Dienstag, 18. April 2017

Jakob Wassermann / Faber oder die verlorenen Jahre


Klappentext
Als Eugen Faber nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in seine Heimatstadt zurückkehrt, liegt seine Welt in Trümmern: Er ist zum Außenseiter geworden, zum Fremden in seiner eigenen Familie. Jakob Wassermanns wiederentdeckter Roman ist ein erschütterndes und bewegendes Zeugnis der Entwurzelung einer ganzen Generation.
Sechs Jahre hat sich der junge Architekt Eugen Faber in russischer Gefangenschaft nach seiner Frau, seiner großen Liebe und Seelenverwandten, gesehnt und schließlich eine gefährliche Flucht auf sich genommen. Doch das Leben ist inzwischen weitergegangen. Seine Frau erkennt er kaum wieder, sein kleiner Sohn kann sich nicht an ihn erinnern. In seinem Beruf wird er nicht mehr gebraucht, und auch Ideologien bieten ihm keinen Halt. Zunehmend verzweifelt versucht er, sich in eine Welt einzufügen, die nicht mehr die seine ist.
Mit außerordentlichem Einfühlungsvermögen erkundet Jakob Wassermann das quälende Ringen um Nähe und Verständnis. In den 1920er-Jahren war er einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. 1933 sollten seine Werke den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten zum Opfer fallen, doch schon 1924, als er den vorliegenden Roman veröffentlichte, ahnte er das nahende Unheil voraus. In einer Zeit des brüchigen Friedens und des drohenden Zerfalls Europas stellt der Roman existenzielle Fragen, die uns auch heute noch beschäftigen: nach dem Wert von Menschlichkeit, Respekt und gegenseitiger Achtung.


Autorenporträt
Jakob Wassermann (1873–1934), als Sohn eines jüdischen Gemischtwarenhändlers in Fürth geboren, gelangte Ende der 1920er-Jahre zu Weltruhm: Seine von der Psychoanalyse beeinflussten Romane waren Bestseller und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Verbrennung seiner Bücher 1933 in Deutschland bedeutete seinen materiellen wie auch psychischen Ruin.

Meine ersten Leseeindrücke

Als ich die ersten Seiten begonnen habe zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören. Nun hoffe ich, dass die Spannung und das Interesse weiterhin bis zum Ende erhalten bleiben.


Weitere Informationen zu dem Buch
€ 26,95 [D] inkl. MwSt. € 27,80 [A] | CHF 35,90* 
(* empf. VK-Preis) 

Gebundenes Buch, Leinen mit SchutzumschlagISBN: 978-3-7175-2416-8

Erschienen: 26.09.2016 

Und hier geht es auf die Verlagsseite von Manesse.



Montag, 17. April 2017

María Dueñas / Wenn ich jetzt nicht gehe (1)

Lesen mit Anne 

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre


Nun bin ich seit gestern mit dem Buch durch und meine Meinung dazu hat sich nicht geändert. Ein sehr dickes Buch, an dem ich über einer Woche lang gelesen habe. Es hat sich sehr gezogen, es plätscherte so dahin.

Mich haben die Figuren so kalt gelassen. Ich konnte mich für keine wirklich begeistern. Auch die darin vorkommende Welt kommt mir sehr kalt und berechnend vor, es herrschen hauptsächlich materielle Werte. Jeder versucht, sein Kapital auf Kosten anderer aufzuschlagen. Langweilige Themen. Die wirklich interessanten Themen wie z. B. der Rassenkampf in Mexiko wird nur peripher erwähnt. Wird nur kurz angerissen, auch wenn die schwarzen Figuren in dem Erzählstrang zwar mitziehen, aber sie bleiben dennoch Nebenrollen. Da muss ich an Isabel Allende denken mit ihrem Buch Die Insel unter dem Meer, auch im Suhrkamp-Verlag erschienen, das bei mir deutlich besser abgeschnitten hat. Hier wird der Rassenkampf zwischen den Sklaven und den Amerikanern in den Mittelpunkt gestellt. Das Buch ist viel authentischer geschrieben. Ich habe dieses Buch regelrecht geliebt und habe jede Zeile verschlungen ... Diese Erfahrung konnte ich leider mit diesem vorliegenden Buch nicht machen.

Das Cover auf dem Buchband erfüllte sich erst auf der letzten hundertsten Seite.

Insgesamt hat die Autorin lange gebraucht, ein wenig Spannung auf ihre Seiten zu bringen. Das Politische, das Zwischenmenschliche und diese so kurze Lovestory konnten mich einfach nicht überzeugen.

Ich bin von Anfang an nicht richtig reingekommen, während meine Lesepartnerin Anne-Marit zuerst auf den ersten Seiten einen superguten Start fand, der sich aber bei ihr auch nicht halten konnte, und so brach sie das Buch schließlich nach 332 Seiten ab.

Mein Fazit zu dem Buch?
Dennoch würde ich nicht sagen, dass das Buch nicht lesenswert ist, siehe Bewertung unten, die mir zu einer fairen Beurteilung verhelfen soll. Jede LeserIn, die sich von dem Buchtitel und dem Klappentext angesprochen fühlt, sollte das Buch auch selbst lesen, da die Meinungen und die Geschmäcker recht subjektiv ausfallen können. Hierbei gebe ich zur Erinnerung erneut den Klappentext rein:
Mauro Larrea erhält eine Nachricht, die seinen Ruin bedeutet. Einst in den Silberminen Mexikos reich geworden, kämpft er um eine neue Chance und trifft auf die Frau, die sein Schicksal entscheidet … Wenn ich jetzt nicht gehe ist eine abenteuerliche Jagd nach dem Glück, ein Roman über die Kraft des Neuanfangs und packende, bewegende Literatur.In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist Mexiko-Stadt der Mittelpunkt der Neuen Welt und Mauro Larrea einer ihrer wohlhabendsten Bewohner. Er nennt einen Barockpalast sein Zuhause, besitzt Minen, Ländereien, Kutschen, Pferde, Logen überall … Jahre zuvor kam er mit nichts ins Land, als Witwer, als Vater zweier Kinder. Sein kühner Aufstieg begann. Doch jetzt soll nach zwanzig Jahren Arbeit im Bauch der Erde alles verloren sein, wegen einer einzigen Entscheidung! Hals über Kopf verlässt er die Stadt, versucht sein Lebensglück ein zweites Mal zu machen und begegnet Soledad Montalvo, einer schönen, einer klugen, einer unberechenbaren Frau.

2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
1 Punkte: Differenzierte Charaktere
1 Punkte: Authentizität der Geschichte
1 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus

Sieben von zehn Punkten.


Weitere Informationen zu dem Buch:

Ich möchte mich recht herzlich beim Insel/Suhrkamp-Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar bedanken. 

D: 24,00 € 
A: 24,70 € 
CH: 34,50 sFr

NEU
Erschienen: 06.03.2017
Gebunden, 589 Seiten
ISBN: 978-3-458-17702-9 

Auch als eBook erhältlich.

Und hier geht es auf die Verlagsseite von Suhrkamp und Insel.
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Es ist ganz gleich, ob man reich oder arm ist,
alle hungern nach etwas.
(Per J. Andersson)

Gelesene Bücher 2017: 15
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86


Mittwoch, 5. April 2017

María Dueñas / Wenn ich jetzt nicht gehe

Lesen mit Anne

Klappentext
Mauro Larrea erhält eine Nachricht, die seinen Ruin bedeutet. Einst in den Silberminen Mexikos reich geworden, kämpft er um eine neue Chance und trifft auf die Frau, die sein Schicksal entscheidet … Wenn ich jetzt nicht gehe ist eine abenteuerliche Jagd nach dem Glück, ein Roman über die Kraft des Neuanfangs und packende, bewegende Literatur.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist Mexiko-Stadt der Mittelpunkt der Neuen Welt und Mauro Larrea einer ihrer wohlhabendsten Bewohner. Er nennt einen Barockpalast sein Zuhause, besitzt Minen, Ländereien, Kutschen, Pferde, Logen überall … Jahre zuvor kam er mit nichts ins Land, als Witwer, als Vater zweier Kinder. Sein kühner Aufstieg begann. Doch jetzt soll nach zwanzig Jahren Arbeit im Bauch der Erde alles verloren sein, wegen einer einzigen Entscheidung! Hals über Kopf verlässt er die Stadt, versucht sein Lebensglück ein zweites Mal zu machen und begegnet Soledad Montalvo, einer schönen, einer klugen, einer unberechenbaren Frau.


Autorenporträt
María Dueñas, geboren 1964, lehrte in Murcia Englische Literatur, bis ihr Debütroman 2009 alle Rekorde brach. Mittlerweile ist ihr Werk in 35 Sprachen übersetzt, mehrfach ausgezeichnet und in eine Fernsehserie verwandelt. Wenn ich jetzt nicht gehe ist ihr dritter Roman und war 2015 das meistverkaufte Buch Spaniens.


Weitere Informationen zu dem Buch:

D: 24,00 € 
A: 24,70 € 
CH: 34,50 sFr

NEU
Erschienen: 06.03.2017
Gebunden, 589 Seiten
ISBN: 978-3-458-17702-9 

Auch als eBook erhältlich.

Und hier geht es auf die Verlagsseite von Suhrkamp und Insel.

Dies ist das erste Buch, das wir, Anne und ich, von der Autorin gerade lesen. 



Montag, 3. April 2017

Ian McEwan / Kindeswohl (1)


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Ich habe lange dafür gebraucht, obwohl es nur 224 Seiten hat. Es ist halt kein Buch, bei dem man wie ein Schnellzug so durch die Seiten rast. Viele interessante, aber sehr ernste Themen werden darin behandelt. Ich habe schon auf Facebook dazu geschrieben, dass das Buch sehr viele ethische Fragen aufwirft, auf die man keine 08/15-Antworten finden kann. Hauptsächlich geht es um die aktive und die passive Sterbehilfe, und über lebenserhaltende Maßnahmen. Eine Gradwanderung, denn wann darf ein Mensch über sein Schicksal selbst entscheiden, und wann nicht, vor allem, wenn es um minderjährige PatientInnen geht, wie in diesem Band, das mit dem treffenden Buchtitel Kindeswohl deklariert ist.

Auf den ersten Seiten bekommt man es mit siamesischen Zwillingen zu tun und man mit der Frage konfrontiert wird, ob die Medizin das Recht hat, nach der Geburt ein Zwilling zu töten, um das andere zu retten? Die Kirche sagt nein, das sei allein Gottes Willen, zu entscheiden, auch wenn dabei das Risiko besteht, dass beide Kinder sterben. Aber einfach hat es auch das Gesetz nicht, denn … 
… (d)as Gesetz selbst hatte ähnliche Probleme, erlaubte es Ärzten doch andererseits, bestimmte unheilbare Patienten ersticken, verdursten oder verhungern zu lassen, und verbot andererseits die sofortige Erlösung durch eine tödliche Spritze. (2016,37)

Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:
Familienrecht ist das Spezialgebiet der Richterin Fiona Maye am High Court in London: Scheidungen, Sorgerecht, Fragen des Kindeswohls. In ihrer eigenen Ehe ist sie seit über dreißig Jahren glücklich. Da unterbreitet ihr Mann ihr einen schockierenden Vorschlag. Und zugleich wird ihr ein dringlicher Gerichtsfall vorgelegt, in dem es um den Widerstreit zwischen Religion und Medizin und um Leben und Tod eines 17-jährigen Jungen geht.

Brisant geht es schließlich in den Szenen zu, als es um den siezehnjährigen Adam geht, der an Leukämie erkrankt ist. Er und seine Familie sind Mitglied einer religiösen Sekte, die eine Bluttransfusion verbietet, obwohl sich diese lebensrettend auf das Leben des Jungen auswirken könnte. Der Junge selbst lehnt die Bluttransfusion ab, da er von den Eltern und von der Kirchengemeinde stark beeinflusst ist. Das Krankenhaus wendet sich an das Gericht. Richterin Fiona wird beauftrag, sich dieses Falls anzunehmen. Sie entscheidet in diesem wie auch in anderen Fällen über Leben und Tod. Erstaunlich, dass selbst Adams Eltern ablehnend der Bluttransfusion gegenüberstehen. Sind Kinder nicht das Wichtigste, was Eltern besitzen können? Wie dieser Rechtsstreit ausgetragen wird, möchte ich an einem kurzen Zitat belegen. Im Gerichtssaal, ein Dialog zwischen Dr. Carter, der den Jungen im Krankenhaus behandelt und der Anwalt des Mandanten Mr Grieve:
>>Sie stimmen mir doch zu, Mr. Carter, (…) dass es ein fundamentales Recht eines jeden Erwachsenen ist, über seine ärztliche Behandlung frei zu entscheiden?<<
>>In der Tat.<<
>>Und dass eine Behandlung ohne die Einwilligung eines Patienten eine Verletzung seiner persönlichen Freiheit darstellen würde, womöglich gar eine Körperverletzung?<<
 >>Das sehe ich auch so.<<
>>Und Adam ist doch, nach den gesetzlichen Bestimmungen, fast schon erwachsen.<<
>>Auch wenn er morgen früh achtzehn werden würde, wäre er heute noch minderjährig.<< (76)

Das Streitgespräch setzt sich noch lange fort, es bleibt also spannend, wie es letztendlich entschieden wird.

Die Richterin Fiona Maye, die beruflich mit vielen unterschiedlichen Menschenschicksalen zu tun bekommt, hat eigene Sorgen. Ihr Mann begeht einen Seitensprung, weil sie beruflich zu sehr eingespannt ist, und kaum noch Zeit hat, sich im Rahmen ihrer Ehe um die eigenen Bedürfnisse und um die sexuellen Bedürfnisse ihres Mannes zu kümmern. Ihr Mann macht ihr ein Geständnis ... Es kommt zu einem Eklat.

In diesem Ehezwist kommt einem die Frage auf, ob Fionas Mann nicht das Recht hätte, seine sexuellen Bedürfnisse mit einer anderen Frau zu befriedigen, wenn die eigene Frau dafür nicht mehr zu gewinnen sei? 


Mein Fazit zu dem Buch?

Wie oben schon gesagt, hat mir das Buch sehr gut gefallen, sodass ich vorhabe, mir erstmal noch zwei andere Bücher von dem Autor vorzunehmen und so denke ich dabei an Die Nussschale und an Abbitte. Wenn diese beiden Bücher bei mir ebenso gut ausfallen sollten, erkore ich auch diesen Autor zu meinen Favoriten, und mache daraus ein Leseprojekt. 

Auch das Cover hat mich sehr angesprochen. Kein Foto, sondern ein Gemälde des jungen Adams. Anfangs wusste ich mit diesem Profil noch gar nichts anzufangen, da der Ehezwist der beiden Eheleute im Vordergrund stand, und ich dieses Cover noch gar nicht einzuordnen wusste ...  Auch den Titel fand ich gut gewählt.

Allerdings wurde Adam auf der Seite 112 mittig als schwarzhaarig und mit dunklen Augen beschrieben. Das entspricht aber nicht dem Profil auf dem Bild. Der Junge hat hier blaue Augen, und die Haare sind eher braun und mit schwarzen Strähnen abgebildet. Sollen die schwarzen Strähnen ein Kompromiss sein? Denn darf ein englischer Junge nicht schwarzhaarig sein? Und müssen es bei einem Engländer immer blaue Augen sein? Ist die Natur tatsächlich so einseitig? Nein, das ist sie eigentlich nicht, nur der Mensch ist es, der es nicht schafft, die Natur, so wie sie ist, und zwar bunt, zu akzeptieren …

Aber alles andere fand ich passend, insgesamt fand ich das Buch sehr gut gelungen.

2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus

Zehn von zehn Punkten.


Weitere Informationen zu dem Buch:

Ich möchte mich recht herzlich für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar beim Diogenes Verlag bedanken.

   Taschenbuch: 224 Seiten, 12,00 €
    Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (24. August 2016)
    ISBN-10: 3257243774

Und hier geht es auf die Website von Diogenes.
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Gelesene Bücher 2017: 14
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86


Mittwoch, 29. März 2017

Ian McEwan / Kindeswohl


Klappentext
Familienrecht ist das Spezialgebiet der Richterin Fiona Maye am High Court in London: Scheidungen, Sorgerecht, Fragen des Kindeswohls. In ihrer eigenen Ehe ist sie seit über dreißig Jahren glücklich. Da unterbreitet ihr Mann ihr einen schockierenden Vorschlag. Und zugleich wird ihr ein dringlicher Gerichtsfall vorgelegt, in dem es um den Widerstreit zwischen Religion und Medizin und um Leben und Tod eines 17-jährigen Jungen geht.


Autorenporträt
Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er für ›Amsterdam‹ den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Sein Roman ›Abbitte‹ wurde zum Weltbestseller und mit Keira Knightley verfilmt. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.

Auszeichnungen

·      Somerset-Maugham-Preis für ›Erste Liebe - letzte Riten‹, 1976
·      Whitbread Prize für ›Ein Kind zur Zeit‹, 1987
·      Ehrendoktorat der Sussex University, 1989
·      Ehrendoktorat der University of East Anglia, 1993
·      Prix Fémina étranger für ›Ein Kind zur Zeit‹ in französischer Übersetzung (›L'enfant volé‹), 1993
·      Ian McEwan erhält den Booker Prize 1998 für ›Amsterdam‹, 1998
·      Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung (Hamburg) für das Gesamtwerk von Ian McEwan, 1999
·      Ian McEwan ist Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences, 1999
·      ›People's Booker‹ für ›Atonement‹, 2001
·      ›W. H. Smith‹-Literaturpreis für ›Atonement, 2002
·      Herausgeber der ›New York Times‹ haben ›Atonement‹ als einen von sieben Titeln zu den ›Books of the Year‹ gewählt, 2002
·      ›National Book Critics' Circle Fiction Award‹ für ›Atonement‹, 2003
·      ›Deutscher Bücherpreis‹ in der Sparte ›Internationale Belletristik‹ für ›Abbitte‹, 2003
·      ›Los Angeles Times Prize for Fiction‹ für ›Atonement‹, 2003
·      ›Santiago Prize for the European Novel‹ für ›Atonement‹, 2004
·      ›James Tait Black Memorial Prize for Fiction‹ für ›Saturday‹, 2006
·      ›Common Wealth Award for Literature‹ für sein Gesamtwerk, 2007
·      Oscar für die beste Filmmusik (Dario Marianelli) von ›Atonement‹, 2008
·      ›Golden Globe‹ für das beste Kinodrama und den besten Soundtrack im Film ›Atonement‹, 2008
·      ›Am Strand‹ wird Buch des Jahres des ›Galaxy British Book Award‹, 2008
·      ›Atonement‹ erhält den Britischen Filmpreis ›BAFTA‹ für den besten Film und für das Szenenbild, 2008
·      ›Wodehouse‹-Preis für den Roman ›Solar‹, 2010
·      Jerusalem-Preis für sein Gesamtwerk, 2011
(Quelle: Diogenes Website)


Verfilmungen

·      Abbitte, Joe Wright, 2007
·      First Love, Last Rites, Susanne Kaelin, 2006
·      Enduring Love, Roger Michell, 2004
·      First Love, Last Rites, Jesse Peretz, 1997
·      Der Zementgarten, Andrew Birkin, 1993
·      …und der Himmel steht still, John Schlesinger, 1993
·      Der Trost von Fremden, Paul Schrader, 1990
·      Schmetterlinge, Wolfgang Becker, 1987
(Quelle: Diogenes Website)

Dies ist mein erstes Buch von Ian McEwan. Ich habe so viele positive Rückmeldungen gehabt, dass ich schließlich selbst ganz neugierig auf den Autor geworden bin. 

Ich habe ein paar Seiten gelesen, und es liest sich sehr spannend. 


Weitere Informationen zu dem Buch:

   Taschenbuch: 224 Seiten, 12,00 €
   Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (24. August 2016)
   ISBN-10: 3257243774

Und hier geht es auf die Website von Diogenes.


Dienstag, 28. März 2017

Per J. Andersson / Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine Liebe wiederzufinden (1)

Lesen mit Tina

Alles, was man zum Glück braucht, ist Vertrauen und ein Fahrrad


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch hat mich auf den ersten Seiten ein wenig kritisch gestimmt. Ich dachte erst, da sind schon wieder die Engländer, die Indien besetzen und sie von ihren Rechten berauben. Die westliche Welt, die in anderen Ländern mit gehobenem Zeigefinger zeigt, was an deren Kultur falsch ist. Warum meint die westliche Welt immer zu wissen, was richtig ist?

Aber um die Engländer ging es in dem Buch nur peripher. Es gab einen Großvater, der von einem Engländer angetan war, weil der den unterdrückten Indern, die aus der unteren Kaste, die Hand gab. Und so haben sich meine Befürchtungen in Wohlgefallen aufgelöst. In dem Buch werden viele Kulturen in Frage gestellt, auch die der westlichen Welt …

Ich hatte anfangs, als das Buch noch im Buchladen stand, noch eine ganz andere Vorstellung zu dem Buch. Ich dachte, es hätte so etwas Ähnliches wie Der Mann, der aus dem Fenster stieg …, und nicht nur ich hegte diesen Verdacht. Nein, man kann dieses Buch keinesfalls mit dem anderen Buch vergleichen. Diesen jungen Inder, der mit dem Fahrrad nach Schweden fuhr  … den gab es tatsächlich. Ein studierter Künstler, der mich doch ein wenig amüsierte, ohne ihn abwerten zu wollen. Denn er hatte gar keine Ahnung, wo Europa liegt, und er fuhr einfach drauf los, ohne zu wissen, auf welcher Seite der Landkarte sich Schweden befand. Er hatte noch nie eine Landkarte gesehen. Er war es gewohnt, von einen Tag auf den anderen zu leben, ohne große Vorbereitungen, wie wir das hier im Westen kennen, dass wir uns immer dick mit Reiseführern und Landkarten eindecken. Doch bevor es zu dieser Reise kam, erfährt man recht viel über die Hintergründe dieses Landes und vieles über den jungen Inder namens Pikay und dessen Familie. Pikay kommt eigentlich aus einer relativ weisen Familie, eine Familie, in der die Frauen nicht diskriminiert wurden. Sein Vater lebte anders als seine Eltern, denn Pikays Großmutter hatte ihre Schwiegertochter aus der Familie verstoßen, als sie mit dem vierten Kind ein Mädchen gebar. Pikay, seine Brüder und der Vater durften bleiben … Pikays Vater hielt die Trennung zu seiner Frau und seiner kleinen Tochter allerdings nicht aus, und sah zu, dass er mit einfachen Mitteln ein Haus für seine Familie baute, in dem er mit ihr leben wollte. Schließlich verließ der Vater seine Herkunftsfamilie und tat sich mit seiner eigenen Familie zusammen. Das fand ich sehr mutig. Der Vater zeigte Respekt vor den Frauen. Er gab Pikay mit auf den Weg, er dürfe niemals eine Frau zum Weinen bringen …
… Und wenn doch einmal Tränen über ihre Wangen laufen, dann lass nicht zu, dass diese Tränen auf den Boden fallen<<, fuhr sein Vater vor, was heißen sollte, dass er immer zugegen sein müsse, um seine Frau zu trösten. (2015, 183)
Pikays Herkunft ist kastenlos. Er und seine Familie werden in der indischen Gesellschaft, vor allem von den Brahmanen, als Dschungelmenschen bezeichnet, die man nicht berühren dürfe, sonst würde man sich beschmutzen. Deshalb die Bezeichnung die Unberührbaren.

Dschungelmenschen, das sind die Ureinwohner Indiens gewesen, denen eigentlich das Land gehörte, bis Fremde kamen, und ihnen das Land wegnahmen. Diese Fremde bezeichnet man heute als Indo-Germanen.

Ziemlich absurd. Als der kleine Pikay in die Schule kam, durfte er sich nicht in den Klassenraum setzen, neben seinen Mitschülern. Nein, er musste auf dem Boden der Terrasse sitzen. Völlig isoliert, wo Pikay sich auf seine Mitschüler gefreut hatte, um neue Freundschaften zu schließen. Seine Schulkameraden stammten alle aus der höheren Kaste. Es waren alles Brahmanenkinder.

Pikay schafft es auf die höhere Schule. Seine Eltern sind stolz auf ihn, und sein Vater machte schon Pläne, sah seinen Sohn schon auf der Universität. Allerdings hatte Pikay Probleme mit den naturwissenschaftlichen Fächern. Aber er war künstlerisch veranlagt, sodass die Lehrer ihn auf eine Künstlerschule verweisen. Und so wird Pikay Maler. Doch leicht hat Pikay es nicht. Er bekommt zwar ein Stipendium, aber das Geld reicht nicht. Das Stipendium wurde außerdem wegen der Korruption für mehrere Monate ausgesetzt. Oftmals musste er unter der Brücke schlafen …

Er konnte seinen Unterhalt aber ein wenig mit seiner Kunst aufbessern. Er lebte von seinen Bleistiftzeichnungen, Porträts und Miniaturen.

Und hier ist noch Lotta, eine junge Schwedin, die eine Weltreise nach Indien macht. Sie fühlt sich zu Asien hingezogen. Lotta ist auch eine recht kritische Persönlichkeit, was ihre Herkunftskultur betrifft, vor allem, als sie ihre Religion mit der der Inder vergleicht:
Die Christen scheinen vor allem daran interessiert, Grenzen zu anderen zu ziehen. Alle Menschen, ganz gleich, ob man gläubig war oder nicht, wurden vor derselben Lebensenergie getrieben. Das Herz, dachte sie, schlägt aus demselben Grund in allen Menschen, ganz gleich, was man glaubt. (47)
Pikay lernt Lotta kennen, und beide fühlen sich zueinander hingezogen. Pika wusste, dass er Lotta kennenlernen und sie heiraten würde. Das entnahm er aus seinem Lebenshoroskop.

Sie lernen sich kennen und philosophieren über das Leben. Pikay fragt Lotta, wie der Mensch glücklich werden könne, wenn die Menschen einander so rassistisch behandeln würden?
Sie spürte, dass sie unmöglich eine Ideologie annehmen könnte, die von jemand anderem fertig ausgedacht war. Und sie konnte nicht mit ganzem Herzen sagen, dass sie Christin, Hindu oder Buddhistin war, konservativ, liberal oder sozialistisch.Ich nehme mir von allem etwas, dachte sie.Trotz der christlichen Mutter und ihrer eigenen Neugier auf Yoga und die asiatischen Lebensphilosophien stand sie den Religionen kritisch gegenüber. Sie war Humanistin. Das musste genügen. Alle Menschen hatten dieselbe Lebensenergie, ganz gleich, woher sie stammten und wie ihre Hautfarbe war. Wenn man so denkt, ist es unmöglich, rassistisch zu sein, meinte Lotta. (127f)
Durch Lotta erfährt Pikay, dass es in Europa auch ein ähnliches Kastensystem gibt, das die Menschen voneinander trennt. Dieses würde man nur anders nennen.

Pikay musste lernen, mit dem Rassismus seines Landes fertigzuwerden, und geriet immer wieder in eine suizidale Identitätskrise. Er meinte, als sogenanntes Dschungelkind keinen Platz in der Gesellschaft zu haben. Ein höherer Lehrer konfrontierte ihn mit seinem Lebenssinn. Er musste lernen, sich gegen den Rassismus und gegen Vorurteile zu kämpfen. Nicht nur innerhalb seiner ethnischen Gruppe, sondern auch in den verschiedenen hierarchisch geordneten Kastenwelten.
Pikay lernte, dass man Gott nicht nur benutzen konnte, um die Armen zu unterdrücken, sondern auch, um dem Hochmut ein Ende zu setzen und die Welt zu verändern. (144)
Der Rat seiner Mutter:
Handle so, dass du hinterher für deine Taten geradestehen kannst und dich nicht dafür schämen musst. Und tue niemals einem Menschen etwas Böses. (157)
1975 bekommt Pikay die Erlaubnis seines älteren Bruders und seines Vaters, Lotta zu heiraten. Lotta befand sich allerdings wieder in Schweden, Pikay machte sich auf den Weg, ihr später mit dem Fahrrad nachzureisen. Pikay lernt auf seine Weise Europa kennen, mit einem etwas naiven Blick. Europa war in seiner Vorstellung ein paradiesischer Kontinent. Sauber und geordnet … Er idealisierte auch die dort lebenden Menschen.

Er lernt in Österreich Silvia kennen, die ihn vor seiner Naivität warnt:
>>Die Menschen hier sind nicht so gut wie in Asien. Die Europäer sind Individualisten und sich selbst am nächsten<<, mahnt sie und fügt hinzu, dass es guten und gutgläubigen Menschen in Europa übel ergehen  könne. (273)
In Europa wird Pikay mit Klischees konfrontiert, die er als Inder zu erfüllen hatte …


Mein Fazit zu dem Buch?

Ich bin über den Autor sehr erstaunt, der in der Lage war, differenziert über Indien zu schreiben. Frei von Klischees und Stereotypen ... Der Erlebnisroman ist recht authentisch geschrieben. Man hat als Leserin das Gefühl bekommen, in Indien zu sein und an den Reisen teilzunehmen. Auch die Wertschätzung zu vielen Ländern und deren Kulturen war zu spüren, dass überall die Menschen Menschen, aber alle Menschen verschieden sind.

Zum Schluss wurden auch die europäischen Kulturen hinterfragt. In dem Buch steckt so viel Wissen und so viel Weisheit.

Der Rassismus. Kein Land ist davon wirklich frei. Ich war froh, als auch der Autor am Ende diese Ansicht vertrat. Kommen die Engländer nach Indien und mahnen den dortigen Rassismus, ohne dass sie mit ihrem eigenen Rassismus fertigwerden.

Es gibt wenige AutorInnen, die es schaffen, über andere Länder so zu schreiben, dass mein Bedürfnis nach Differenziertheit erfüllt ist. Und ich selbst möchte auch nicht zu den Menschen gehören, die andere Menschen in Klischees und Stereotypen packen. Ein guter Autor ist frei davon und geht nicht mit fertigen Bildern an sein Werk. 


2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus

Zehn von zehn Punkten.

Weitere Informationen zu dem Buch

Broschiert: 336 Seiten
Verlag: KiWi-Paperback (2. April 2015)
14,99 €
ISBN-10: 3462047477

Und hier geht es auf die Verlagsseite von Kiwi. 


Telefongespräch mit Tina

Tina und ich waren uns beide einig, dass es ein gutes Buch ist. Auch Tina war der Meinung, dass der Autor sehr differenziert und mit viel Weisheit geschrieben hat. Ein bisschen gelächelt haben wir über die Reiseform des Protagonisten. Das schon, aber er wirkte trotz allem sehr sympathisch und auch sehr kompetent. Auf den letzten Seiten sind ein paar Fotos von ihm, seiner Familie und von Lotta abgebildet.

Tina und ich können beide das Buch weiterempfehlen. Vor allem an Leserinnen und Leser, die gerne durch die Welt reisen. 

Und hier geht es zu Tinas Buchbesprechung.
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Es ist ganz gleich, ob man reich oder arm ist,
alle hungern nach etwas.
(Per J. Andersson)

Gelesene Bücher 2017: 13
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86