutter näher zu kommen. Dazu die Reaktion ihrer Mutter:
Wäre ein bisschen spät, wenn ich jetzt anfangen wollte, dir meine Probleme zu erzählen. (…) Wir können uns erzählen, was wir gerade lesen, können gemeinsam einen Sonntagnachmittag verbringen, Lola beim Großwerden zuschauen. Das ist weit mehr, als viele andere Mütter und Töchter miteinander teilen. 
Hier mache ich nun Schluss.

Aus dem Anhang ist zu entnehmen, dass es Tommy tatsächlich gegeben hat. Die Zeichnungen sind von ihm.

Mein Fazit zu dem Buch?
Manchmal geht das Leben, so sehr wir uns auch anstrengen, über uns hinweg. Was wir tun und was wir empfinden, liegt nicht ausschließlich in unserer Hand. Es wird auch davon bestimmt, was andere uns geben oder nehmen, was sie uns verschweigen, was sie zu uns sagen, von unserer Geschichte.
(Almas Mutter im Gespräch mit der Tochter)
Zu Annes Buchbesprechung 
___________
Auch nach der schwärzesten Nacht geht immer wieder die Sonne auf.
(Agatha Christie)

Gelesene Bücher 2015: 67
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Donnerstag, 3. Dezember 2015

Carla Guelfenbein / Der Rest ist Schweigen (1)

Lesen mit Anne ...

Eine von zwei Buchbesprechungen

Das Buch gefällt mir recht gut, muss aber sagen, dass ich ein wenig gebraucht habe, um mich reinzufinden. Die IcherzählerInnen wechseln nach jedem Kapitel und man benötigt etwas Zeit, bis man weiß, welche Figur nun aus deren Perspektive spricht. Wenn man aber die Figuren so langsam kennengelernt hat, dann fällt der Wechsel von der einen Stimme in die nächste auch nicht mehr so schwer. Manchmal sind die Geschichten auch zeitversetzt. Das ist ebenso ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Die südamerikanische Schriftstellerin, die in England Biologie und Design studiert hat, kann wunderbar schreiben. Man findet einen super tollen kreativen Ausdruck vor, dazu noch sehr lebendig und sprachlich vielseitig. Gefällt mir gut. Damit mich am Ende nicht die vielen schönen Zitate erschlagen werden, schreibe ich jetzt ein paar Zeilen, auch damit sich mir die vielen Buchstaben von meinem geschriebenen Text nicht lösen und vor meinen Augen schwimmen. (Ja, ich sehe sehr schlecht, trotz neuer Sehhilfe, und meine Augen haben sich deutlich verschlechtert.)

Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein. Wer ihn noch in Erinnerung hat, der kann den Klappentext gerne überspringen.
Das Wort trifft den kleinen Tommy wie ein Schlag, als er bei einem Familienfest unter dem Tisch hockt und lauscht: Selbstmord. Seine geliebte Mutter hat ihn freiwillig verlassen. Während der zarte Junge sich auf die Suche nach der verschwiegenen Wahrheit macht, ringen sein Vater, der arrivierte Chirurg, und dessen zweite Frau Alma ihrerseits mit all dem Unsagbaren, Ungesagten, an dem sie fast zu ersticken drohen. Wie Planeten mit einem heißen Kern aus Sehnsucht kreisen Tommy, Juan und Alma umeinander und bleiben sich auf ihren Umlaufbahnen doch fern. Erst als das Leben brutal dazwischenfährt, scheint so etwas wie Nähe wieder möglich - doch der Preis ist hoch.Clara Guelfenbein macht ihren Figuren ein Geschenk: sie lässt sie reden, von sich und denen, die sie lieben. In wechselnden Stimmen entfaltet sich so das Drama einer modernen Familie - bestürzend in seiner Unausweichlichkeit, aber auch voller Zärtlichkeit und Hoffnung.
Vielleicht bin ich mit den vielen unterschiedlichen Icherzählern so irritiert gewesen, weil ich nur mit Tommy gerechnet habe, der die Menschen beobachtet und über diese spricht, wobei der Klappentext seine Leserinnen darauf vorbereitet, dass auch andere aus Tommys Familie zu Worte kommen.

Tommy, der sich von seiner Mutter, die noch leben könnte, wäre sie nicht freiwillig aus dem Leben geschieden, verlassen fühlt, wird vielleicht für sein Leben geprägt sein. Obwohl er eine Stiefmutter hat, die ihn liebt wie ihr eigenes Kind, denkt Tommy immer wieder an seine leibliche Mutter. Den Grund des Suizids konnte er noch nicht in Erfahrung bringen.

Würdet ihr lieber leiden oder tot sein? fragt der kleine Tommy seine Stiefmutter Alma und deren Jugendfreund Leo, der bei ihnen auf Besuch ist. Als die beiden unisono mit Leiden geantwortet haben, dachte der Junge an seine Mutter, die sich für den Tod entschieden hatte.

Tommy rechnet aus, wie viele Formen es geben könnte, sich selbst in den Tod zu treiben.

Mit welchen ernsten Gedanken schon kleine Kinder beschäftigt sind. Das Schicksal, das sie dazu treibt.

Leo und Alma lesen sehr gerne, lieber als alles andere auf der Welt. Als Leo von Alma die Frage gestellt bekommt, weshalb das Lesen für ihn so wichtig sei, kommt folgende Antwort:
Wahrscheinlich weil ich beim Lesen in eine Welt hineingehen kann, die neben meiner herläuft. 
Ja, das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Doch Leo liest nicht nur gerne, er schreibt auch recht viel. Alma ist sicher, dass er ein guter Schriftsteller abgeben würde.
Wieso bist du dir da so sicher? fragt Leo ein wenig ungläubig und gleichzeitig hoffnungsvoll.
Weil du gut lügst, war die Antwort.
Eine recht interessante Antwort, über die ich gestolpert bin, da für mich die belletristischen Bücher eine andere Form von Wahrheit in sich tragen. Eine Wahrheit, die zum Beispiel ins Unbewusste führt.

Nachtrag zu Tommys leiblicher Mutter
Habe noch vergessen zu erwähnen, dass auch der Leserin der Grund des Suizids noch verschlossen ist. Man erfährt lediglich, dass Tommys Mutter, namens Soledads, als eine zartbesaitete Persönlichkeit beschrieben wird. Sie hatte Kunstgeschichte studiert und durch die Krankheit ihres Sohnes gab sie ihre Karriere auf. Tommy wurde mit drei Jahren an einer schweren Herzerkrankung operiert und die Mutter verbrachte jede Minute mit ihrem Kind. Eine Wesensänderung nahm Tommys Vater, Juan, allmählich wahr.


Dienstag, 1. Dezember 2015

Carla Guelfenbein / Der Rest ist Schweigen

Lesen mit Anne

Und wieder ist ein Monat vergangen, Anne und ich lesen gemeinsam ein Buch. Diesmal habe ich unsere gemeinsame Lektüre ausgesucht.


Klappentext
Das Wort trifft den kleinen Tommy wie ein Schlag, als er bei einem Familienfest unter dem Tisch hockt und lauscht: Selbstmord. Seine geliebte Mutter hat ihn freiwillig verlassen. Während der zarte Junge sich auf die Suche nach der verschwiegenen Wahrheit macht, ringen sein Vater, der arrivierte Chirurg, und dessen zweite Frau Alma ihrerseits mit all dem Unsagbaren, Ungesagten, an dem sie fast zu ersticken drohen. Wie Planeten mit einem heißen Kern aus Sehnsucht kreisen Tommy, Juan und Alma umeinander und bleiben sich auf ihren Umlaufbahnen doch fern. Erst als das Leben brutal dazwischenfährt, scheint so etwas wie Nähe wieder möglich - doch der Preis ist hoch.Clara Guelfenbein macht ihren Figuren ein Geschenk: sie lässt sie reden, von sich und denen, die sie lieben. In wechselnden Stimmen entfaltet sich so das Drama einer modernen Familie - bestürzend in seiner Unausweichlichkeit, aber auch voller Zärtlichkeit und Hoffnung.


Autorenporträt
Carla Guelfenbein wurde 1959 in Santiago de Chile geboren. In Reaktion auf das Regime Pinochets verließ sie Chile und studierte in England Biologie und Design. Heute lebt sie als Schriftstellerin und Drehbuchautorin wieder in ihrer Heimat. ›Nackt schwimmen‹ ist ihr vierter Roman, auf Deutsch erschienen bereits ›Die Frau unseres Lebens‹ sowie ›Der Rest ist Schweigen‹ .
Ich bin noch nicht allzu weit. Anne scheint von dem Buch recht angetan zu sein, während ich mich noch an den Schreibstil gewöhnen muss.

Und hier geht es zu unserer gemeinsamen SuB-Liste:

Annes und Miras SuB


Montag, 30. November 2015

Jules Verne / Eine Reise um die Erde in 80 Tagen (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch habe ich durch. Ein Abenteuerbuch, das war es. Ich habe es gerne gelesen, allerdings fällt mir nichts dazu ein, was ich schreiben könnte. Jules Verne gehört für mich zu den AutorInnen, deren Bücher ich zwar gerne lese, aber ohne das Verlangen, großartig darüber schreiben zu müssen.
Vernes Werke lesen sich anders als die übrigen Klassiker. Ein wenig abstrus, auch weil die Bücher zu dem Genre Fiction zählen. Ich musste mich an den Erzählstil etwas gewöhnen. Ehrlich gesagt, ist es mir zu absurd, die Welt in nur 80 Tagen, so ganz ohne Flieger, zu bereisen.

Mal schauen, was mir so einfallen wird.

Doch zuerst gebe ich zur Erinnerung erneut den Klappentext rein:
Der reiche englische Gentleman Phileas Fogg wettet mit anderen Mitgliedern des Reform Club in London um 20.000 Pfund Sterling, dass es ihm gelingen werde, in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Aufgrund der überstürzten Abreise mit seinem französischen Diener Jean Passepartout gerät er in den Verdacht, der Bankräuber zu sein, der gerade 55.000 Pfund Sterling erbeutet hatte. Der übereifrige Detektiv Mister Fix heftet sich an seine Fersen und auf der Reise um die Erde gilt es für Fogg und seinen Diener, zahlreiche Abenteuer und Gefahren zu meistern. 
Dass der Protagonist Philea Fogg kein Bandit ist, war mir so ziemlich schnell klar. Vor allem machte ich das an der oberflächlichen Betrachtung des Detektivs Fix fest. Ohne stichhaltige Beweise reiste er Fogg nach und forderte schon im Ausland einen Haftbefehl.

Fogg ist ein akkurat lebender Mensch, der in allem, was er tut, mathematisch tätigt, sogar in den banalsten Aktivitäten wie z. B. das Gehen, indem seine Schritte genaustens abgezählt sind. Fogg wird von seinem Diener namens Passepartout als eine menschliche Maschine bezeichnet. Passepartout freute sich sehr, als er den Job bekam, diese Maschine bedienen zu dürfen

Und dementsprechend genau stellte Fogg seine Berechnungen für die Weltreise auf. Sie begaben sich, Fogg und sein Diener, von jetzt auf gleich, nachdem der Reiseplan erfolgt ist, auf den Weg. Nicht einmal die Koffer wurden gepackt. Kleider sollten vor Ort gekauft werden. Ein Reisesack mit zwei Hemden aus Wolle, da es Dezember war, mehr befand sich nicht im Handgepäck.

Der noch dazu introvertierte Fogg verhält sich zwar von seinen Gefühlen her sehr reserviert und kühl, doch hat er das Herz am rechten Fleck. Er begegnete zwei Bettlerinnen, eine Mutter mit Kind. Fogg gab ihnen mit folgenden Worten Geld:
Hier nehmen Sie, brave Frau, es ist mir lieb, dass ich Sie getroffen habe.
Eine gute Tat vollbringt Fogg über seine gesamte Reise hindurch …, weshalb er mir äußerst sympathisch ist.

In London rätselten die Herren, woran man einen Dieb erkennen könne, da Fogg keinesfalls wie ein Dieb ausschauen würde. Ich musste so schmunzeln, als die Bemerkung fiel, dass die großen Diebe den ehrlichen Menschen recht ähnlich sehen würden …

Foggs Exkursionen fallen recht teuer aus, sodass er sich am Ende der Reise fast wie ein armer Mann fühlte, wäre da nicht die große Liebe, der er im Ausland durch die Rettung der Maharani, begegnet ist und begreift diese als seinen neuen Reichtum, nachdem sich die beiden in London vermählten.

Was mir gar nicht gefallen hat, ist, dass der Autor die Indianer, die in dieser Geschichte die Weißen überfallen haben, als die Bösen dargestellt hat. In Wirklichkeit sind es die Weißen gewesen, die die Indianer überfallen haben, und ihnen die Lebensräume raubten. Eine bewusste oder unbewusste rassistische Verwechslung, wie die Weißen es schaffen, die Rollen von Gut und Böse zu vertauschen.

Das Buch erhält von mir neun von zehn Punkten.

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Auch nach der schwärzesten Nacht geht immer wieder die Sonne auf.
(Agatha Christie)

Gelesene Bücher 2015: 66
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Montag, 23. November 2015

Jules Verne / Reise um die Erde in 80 Tagen


Klappentext
Der reiche englische Gentleman Phileas Fogg wettet mit anderen Mitgliedern des Reform Club in London um 20.000 Pfund Sterling, dass es ihm gelingen werde, in 80 Tagen um die Welt zu reisen.Aufgrund der überstürzten Abreise mit seinem französischen Diener Jean Passepartout gerät er in den Verdacht, der Bankräuber zu sein, der gerade 55.000 Pfund Sterling erbeutet hatte. Der übereifrige Detektiv Mister Fix heftet sich an seine Fersen und auf der Reise um die Erde gilt es für Fogg und seinem Diener zahlreiche Abenteuer und Gefahren zu meistern.

Autorenporträt
Jules Verne (1828 bis 1905) war ein begeisterter Beobachter der Dinge, die sich um ihn herum ereigneten. Er lebte in einer Zeit, in der sich die Welt rasant veränderte. Auf allen Wissensgebieten, Physik, Chemie, Mechanik wurden neue Entdeckungen und Erfindungen gemacht. Jules Verne ließ sich von der Stimmung des Umbruchs und des Fortschritts mitreißen. Nichts schien den Menschen damals unmöglich! Genau das regte den Schriftsteller zu seinen weltberühmten Abenteuerromanen an. Er gilt heute noch als einer der "Erfinder" der Science-Fiction.

Von dem Autor habe ich Reise zum Mittelpunkt der Erde gelesen.  Das Buch hatte mir recht gut gefallen. Ich glaube, dass das vorliegende Buch mir auch zusagen wird. Ich lese mit Interesse und Spannung weiter.



Sonntag, 22. November 2015

Dick & Felix Francis / Schikanen (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Dies ist einer der besten Krimis, den ich bisher gelesen habe. Wobei ich ja keine klassische Krimileserin bin. Ich habe also nicht so viel Ahnung davon. Denn ich glaube, für einen richtigen Krimileser ist dieser hier nicht wirklich glaubwürdig, denn auch mich stimmte er ein wenig kritisch. Da wird jemand des Mordes beschuldigt, ohne dass tatsächlich ausreichende Beweise dafür vorliegen, während die wahren Täter frei herumlaufen und weiter ihr Unwesen treiben. Dies erklärt vielleicht auch, weshalb die Juristerei in England hier im Buch äußerst kritisch betrachtet wird. Sie halten einen unschuldigen Menschen namens Steve Mitchell fest, weil der Mord zu einem anderen Menschen mit den Instrumenten begangen wurde, die Mitchell gehörten … Wie dumm kann ein Mörder sein, der seine Spuren am Tatort nicht verwischt? Dies stimmte mich gleich zu Beginn des Buches kritisch, denn Mitchell wirkte auf mich alles andere als dumm und so wusste ich sofort, dass er unmöglich der Mörder sein konnte. Doch das Gericht sah das anders, da Mitchell und der Ermordete zu Lebzeiten noch dazu Erzfeinde waren. Aber auch das beweist noch lange keinen Mord ...

Aber trotzdem hat mir der Krimi gefallen und er bekommt von mir gleich vorneweg zehn von zehn Punkten. Er war bis zum Schluss spannend und der Erzählstil wirkte auf mich recht authentisch.

Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:
Geoffrey Mason ist erleichtert, als sein Mandant – ein brutaler Schläger – hinter Gitter kommt. Doch Freiheit und Strafe liegen nur einen Richterspruch voneinander entfernt: Als das Gericht das Urteil revidiert, wird das Verhältnis zwischen Anwalt und Klient zum Albtraum ... »Schuldig«, befinden die Geschworenen. Und das Gericht folgt dem Urteil der Jury. Selbst der Verteidiger, Geoffrey Mason, hat dem nichts hinzuzufügen. Insgeheim findet er sogar, dass die acht Jahre Gefängnisstrafe zu wenig sind, denn der jugendliche Schläger hat eine ganze Familie auf dem Gewissen. Es ärgert ihn, dass er die Verteidigung dieses Jungen überhaupt übernommen hat. Und noch etwas ärgert ihn: Wegen dieses Prozesses am Old Bailey verpasst er das Amateurrennen in Cheltenham. Bei dem er gute Chancen gehabt hätte, zu siegen. Auf dem Turf vergisst Anwalt Mason jeweils alles, was mit Strafrecht zu tun hat. Umso mehr erschrickt er, als gerade dort, wo er Zerstreuung sucht, ein Verbrechen geschieht – und er noch dazu selbst bedroht wird.
Da man aus Krimis nicht so viel verraten darf, halte ich mich kurz. Wie aus dem Klappentext hervorgeht, wird der junge Anwalt Geoffrey Mason von dem wahren Mörder namens Julian Trent bedroht, der wiederum Komplizen haben musste …
Auf mich wirkten die vielen Verbrechen wie eine organisierte Kriminalität …
Julian Trent und seine Freunde und Verwandten zerstörten Menschenleben auf Schritt und Tritt, indem sie anständigen Leuten Gewalt antaten und sie dazu brachten, Dinge zu tun, die sie normalerweise nie tun würden; sie beugen das Recht, wie es ihnen passte, und alle anderen konnten sehen, wo sie blieben-auch ich.  
Mason bekam immer wieder Anrufe von Anonymus mit folgendem Wortlaut:
BRAVER KLEINER ANWALT,
ICH BEOBACHTE SIE AM MITTWOCH IN OXFORD. HOLEN SIE MITCHELL NICHT GEGEN KAUTION RAUS. SCHÖN DEN FALL VERLIEREN, SONST WIRD JEMAND VERLETZT.
Mason spürte am eigenen Leib recht schnell, dass Julian Trent und Co seine Drohungen sehr wohl wahr zu machen wussten ...

Mehr verrate ich nicht.

_____
Auch nach der schwärzesten Nacht geht immer wieder die Sonne auf.
(Agatha Christie)

Gelesene Bücher 2015: 65
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86



Donnerstag, 19. November 2015

Autobiografisches zu meinen Büchern


 

Ein paar Zeilen über meine Herkunft und über das Leben mit meinen Büchern 

Da dies ein privater Blog ist, stelle ich mich mit dem Vornamen vor, für die, die mich nicht persönlich kennen. Mein Name ist Mirella; ich werde oft auch mit Mira abgekürzt, beide Anreden sind o.k., da Mira ohnehin die Kurzform von Mir(ell)a ist.

Ich bin gebürtige Darmstädterin, aber in Riedstadt-Goddelau habe ich meine Kindheit und Jugend zugebracht. Ich bin außerdem bilingual aufgewachsen, Deutsch und Italienisch, ich besitze auch zwei Pässe, aber meine dominante Sprache, die sich bei mir durchgesetzt hat, ist die deutsche, so wie auch meine Identität die deutsche ist, wenn ich mich auch tief in meinem Inneren als einen Weltmenschen begreife. Dadurch, dass ich meine Gedanken in deutscher Sprache denke, und nachts in deutscher Sprache träume, bezeichne ich mich auch unbewusst als Deutsche … Und meine Wurzeln? Na, ganz einfach. Wenn ich mein ganzes Leben in Deutschland zugebracht habe, dann versteht es sich eigentlich von selbst, dass ich meine Wurzeln in Deutschland geschlagen habe. Dies führt bei kulturunreflektierten Leuten oftmals zu Irritationen, da sie noch immer im Glauben sind, die nationale Identitätsentwicklung würde genetisch gesteuert werden. Obendrein ist die Identitätsentwicklung kein abgeschlossener Prozess, ist bis zum Tod immerzu wandelbar … Und für meine Taten, für meine Gedanken und Gefühle sind keine Gene, sondern für diese bin ich ganz alleine selbst verantwortlich.


Heimat ist da, wo man die Kindheit verbracht hat.
(Daniel Kehlmann)

Meiner bikulturellen Herkunft habe ich es jedoch zu verdanken, dass ich z.B. auch in der Literatur auf breitem, internationalem Gebiet kundig bin, was aber nicht heißen soll, dass andere Menschen, die aus einer Monokultur kommen, dazu nicht auch in der Lage wären. Aber die meisten Leute, die ich kenne, lesen hauptsächlich Bücher aus Deutschland, England, Frankreich, Amerika und aus dem hohen europäischen Norden … und viele andere beschränken sich hauptsächlich auf deutsche Autor*innen.


Angefangen zu lesen habe ich, wie fast jedes andere Kind auch, in meiner Grundschulzeit, und ich suchte regelmäßig unsere Jugendbibliothek auf, die es in Riedstadt-Goddelau damals noch gab. Eigentlich hatte mein Interesse an Büchern schon im Kindergartenalter begonnen, indem ich selbst kreativ mit Stift und Papier Bücher herstellte. Außerdem hatte ich die Buchstaben in dem fiktiven Buch eher erfunden, wie mir viele Jahre später meine damalige Erzieherin mitgeteilt hat. 

Ich war eine richtige Leseratte und ich verbrachte jede freie Minute mit meinen Büchern. Ich bevorzugte Bücher statt Spielgefährten. Nach Einschätzung meiner Eltern, die es wohl nur gut mit mir meinten, las ich zu viel, sodass man mir die Bücher wegnahm, um mich aus meiner Isolation zu befreien, mit der Konsequenz, dass ich nun erst recht begann, alles zu lesen, was ich nur in meine Hände bekommen konnte … Auch Unsinniges wie z.B. Marmeladengläser. 

Aber lange konnten auch meine Eltern mein verhängtes Leseverbot nicht durchhalten ...

Wundervolle Erinnerungen habe ich auch mit Comics. Meine Geschwister und ich haben sie so geliebt. Häufig brachte unsere Mutter uns nach der Arbeit jedem von uns aus dem Schreibwarengeschäft ein Comic-Heft mit, das wir untereinander auswechselten, sodass wir in den dreifachen Genuss kamen, da wir zu dritt waren. Was für eine Gaudi. (In unserer Ortschaft gab es und gibt es noch immer keine Buchhandlung.) Geprägt haben mich alle Figuren. Ich möchte alle noch einmal aufschreiben, unsortiert. Mal schauen, welche Figuren mir von den wichtigsten noch kommen: Tick, Trick und Track. Goofy, Die Panzerknacker, Donald Duck, Micky Maus, Daisy Duck. Snoopy, Fix und Foxi, Daniel Düsentrieb. Die heftigste Nummer war für mich aber Dagobert Duck. Er ließ mich überhaupt nicht mehr los: Der alte Geizkragen, der seine Kopfsprünge im Geld tätigte und darin baden konnte. So wie der wollte ich auf keinen Fall werden. Während andere Kinder nur davon träumten, einmal so reich wie Dagobert zu sein, entwickelte ich mich in die entgegengesetzte Richtung – ich wollte werden wie Charles Dickens, s. u. .

Und tatsächlich lebte ich als Kind und Jugendliche großzügig. Meine Mutter machte sich um mich Sorgen und bläute mir ein, wenn ich mein Verhalten nicht ändern würde, würde ich es nie zu Geld bringen … Und ja, ich lebe noch immer bescheiden, Luxusgüter haben mich nie sonderlich angelockt. 


Angeblich zählt diese Art von Literatur nicht zur hohen Literatur. Für mich nicht. Sie hat mich nicht verdorben, denn ich konnte aus jeder Figur Brauchbares herausziehen. 

Wer mich noch aus meiner Jugend nachhaltig geprägt und mir Weichen für mein späteres Leben gelegt hatte, das war ganz besonders der alte Klassiker von Charles Dickens.


Bildquelle: Wikipedia

Auch wenn Dickens manchmal, nun aus der Sicht einer Erwachsenen, schnulzig schreibt, liebe ich ihn wegen seiner Feinfühligkeit und dadurch wegen seiner Menschlichkeit dennoch sehr, obwohl ich mittlerweile wie aus einem beengten Kleidungsstück aus Dickens herausgewachsen bin. Ich merke, als ich jüngst seine Weihnachtsgeschichten mit meiner Lesefreundin Anne gelesen habe, dass ich nicht mehr in dieses Kleid passe und meine Euphorie dadurch deutlich nachgelassen hat. Weil die reale Welt draußen zu facettenreich ist, zu komplex … Bei Dickens ist die Welt so geordnet. Hier die Guten, dort die Bösen, und am Ende hat häufig die Gerechtigkeit gesiegt. Anders als im wirklichen Leben. 

Bildquelle: Pixabay

Aber als Kind hat er mir geholfen, mich zu orientieren. Ein Gefühl zu entwickeln für die menschlichen Nöte ... Würde das Schicksal bei mir einschlagen und mir wie ein Dämon alle Bücher rauben wollen, dieser aber dennoch so gnädig wäre, mir die Wahl zu lassen, einen einzigen Autor wenigstens behalten zu dürfen, so leid wie es mir für die vielen anderen Autor*innen meiner Lieblinge ginge, es wäre aber Charles Dickens, den ich retten würde, wenn dieser Dämon tatsächlich unbesiegbar für mich wäre. Er hat ganz besonders in meiner Seele Wurzeln geschlagen. 

Charles Dickens war mein Vorbild / Kindheitsprägungen

Viele meiner Mitmenschen bezeichnen mich heute als sehr empathisch. Dies habe ich ausschließlich ihm zu verdanken, da ich meine Kindheit in einer recht kühlen Welt zugebracht hatte, in der es mir an warmen Vorbildern gefehlt hat. In der Schule gab es eine Lehrerin, die uns zu lehren versuchte, dass man Bettlern kein Geld geben dürfe, da sie Armut nur vortäuschen würden. Zu Hause ähnliches Bild: Menschen gegenüber, die in der Gesellschaft als Versager gelten.

Meine Mutter erzählte, dass sie mir, als ich zehn Jahre alt war, eine kleine Tüte mit gesparten Münzen geschenkt hatte. Ich sollte hinausgegangen sein, und hätte die Tüte einem Obdachlosen überreicht, worüber sie ziemlich erbost war. Schade, dass ich mich an diese Szene gar nicht erinnern kann. Nur mein Vater hatte ein Gespür für meine weiche Seite, die ich nach außen hin durch komplizierter Zwischefälle meist verbarg.

Tränen sind mir gelaufen, wenn ich  Dickens gelesen habe, und auch die Verfilmungen hatten mich innerlich tief berührt. 

In meiner Sammlung fehlt mir noch der Kinderklassiker Oliver Twist, mit dem nun mal bei mir mit Dickens alles begann. Ich habe mich nicht beeilt, ihn mir nachträglich anzuschaffen, da es ihn bei vielen Verlagen nachzukaufen gibt. Ein paar andere Werke konnte ich aber von meiner Jugend in mein erwachsenes Leben hinüberretten. Aber viele andere habe ich später völlig neu entdeckt.




In meinem Regal sehen meine Dickens' recht bescheiden aus. 




Charles Dickens und Dagobert Duck gegenübergestellt, diese beiden Extreme, dass gerade diese beiden mein Leben dermaßen geprägt haben, betrachte ich heute nicht mehr als einen Zufall. Während andere Kinder nur davon träumten, einmal so reich wie Dagobert zu sein, entwickelte ich mich in die entgegengesetzte Richtung – ich wollte werden wie Dickens.

Demnach war mein Leben schon immer von Büchern und anderer Art von Literatur umgeben. Die Figuren habe ich häufig zusammen mit den Autoren in mir aufleben lassen. Habe heute in der Buchhandlung Kinderbücher 
gefunden, Kinderklassiker, die jeweils haargenau dasselbe Cover tragen wie damals die Bücher zu meiner Zeit. Mein Herz ging auf und ich musste zugreifen. Zum Andenken, zum Wiedererinnern. Büchererlebnisse frühester Zeit, während es bei den ersten Buchbänden die Abbildungen sind, die Erinnerungen in mir wachrufen ... 

Mit Beginn meines Studiums der Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main hörte ich allerdings auf, belletristische Bücher zu lesen. Ich begann nur noch Fachbücher zu lesen, was sich auch noch nach meinem Studium fortsetzte. Diese humanwissenschaftliche Literatur aus verschiedenen Fachrichtungen wie z. B. der Psychologie, Pädagogik, Soziologie und Empirie fand ich faszinierend – eine Welt, die ich so schnell nicht wieder verlassen wollte. Ich war massiv wissenshungrig, war „faustisch“ unterwegs … Erst zehn Jahre nach meinem Studium habe ich begonnen, erneut Belletristik zu lesen. Und mittlerweile lese ich beide Formen von Literatur, wenn auch die Belletristik gerade überwiegt, da ich beruflich schon viel mit Fachliteratur eingedeckt bin.

Ich habe leider nicht gelernt, mein Wissen nach außen zu zeigen. Es schlummerte leise vor sich hin. Ich war für viele ein Rätsel. Um mein Wissen innerlich zu wahren, musste ich es schützen wie Mütter ihre Babys. Erst an der Goethe-Uni ließ ich es raus und erst dort fand ich meine Alma Mater. 

Ich lese Bücher querbeet aus vielen Bereichen. Außer die Genres Krimi, Science Fiction und Liebesromane. Ich informiere mich über ein Buch durch Literaturforen und durch Magazine und Kulturradio, aber ich befinde mich auch oft auf Entdeckungsreisen.


Viele Grüße aus Darmstadt 

Mirella Pagnozzi


Mittwoch, 18. November 2015

Dick & Felix Francis / Schikanen

Klappentext
Geoffrey Mason ist erleichtert, als sein Mandant – ein brutaler Schläger – hinter Gitter kommt. Doch Freiheit und Strafe liegen nur einen Richterspruch voneinander entfernt: Als das Gericht das Urteil revidiert, wird das Verhältnis zwischen Anwalt und Klient zum Alptraum...»Schuldig«, befinden die Geschworenen. Und das Gericht folgt dem Urteil der Jury. Selbst der Verteidiger, Geoffrey Mason, hat dem nichts hinzuzufügen. Insgeheim findet er sogar, dass die acht Jahre Gefängnisstrafe zu wenig sind, denn der jugendliche Schläger hat eine ganze Familie auf dem Gewissen. Es ärgert ihn, dass er die Verteidigung dieses Jungen überhaupt übernommen hat. Und noch etwas ärgert ihn: Wegen dieses Prozesses am Old Bailey verpasst er das Amateurrennen in Cheltenham. Bei dem er gute Chancen gehabt hätte, zu siegen. Auf dem Turf vergisst Anwalt Mason jeweils alles, was mit Strafrecht zu tun hat. Umso mehr erschrickt er, als gerade dort, wo er Zerstreuung sucht, ein Verbrechen geschieht – und er noch dazu selbst bedroht wird.

Autorenporträt

Hier hat man es mit zwei Autoren zu tun. Vater und Sohn haben gemeinsam an diesem Buch geschrieben.
Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010. 
Felix Francis, geboren 1953 als jüngerer Sohn des Bestsellerautors und Ex-Jockeys Dick Francis. Er firmierte bei vier Büchern als Co-Autor seines Vaters und leistete die Recherchearbeit für viele weitere. ...
Von Felix Francis habe ich Glücksspiel gelesen. Und das hiesige Buch erinnert mich stark daran. Einige Ähnlichkeiten findet man darin.

Das vorliegende Buch gefällt mir allerdings deutlich besser. Ist es dem Vater zu verdanken, der die Regie führte? Mal schauen, wie sich der Lesestoff noch weiter entfalten wird.





Montag, 16. November 2015

Alex Capus / Fast ein bißchen Frühling (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre 
Gleich vorneweg gesagt; das Buch hat mir nicht besonders gut gefallen. Ich konnte mich schwer auf den Inhalt konzentrieren, nicht, weil der Inhalt so furchtbar kompliziert war, nein, das eher nicht. Es muss an etwas Anderem gelegen haben. Die Art, wie der Autor das Thema aufgearbeitet hat, schien mir nicht zugesagt zu haben.

Ein wenig verwirrend fand ich den Icherzähler, der nach jedem Kapitel in eine andere Haut geschlüpft ist, um vielleicht die verschiedenen Perspektiven der unterschiedlichen Figuren besser aufzugreifen. Trotzdem fand ich das recht gewöhnungsbedürftig, da es nicht immer klar war, aus welcher Perspektive erzählt wurde.

Zuerst gebe ich zur Erinnerung erneut den Klappentext rein:
Zwei arbeitslose junge Burschen wollen 1933 aus Nazideutschland fliehen. Um sich das Reisegeld zu beschaffen, überfallen sie eine Bank, wobei sie versehentlich den Filialleiter erschießen. Auf der Flucht in den Süden kommen sie nicht weit: In Basel verliebt sich der eine in eine Schallplattenverkäuferin. Tag für Tag kauft er eine Tango-Platte, bis das Geld aufgebraucht ist und der nächste Banküberfall nötig wird. Abend für Abend gehen die drei am Rhein spazieren. Mit von der Partie ist eine junge Sportartikelverkäuferin, die dreißig Jahre später die Großmutter des Erzählers sein wird und die sich entscheiden muss zwischen einem Bankräuber und ihrem Verlobten. Alex Capus hat diese authentische Geschichte um Freundschaft und Treue, Liebe und Verrat akribisch recherchiert, in Polizei- und Zeitungsarchiven, in Gesprächen mit Überlebenden, auf langen Wanderungen an den Orten des Geschehens. Entstanden ist ein Roman wie ein Tango: leicht und schwermütig, frisch und elegant und voller Trauer um verpasste Möglichkeiten und zerronnenes Glück.

Tja, diese beiden deutschen Bankräuber, Velte und Sandweg, die die Absicht hegten, sich gegen das Schlechte in der Welt zu stellen, vor allem dem Nationalsozialismus versuchten sie zu entfliehen. Dabei haben die Bankräuber recht viele unschuldige Menschen ermordet. Eine sehr blutrünstige Geschichte, die noch dazu nach einer wahren Begebenheit beruht.

Sich gegen das sog. Böse in der Welt zu stellen und dabei selbst das Böse produzieren, das ging mir einfach nicht in den Kopf …

Was die Zeitungen über diese beiden deutschen Täter schreiben, nachdem sie, tot oder lebendig, ich will´s nicht verraten, gefasst wurden. Ein Bespiel aus dem Baseler Blatt: 
Das Intelligenzblatt der Stadt Basel wunderte sich über die Tatsache, dass Sandweg und Velte sich gegen die bestehende Gesellschaftsordnung auflehnten, obwohl sie dazu gar keinen Grund gehabt hätten, denn ihre Väter waren vermögende und äußerst beliebte Unternehmer.
Darum ging es ja eigentlich nicht ...
Im Übrigen weist das Drama darauf hin, dass ausländische Elemente mit einem höheren Prozentsatz an Verbrechen beteiligt sind. Wenn dem wirklich so ist, erscheint die Flüchtlingsfrage in einem anderen Licht. Es darf nicht sein, dass das Asylrecht die Sicherheit des Landes gefährdet. Ansonsten besteht die Gefahr, dass im Volk eine psychosehafte Ausländerhetze entsteht. 
Das ist die typische journalistische Denkweise, wenn ein Verbrechen in einem Land von Ausländern verübt wird. Die Ausländer waren hier Velte und Sandweg.

Und nun von einer anderen Seite betrachtet:
Gewiss haben Velte und Sandweg den Kampf gegen die Gesellschaft auf eine ganz falsche, ganz unvernünftige Weise geführt, aber kann eine Welt ohne alle Vernunft Vernunft von den Menschen verlangen? Jugendgenossinnen und Jugendgenossen! Wir wollen Waldemar Velte und Kurt Sandweg in warmem und verstehendem Andenken behalten. Kämpfen wir mit neuemErnst gegen diese Gesellschaft, die wertvolle Menschen auf einen irrsinnigen Weg treibt!
Der letzte Satz hat mir besonders gut gefallen. Wie reagieren manche Menschen auf politisches Grauen? In diesem Fall sind sie selbst Opfer, Opfer einer nationalsozialistischen Gesellschaft.

Dazu ein letztes Zitat, das meinen Gedanken dazu bestätigt:
Für mich sind die beiden auch Opfer der Gesellschaft, und zwar der spezifisch deutschen gesellschaftlichen Verhältnisse. Opfer jener furchtbaren militärischen Erziehung, die den Krieg zum Kult macht, die jedem die Aufgabe stellt, von seinen Mitmenschen so viele wie möglich zu erledigen. Hätten Sandweg und Velte in Deutschland Sozialdemokraten erschossen oder erledigt, anstatt Bankangestellte in Stuttgart oder Basel zu erschießen, sie wären umstrahlt von der Gloriole des Dritten Reiches, sie hätten die Anerkennung der Hitler, Göring und Co.
Auch diese Ansicht ist mir fremd. Weshalb hätten Velte und Sandweg sonst Sozialdemokraten ermordet?
Weil sie das nicht taten, sind sie auch nicht durch ihren Tod > Menschen von Format<; voll innerster Güte und Vornehmheit, die die sozialistische Jugend >in warmem und verstehendem Andenken bewahren< kann. 
Diese letzten Zitate, die ich der Länge wegen abgekürzt habe, von denen es im Buch aber noch weitere zu lesen gibt, machen mir das Ganze ein wenig verständlicher. Aber nur ein wenig, denn mir tun die vielen unschuldigen Opfer trotzdem noch leid. Velte und Sandweg hätten im eigenen Land ein paar Nazis erschießen sollen, anstelle der unbeteiligten Leute wie die Bankangestellten in der Schweiz ...

... auch wenn mir bewusst ist, dass es schwer ist, ein gesundes Leben in einer schwer 
gestörten Welt zu führen.

Das Buch erhält von mir sieben von zehn Punkten.

_____
Auch nach der schwärzesten Nacht geht immer wieder die Sonne auf.
(Agatha Christie)

Gelesene Bücher 2015: 64
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86



Donnerstag, 12. November 2015

Alex Capus / Fast ein bißchen Frühling

Klappentext
Zwei arbeitslose junge Burschen wollen 1933 aus Nazideutschland fliehen. Um sich das Reisegeld zu beschaffen, überfallen sie eine Bank, wobei sie versehentlich den Filialleiter erschießen. Auf der Flucht in den Süden kommen sie nicht weit: In Basel verliebt sich der eine in eine Schallplattenverkäuferin. Tag für Tag kauft er eine Tango-Platte, bis das Geld aufgebraucht ist und der nächste Banküberfall nötig wird. Abend für Abend gehen die drei am Rhein spazieren. Mit von der Partie ist eine junge Sportartikelverkäuferin, die dreißig Jahre später die Großmutter des Erzählers sein wird und die sich entscheiden muß zwischen einem Bankräuber und ihrem Verlobten. Alex Capus hat diese authentische Geschichte um Freundschaft und Treue, Liebe und Verrat akribisch recherchiert ? in Polizei- und Zeitungsarchiven, in Gesprächen mit Überlebenden, auf langen Wanderungen an den Orten des Geschehens. Entstanden ist ein Roman wie ein Tango: leicht und schwermütig, frisch und elegant und voller Trauer um verpaßte Möglichkeiten und zerronnenes Glück.


Autorenporträt
Alex Capus, geboren 1961 in Frankreich, studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und arbeitete während und nach seinem Studium als Journalist und Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und bei der Schweizer Depeschenagentur. 1994 veröffentlichte Alex Capus seinen ersten Erzählband, dem seitdem neun weitere Bücher mit Kurzgeschichten, historischen Reportagen und Romanen folgten. Capus verbindet sorgfältig recherchierte Fakten mit fiktiven Erzählebenen, in denen er die persönlichen Schicksale seiner Protagonisten einfühlsam beschreibt. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt; für seine schriftstellerische Arbeit erhielt er zahlreiche Preise. Daneben hat Capus auch als kongenialer Übersetzer von Romanen des US-amerikanischen Autors John Fante gewirkt. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten/Schweiz.
Das erste Buch, das ich von dem Autor lese.




Mittwoch, 11. November 2015

Tessa de Loo / Die Zwillinge (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

In dem Buch liegen wieder jede Menge Zettelchen, obwohl ich mir vorgenommen habe, meine Buchbesprechungen wegen des großen Zeitaufwandes nicht mehr mit so vielen Zitaten zu bestücken. Wenn es passt, wollte ich mich nur noch auf ein paar wenige Szenen aus den jeweiligen Büchern beschränken, und über diese schreiben. Mit dem vorliegenden Buch geht das allerdings nicht, weil die Thematik viel zu komplex ist. Habe mir trotzdem eine Szene gemerkt, die ich hier vielleicht festhalten werde.

Die ersten hundert Seiten waren mir sehr befremdlich, bis ich mich an den Stil gewöhnen konnte, doch bevor ich anfange darüber zu schreiben, möchte ich zur Erinnerung erneut den Klappentext reingeben:
Nach über vierzig Jahren treffen sich die Zwillingsschwestern Anna und Lotte im belgischen Kurort Spa. Nach dem Tod der Eltern und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren sie auseinandergerissen worden. Und während die eine zu Verwandten nach Deutschland kommt, wächst die andere in den Niederlanden auf. Jetzt erst gelingt ihnen eine Annäherung.
Die beiden zweieiigen Zwillingsschwestern Lotte und Anna begegnen sich durch Zufall nach so vielen Jahrzehnten wieder in der Kur. Lotte wirkte unnatürlich kühl Anna gegenüber. Anna dagegen war gleich Feuer und Flamme, als sie Lotte wieder sah. Lotte konnte mit so viel Temperament und Nähe ihrer Schwester allerdings schlecht umgehen ... Lotte war mir unsympathisch und zum Ende hin war mir auch Anna unsympathisch.

Kurz gesagt, mich hat das ganze Buch nicht wirklich überzeugt. Lotte stellt Anna als die Stellvertreterin der deutschen Nation des Nationalsozialismus hin. Und Anna bezeichnet in der Vergangenheitsbewältigung die Russen als grausam und gibt sich blauäugig den Nazis gegenüber und Lotte ist ganz aus dem Schneider, indem sie sich als Niederländerin sieht, die nichts mit den Nazis zu tun haben wollte. Sie weist alles Deutsche von sich. Von der Annäherung der beiden Zwillingsschwestern, wie sie im Klappentext beschrieben steht, konnte ich bis zum Schluss nichts spüren. Der Schluss erwies sich mir auch merkwürdig künstlich.

Mich hat genervt, dass Lotte in der Konversation mit Anne immer als ihr habt … vorgeworfen hat. Als hätte Anna so viel Macht gehabt, den Nationalsozialismus zu verhindern ...  Lotte schmeißt alle Deutschen zusammen mit Hitler in einen Topf. Als würde Anna zusammen mit den Nazis die ganzen Juden umgebracht haben.  Anna hatte diese Macht nicht und sie war wie jeder andere auch Opfer dieser Zeit. In einem Krieg, so meine Sicht, gibt es keine Gewinner … Anna stand unter einem permanenten Rechtfertigungsdruck, obwohl Lotte keine Rechtfertigungen hören wollte. Anna war so mit dem Überleben beschäftigt, dass sie nicht einmal gemerkt hat, dass die Juden aus ihrem Land verschwunden sind. Diese nicht wissenden, ahnungslosen Deutschen gab es wirklich, aber es gab auch andere aus der Bevölkerung, die jeden Juden, der noch nicht gefasst wurde, der SS denunziert hatte. Davon spricht Anna aber nicht.

Es ist schwierig, in einem totalitären Staat, ohne sich Schuld aufzuladen, zu leben.

Anna hatte kein einfaches Schicksal. Nach dem Tod der Eltern kam sie zu deutschen Verwandten, die sie als deren Arbeitskraft in der Landwirtschaft missbrauchten. Den Kinderschuhen entwachsen, hatte Anna es allerdings geschafft, sich von den Angehörigen zu lösen und strebte auf ein eigenes Leben zu, das sich allerdings auch nicht als einfach erwies, da sie über viele Jahre in einem fremden Haus als Dienstmädchen fungierte. Nach dem "Heldentod" ihres Mannes ging sie ins Lazarett, um verwundeten Soldaten zu helfen. So viel Leid auf ein paar Quadratmetern hatte sie zuvor nicht gesehen und sie betrachtete die deutschen Soldaten, darunter auch SS-Männer, als die großen Opfer.

Dass Anna die Russen allerdings als grausam bezeichnet hat, konnte ich nicht verstehen. Die Russen waren grausam, das ist wohl wahr, allerdings waren sie grausam, weil Hitler grausam zu ihnen war und viele Russen von den SS-Männern kaltblütig niedergemacht wurden. Ganze Familien, Frauen und Kinder. Die Russen haben sich später gerächt, leider an den Falschen.

Auch für die Amerikaner zeigte Anna keinerlei Sympathie …

Lotte hatte es einfacher. Mit den Verwandten in den Niederlanden fand sie neue Eltern, von denen sie geliebt wurde und sie sich im Laufe ihres Lebens eine neue Identität hat aufbauen können ...

Und nun zu meiner Szene, die mich beschäftigt hat:

Anna ist zu Fuß unterwegs und hat einen  kleinen Koffer bei sich, der mit Getreide gefüllt ist. Eine wohl seltene Ware. Wie Anna an das Getreide gekommen ist, das habe ich wieder vergessen. Anna malte sich schon im Kopf das leckere Brot aus, das sie zu backen beabsichtigte. Ein Fahrradfahrer mit Anhänger fuhr ihr entgegen und bot Anna seine Hilfe an, den Koffer, der sich wohl recht schwer angefühlt haben muss, in seinen Anhänger zu legen, damit sie nicht so schwer zu tragen habe. Anna nahm die Hilfe an. Sie lief neben dem Radfahrer, der sich Annas Fußmarsch angepasst hatte. Doch ein paar Minuten später beschleunigte er sein Tempo allmählich immer mehr, bis er mit dem Koffer davonradelte.

Eine Vermischung von Gut und Böse. Eine Vermischung von Opfer und Täter.

Ansonsten  hat mich dieses Buch nicht wirklich gefesselt und mich auch nicht überzeugt und ich vergebe sechs von zehn Punkten.


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Auch nach der schwärzesten Nacht geht immer wieder die Sonne auf.
(Agatha Christie)

Gelesene Bücher 2015: 63
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Mittwoch, 4. November 2015

Tessa de Loo / Die Zwillinge


Klappentext
Nach über vierzig Jahren treffen sich die Zwillingsschwestern Anna und Lotte im belgischen Kurort Spa. Nach dem Tod der Eltern und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren sie auseinandergerissen worden. Und während die eine zu Verwandten nach Deutschland kommt, wächst die andere in den Niederlanden auf. Jetzt erst gelingt Ihnen eine Annäherung.



Autorenporträt
Tessa de Loo, eigentlich Johanna Tineke Duyvené de Wit, (* 15. Oktober 1946 in Bussum, Niederlande), ist eine niederländische Schriftstellerin.
Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Lehrerin veröffentlichte Tessa de Loo 1983 ihren ersten Band mit Erzählungen, Die Mädchen von der Süßwarenfabrik. Ihr Roman Die Zwillinge wurde 1994 mit dem Von-der-Gablentz-Preis und dem Publieksprijs ausgezeichnet und 2002 verfilmt unter der Regie von Ben Sombogaart mit Thekla Reuten, Ellen Vogel, Nadja Uhl und Gudrun Okras in den Hauptrollen.
Tessa de Loo lebt in Portugal.(Quellennachweis Wikipedia)
Das Buch ist schon sehr, sehr alt. Über zwanzig Jahre und man kann es nur noch antiquarisch erwerben. Es ist 1993 beim Bertelsmann Verlag in der 3. Auflage erschienen. Den obigen Band habe ich kürzlich beim Bücher-Oxfam erworben.

Ein paar Seiten habe ich schon gelesen und es klingt recht interessant.




Dienstag, 3. November 2015

Daniel Pennac / Wie ein Roman (1)

Lesen mit Anne


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Wie schon gesagt, das Buch hat mich nicht besonders angesprochen  und werde auch nicht viel dazu schreiben. Und Anne hat es auch nicht gefallen. Sie hat das Buch nach siebzig Seiten abgebrochen.

Das Buch war mir ein wenig zu belehrend, zu wegweisend, vielleicht, weil ich selber aus der Pädagogik komme, und mir die Theorien nicht unbekannt sind. Mir war das Buch definitiv zu trocken. Habe nicht viel Neues erfahren …

Ich wusste nicht, zu welchem Genre das Buch einzustufen ist. Durch die hohen pädagogischen Anforderungen war es für mich erst als ein Erziehungsratgeber auf dem Gebiet der Literatur zu verstehen, und am Ende war es für mich auch ein Plädoyer vor allem für alle Deutschlehrer, Eltern, für Literaturwissenschaftler, aber auch für die Leser selbst.

Denn, das Recht Nummer drei, ein Buch nicht zu Ende zu lesen, hat mich als Leserin arg angesprochen, da ich mir bei einem Fehlgriff immer mit dem Abbrechen sehr schwertue und quäle mich oftmals bis zur letzten Seite. Anne hat von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Hätte ich auch, wäre das Buch sehr viel umfangreicher an Seiten ausgefallen.

Wie ist es für (junge) Menschen, die gar keine Bücher lesen? Wie verhält man sich dabei als Deutschlehrer? Als Eltern? …
Schon das Bildmotiv auf dem Cover hilft, diese Frage zu beantworten. Man sollte z.B.  einem (jungen) Menschen, der es nicht gewohnt ist, Bücher zu lesen, die Literatur nicht mit moralischen Maßstäben herantragen. Kein Buch aufstülpen, nichts aufzwingen. Am besten auch den gehobenen Zeigefinger schön unten lassen, :-) . Besser sei es, in ihm die Neugier zu wecken, sodass der ungeübte (junge) Leser selbst Lust auf´s Lesen bekommt … Daniel Pennac weiß, wovon er schreibt, er selbst ist Französischlehrer und er schlägt mehrere Methoden vor, sodass ich dazu auf das Buch verweisen möchte.

Mir hat außerdem folgendes Zitat gut gefallen:

Man bemüht sich gerade (an Grundschulen) eifrig um bessere Lesemethoden. Man erfindet Lesekästen und Karten. Man macht aus der Kinderstube eine Druckerei. (…) Es ist ein Jammer! Das sicherste Mittel, das man aber immer wieder vergisst, ist natürlich der Wunsch, lesen zu lernen. Erweckt diesen Wunsch im Kinde; lasst eure Kästen und Würfel sein, und jede Methode ist ihm Recht. Das unmittelbare Interesse ist die einzige Triebfeder, die sicher und weit führt. (…).
Noch ein grundsätzliches Wort möchte ich anfügen: gewöhnlich erreicht man sicher und rasch, was man nicht übereilt.

Pennac zitiert aus dem Buch Emil oder über die Erziehung, von Jacques Rousseau.

Jacques Rousseau habe ich selbst auch in meinem Studium gelesen. Wie schön, daran wieder erinnert zu werden.

Wie kommt es, dass manche Bücher uns mehr liegen als andere? Dazu gibt es ein schönes Zitat:

Der große Roman, der sich uns widersetzt, ist nicht unbedingt schwieriger als irgend ein anderer. Zwischen ihm, so groß er auch sein mag, und uns, durchaus fähig, ihn zu >>verstehen<<, wie wir meinen, findet eine bestimmte chemische Reaktion nicht statt.

Wie im richtigen Leben mit unseren Mitmenschen. Stimmt die Chemie, umso leichter lässt sich der Umgang miteinander gestalten. Aber manchmal, so meine Sicht, versteht man ein Buch tatsächlich nicht ...

Zu Annes Buchbesprechung


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Auch nach der schwärzesten Nacht geht immer wieder die Sonne auf.
(Agatha Christie)

Gelesene Bücher 2015: 63
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86







Montag, 2. November 2015

Daniel Pennac / Wie ein Roman

Lesen mit Anne ...


Und wieder ist ein Monat verstrichen, Anne und ich lesen seit gestern gemeinsam ein Buch. Diesmal war Anne mit dem Aussuchen des Buches aus unserer gemeinsamen SuB-Liste, dran, s. o.

Wir sind beide nicht so wirklich erfreut über den Inhalt.

Doch dazu später mehr in einem gesonderten Posting.


Klappentext

Eine Liebeserklärung an das Lesen – der Longseller jetzt exklusiv als KiWi

Voller Witz, Charme und Intelligenz schreibt Daniel Pennac gegen Leseverdrossenheit und Bildungsdruck, gelingt es ihm überzeugend, Forderungen der Pisa-Studie einzulösen. Er plädiert für die unantastbaren Rechte des Lesers: Die 10 Rechte des Lesers:

1. Das Recht, nicht zu lesen 
2.Das Recht, Seiten zu überspringen
3. Das Recht, ein Buch nicht zu Ende zu lesen
4. Das Recht, noch einmal zu lesen
5. Das Recht, irgendwas zu lesen 
6. Das Recht auf Bovarysmus, d. h. den Roman als Leben zu sehen
7. Das Recht, überall zu lesen
8. Das Recht, herumzuschmökern
9. Das Recht, laut zu lesen 
10. Das Recht, zu schweigen

Autorenporträt
Daniel Pennac wurde als Daniel Pennacchioni am 1. Dezember 1944 in Casablanca, Marokko, geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Afrika und Asien. Eigenen Angaben zufolge war Pennac ein schlechter Schüler, aber ein eifriger Leser. Er vertiefte sich in Dickens, Stevenson, Dumas und begann schon in der Schulzeit zu schreiben. Nach dem literaturwissenschaftlichen Studium in Nizza wurde er schließlich Lehrer und arbeitete über zwei Jahrzehnte an der Schule, bevor er sich 1995 endgültig dem Schreiben widmete. Er lebt in Paris, im Stadtteil Belleville. 
Spätestens wenn man das Büchelchen durch hat, kennt man die Bedeutung des Bildes auf dem Cover. Ich werde aber später erst darauf eingehen.
Das Buch habe ich heute Morgen ausgelesen und so richtig umgehauen hat mich diese Lektüre wirklich nicht. Anne ging es ähnlich.

Dazu im späteren Posting mehr.


Zu Annes und Miras SuB