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Donnerstag, 19. November 2015

Autobiografisches zu meinen Büchern


 

Ein paar Zeilen über meine Herkunft und über das Leben mit meinen Büchern 

Da dies ein privater Blog ist, stelle ich mich mit dem Vornamen vor, für die, die mich nicht persönlich kennen. Mein Name ist Mirella; ich werde oft auch mit Mira abgekürzt, beide Anreden sind o.k., da Mira ohnehin die Kurzform von Mir(ell)a ist.

Ich bin gebürtige Darmstädterin, aber in Riedstadt-Goddelau habe ich meine Kindheit und Jugend zugebracht. Ich bin außerdem bilingual aufgewachsen, Deutsch und Italienisch, ich besitze auch zwei Pässe, aber meine dominante Sprache, die sich bei mir durchgesetzt hat, ist die deutsche, so wie auch meine Identität die deutsche ist, wenn ich mich auch tief in meinem Inneren als einen Weltmenschen begreife. Dadurch, dass ich meine Gedanken in deutscher Sprache denke, und nachts in deutscher Sprache träume, bezeichne ich mich auch unbewusst als Deutsche … Und meine Wurzeln? Na, ganz einfach. Wenn ich mein ganzes Leben in Deutschland zugebracht habe, dann versteht es sich von selbst, dass ich meine Wurzeln in Deutschland geschlagen habe. Dies führt bei kulturunreflektierten Leuten oftmals zu Irritationen, da sie noch immer im Glauben sind, die nationale Identitätsentwicklung würde genetisch gesteuert werden. Obendrein ist die Identitätsentwicklung kein abgeschlossener Prozess, ist bis zum Tod immerzu wandelbar … Und für meine Taten, für meine Gedanken und Gefühle sind keine Gene, sondern für diese bin ich ganz alleine selbst verantwortlich.


Heimat ist da, wo man die Kindheit verbracht hat.
(Daniel Kehlmann)

Meiner bikulturellen Herkunft habe ich es jedoch zu verdanken, dass ich z.B. auch in der Literatur auf breitem, internationalem Gebiet kundig bin, was aber nicht heißen soll, dass andere Menschen, die aus einer Monokultur kommen, dazu nicht auch in der Lage wären. Aber die meisten Leute, die ich kenne, lesen hauptsächlich Bücher aus Deutschland, England, Frankreich, Amerika und aus dem hohen europäischen Norden … Und viele andere beschränken sich hauptsächlich auf deutsche Autor*innen.


Angefangen zu lesen habe ich, wie fast jedes andere Kind auch, in meiner Grundschulzeit, und ich suchte regelmäßig unsere Jugendbibliothek auf, die es in Goddelau damals noch gab. Eigentlich hatte mein Interesse an Büchern schon im Kindergartenalter begonnen, indem ich selbst kreativ mit Stift und Papier Bücher herstellte. Außerdem hatte ich die Buchstaben in dem fiktiven Buch eher erfunden, wie mir viele Jahre später meine damalige Erzieherin mitgeteilt hat. 

Ich war eine richtige Leseratte und ich verbrachte jede freie Minute mit meinen Büchern. Ich bevorzugte Bücher statt Spielgefährten. Nach Einschätzung meiner Eltern, die es wohl nur gut mit mir meinten, las ich zu viel, sodass man mir die Bücher wegnahm, um mich aus meiner Isolation zu befreien, mit der Konsequenz, dass ich nun erst recht begann, alles zu lesen, was ich nur in meine Hände bekommen konnte … Auch Unsinniges wie z.B. Marmeladengläser. 

Aber lange konnten auch meine Eltern mein verhängtes Leseverbot nicht durchhalten ...

Wundervolle Erinnerungen habe ich auch mit Comics. Meine Geschwister und ich haben sie so geliebt. Häufig brachte unsere Mutter uns nach der Arbeit jedem von uns aus dem Schreibwarengeschäft ein Comic-Heft mit, das wir untereinander auswechselten, sodass wir in den dreifachen Genuss kamen, da wir zu dritt waren. Was für eine Gaudi. (In unserer Ortschaft gab es und gibt es noch immer keine Buchhandlung.) Geprägt haben mich alle Figuren. Ich möchte alle noch einmal aufschreiben, unsortiert. Mal schauen, welche Figuren mir von den wichtigsten noch kommen: Tick, Trick und Track. Goofy, Die Panzerknacker, Donald Duck, Micky Maus, Daisy Duck. Snoopy, Fix und Foxi, Daniel Düsentrieb. Die heftigste Nummer war für mich aber Dagobert Duck. Er ließ mich überhaupt nicht mehr los: Der alte Geizkragen, der seine Kopfsprünge im Geld tätigte und darin baden konnte. So wie der wollte ich auf keinen Fall werden. Während andere Kinder nur davon träumten, einmal so reich wie Dagobert zu sein, entwickelte ich mich in die entgegengesetzte Richtung – ich wollte werden wie Charles Dickens, s. u. .

Und tatsächlich lebte ich als Kind und Jugendliche großzügig. Meine Mutter machte sich um mich Sorgen und bläute mir ein, wenn ich mein Verhalten nicht ändern würde, würde ich es nie zu Geld bringen … Und ja, ich lebe noch immer bescheiden, Luxusgüter haben mich nie sonderlich angelockt. 


Angeblich zählt diese Art von Literatur nicht zur hohen Literatur. Für mich nicht. Sie hat mich nicht verdorben, denn ich konnte aus jeder Figur Brauchbares herausziehen. 

Wer mich noch aus meiner Jugend nachhaltig geprägt und mir Weichen für mein späteres Leben gelegt hatte, das war ganz besonders der alte Klassiker von Charles Dickens.


Bildquelle: Wikipedia

Auch wenn Dickens manchmal, nun aus der Sicht einer Erwachsenen, schnulzig schreibt, liebe ich ihn wegen seiner Feinfühligkeit und dadurch wegen seiner Menschlichkeit dennoch sehr, obwohl ich mittlerweile wie aus einem beengten Kleidungsstück aus Dickens herausgewachsen bin. Ich merke, als ich jüngst seine Weihnachtsgeschichten mit meiner Lesefreundin Anne gelesen habe, dass ich nicht mehr in dieses Kleid passe und meine Euphorie dadurch deutlich nachgelassen hat. Weil die reale Welt draußen zu facettenreich ist, zu komplex … Bei Dickens ist die Welt so geordnet. Hier die Guten, dort die Bösen, und am Ende hat häufig die Gerechtigkeit gesiegt. Anders als im wirklichen Leben. 

Bildquelle: Pixabay

Aber als Kind hat er mir geholfen, mich zu orientieren. Ein Gefühl zu entwickeln für die menschlichen Nöte ... Würde das Schicksal bei mir einschlagen und mir wie ein Dämon alle Bücher rauben wollen, dieser aber dennoch so gnädig wäre, mir die Wahl zu lassen, einen einzigen Autor wenigstens behalten zu dürfen, so leid wie es mir für die vielen anderen Autor*innen meiner Lieblinge ginge, es wäre aber Charles Dickens, den ich retten würde, wenn dieser Dämon tatsächlich unbesiegbar für mich wäre. Er hat ganz besonders in meiner Seele Wurzeln geschlagen. 

Charles Dickens war mein Vorbild / Kindheitsprägungen

Viele meiner Mitmenschen bezeichnen mich heute als sehr empathisch. Dies habe ich ausschließlich ihm zu verdanken, da ich meine Kindheit in einer recht kühlen Welt zugebracht hatte, in der es mir an warmen Vorbildern gefehlt hat. In der Schule gab es eine Lehrerin, die uns zu lehren versuchte, dass man Bettlern kein Geld geben dürfe, da sie Armut nur vortäuschen würden. Zu Hause ähnliches Bild: Menschen gegenüber, die in der Gesellschaft als Versager gelten.

Meine Mutter erzählte, dass sie mir, als ich zehn Jahre alt war, eine kleine Tüte mit gesparten Münzen geschenkt hatte. Ich sollte hinausgegangen sein, und hätte die Tüte einem Obdachlosen überreicht, worüber sie ziemlich erbost war. Schade, dass ich mich an diese Szene gar nicht erinnern kann. Nur mein Vater hatte ein Gespür für meine weiche Seite, die ich nach außen hin durch komplizierter Zwischefälle meist verbarg.

Tränen sind mir gelaufen, wenn ich  Dickens gelesen habe, und auch die Verfilmungen hatten mich innerlich tief berührt. 

In meiner Sammlung fehlt mir noch der Kinderklassiker Oliver Twist, mit dem nun mal bei mir mit Dickens alles begann. Ich habe mich nicht beeilt, ihn mir nachträglich anzuschaffen, da es ihn bei vielen Verlagen nachzukaufen gibt. Ein paar andere Werke konnte ich aber von meiner Jugend in mein erwachsenes Leben hinüberretten. Aber viele andere habe ich später völlig neu entdeckt.




In meinem Regal sehen meine Dickens' recht bescheiden aus. 




Charles Dickens und Dagobert Duck gegenübergestellt, diese beiden Extreme, dass gerade diese beiden mein Leben dermaßen geprägt haben, betrachte ich heute nicht mehr als einen Zufall. Während andere Kinder nur davon träumten, einmal so reich wie Dagobert zu sein, entwickelte ich mich in die entgegengesetzte Richtung – ich wollte werden wie Dickens.

Demnach war mein Leben schon immer von Büchern und anderer Art von Literatur umgeben. Die Figuren habe ich häufig zusammen mit den Autoren in mir aufleben lassen. Habe heute in der Buchhandlung Kinderbücher 
gefunden, Kinderklassiker, die jeweils haargenau dasselbe Cover tragen wie damals die Bücher zu meiner Zeit. Mein Herz ging auf und ich musste zugreifen. Zum Andenken, zum Wiedererinnern. Büchererlebnisse frühester Zeit, während es bei den ersten Buchbänden die Abbildungen sind, die Erinnerungen in mir wachrufen ... 

Mit Beginn meines Studiums der Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main hörte ich allerdings auf, belletristische Bücher zu lesen. Ich begann nur noch Fachbücher zu lesen, was sich auch noch nach meinem Studium fortsetzte. Diese humanwissenschaftliche Literatur aus verschiedenen Fachrichtungen wie z. B. der Psychologie, Pädagogik, Soziologie und Empirie fand ich faszinierend – eine Welt, die ich so schnell nicht wieder verlassen wollte. Ich war massiv wissenshungrig, war „faustisch“ unterwegs … Erst zehn Jahre nach meinem Studium habe ich begonnen, erneut Belletristik zu lesen. Und mittlerweile lese ich beide Formen von Literatur, wenn auch die Belletristik gerade überwiegt, da ich beruflich schon viel mit Fachliteratur eingedeckt bin.

Ich habe leider nicht gelernt, mein Wissen nach außen zu zeigen. Es schlummerte leise vor sich hin. Ich war für viele ein Rätsel. Um mein Wissen innerlich zu wahren, musste ich es schützen wie Mütter ihre Babys. Erst an der Goethe-Uni ließ ich es raus und erst dort fand ich meine Alma Mater. 

Ich lese Bücher querbeet aus vielen Bereichen. Außer die Genres Krimi, Science Fiction und Liebesromane. Ich informiere mich über ein Buch durch Literaturforen und durch Magazine und Kulturradio, aber ich befinde mich auch oft auf Entdeckungsreisen.


Viele Grüße aus Darmstadt 

Mirella Pagnozzi


Samstag, 27. Juli 2013

Meine Minibibliothek


Im Literaturforum haben meine Bücherfreund*innen alle ihre Bücher gezählt, mir war das Zählen zu anstrengend, hielt mich damit zurück, bis ich mich auf die Anregung einer Bekannten, die mit Büchern nichts anzufangen weiß, doch noch dazu angespornt gefühlt habe, meine Schätze zu zählen. Bis auf mein Badezimmer sind in jedem Raum bei mir die Bücher aufgestellt, sogar im Flur.

Insgesamt sind es 2153 Bücher auf 68 qm Wohnfläche. Ein wenig mehr als die Bibliothek von Goethes Vater in Frankfurt Main umfasst. Seine Bibliothek hatte eine Größe von 2100 Büchern. 
Nun setze ich die Zählung hier fort. Mit dem PC ist das Zählen jetzt ein Kinderspiel. 

Viele Bücher habe ich allerdings aus verschiedenen Bibliotheken ausgeliehen. Ich bedauere es, dass ich mir keine Liste angefertigt habe von den geliehenen Büchern, die ja geistig gesehen auch zu mir gehören. Irgendwann werde ich wohl aus Platzmangel gezwungen sein, vermehrt wieder Bibliotheken aufzusuchen. Oder ich schaffe mir einen eReader an. Ich kann mich mit diesem Gedanken noch nicht wirklich anfreunden, auch wenn ich die Vorteile darin sehe. Meine Bücherfreund*nnen sind größtenteils davon hellauf begeistert. Sind stolze Besitzer*nnen eines Kindles. Nur noch vereinzelt gibt es welche, die darauf noch verzichten möchten. 
Nicht nur Bücher gibt es bei mir, sondern auch zwei Katzen. Ein Zitat von Unbekannt: 
Man kann im Leben auf vieles verzichten; nur nicht auf Katzen und Literatur. 
Viele Schriftsteller wählen die kleinen Tiger zu ihren Lieblingstieren, wie z.B. Mark Twain, Ernest Hemingway, Haruki Murakami. Wobei ich auch Hunde liebe, und alles, was Fell und vier Beine hat.  


So, nun setze ich hier meine Bücherzählung fort, sobald ich neue Bücher habe... . 

2039 plus 11, 31.12.15
2050 plus   7, 08.11.16
2057 plus 10, 23.01.16
2067 plus   2, 26.01.16
2069 plus   1  27.01.16
2070 plus   2  30.01.16
2072 plus   3  05.03.16
2075 plus   3  19.03.16
2078 plus   7  09.04.16
2085 plus   3  17.04.16
2088 plus   7  20.05.16
2095 plus 13  09.07.16 
2108 plus  6   11.07.16 (v. Anne)
2114 plus 11 22.07.16
2125 plus  3  03.09.16
2128 plus 15 26.10.16
2143 plus 10 21.03.17
2153 plus   1 31.05.17
2154 plus   2 30.06.17
2156 plus 20 Oktober bis Dezember 2017
2176 plus

Ich habe seit einem Jahr, 2020, aufgehört zu zählen, leider. Derzeit müssten es mehr als 2200 Bücher sein. Aber was soll's. Es gibt Bücher, von denen ich mich ohnehin trennen möchte, dann sind es auch wieder weniger Bücher.