Montag, 20. Januar 2020

Ulrich Ladurner / Der Fall Italien (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre  

Eine andere Form von Buchbesprechung, mehr ein Reflektieren, ein Diskutieren über verschiedene Ideen und Gedanken, was die triste, desaströse politische Landschaft Italiens betrifft, in der am Ende des Tunnels irgendwie kein Licht zu sehen scheint. Ein paar Fakten möchte ich hier hineinbringen, die ich mit Zitaten belegen möchte. Ich zitiere nicht nur aus Ulrich Ladurners Werk, sondern auch ein Zitat aus der Welt.de

Hier geht es zum Klappentext, zu den ersten Leseeindrücken und zu den Buchdaten.

Das Buch hat mich lange beschäftigt und passt wunderbar zu dem Buch, das ich noch vor Ladurner gelesen habe. Welch ein Zufall. Ian McEwan, Die Kakerlake. Eine Politsatire; eine kritische Auseinandersetzung mit dem Brexit. Was hat Brexit aber mit Italien zu tun?

Auch italienische Politiker scheinen mir, hier die Kakerlake als eine Metapher gebrauchend, nichts anderes als diese Nimmersattinsekten, Parasiten, zu sein. Sie scheinen für mich sogar EU-weit die gefräßigsten Parasiten zu sein, um dies symbolisch auszudrücken. Zumindest hatte ich diesen Eindruck, als ich das Buch gelesen habe. Aber es ist absurd, Länder miteinander zu vergleichen, da jedes Land nur mit sich selbst verglichen werden kann, da jedes Land seine Geschichte hat. 

Vieles, was Ulrich Ladurner hier in seinem Werk beschreibt, war mir schon bewusst, aber vieles ist mir auch neu, und so konnte er mir zumindest auch die Frage beantworten, weshalb die Italiener wiederholt Berlusconi gewählt hatten. Und weshalb sie nach der Berlusconi-Ära weiterhin auf populistische Parteien zugegriffen haben? Alle Antworten werde ich hier der Länge wegen nicht liefern können, aber zumindest ein paar Anregungen.

Es würden in Italien derzeit keine seriösen Parteien geben, absolut keine Alternativen. Auch wirken sie auf mich wie ein Wolf im Schafspelz. Sie alle, die Politiker, versprechen dem Volk ein besseres Leben, wie z. B. durch die Schaffung besserer Arbeitsplätze, durch günstigere Mieten ... und wenn sie schließlich gewählt sind, zeigen sie ihr wahres Gesicht und schlagen ordentlich zu, in dem sie eine Steuer nach der anderen einführen, und andere Errungenschaften einfach wieder abschaffen.

Ich wusste schon, dass Italiens Regierung korrupt ist, aber ich wusste auch, dass der normale italienische Mensch nicht die Regierung ist, selbst wenn dieser seine Politiker gewählt hat. Aber, ich möchte darauf auch hinweisen, dass es in Italien ein sehr differenziertes Wahlverhalten zwischen Passivwählern, Frustwählern, Nichtwählern und  Protestwählern gibt.

Das Buch hat mir gezeigt, wie die Menschen benutzt und hinters Licht geführt werden, wie mit deren Psyche gespielt und manipuliert wird. Es zeigt, dass es keine sauberen Politiker in diesem Land zu geben scheint, keine sauberen Parteien, sodass viele Italiener es leid sind, die Politik meiden und den Zusammenhalt nur noch in der Familie suchen. Wenn es keine sauberen Politiker in diesem Land zu geben scheint, so frage ich mich, wie die Zukunft dieses Landes noch aussehen wird? 

Ich habe wirklich die Sorge, dass in Italien erneut der Faschismus ausbrechen wird. Muss ein Krieg kommen, damit das Böse ausgemerzt wird? Damit die Menschen wach werden? Aber was ist, wenn das Böse siegt? Was wäre mit Italien, hätte Mussolini gesiegt? Auf die Geschichte zeigend lehnt die Regierung die Geschichte vehement ab, mit der Begründung, dass die Geschichte schließlich Geschichte und damit abgeschlossen sei. Und doch gibt es so viele Parallelen zu der Politik heute und zu der Politik damals. 

Italien ging es aber nicht immer schlecht. Italien feierte auch einen wirtschaftlichen und einen sozialen Aufschwung, und zwar nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der schnelle Aufstieg Italiens begann nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die sechziger Jahre war geradezu ein rauschhaftes Jahrzehnt. Fünfzehn Jahre nach Kriegsende feierte das Land Erfolge auf allen Ebenen. Es begann mit der Olympiade 1960, bei der Italien 13 Medaillen gewann und damit hinter der Sowjetunion und der USA auf Rang drei landete. 1964 wurde die Autostrada del Sole (…) fertiggestellt, die den Norden mit dem Süden verband. (…) Die Wirtschaft boomte, und die Massen konnten sich Konsumgüter leisten. (…) Vergessen waren die Verehrungen des Krieges, vergessen die Verehrungen in den Faschismus. Die Zukunft war ein offenes Feld voller Verheißungen, man musste es nur entschlossenen Schrittes betreten. (2019, 17)

Damals wurden die Politiker noch in die „Schule“ geschickt. Es gab starke Gewerkschaften, große Parteien, eine mächtige Kirche, die ihren Mitgliedern Fortbildungen angeboten hatten, um sie auf die Politik vorzubereiten, doch leider konnte dieser Anspruch auf Dauer nicht aufrecht erhalten bleiben. 
Allein zwischen 1945 und 1954 durchliefen 300 000 Mitglieder Ausbildungskurse, die Besten wurden ausgewählt und auf die Parteischule Frattocchie bei Rom geschickt. Aus ihr ging eine Reihe von später bekannt gewordenen Politikern hervor. Die Gewerkschaften hatten ihre eigenen Ausbildungszentren, die ebenfalls viele Persönlichkeiten hervorbrachten, die eine prägende Rolle in der italienischen Nachkriegsrepublik spielten. (18)

Diese stabilen Zeiten waren nicht von Dauer. In den späteren Jahren wurden die Italiener von ihren Politikern erneut enttäuscht und betrogen. Besonders in der ...
... Gegenwart (hatte) kein führender Politiker mehr eine spezifische Ausbildung durchlaufen, die ihn hätte vorbereiten können, denn die Schulen der Parteien und der Gewerkschaften hatten sich fast alle aufgelöst. Es wird offenbar nicht mehr erwartet, dass der Politiker komplexe Probleme intellektuell durchdringt, sie verständlich darlegt und schließlich für Lösungen bei den Bürgern um Zustimmung wirbt. (20)

Das Volk entpuppte sich immer mehr zu einem Wutbürger, viele reagierten desillusioniert, viele sind nur noch misstrauisch, stehen den Medien missmutig gegenüber. Sie erlebten eine massive Deindustrialisierung, den Niedergang der Volksparteien, die Schwächung der Gewerkschaften.
Wer immer ihnen Nachricht überbringt, sie glauben ihm nicht. Sie fühlen sich hintergangen und umgeben von Lügnern und Betrügern. Das Misstrauen sitzt in ihren Knochen und macht sie schwer wie Blei. (22) 

Man fragt sich, wie Berlusconi es geschafft hat, an die Macht zu kommen? Erstmal, nicht alle haben ihn gewählt. Für mich aber auch eine ganz klare Sache, wie ich von Italienern zu hören bekommen habe, als ich sie danach fragte. Er scheint die Medien, die in seiner Hand lagen, manipuliert zu haben, und vielleicht hat er als Milliardär mithilfe von Schmiergeldern Stimmen gekauft. Dies vermute ich. Hier würde sich leider mancher Italiener, wenn er sich hat kaufen lassen, mitschuldig an diesem politischen Verbrechen machen. Aber es gibt auch andere Antworten:
Als die Italiener 1994 Silvio Berlusconi zum Ministerpräsidenten wählten und ihn dreimal im Amt bestätigten, schüttelte das Ausland den Kopf. Wie konnte ein so kultiviertes Volk einem Illusionskünstler vom Schlage Berlusconis hinterherlaufen? Wie konnten die Italiener ihn immer wieder wählen, trotz seiner zahllosen Skandale und Affären? (22)

Doch was ich nämlich nicht wusste, ist, dass bei der Einführung des Euros alle Italiener dafür zahlen mussten. Romano Prodi, damaliger Ministerpräsident, führte eine Eurosteuer ein.
Die Regierung zog direkt von den Bankkonten der Italiener Geld, um die Kriterien des Vertrags von Maastricht erfüllen zu können. Somit zahlten die Italiener aus eigener Tasche für den Beitritt zum Euro. Doch die Italiener waren bereit (…) zu zahlen, weil sie mit dem Euro viel Hoffnung verbanden. Europa verlangte es, und die Italiener wollten gute Europäer sein. Sie waren es aus Überzeugung und aus Notwendigkeit, denn sie hatten wenig Vertrauen in die Fähigkeiten der eigenen politischen Klasse. Brüssel sollte die Modernisierung vorantreiben. (23)

Aber mit Europa wurde es nicht besser. Im Gegenteil, der Druck nahm durch Brüssel noch mehr zu und das nutzte der wiedergewählte Berlusconi aus und führte eine Antieuropa – Politik ein und stärkte das Volk, erneut auf die nationalistischen Werte zurückzugreifen und darauf zu vertrauen. Zum Beispiel würde Italien den Italienern gehören und nicht der EU. Berlusconi nutzte das geschwächte Selbstvertrauen seiner Landsleute aus.
Mit Ausbruch der Eurokrise 2010 zerstoben diese Hoffnungen. Italien geriet ins Hintertreffen: Die Arbeitslosigkeit stieg, die Kaufkraft sank, die Wettbewerbsfähigkeit ging verloren, der Anteil der Industrieproduktion am Bruttoinlandsprodukt schrumpfte. Es war ein bitteres Erwachen. Und aus Brüssel kamen die ständigen Ermahnungen zum Sparen, zu mehr Disziplin, zu mehr Reformen. Die Italiener sollten so werden wie die Deutschen – doch da das nicht möglich war, entstand das nagende Gefühl des ständigen Ungenügens. Die EU war wie ein strenger Schulmeister, der Italien ohne Unterlass schlechte Noten gab. (…) Erst Jahre später sollte man erkennen, dass Berlusconi keine Ausnahme war, sondern ein Vorläufer-ein frühes Modell von Donald Trump, der 2016 überraschend zum US-Präsidenten wurde. Berlusconi lebte das Modell des radikalen politischen Narzissmus vor.  

Dies erklärt natürlich, dass die Italiener auf Prodi wütend wurden und ihn abgewählt haben, weil sich an der politischen Lage nichts gebessert hatte. Dann die vielen Beschimpfungen aus Brüssel, das waren die Italiener leid. 
Seit der Eurokrise scheinen die Italiener aus deren Blickwinkel wie ungezogene Kinder, die nicht recht wissen, wie man mit Geld umzugehen hat. Sie schmeißen zum Fenster hinaus, was andere hart verdient haben. Diese Vorstellung hat sich, auch dank entsprechender Berichterstattung, tief in die Köpfe, insbesondere der Deutschen, eingenistet. Da ist viel Herablassung im Spiel, viel Besserwisserei und Ignoranz. Die strengen Sparmeister des Nordens sollten aber berücksichtigen, dass andere europäische Länder enorm von der Kreativität, dem Talent und dem Leistungswillen der italienischen Auswanderer profitieren. Es war in erster Linie der viel gescholtene italienische Staat, der diese Menschen ausgebildet hat, bevor sie ins Ausland gingen. (218)

Und trotzdem steht Italien an vierter Stelle, was die Zahlung an die EU betrifft. Noch 2016 zahlte das Land 11,48 % des Bruttoinlandprodukts an die Europäische Union. An erster Stelle steht Deutschland, an zweiter Frankreich, an dritter England, dann kommt Italien. Das allerdings habe ich aus einer anderen Quelle herausfinden können, siehe hier.
Und es gibt noch einiges mehr, was in der Rede vom angeblichen liederlichen Italien untergeht: Laut einer Studie der Europäischen Zentralbank ist das durchschnittliche Vermögen der Italiener fast dreimal so groß wie das der Deutschen, nämlich 173 600 zu 51 400 €. Auch die Schulden in ihrer Gesamtheit – Staat, Familien, Unternehmen – sind geringer als die der Dänen oder Schweden. Der italienische Staat ist arm, die italienische Gesellschaft dagegen reich. Fakten wie diese spielen in der Debatte über Italien nur selten eine Rolle. Sie finden keinen Platz zwischen all den Vorurteilen, die sich längst zu Gewissheiten verfestigt haben. (Ladurner 218) 

Schuld daran seien auch die italienischen Politiker, die in Brüssel mit einem opportunistischen Auftreten auf den Tisch hauen und so tun, als würden sie im Auftrag des Volkes so agieren. Dabei sei das Volk selbst ganz verzweifelt über die peinlichen Auftritte ihrer Politiker.
Europäische Politik ist eine heikle, mitunter explosive Angelegenheit, weil jede Nation ihre eigene Geschichte hat. (…) Nationalgefühle sind auch mehr als sechzig Jahre nach Gründung der Europäischen Union noch nicht abgekühlt. (219)

Wie sollte denn Brüssel und der Norden auf die Italiener reagieren?
Nicht nur, aber auch darum ist die Art, wie man übereinander redet, von größter politischer Bedeutung. Europäische Politik hat sehr viel mit gegenseitigem Respekt zu tun. Millionen Italiener fühlen sich in der Europäischen Union nicht respektiert, (…). Die Union, die sie erleben, ist nicht ihre Union, sondern ein Zwangsverein. (…) Es hätte gewiss nicht geschadet, wenn man den Millionen Italienern, die in den letzten Jahren verzweifelt gegen den Abstieg in die Armut kämpften, mit etwas mehr Großzügigkeit begegnet wäre. Es hätte nicht geschadet, wenn man in Brüssel wie auch in Berlin immer wieder darauf hingewiesen hätte, dass die Italiener den Europäern trotz all der Schwierigkeiten immer noch viel geben. Man muss bei solchen Reden die Probleme nicht verschweigen – sie liegen offen auf der Hand: Die Schwächen der Institutionen, die Unzulänglichkeit der politischen Klasse. Das sind die Kernprobleme Italiens. Das italienische Volk leidet darunter ebenso, wie Europa daran Schaden nimmt. (Ebd)

Man sollte diesen Respekt nicht nur ITALIEN, sondern allen Ländern entgegenbringen, die aus einer schwierigen Regierung kommen, und man sollte aufhören, die Menschen darin durch Arroganz und Besserwisserei  abzustrafen. Diese Haltung löst einen starken diskriminierenden und rassistischen Charakter aus, den ich traurigerweise immer wieder aus vielen belletristischen Büchern entnehmen muss. Dass wir anderen in einem Land geboren wurden, in dem es solche Probleme nicht gibt, dafür aber genug andere, ist nicht unserem Können geschuldet. Die meisten Errungenschaften haben wir doch nur unseren Vorkämpfern zu verdanken. 

Wo ein Mensch hineingeboren wird
Die Geburt eines Kindes ist wie ein Lotteriespiel. Niemand sucht sich sein Land, seine Eltern und seine Gesellschaft aus. Jeder Mensch muss in dem Land, in dem er geboren und seine Wurzeln geschlagen hat, bestmöglich klarkommen.

Probleme gemeinsam angehen, dann findet man auch wieder das Vertrauen der Menschen, die sich abgeurteilt fühlen. Und man darf nicht vergessen, dass Menschen auch individuell Entwicklungen durchlaufen, besonders dann, wenn eine Gesellschaft dafür noch nicht reif genug ist.

Aber sind die Italiener nun alle Opfer?, habe ich mich gefragt. Ganz bestimmt nicht. Sie tragen mit die Verantwortung, was die "gefräßige Nimmersattpolitik" ihres Landes betrifft. Aber sie alle als Mafiosi zu beschimpfen, davor distanziere ich mich. Ich selbst vermisse den politischen Italiener, der so wie früher auf die Straße geht, und für seine Rechte kämpft. Italiener, die die Lügen ihrer Politiker durchschauen, sie aufdecken, statt sich von ihnen von einer schöneren und heileren Welt vollsülzen zu lassen. Und ich stelle mir die Frage, wie man seriöse Politiker wieder ins Land bekommt? Wie können Gewerkschaften wieder stark und autark werden und wie saubere Parteien gegründet werden? Das stelle ich mir nicht einfach vor. Um wieder zurück in McEwans Metapher zu schwelgen, muss eine Insektenplage, wie die der Kakerlaken, gründlichst ausgemerzt werden. Da benötigt man gute Kammerjäger.

Ich selbst wüsste nicht mal, wie ich mich politisch und gesellschaftlich verhalten würde, wenn ich in Italien leben würde.

Auf jeden Fall wünsche ich den Italienern ihren Kampfgeist zurück. 

Keine Ratschläge
Ansonsten habe ich keine Ratschläge, und ich finde es auch gut, dass der Autor keine anbietet. Als Nichtbetroffene glaubt man immer schlauer zu sein, und weiß angeblich immer besser, was für andere gut ist. Wenn das nur so einfach wäre!!!

Mitgefühl ist keine Schwäche
Trotzdem habe ich auch großes Mitgefühl mit den Menschen, weil mir bewusst ist, wie schwer eine Politik zu durchschauen ist, vor allem, wenn es in den Parteien keine Alternativen gibt. Und hier in Deutschland gehört meine Partei, die ich wähle, selbst zu einer Minderheit. Alle schreien sie, wenn im sozialen Bereich Kürzungen vorgenommen werden, aber die meisten wählen weiterhin Parteien, die sich nicht für die sozialen Interessen der Menschen einsetzen. Wie kommt das? Auch bei uns geht es nicht immer sauber zu, was das Wahlverhalten deutscher Wähler betrifft. Auch bei uns läuft so viel schief, auch bei uns werden Versprechungen nicht gehalten. 

Großartig demonstriert wird bei uns hier allerdings auch nicht. Eine Volkspartei gibt es auch keine mehr und die großen Parteien leiden auch unter kräftigem Stimmenverlust.

Leere Rentenkassen könnten bei uns ausgefüllt werden, wenn auch Politiker und Beamten in die Rentenversicherung einzahlen würden. Rentenkassen könnten ausgefüllt werden, wenn eine Vermögenssteuer eingeführt werden würde. Wie passt das, dass die Reichen geschont und die Armen belastet werden?

Der erste Schritt zum Weltfrieden wäre, Respekt anderen Menschen, besonders auch aus  aus anderen Ländern mit ihren spezifischen Sorgen und Problemen gegenüber zu treten, mit denen diese Menschen ihren Lebenskampf führen müssen. Man muss nicht alles für gut heißen, das tue ich ja auch nicht, aber eine respektvolle Haltung anstelle einer diskriminierenden, abfälligen und ausgrenzenden wäre schon ein Anfang. 

Jeder, der möchte, kann aus den eigenen Fehlern und aus den Fehlern anderer lernen. Was uns alle verbindet, ist, dass wir alle Menschen sind. 

McEwan / Italexit 
Wieder zurück zu McEwan und zu seinem neusten Buch, Die Kakerlake.
Wenn ich könnte, würde ich dem Schriftsteller Ian McEwan gerne einen Brief schreiben, mit der Bitte, die Kakerlake á la italian zu verfassen, aber der arme Mann hat sicher andere Sorgen, als sich mit den Sorgen der Italiener zu befassen, zumal die Engländer nun draußen sind, nichts mehr mit der EU verbindet. Sollen sich die Italiener doch selbst mit ihren Sorgen herumschlagen, würde er vielleicht antworten. 

Aber es würde mir auch schon genügen, wenn Die Kakerlake ins Italienische übersetzt werden würde, deshalb erwähne ich McEwan hier, und hoffe, die Italiener auf ihn aufmerksam machen zu können und um Interesse zu wecken. Ich habe gerade auf Amazon.it entnehmen können, dass McEwan in Italien bekannt ist. Verschiedene Werke von ihm sind ins Italienische übersetzt worden. Ich hoffe, dass ich mit meinem Blogbeitrag viele Italiener erreichen werde.

Mein Fazit  
Ein sehr interessantes, bewegendes und ein nachdenkenswertes Sachbuch, das mir viele Antworten liefern konnte. Es hatte mich zwar viele Tage über die politische Lage dieser Nation richtig betrübt, weil sie ein so düsteres politisches Profil darstellt, dann aber konnte ich diese Stimmung wieder überwinden und weiterlesen. Wie gefräßig auch
  italienische Politiker sein können, wird hier in diesem Sachbuch neben McEwan auch sehr deutlich. Der Hunger nach Macht und die Profitgier scheinen nicht zu stillen zu sein ... Viele Textstellen konnte ich nur markieren, aber nicht herausschreiben, weil sie einfach zu heftig waren und so muntere ich andere stattdessen zum Selberlesen auf. 

Das Buch habe ich auf der Buchmesse 2019 entdeckt. Und bin recht froh darüber. Ohne die Buchmesse wäre es mir nie in die Hände gefallen. Auf Amazon.de befindet sich noch keine Rezension. Wird wohl nicht so viel gelesen.

Es hat mich sehr bereichert und hat mich in meinem Denken absolut weitergebracht.

Eine klare Leseempfehlung. 12 Punkte.

Hier geht es zur Buchbesprechung von Ian McEwans Politsatire.
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Es geht nicht um den Verstand,
es kommt alles aus dem Herzen.
(Tracy Barone)

Gelesene Bücher 2020: 02
Gelesene Bücher 2019: 29
Gelesene Bücher 2018: 60
Gelesene Bücher 2017: 60
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86


Der Mensch ist mehr als nur die biologische Erbmasse.
Er ist, was er innerlich denkt und fühlt.
(M. P.)
Die Herkunft eines Menschen
Die Wurzeltheorie verdammt Menschen zu ewigen Ausländer*innen, nur, weil sie eine andere Hautfarbe, eine andere Religion oder einen anderen Namen tragen. Die meisten haben ihre Wurzeln dort geschlagen, wo sie geboren wurden und / oder dort, wo sie ihr ganzes Leben zugebracht haben.

Es lebe die Vielfalt.
(M. P.)


Kommentare:

Carmen hat gesagt…

Liebe Mira,

ich finde, so viel anders ist es bei uns auch nicht. Probleme anderer Länder, vor allem die des Südens, werden von den Medien besonders aufgebauscht und ich glaube, das liegt daran, damit wir von unseren eigenen Problemen abgelenkt werden. Dies ist ja auch eine Art von Manipulation. Alle denken hier, uns geht es doch noch ganz gut verglichen zu diesen Ländern. Aber ist das so? Wenn ich mir das korrupte Gesundheitswesen anschaue, oder die Altersarmut, die mit den Jahren immer mehr zunehmen wird, weil angeblich die Rentenkassen leer sind, und das in einem reichen Land wie Deutschland, stimmt mich das stutzig. Und auch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist noch lange nicht angeschlossen. Noch immer haben Frauen eine Doppelbelastung und Männer verdienen immer noch mehr als Frauen. Nur weil die Männer mal den Kinderwagen in der Öffentlichkeit schieben und ein paar Monate Elternzeit nehmen, sind sie deshalb noch lange nicht emanzipiert. Und im Haushalt sind es immer noch die Frauen, die die Hausarbeit erledigen. Und dann die vielen Skandale auch in unserem Land, kürzlich den AWO-Skandal.
Auf Deine Frage hin; Du wüsstest nicht, wie du Dich verhalten würdest, würdest Du in Italien leben: Guck Dir doch die Menschen hier an. Dasselbe Verhalten wie dort.
Ich finde Deinen Bericht wunderschön, danke dafür. Sehr interessant geschrieben. Ich besuche überhaupt sehr gerne Deinen Bücherblog. Und den McEwan werde ich mir nun auch kaufen. Da hast Du mich sehr neugierig gestimmt.
Und diese Gier nach Macht findet man nicht nur bei den Politikern, sondern auch in vielen Betrieben in der Leitungsfunktion.
Ganz liebe Grüße von Carmen.

Sabine hat gesagt…

Ich kann mich der Carmen nur anschließen.
Eine sehr interessante und differenzierte Sicht auf die Probleme Italiens. Dann diese Verbindung zu McEwans Buch, wunderbar. Auch ich möchte es unbedingt lesen.
Gruß
Sabine

Mirella Pagnozzi hat gesagt…

Ich danke euch herzlichst, Carmen und Sabine, für eure Kommentare, die mir sehr wichtig sind.
Schöne Grüße
Mira

Mirella Pagnozzi hat gesagt…

P. S. Carmen besitzt keinen Blog, habe aber mit ihr telefoniert und wir uns politisch ausgetauscht haben, nachdem sie meine Buchbesprechung gelesen hatte. Ich bat Carmen darum, mir ihre Gedanken auf meinem Blog zu schreiben.