Sonntag, 15. Juni 2014

Das Reispflanzerlied / Eileen Chang

Klappentext
China, 50er Jahre: Der junge Bauer Jin'gen und seine Frau kämpfen ums Überleben, aber auch um ihre Hoffnung, die sie mit dem Aufbruch in den Kommunismus verbanden. Unversöhnlich prallen Staat und Individuum aufeinander, und es beginnt ein makabrer Totentanz. Eileen Chang erzählt einfühlsam und menschlich ein modernes Drama. Seit der Bodenreform ist der Bauer Jin'gen sein eigener Herr, doch die Ernte reicht kaum, um ihn und seine Familie zu ernähren. Als der Landbevölkerung eine Sonderabgabe zugunsten der heldenhaften Soldatenfamilien aufgezwungen wird, steht ihre Existenz auf dem Spiel: Die Bauern werden elendig verhungern, wenn sie der Partei folgen- jener Partei, von der sie sich so viel erhofft hatten. In ihrer Not wagen die Dorfbewohner das Unmögliche, den Aufstand gegen die Machthaber- mit katastrophalen Folgen. 

Autorenporträt
Eileen Chang, eigentlich Zhang Ailing, geboren 1920 in Shanghai, veröffentlichte ihre ersten Erzählungen 1942 in der von Japanern besetzten Stadt Schanghai. 1952 ging sie zunächst nach Hongkong und Taiwan, 1955 dann in die USA, wo sie an verschiedenen Universitäten unterrichtete. Sie starb 1995 in San Francisco.
Das Buch habe ich bei Jokers preisgünstig erworben. Ein Restseller. Der Klappentext hatte mich neugierig gestimmt. Vom Genre her wird wird das Buch unter moderner Klassiker eingereiht.





Samstag, 14. Juni 2014

Charlotte Bronté / Villette (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Protagonistin und die Icherzählerin ist die junge Engländerin Lucy Snowe, die sich erst mal ziellos auf ein Schiff begibt, in Frankreich ankommt, und auf  Empfehlungen einer Schiffspassagierin nach Villette fährt, um sich in einem Mädcheninternat als Englischlehrerin zu bewerben. Obwohl sie zum Unterrichten gar kein Examen besitzt, und sonst auch keinerlei Referenzen nachzuweisen hat, bekommt sie nach einer harten Eignungsprüfung über die strenge Direktorin Madame Beck nun endlich den Lehrauftrag als Englischlehrerin. Englischlehrerinnen in Frankreich waren zur damaligen Zeit schwer zu finden. Lucy Snowe macht nun ihre Erfahrungen mit den Franzosen. Auf was ich besonders großen Wert lege, bevor ich meine Punkte verteile, ist eine differenzierte Beobachtungsgabe, mit der Charlotte Bronté in hohem Maße ausgestattet war. Der Autorin ist es gelungen, die Franzosen sehr differenziert darzustellen. Ihre Personenbeschreibungen sind frei von Klischees und Stereotypen. Das mag ich sehr. 
Was die Thematik betrifft, gebe ich zur Erinnerung noch einmal den Klappentext rein:
Im Mittelpunkt von Charlotte Brontës drittem großen Roman steht erneut eine bewegende Frauenfigur: Nach einer glücklos unsteten Jugend findet die unscheinbare Lucy Snowe in der Fremde Anstellung im Mädchenpensionat der kaltherzigen Madame Beck. Als ihre aufkeimende Liebe zum jungen Schularzt Dr. John unerwidert bleibt, droht die Einsamkeit sie zu erdrücken. Doch dann entdeckt Lucy ihre Zuneigung zu dem eigenwilligen Literaturprofessor Paul Emanuel. 
Lucy Snowe erwies sich mir als eine recht sympathische Persönlichkeit. Für ihre Zeit war sie sehr aufgeklärt. Ihr intellektuelles Auftreten stieß besonders bei Monsieur Paul, französischer Literaturprofessor des Internats, auf Widerstand.
Eine Frau mit Verstand war offenbar eine Art lusus nturae, ein unseliger Zufall, ein Ding, für das es in der Schöpfung weder Platz noch Verwendung gab, das weder zur Ehefrau noch zur Arbeit taugte. (544f)
Auch wirkte Lucy recht sensibel und es gelang ihr, hinter die Fassaden ihrer französischen Mitmenschen zu schauen. Die anderen Figuren kamen mir ein wenig narzisstisch vor. Mir war, als würde Lucy für deren Eitelkeit benutzt werden, mit der sie permanent konfrontiert wurde. Nicht nur bei den Mädchen, nein auch bei den Erwachsenen. Auch dem Schularzt Dr. John, in den sich Lucy verliebt hatte, musste sie fortlaufend zu seiner Person Fragen beantworten.
Lucy wirkte auf mich sehr einsam. Die Einsamkeit erlebte sie als recht schmerzvoll, zudem besaß sie ein recht labiles Nervenkostüm. Ihre Kolleginnen in dem Internat waren Durchschnittsmenschen, von denen sie sich zurückzog.

Besonders qualvoll erlebte sie Monsieur Paul, der sie immer wieder auf die Probe gestellt hat. Als Protestantin hatte Lucy es nicht leicht, aber sie schlägt sich immer wieder tapfer durch und ist um Widerworte nicht verlegen. Sie kann aber auch schweigen, wenn der aggressive Gegenpart sie noch weiter attackiert.

Lucy hegt große Pläne. Sie spart für ihr eigenes Pensionat. Sie möchte nicht immer bei Madame Beck angestellt bleiben. Auch Madame Beck ist eine recht kuriose Erscheinung. Sie ist neugierig und wühlt in Lucys Privatsachen, wenn Lucy selbst nicht im Raum ist. Doch Lucy bemerkt das sehr wohl, behält es aber für sich.

Lucy wird immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob sie gerne unterrichten würde. Und die Leute zeigten sich entsetzt, als sie ihre Lehrtätigkeit nicht als Berufung angibt. Von einer Frau würde man erwarten, dass sie alles, was sie tut, aus reiner Menschenliebe zu erfüllen habe. Doch auch hier ist Lucy nicht verlegen und entgegnete, dass sie in erster Linie für sich selber sorgen müsse, um finanziell unabhängig leben zu können, um somit niemandem zur Last zu fallen.

Lucy zeigt sich oft rebellisch, gerade weil Monsieur Paul sie immer wieder von Neuem provoziert.
"Sie sehen blass aus in ihrem Schlummer. Klagt Sie das Heimweh?"
"Heimweh - dazu muss man ein Heim haben. Ich habe keins."
"Dann brauchen Sie umso mehr einen Freund, der auf Sie achtgibt. Miss Lucy, ich kenne kaum jemand, der dringender als Sie einen Freund nötig hat. Selbst Ihre Fehler verlangen gebieterisch nach ihm. Sie brauchen jemanden, der Sie kontrolliert, der Ihnen den Kopf zurechtrückt und Sie im Zaum hält."
Die Vorstellung, >>man müsse mich im Zaum halten<<, war Monsieur Paul nicht auszutreiben. (557)
Eine Schülerin spielt ihr einen Streich, sodass Lucy glaubt, unter Wahnvorstellungen zu leiden. Sie verfällt erneut einem Schwächeanfall. Am Schluss des Buches klärt sich allerdings alles auf.

In dem Internat unterrichtet auch eine Deutschlehrerin namens Fräulein Anna Braun. Interessant fand ich die von Lucy dargelegte Personenbeschreibung:
Unsere Deutschlehrerin, Fräulein Anna Braun, war eine wackere, derbe Frau von etwa fünfundvierzig Jahren. Vielleicht hätte sie in den Tagen der Königin Elisabeth leben sollen, denn sie verzehrte regelmäßig zum ersten und zweiten Frühstück Rindfleisch mit Bier. Außerdem schien ihr ehrliches, gerades deutsches Gemüt grausamen Zwang durch das zu leiden, was sie unsere englische Zurückhaltung nannte. Wir bildeten uns zwar ein, dass wir sehr herzlich mit ihr umgingen, aber wir klopften ihr nicht auf die Schulter, wenn wir uns dazu herbeiließen, sie auf die Wange zu küssen, so geschah dies in aller Ruhe und ohne explosives Schmatzen. 
Mehr möchte ich nun nicht verraten. Wie typisch für alle Bronté-Bücher sind nicht nur die traurige Kindheit, von der die Protagonistinnen oftmals heimgesucht werden, typisch sind auch die Lehrberufe, die ergriffen werden, und auch die Liebesgeschichten gehören wie selbstverständlich immer dazu. So auch in diesem Buch. Besonders Monsieur Paul, der Lucy so oft attackierte, tat es letztendlich nur, weil er eine heimliche Liebe zu ihr in sich entdeckt hat. Ob sie von Lucy erwidert wurde, möchte ich auch dazu nicht mehr verraten.

Das Buch erhält von mir neun von zehn Punkten. Wie anfangs schon beschrieben, haben mir die differenzierten Personenbeschreibungen sehr zugesagt. Auch der literarische Schreibstil hat mir gefallen. Der einzige Nachteil ist, dass in dem Buch sehr viele Konversationen in französischer Sprache abgehalten werden, ohne dass eine Übersetzung über eine Fußnote der jeweiligen Seiten gesetzt wurde. Die Autorin setzt französische Sprachkenntnisse wahrscheinlich voraus. Der Kontext lässt sich zwar auch ohne die Kenntnisse der französischen Sprache gut verstehen, aber ich bin sicher, dass man das eine oder andere Wesentliche verpasst hat.

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Alle Religionen und alle unterschiedlichen Kulturen
 haben ihre Berechtigung, 
solange sie anderen nicht schaden. (M. P.)

Gelesene Bücher 2014: 38
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Dienstag, 3. Juni 2014

Charlotte Bronté / Villette


Klappentext

Im Mittelpunkt von Charlotte Brontës drittem großen Roman steht erneut eine bewegende Frauenfigur: Nach einer glücklos unsteten Jugend findet die unscheinbare Lucy Snowe in der Fremde Anstellung im Mädchenpensionat der kaltherzigen Madame Beck. Als ihre aufkeimende Liebe zum jungen Schularzt Dr. John unerwidert bleibt, droht die Einsamkeit sie zu erdrücken. Doch dann entdeckt Lucy ihre Zuneigung zu dem eigenwilligen Literaturprofessor Paul Emanuel. "Villette" (1853) ist der letzte zu Lebzeiten erschienene Roman Brontës, die zuvor mit "Jane Eyre" einen grandiosen Erfolg feierte und deren Werke seither zum Kanon der englischen Literatur gehören.


Autorenporträt
Die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë gehören bis heute zu den meistgelesenen Autorinnen des 19. Jahrhunderts.Als Töchter eines englischen Pfarrers wuchsen sie in der Abgeschiedenheit eines abgelegenen Pfarrhauses in West Yorkshire auf, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieben. Bereits als Kinder verfaßten die Schwestern gemeinsam mit ihrem Bruder Branwell (1817-1848) die Erzählungen aus Angria. Als der Bruder jedoch alkohol- und drogenkrank wurde, waren die Schwestern aufgrund des frühen Todes der Mutter und der mangelnden Unterstützung des Vaters auf sich alleine gestellt.Ihre Werke erschienen zeitlebens unter den männlichen Pseudonymen Currer Bell (Charlotte), Ellis Bell (Emily) und Acton Bell (Anne).
Charlotte Brontё (1816-1855), die älteste der drei Schwestern, arbeitete u.a. als Lehrerin und Gouvernante, nachdem sie in Brüssel an der Privatschule der Madame Heger Französisch gelernt hatte. Der erst posthum veröffentlichte Roman Der Professor handelt von ihrer unerfüllten Liebe zu Hegers Ehemann und zählt zusammen mit Jane Eyre zu ihren größten Erfolgen.






Montag, 2. Juni 2014

Sabine Weigand / Die Markgräfin (1)


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Unabhängig von dem Klischee, die Autorin beschreibt die Italiener äußerlich alle gleich, mit einem olivefarbenen Teint, dazu noch schwarzhaarig und klein, hat mir das Buch recht gut gefallen.

Sabine Weigand hat sich die Mühe gemacht, den Italiener zu beschreiben, so wie sie ihn sieht. Und ich mache mir jetzt die Mühe, diesem Bild zu widersprechen.

Ich mag nun mal keine Klischees. Ich stamme aus einer italienischen Familie, und bei uns hat niemand einen oliven Hautton. Und wir sind nicht alle schwarzhaarig. Mein Vater war der Einzige mit den schwarzen Haaren und in der übrigen Verwandtschaft gibt es recht viele blondhaarige Italiener, sowohl mütterlicherseits, als auch väterlicherseits. Mein Bruder und ich waren als Kind hellblond. Meine Mutter u. a. haben blaue Augen. Meine Haut ist so hell wie Milch, das heißt, ich bin nicht dunkel auf die Welt gekommen. Und ich bin nicht einmal sonnengebräunt, weil ich mich nicht in die Sonne lege. Warum erfinden deutsche Autoren nur solche südländische Menschenbilder? Die dunkleren Italiener sind genauso sonnengebräunt wie andere Europäer auch, nur dass im Süden die Sonnenmonate eben länger andauern, als in den höheren Regionen Europas. Kleine Italiener? Ich kenne so viele Deutsche, die auch klein sind. Und so viele Italiener, die eine ganz normale Körpergröße haben. Klein, groß, mittel etc. Es ist alles vertreten. Vom Hauttyp bis zur Haarfarbe und wiederum bis zur Körpergröße.

Und die Gebärdensprache? Schaut euch mal deutsche Politiker im Parlament an, wie sehr sie mit ihren Händen gestikulieren. 

Warum werden die Südländer alle in Stereotypen gepackt und zu Exoten gemacht? Das würde ich gerne mal wissen. 

Unsere Welt ist bunt und nicht schwarzweiß. Ich kann nichts dafür, wenn viele Deutsche solche Vorstellungen in ihren Köpfen mit sich tragen, die mich langsam anwidern, weil sie auch ein wenig diskriminierend wirken. Zwischen Blond und Schwarz gibt es auf der Farbskala noch jede Menge Zwischentöne.

Die Protagonistin in dem Buch, mit dem Namen Markgräfin Barbara von Brandenburg, ist eine schwarzhaarige Persönlichkeit gewesen und wurde als untypisch deutsch beschrieben. Mir ist aufgefallen, dass die Markgräfin auf dem Cover mit einem unvollständigen Profil dargestellt ist. Der obere Teil des Kopfes fehlt. Vielleicht sollten die schwarzen Haare verborgen werden, da Bilder über Gefühle sehr einprägsam sind. 

Nicht nur die deutsche Markgräfin war dunkel, viele andere Deutsche sind es ebenso. Ich denke dabei sogar an Goethe, der dunkle Haare, dunkel Augen und einen leicht dunklen Hautteint hatte. 

Rein wissenschaftlich betrachtet ist diese Beschreibung von Menschen schwarz oder weiß einfach nicht korrekt. Wer sind die Südländer? Italiener, Spanier ...Türken, Arabar, Afrikaner, etc. ein sehr undifferenziertes Bild, sie alle in eine Schublade stecken zu wollen, während die Italiener sehr wohl den Unterschied zwischen sich und den Arabern sehen, wobei selbst unter den Arabern es noch unterschiedliche Schattierungen gibt. In Indien leben dunkel- und hellhäutige Inder.  
Jeder Mensch sieht anders aus. Wir sind alle verschieden. Und das ist auch gut so. Wieso kommt das bei vielen Autoren aus dem Norden nicht an? Es wäre sehr langweilig, würden tatsächlich alle Italiener klein und dunkel aussehen, und alle Deutschen groß und hell.

Ich erwarte von guten Schriftstellern eine differenziertere Beobachtungsgabe, die sich in ihren Werken widerspiegeln soll und die von dem Durchschnittsmenschen abweicht... Manche bereisen mit ihrem Menschenbild im Kopf die Welt, sehen aber auch nur das, was sie sowieso schon in sich tragen, und fühlen sich in ihrer Wahrnehmung bestätigt, und dann schreiben sie darüber Bücher, was sie in ihren Köpfen so krampfhaft festhalten und aufs Blatt bringen ... Die blonden und andersfarbigen Italiener werden erst gar nicht wahrgenommen, weil sie nicht mit deren inneren Vorstellung, wie ein Italiener auszusehen hat, korrespondiert.

So, genug damit. Ich werde diesen Text aber immer wieder zu den Buchbesprechungen hinzukopieren, wenn ich als Leserin wieder mit solchen Stereotypen konfrontiert werde. Es muss sich ja jemand mal auflehnen.

Nun komme ich zu der eigentlichen Buchbesprechung:

Es existieren zwei Geschichten in dem Buch. Zum einen wird die im Mittelalter lebende Markgräfin Barbara von Brandenburg beschrieben und zum anderen geht es um ein Forscherteam aus dem Jahre 2002. Beide Geschichten treten parallel auf. Die zweite Geschichte bezieht sich auf die erste.

Zur Erinnerung gebe ich noch einmal den Klappentext rein.
Mit zehn ist sie verheiratet. Mit zwölf Witwe. Mit fünfzehn heiratet sie den König von Böhmen. So steht es in den Chroniken. Als sie endlich ihr eigenes Leben führen will, sperren ihre Brüder sie ein. Ihre Spur verliert sich 1542. Bis in unseren Tagen ein geheimnisvoller Fund die Geschichte der Markgräfin Barbara von Ansbach enthüllt. »Eine Geschichte von Machtgier, Intrigen, Liebe und Verrat.«
2002: Der Kastellan Gregor Haubold findet in den Schlossgemäuern eine kleine Truhe mit einem Babyskelett darin. Haubold begibt sich mit noch anderen Männern auf die Suche nach der Herkunft dieser Gebeine. Mir hat dieser Teil des Buches nicht wirklich gefallen, lediglich der Schluss, den fand ich gut, als man schließlich noch mit einer recht wichtigen Info, bezogen auf die Markgräfin, konfrontiert wird, als man eigentlich aus der ersten Geschichte schon dachte, dass sie zu Ende ist und man mit allen wichtigen Auskünften genährt wurde. Da ich ja nicht zu viel verraten möchte, halte ich mich hierin bedeckt.

Wie aus dem Klappentext hervorgeht, wurde Barbara mit acht Jahren versprochen und mit zehn Jahren verheiratet. Sie hatte Glück, denn ihr Gemahl namens Heinrich von Groß-Glogau nahm Rücksicht auf die sexuelle Unreife seiner so jungen Frau. In der ersten Hochzeitsnacht drang er nicht in sie ein.
Heinrich ist kein schön aussehender Mann, aber dafür sehr menschlich und sehr gütig. Er schenkte Barbara als ein Willkommensgruß einen Welpen.
Heinrich von Groß-Gogau war ein Alchimist. Barbara wollte unbedingt in dieses Werk miteinbezogen werden und Heinrich ließ es zu. Barbara wuchs zu einer wissbegierigen Persönlichkeit heran. Das war außergewöhnlich für eine (werdende) Frau der damaligen Zeit. Barbara lernte, Heinrich wegen seiner Güte zu lieben.

Heinrich erklärt ihr den Begriff der Alchemie:
Das Wort Alchemie kommt aus dem Arabischen, müsst ihr wissen. Der Begriff al kimia lehnt sich an das ägyptische chem an, das heißt schwarz, und auch an das griechische chym , womit das Schmelzen und Gießen von Metallen gemeint ist. (56)
Leider stirbt Heinrich, als Barbara gerade mal zwölf Jahre alt ist.

Barbara hat noch mehrere Geschwister. Zwei Schwestern und zwei Brüder. Das jüngste Kind Albrecht war Barbaras Lieblingsbruder. Er war ihr Ein und Alles. Leider wächst Albrecht zu einer Persönlichkeit heran, die Barbara in Erstaunen versetzt. Der süße, kleine, niedliche Bruder wurde später ein in der Öffentlichkeit gefürchteter Mann. Untreu, verlogen, korrupt. Selbst Barbara gegenüber, die ihn einst verhätschelt hatte, weil sie ihn so liebte, klammerte er nicht aus. Keine Sonderbehandlung. Der erwachsene Albrecht nahm keine Rücksicht, er verstieß sie, als Barbara sich politisch gegen gewisse Bräuche aufzulehnen wagte, und sie ihr eigenes Leben leben wollte. Sie wurde auf die Burg, weit oben im Gebirge, verstoßen und für viele Jahre wie eine Gefangene gehalten.
Du bist rechtmäßige Königin von Böhmen; dafür, dass dich dein Gemahl nicht annimmt, kann ich nichts. Und du bist ein Mitglied der Familie. Deine Bestimmung ist nur eines: nützlich zu sein für das Ansehen des Hauses. Ob du traurig oder froh bist, schert nicht-nicht uns und nicht dem lieben Gott. Eigene Wünsche stehen dir mitnichten nicht zu. Also lass uns in der Zukunft mit solch unsinnigen Bitten in Ruhe. (141)
Dieses Zitat klingt noch recht harmlos. Barbara bittet, um sich die Zeit zu vertreiben, um Literatur. Sehr ungewöhnliche Bitten:
Unsere Schwester lass um Bücher bitten. Das soll ihr keines wegs gepasirt werden, weil wir meinen, dass ihr Sturheit auch davon herkombt, dass sie zu viel aus Büchern gelernt und gelesen hat, was dem Geist und der Anlage des Geistes eines Weibes schlecht zuträglich ist. (236) (Mittelalterliche Schreibweise)
Barbara war im Volk ein sehr beliebter Mensch. Während Albrecht die Menschen wirtschaftlich und existenziell in den Abgrund trieb, wandte sich das Volk schließlich um Hilfe an Barbara:
Als die Räte sich verabschiedet hatten, hörte Barbara, wie Wolf von Wirsberg im Hinausgehen zum alten Trockau sagte: "Die hat Herz und Verstand am rechten Fleck. Ewig schade, dass sie bloß ein Weib ist." Von diesem Zeitpunkt an lag die Regierung des Fürstentums mit in Barbaras Händen. (469f)
Im Schloss wird ein neuer Kaplan eingestellt, der sich in Barbara verliebt. Über diese Liebe ist er recht unglücklich, da er katholischer Priester ist und von ihm die absolute Keuschheit verlangt wird:
Mein Wollen und Streben an geht seithero nur zu ihr hin, die ich doch nie erreichen kann. So ist es doch wahr, dass das Weib die Sünde und die Versuchung in die Welt gebracht! Gibt es ein schwereres Joch als das eines Priesters, der nicht mehr Herr über seinen eigenen Körper ist? O guter Herr Jesus, heile mich von meinen unkeuschen Gedanken! (519f)
Nun überwinden sich doch beide, entgegen aller Konventionen, Barbara und der Priester, sich auf die Liebe einzulassen.
Albrechts Regierung ist weiterhin vernichtend, die viele Menschenleben einfordert. Barbara überredet den Priester zu einem Mortbeten. Mit Hilfe von Schwarzer Magie soll Albrecht zu Fall gebracht werden. Es kommt zu einem Verrat.
Wie man sich das für diese Zeit wohl denken kann, wird der Priester hingerichtet. Barbara ist verzweifelt und trauert sehr um ihre Liebe. Sie wendet sich an den neuen Kaplan und teilt sich ihm mit:
Ach, Vater, da gäbe es so vieles. Tausend Dinge, die ich ihm aber nicht mehr sagen kann. Dass er meine Liebe war, mein Leben, das weiß er. Da sind alle Worte zu wenig. Kennt ihr den griechischen Philosophen Plato? Er sagt, dass im Ursprung die Menschen zwei Köpfe, vier Arme und vier Beine gehabt hätten. Doch als Strafe für die Lästerung und der Götter hätten die Unsterblichen sie in zwei Teile gespalten. Seither muss jeder Mensch seine fehlende zweite Hälfte suchen und ist erst glücklich und vollkommen, wenn er sie gefunden hat. (…) Jakob Tiefenthaler war meine zweite Hälfte, Vater. Die Zeit mit ihm hat alles aufgewogen, was sich in den Jahren vorher an Unglück erlebt habe, und wird auch aufwiegen, was noch kommt. Er muss heute für seine Teilnahme an diese unselige Verschwörung bezahlen, zu der ich selber ihn gedrängt habe. (645)
Ich mache nun hier Schluss, damit ich nicht ins Detail gehe, und ich dadurch die Spannung nehmen würde.

Barbara war mir eine sehr sympathische, interessante und eine sehr starke Frau. Was sie durchgemacht hat, was ihr Bruder ihr alles zugemutet hatte, lässt einen fast schon sprachlos werden.

Ich habe mich schwer getan, über das Buch zu schreiben.

Das Buch ist sehr lesenswert. Sehr bewegend und gut recherchiert.

Eigentlich mag ich keine Bücher aus dem Mittelalter. Sie sind mir zu gewaltträchtig und so sind die Kämpfe, die zum Mittelalter einfach dazugehören, auch hier nicht ausgeblieben. Und auch in diesem Buch finden verschiedene grauenvolle Prozesse der Hinrichtung statt.

Manche Textstellen sind so wiedergegeben, wie die Autorin es getan hat, die die Schreibweise, wie sie im Mittelalter üblich war, übernommen hat.

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Alle Religionen und alle unterschiedlichen Kulturen haben ihre Berechtigung, 
solange sie anderen nicht schaden. (M. P.)

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Dienstag, 27. Mai 2014

Sabine Weigand / Die Markgräfin

Klappentext
Mit zehn ist sie verheiratet. Mit zwölf Witwe. Mit fünfzehn heiratet sie den König von Böhmen. So steht es in den Chroniken. Als sie endlich ihr eigenes Leben führen will, sperren ihre Brüder sie ein. Ihre Spur verliert sich 1542. Bis in unseren Tagen ein geheimnisvoller Fund die Geschichte der Markgräfin Barbara von Ansbach enthüllt. »Eine Geschichte von Machtgier, Intrigen, Liebe und Verrat - die Geschichte einer Frau, die tatsächlich gelebt hat: fesselnd bis zur letzten Seite.«


Autorenporträt
Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin für Museen. Dokumente aus Nürnberg waren der Ausgangspunkt ihres Romans ›Das Perlenmedaillon‹, das wahre Schicksal einer Osmanin am Hof August des Starken liegt dem Roman ›Die Königsdame‹ zugrunde. In ›Die Seelen im Feuer‹ bilden die Hexenakten von Bamberg die historische Romanvorlage, bei ihrem ersten Roman ›Die Markgräfin‹ war es die reale Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach, bei ›Die silberne Burg‹ die Bestallungsurkunde einer jüdischen Ärztin, in ›Die Tore des Himmels‹ das Leben der Hl. Elisabeth und in ›Das Buch der Königin‹ das Schicksal der Konstanze von Sizilien.
Mein erstes Buch von der Autorin. Klingt recht interessant. Hoffe, dass das auch so bleibt.








Montag, 26. Mai 2014

Andrea De Carlo / Als Durante kam (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch habe ich durch und bin noch immer ungehalten. Kann mich nicht entscheiden zwischen gutes und weniger gutes Buch. Dann entscheide ich mich für die Mitte. Ein mittelmäßiges Buch.

Der Roman spielt in Mittelitalien. Pietro ist der Icherzähler und die Hauptfigur der Handlungen. Er ist zusammen mit seiner österreichischen Freundin Astrid von Beruf Weber. Sie leben ländlich und sind selbstständig. Die Beziehung besteht schon seit über sieben Jahren.
Sie genießen es einerseits, beruflich für sich zu sein, doch es kommt auch mal vor, dass sie unter einem enormen Druck stehen, immer rechtzeitig Aufträge reinzubekommen. Manchmal sind sie so knapp bei Kasse, dass es nicht einmal für die Lebenshaltungskosten reicht.
Eines Tages erscheint wie aus dem Nichts ein Pferdetrainer, Anfang vierzig, namens Durante, gibt an, Medizin studiert zu haben und stellt das Leben nicht nur der beiden WeberInnen auf den Kopf.



Zur Erinnerung gebe ich noch einmal den Klappentext rein:
Als Durante ins Val di Poggio kommt, verändert sich alles. Denn er sagt, was er denkt, und er tut, was er sagt. Faszinierend, finden die Frauen. Irritierend, finden die Männer. Pietro und Astrid leben in den Hügeln östlich des Apennins, weben Stoffe von Hand und verkaufen sie an Privatkunden oder kleine Geschäfte. Ein einfaches, gutes Leben – das ist es, was sie schon immer wollten und nun seit einigen Jahren führen. Ganz allein sind sie nicht in der Gegend: Das Val di Poggio ist ein zeitgeistiger Mikrokosmos – manch einer ist hierher gezogen, um einen Hof zu restaurieren, ein kleines Hotel mit Reitstall zu betreiben oder um naturnah zu leben. An einem heißen Nachmittag im Mai erscheint ein Fremder vor dem Haus von Pietro und Astrid. Seltsam: Der Hund, der sonst immer bellt, lässt sich streicheln. Astrid ist fasziniert, Pietro irritiert. Durante fragt die beiden bloß nach dem Weg zu einem Hof. Doch das allein reicht, um das Paar zutiefst zu verstören. Wie schon in ›Zwei von zwei‹ prallen in diesem Roman unterschiedliche Welten und Vorstellungen aufeinander. Wobei gerade dadurch auch wundersame Freundschaften entstehen.
Durante ist eine Persönlichkeit, die mit seinem Charisma fast alle Menschen und Tiere zu verzaubern vermag, und niemand weiß, wie er das macht. Besonders Frauen gehen ganz in ihm auf. Auch Astrid und deren Schwester Ingrid. Ingrid befindet sich auf Besuch.

Seit Durante bei Astrid und Pietro aufgetaucht ist, geraten die beiden permanent aneinander. Astrid, die, so scheint es, Durante verehrt, ohne ihn zu kennen, und Pietro, der ihm misstraut, gibt es ständig Zank wegen dieses Typens. Stimmt die Beziehung zwischen den beiden schon lange nicht mehr? War es Durante, der ihnen dies unbewusst widerspiegelte?
Mir waren diese vielen Streitereien der beiden ein wenig lästig. Nicht, weil diese nicht sein dürfen, sondern weil es dann ab einem gewissen Grad einfach anstrengend wird, weiter zu lesen. Aber die gehoffte Wende kam ja dann doch noch...

Als schließlich Ingrid auftauchte, die unbedingt Durante kennenlernen wollte, wurde Astrid eifersüchtig, als sich Ingrid vier Nächte lang mit Durante abgab.

Es stellt sich heraus, dass Durante jede Menge Familien hat. Unverheiratet mit der einen Frau, geschieden mit der anderen. Eine in Venedig und eine in der Schweiz, andere wurden nicht erwähnt, sondern nur angedeutet. Durante versucht sein Leben so zu leben, wie es ihm passt, und er nimmt keinerlei Rücksicht auf andere Leute. Verantwortlich zu sein für etwas, das scheint für Durante nicht zu existieren.

Astrid verreist in ihr Heimatland und Pietro, so ist es wie alle Jahre geplant, bleibt zurück und reist später nach. Nun ist Pietro gefordert, Durantes sonderbare Lebensansichten näher kennenzulernen und zu tolerieren. Die beiden kommen sich näher …

Ich fragte mich zwischendrin, ob es fair ist, sich von den Frauen immer wieder zu trennen? Dann sagte ich mir, klar, denn auch die Frauen sind verantwortlich dafür, mit wem sie eine Bindung eingehen. Später allerdings änderte ich ein wenig meine Meinung, denn aus den Bindungen gehen auch Kinder hervor, und für die ist Durante sehr wohl verantwortlich.

Durante taucht in den Familien sporadisch auf, damit die Kinder ihn nicht vergessen. Die Familien haben einen Patchwork-Charakter.
Durante stellt die Erziehung der Mütter indirekt infrage, verschwindet dann wieder, wenn es brenzlig wird. Klar, dass die alleinerziehenden Mütter sich dagegen auflehnen.

Durante hilft anderen dabei, sich selbst zu finden, auf ihr Gefühl zu hören, und die inneren Widersprüche zu beseitigen. Mut zu haben zu einem kompromisslosen Leben.

Habe eine Textstelle gefunden, die ich nun zitieren werde. Ich gebe einen längeren Dialog zwischen Pietro und Durante wieder:
„Was glaubst du, wie du bist?" fragte Durante.
"Na ja, manchmal sehe ich mich zufällig von außen und bin ganz anders, als ich zu sein meinte."
"(…) Wichtig ist, dass du weiter glaubst, der zu sein, für den Du dich hältst."
"Auch wenn ich weiß, dass die anderen mich nicht anders sehen als ich selbst?"
"Die anderen gibt es nicht."
"Ach nein?"
"Nein (…). Es gibt die andere und den anderen, viele andere Individuen, Schluss, aus."
"Mag sein, (…) aber wenn man sie alle zusammennimmt, können sie einen ganz schön einschüchtern."
"Du bist es, der ihnen diese Macht verleiht (…). Du bist es, der sie alle zusammentut. Sie wissen es gar nicht."
"Demnach müsste ich sie mir als lauter einzelne Personen vorstellen?"
"Ja, und jede ist genauso besorgt wie du beim Gedanken an die anderen."
"Mag sein, (…). Aber das ändert nichts daran, dass jeder einzelne andere mich weiterhin anders sieht, als ich mich sehe."
"Ist das nicht faszinierend?"(…) "Gibt es deiner Meinung nach auch keinen objektiven Sinn?", fragte Pietro. "Im Leben?" 
Durante schüttelte den Kopf: „Den musst du für dich erfinden, den Sinn. Und immerzu neu erfinden."
„Ja?“"
"Du darfst aber nie zu vernünftig werden, (…). Denn selbst wenn du dich völlig den Regeln der sogenannten Realität unterwerfen würdest, würdest du entdecken, dass die sogenannte Realität an irgendeinem Punkt zu Ende ist."
„Stimmt", sagte Pietro.
„Hab keine Angst, dir vorzustellen, du seiest ein Romanheld, (…)".
Das klingt ja alles ein wenig psychophilosophisch. Überzeugt mich aber nicht, solange es die Kinder gibt, die er gezeugt hat und für die er keine Verantwortung übernimmt.

Deshalb mache ich nun an dieser Stelle Schluss. Das Buch kann ich durchaus weiter empfehlen, aber man darf nicht allzu viel erwarten.

Intuitiv betrachtet bekommt das Buch von mir sieben von zehn Punkten. Die Dialoge waren recht authentisch und fantasievoll geschrieben.

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Wie können die Toten wirklich tot sein, solange sie noch durch unser Herz wandern?
(C. McCullers zitiert aus einer alten Indianerlegende).


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Donnerstag, 22. Mai 2014

Andrea De Carlo / Als Durante kam

Klappentext
Als Durante ins Val di Poggio kommt, verändert sich alles. Denn er sagt, was er denkt, und er tut, was er sagt. Faszinierend, finden die Frauen. Irritierend, finden die Männer.Pietro und Astrid leben in den Hügeln östlich des Apennins, weben Stoffe von Hand und verkaufen sie an Privatkunden oder kleine Geschäfte. Ein einfaches, gutes Leben – das ist es, was sie schon immer wollten und nun seit einigen Jahren führen. Ganz allein sind sie nicht in der Gegend: Das Val di Poggio ist ein zeitgeistiger Mikrokosmos – manch einer ist hierher gezogen, um einen Hof zu restaurieren, ein kleines Hotel mit Reitstall zu betreiben oder um naturnah zu leben. An einem heißen Nachmittag im Mai erscheint ein Fremder vor dem Haus von Pietro und Astrid. Seltsam: Der Hund, der sonst immer bellt, lässt sich streicheln. Astrid ist fasziniert, Pietro irritiert. Durante fragt die beiden bloß nach dem Weg zu einem Hof. Doch das allein reicht, um das Paar zutiefst zu verstören. Wie schon in ›Zwei von zwei‹ prallen in diesem Roman unterschiedliche Welten und Vorstellungen aufeinander. Wobei gerade dadurch auch wundersame Freundschaften entstehen.


Autorenporträt
Andrea De Carlo, geboren 1952 in Mailand, lebte nach einem Literaturstudium längere Zeit in den USA und in Australien. Er war Fotograf, Maler und Rockmusiker, bevor ihm 1981 mit seinem ersten Roman, ›Creamtrain‹, der Durchbruch gelang – sein Mentor damals: Italo Calvino. Acht Jahre später legte er den Roman ›Zwei von zwei‹ vor, der zum Kultbuch einer ganzen Generation wurde. Andrea De Carlo lebt in Mailand und in Ligurien.
Der Autor ist mir noch unbekannt und bin recht neugierig auf das Buch, das ich eher bei Jokers entdeckt habe.




Mittwoch, 21. Mai 2014

Maarten ´t Hart / Das Wüten der ganzen Welt (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre


Ich fand das Buch recht interessant. Hat eine Menge gezeigt zu der niederländischen Gesellschaft aus dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit zu den späten 1950er Jahren.

Es ist ein Krimi, liest sich aber nicht unbedingt wie ein Krimi. Hat nämlich den Vorteil, dass sämtliche Ereignisse im Buch authentisch wirken und nicht so gekünstelt und gestelzt aufgebaut sind, wie ich sie aus einigen anderen Krimis kenne ...

Auffallend und interessant war für mich das Leben der gläubigen Menschen, das sich hier durch das ganze Buch hindurchzieht. Wie die Menschen damals ihren Glauben gelebt hatten, kenne ich eher aus dem Katholizismus. Ich entnehme dem Buch verschiedene Formen der Konfessionen. Damit meine ich nicht Protestanten und Katholiken. Nein, innerhalb der Protestanten gibt es noch andere Gruppierungen, wie z. B. die Reformierten und die Evangelischen und sich mir die Frage gestellt hat, ob denn nicht alle Protestanten durch Luther reformiert sind?
Der Protagonist und Icherzähler dieses Romans nennt sich Alexander Goudveyl, der als Einzelkind in einer etwas konservativen Familie aufwächst. Wie aus dem Kontext zu entnehmen ist, sind Alexanders Eltern recht einfache Leute. Zudem leben die bibelfesten Eltern streng gläubig, und der Sohn hinterfragt sehr oft die religiösen Theorien seiner Eltern.

Ich gebe noch einmal den Klappentext rein:
Maarten ’t Hart schildert in seinem Roman die kleine Welt eines südholländischen Städtchens. Dort, in der President Steynstraat, ist der Komponist Alexander Goudveyl als Sohn eines Lumpenhändlers aufgewachsen, großgezogen mit Gebeten und den alten Geschichten vom Krieg. 30 Jahre später erinnert er sich an diese Zeit, vor allem an den 22. Dezember 1956, einen regennassen Samstagnachmittag, an dem der Polizist Vroombout ermordet wurde.
Ein wenig perfide zeigten sich Alexanders Eltern anderen Menschen gegenüber, die über eine andere Lebensweise verfügen. Sie warnten ihren Sohn vor allem vor Menschen, die weder einen Glauben, noch Gebot und Gott kennen würden. Wiederum andere Menschen mieden Alexanders Eltern, da sie Blutwurst aßen, und Blutwurst, so stehe es in der Bibel, sei zum Verzehr strikt verboten, da die Wurst nicht blutfrei sei.

Der Autor schafft es, diese rigiden religiösen Anschauungen ein wenig mit Humor zu behandeln, was mir auch gut gefallen hat. Im Folgenden geht es um die Reinwaschung von Sünden und welche Funktion die Taufe hat. Der junge Alexander tritt dabei beobachtend in seiner kindlich-naiven-kritischen Form auf:
>>Ist denn das äußere Wasserbad selber die Reinwaschung von Sünden? Es heißt nein; denn nur das Blut von Jesus Christus und der Heilige Geist reinigen uns von aller Sünde.>>
>>Dass man von Blut sauber werden könne, scheint mir fragwürdig. Blutflecken, sagt meine Mutter immer, sind gerade die gemeinsten Flecken.<< (106)
Über diese Textstelle musste ich laut lachen.

Zu den Kirchensteuern zeigt sich der sparsame Vater Goudveyl recht genervt:
>>Feste kirchliche Beiträge! Feste kirchliche Beiträge! Die sind nicht ganz bei Trost, wie können sie es wagen! Also, wenn es jemanden gibt, der kein Geld nötig hat, dann Gott. Wofür sollte es denn ausgeben?<< (41)
Weitere Szenen sind dem Buch zu entnehmen.

Alexander war ein begabtes Kind, vor allem in der Musik. Er bringt sich die Grundkenntnisse des Klavierspielens autodidaktisch bei. Erst später erhält er privaten Musikunterricht. Er hat Glück, denn zu Hause steht ein altes Klavier, auf dem er üben kann. Das Klavier, der Marke Blüthner, hatte allerdings für die Eltern so gar keinen Wert, bis eines Tages ein Interessent erscheint, und viel Geld für das alte Stück hinlegt. Alexander ist schwer enttäuscht und der Vater versucht den Sohn zu trösten, hat beim Kirchenorganist durchsetzen können, dass er auf der Orgel spielen darf. Alexander zeigt sich entsetzt:
>>... aber ich bin doch kein Kirchenorganist. (…) Ich weiß überhaupt nicht, wie man diese Pedale…<<
>>Mit den Füßen, das machst du mit deinen Füßen.<<
Noch ein Lacher ...
In dem ganzen Buch dreht sich vieles um die Musik. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich Musik selbst auch sehr schätze. Es wurden viele Bachkantaten rezitiert. Alexander hegt den tiefen Wunsch, Komponist zu werden. Doch sein Freund, der Apotheker, auch sehr musikalisch, warnt ihn davor:
>>Wenn du in der Musik etwas erreichen willst, musst du unglaublich gut sein, du hast so viele Konkurrenten, die alle dasselbe wollen. Wenn du die Musik wirklich liebst und sie auch weiterhin lieben willst, musst du sie zu deiner Geliebten machen. Du darfst sie niemals heiraten.<< (153)
Das fand ich eine so schöne Metapher. Sie ging in mir auf wie eine Blüte. Fantastisch.

Wer Bach liebt, dem empfehle ich dringend zu diesem Buch. Im Schlussteil ist ein kleines Brevier beigefügt, in dem die Werke verschiedener deutscher Komponisten zum Nachhören aufgelistet sind. 

Über das Kriminalistische möchte ich nicht viel sagen, außer, dass zu der Zeit, als Alexander auf der Orgel seine Stücke einübte, ein Mord verübt wurde und er angeblich der einzige indirekte Zeuge war … Er nahm den Schuss lediglich akustisch wahr, aber ohne am Tatort gewesen zu sein.

Alexanders Vater hatte seinen Sohn einmal wöchentlich mit dem Knallen einer Papiertüte erschrecken wollen. Alexander gewöhnte sich an dieses Ritual, aber um seinem Vater die Freude nicht zu vergönnen, tat er immer so, als würde er von dem Tütenknallen erschrecken. Dieses Knallen der Tüte war so stark verinnerlicht, dass Alexander den Pistolenschuss mit dem lauten Knall der Tüte verwechselte … Alexander begibt sich selber auf Spurensuche, um den Täter ausfindig zu machen, der den pädophilen Freund getötet hat, weil er sich selbst bedroht fühlt.

Mehr verrate ich nicht. Aber diese Szene zwischen Vater und Sohn hatte mich schon sehr nachdenklich gestimmt. Da scheint das Kind reifer zu sein als der Vater selbst, passt sich aber dem widernatürlichen Spiel an. Was ein Kind so alles leistet.
Da ich beruflich hauptsächlich mit Menschen zu tun habe, ist es für mich selbstverständlich, dass ich solche Szenen nicht überlese ... Außerdem ist mir diese Art von Interaktion, natürlich ohne den Pistolenschuss, zwischen dem Kind und dem Erwachsenem aus eigener Erfahrung bekannt. Mein eigener Großvater hatte damals zu uns Kindern immer Fratzen geschnitten. Ich fand die Fratzen gar nicht lustig, habe aber so getan, als müsste ich darüber lächeln. Auch ich wollte ihm die Freude nicht nehmen, sich als Komiker darzustellen.
Maarten ´t Hart hat es einfach gut drauf, das Allzumenschliche in seinen Büchern wiederzuspiegeln. Und da ist es völlig egal, aus welchem Land diese Menschen kommen.
_____
Musik ist eine Weltsprache
(Isabel Allende)

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Montag, 19. Mai 2014

Meine LieblingsautorInnen

Autorinnen


  1. Allende, Isabel
  2. Lindgren, Astrid
  3. McCullers, Carson
  4. Shreve, Anita                
  5. Walls, Jeanette
  6. Woolf, Virginia
  7. Zweig, Stefanie



Autoren
  1. Dickens, Charles
  2. Fallada, Hans
  3. Hardy, Thomas
  4. Hart, ´t Maarten
  5. Hesse, Hermann
  6. Ibsen, Henrik
  7. Kästner, Erich
  8. Maupassant, de Guye
  9. McEwan, Ian
  10. Mercier, Pascal
  11. Murakami, Haruki
  12. Süskind, Patrick
  13. Wells, Benedict
  14. Yallom, Irvin D.
  15. Zsusak, Markus
  16. Zweig, Stefan








Sonntag, 18. Mai 2014

Maarten 't Hart / Das Wüten der ganzen Welt

Klappentext
Maarten ’t Hart gehört zu den beliebtesten Autoren der Niederlande. In seinem Roman schildert er die kleine Welt eines südholländischen Städtchens. Dort, in der President Steynstraat, ist der Komponist Alexander Goudveyl als Sohn eines Lumpenhändlers aufgewachsen, großgezogen mit Gebeten und den alten Geschichten vom Krieg. 30 Jahre später erinnert er sich an diese Zeit, vor allem an den 22. Dezember 1956, einen regennassen Samstagnachmittag, an dem der Polizist Vroombout ermordet wurde.


Autorenporträt
Maarten ’t Hart, geboren 1944 in Maassluis bei Rotterdam als Sohn eines Totengräbers, studierte Verhaltensbiologie, bevor er sich 1987 als freier Schriftsteller in Warmond bei Leiden niederließ. Nach seinen Jugenderinnerungen »Ein Schwarm Regenbrachvögel« erschien 1997 auf Deutsch sein Roman »Das Wüten der ganzen Welt«, der zu einem überragenden Erfolg wurde und viele Auszeichnungen erhielt. Seine zahlreichen Romane und Erzählungen machen ihn zu einem der meistgelesenen europäischen Gegenwartsautoren. Zuletzt erschien von ihm auf Deutsch »Unter dem Deich«.
Von dem Autor habe ich bisher nur ein Buch gelesen. Unter dem Deich, das mir sehr gut gefallen hat. Das vorliegende Buch ist nicht weniger interessant. Ich habe nun die ersten einhundert Seiten durch und meine Neugier ist noch immer aktiv, was ein gutes Zeichen ist. Ich habe von dem Autor noch ein paar Bände ungelesen im Regal stehen, werde mir aber noch die Autobiografie Das Paradies liegt hinter mir zulegen. Es ist immer gut, die Autobiografie vorangestellt zu lesen. Wusste nur noch nicht, dass ich mich mit Maarten t´Hart noch weiter auseinandersetzen möchte. Das möchte ich, nachdem ich mich nun auch von diesem Band inspiriert fühle.










Samstag, 17. Mai 2014

Henri Alain - Fournier / Der große Meaulnes (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch ist gut geschrieben. Die Sprache hat mir gut gefallen. Sie ist recht fantasievoll.
Dennoch hat mich die Lektüre nicht wirklich gefordert. Ich war oft mit meinen Gedanken woanders und kann nicht mal sagen, woran das gelegen haben könnte. Eigentlich hätte ich das Buch wieder abbrechen müssen, habe aber doch noch durchgehalten, da es nur 317 Seiten umfasste und die wollte ich eben durchhalten. Das Buch schien mir zu langweilig gewesen zu sein. Irgendwie hatten die Literaturfiguren nach meinem Geschmack wenig Tiefe … Vielleicht hat es daran gelegen.

Ich werde also wenig zu dem Buch schreiben.

Zur Erinnerung gebe ich noch einmal den Klappentext rein:
Das beschauliche Leben des fünfzehnjährigen François Seurel ändert sich für immer, als ein neuer Schüler in die Provinzschule seines Vaters kommt. Augustin Meaulnes, von den Mitschülern nur "der große Meaulnes" genannt, ist ein schweigsamer, stolzer Junge und wird sein bester Freund. Eines Tages verschwindet Meaulnes für drei Tage und kehrt verwirrt, übermüdet und doch wie verzaubert zurück. Er habe sich in einem Wald verirrt, sagt er, sei in ein seltsames Maskenfest auf einem verwunschenen Schloß geraten. Von der Begegnung mit einem wunderschönen Mädchen ist die Rede und von einer Kahnfahrt auf einem winterlichen See ... François weiß zunächst nicht, ob er den Worten seines Freundes glauben soll. Doch unter seiner Jacke trägt Meaulnes eine prunkvolle Seidenweste, und bald schon richtet sich das ganze Streben der beiden Freunde - "Schwärmer, Schlafwandler zwischen Traum und Wachen, enthusiastisch gebannt von den Reizen einer inneren Welt voller Schönheit und Liebe" (Ludwig Harig) - darauf, das "verlorene Land", wiederzufinden, das auf keiner Karte verzeichnet ist ...
Eigentlich steht schon alles im Klappentext geschrieben. Ich wüsste nicht, was noch zu ergänzen wäre.

Interessant fand ich, dass Francois` Vater auch sein Lehrer ist, und um sämtliche Irritationen an der Schule zwischen Vater und Sohn vor den anderen Schülern vorzubeugen, musste Francois seinen Vater an der Schule mit Monsieur Seurel anreden.

Traurig fand ich die Liebesgeschichte zwischen Meaulnes und seiner Angebeteten  ... Was allerdings nicht heißen muss, dass ich immer ein happy End brauche.
Ich lese sowieso keine Liebesgeschichten gerne, und schon gar keine Schnulzen. Nein, eine Schnulze ist die Liebesgeschichte in diesem Buch wahrhaftig nicht. 
______
Wie können die Toten wirklich tot sein, solange sie noch durch unser Herz wandern?
(C. McCullers zitiert aus einer alten Indianerlegende).

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Dienstag, 13. Mai 2014

Henri Alain - Fournier / Der große Meaulnes

Klappentext
Das beschauliche Leben des fünfzehnjährigen François Seurel ändert sich für immer, als ein neuer Schüler in die Provinzschule seines Vaters kommt. Augustin Meaulnes, von den Mitschülern nur "der große Meaulnes" genannt, ist ein schweigsamer, stolzer Junge und wird sein bester Freund. Eines Tages verschwindet Meaulnes für drei Tage und kehrt verwirrt, übermüdet und doch wie verzaubert zurück. Er habe sich in einem Wald verirrt, sagt er, sei in ein seltsames Maskenfest auf einem verwunschenen Schloß geraten. Von der Begegnung mit einem wunderschönen Mädchen ist die Rede und von einer Kahnfahrt auf einem winterlichen See ... François weiß zunächst nicht, ob er den Worten seines Freundes glauben soll. Doch unter seiner Jacke trägt Meaulnes eine prunkvolle Seidenweste, und bald schon richtet sich das ganze Streben der beiden Freunde - "Schwärmer, Schlafwandler zwischen Traum und Wachen, enthusiastisch gebannt von den Reizen einer inneren Welt voller Schönheit und Liebe" (Ludwig Harig) - darauf, das "verlorene Land", wiederzufinden, das auf keiner Karte verzeichnet ist ...

Autorenporträt
Alain-Fournier (eigentlich Henri-Alban Fournier; * 3. Oktober 1886 in La Chapelle-d’Angillon, Centre; † 22. September 1914 in Les Éparges bei Verdun) war ein französischer Schriftsteller.Das obige Buch erschien 1913 und wurde für den Prix Concourt vorgeschlagen und zählt heute zu dem wohl romantischsten Werk der französischen Literatur. Geheimnisvoll wie sein Roman ist auch der frühe Tod des Schriftstellers, der in den Wirren des ersten Weltkrieges verschwand und dessen Leiche erst Jahre später anhand einer Dienstmarke in einem Massengrab identifiziert werden konnte.
Mir gefällt das Buch bis jetzt ganz gut. Mal schauen, ob es sich hält.






Montag, 12. Mai 2014

Carson McCullers / Die Autobiographie (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Die Autobiografie hat mir sehr gut gefallen.
Carsons Herz war oft einsam, und es war ein unermüdlicher Jäger auf der Suche nach Menschen, denen sie es anbieten konnte; aber es war ein Herz, das mit einem Licht gesegnet war, das seine Schatten überstrahlte.
Ein so schönes Bild schon gleich auf der ersten Seite der Einleitung, geschrieben von Tennessee Williams, ein amerikanischer Autor und Freund von Carson McCullers, hat es mir angetan.

Diese Metapher passt zu allen Romanfiguren, die McCullers in ihren Büchern, die ich bisher von ihr gelesen habe, auftreten, doch hauptsächlich passend ist sie zu den Figuren aus Das Herz ist ein einsamer Jäger.

Obwohl die Autorin jede Menge FreundInnen hatte, fällt es mir ein wenig schwer zu glauben, dass sie innerlich einsam war. Viele KünstlerInnen und bekannte AutorInnen zählten zu ihrem Kontakten- und Freundeskreis. Auch kommt sie aus einer Familie, in der sie gut aufgehoben war und in der sie geliebt wurde.

Aus der Einleitung geht allerdings hervor, dass C. McC. zu früh literarischen Erfolg hatte, für den sie psychisch noch nicht reif genug gewesen sei, und die innere Einsamkeit dadurch erklärbar machen könnte. Mit 23 Jahren bringt sie ihr erstes Buch mit dem Titel Das Herz ist ein einsamer Jäger heraus, und sorgt damit für Furore und große Anerkennung. Des Weiteren brachte sie für junge Talente einen Buchband heraus mit vielen Ratschlägen, wie man den frühen Erfolg bestmöglich verarbeiten kann.

Die Mutter der Autorin wusste schon, dass ihr Töchterchen es einmal zu etwas ganz Großem bringen würde. Ein Genie in der Familie und das war C. McC. tatsächlich. Eigentlich hätte sie Pianistin werden sollen. Mit neun Jahren bekommt sie ein Piano geschenkt, auf dem sie ihre ersten Stücke selbst komponierte, ohne vorher Unterricht erhalten zu haben. Aber das Schicksal hatte etwas ganz Anderes mit ihr vor. Dadurch, dass Carson als Kind viel krank war, musste sie ihr Ziel als Pianistin wieder aufgeben und begab sich in die Welt der Dichter und Schriftsteller ... C. McC. war eine so tolle Persönlichkeit, die leider nicht alt werden durfte. Mit Anfang fünfzig ist sie an ihrem vierten Schlaganfall gestorben. Den ersten Schlaganfall erlitt sie in ihrer Kindheit völlig unbemerkt. Ihr wurde von den Symptomen her das chronische rheumatische Fieber diagnostiziert, das sich später, nach vielen Jahren, als falsch erwies. Der erste Schlaganfall wurde erst viele Jahre später, als sie schon erwachsen war, erkannt.

C. McC. war ein durch und durch gütiger und lebensbejahender Mensch. Trotz ihrer körperlichen Einschränkungen hatte sie dennoch ein bewegtes Leben. Und keinesfalls ist sie an der Schwere ihrer Erkrankung in Depressionen verfallen. Ein Bein musste amputiert werden, und sie hatte trotzdem nicht den Lebensmut verloren. Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Sie wäre mir ein Vorbild.

Nach dem vierten Schlaganfall lag sie für mehrere Wochen im Koma, als sie dann schließlich starb.

Die Einleitung fand ich nicht sehr gut, denn viele Infos tauchten doppelt und dreifach auf.  C. McC. hat über ihr Leben so klar und deutlich geschrieben, dass ich auch ohne die Einleitung ausgekommen wäre. 
Die Klappentexte sind ja oftmals schon zu ausführlich. Ein bisschen sollte man den LeserInnen schon auch zumuten dürfen.

Wie hat die Autorin ihren Erfolg als Schriftstellerin gefeiert bzw. aufgenommen? Interessant fand ich, dass sie keine Rezensionen zu ihren Büchern gelesen hat.
Ich lese meine Rezensionen nie. Wenn sie gut sind, können sie mir zu Kopf steigen, und wenn sie schlecht sind, würden sie mich nur deprimieren. Also lasse ich es. Aber natürlich sickern durch Freunde Informationen zu mir durch, die mir eine ziemlich genaue Vorstellung davon geben, wie die Sache steht. (90f)
Eine Episode zwischen der Sekretärin und ihr brachte mich zum Schmunzeln. C. McC. war durch ihre Krankheiten auf eine Sekretärin angewiesen. Sie hatte durch ihren Schlaganfall ein recht schlechtes Sehvermögen. Sie diktierte der Sekretärin ihre Skripte. Über manche Szenen musste die Autorin selber auch lachen und wunderte sich, dass ihre Schreibhilfe so gar keinen Sinn für Humor besaß:
Mein guter Freund William Meyer fand eine Psychiatrieschwester, die mir mit dem Manuskript half, und als ich nach Hause durfte, besorgte ich mir eine Sekretärin, die das Skript tippen sollte. Das machte großen Spaß - das einzige Problem war, dass die Sekretärin keinen Sinn für Humor hatte, und wenn ich lachen musste, musste ich allein lachen, was ein bisschen gespenstisch ist, wie ich sagen muss.>>Finden Sie das nicht lustig?<< fragte ich sie gelegentlich.>>Nein<<, antwortete sie. Ich lachte also allein weiter. (101f)
Die Autorin war nicht nur Schriftstellerin, sie war auch mehr oder weniger politisch aktiv.
Wie man schon aus ihren Werken weiß, setzte sie sich schon früh gegen den Rassismus ein. Auch ihr  kleinerer Bruder Lamar Smith litt fürchterlich unter der Diskriminierung schwarzer Menschen. Die Kinder beobachteten eine Begebenheit zwischen ihrem sehr jungen farbigen Kindermädchen und einem Taxifahrer. Lucille hatte sich ein Taxi bestellt …
Mein Bruder und ich beobachteten, wie sie aus dem Haus kam und der Taxifahrer sich weigerte, sie zu fahren.
>>> Ich fahre keine verdammten Neger<<, schnaubte er. Lamar, der Lucilles Verlegenheit sah und die Hässlichkeit dieser ganzen Ungerechtigkeiten fühlte, rannte unter das Haus. (Ich muss dazu erklären, dass der Raum unter dem Haus fast wie ein eigenes Zimmer ist.) Mein Bruder weinte unter dem Haus, aber ich war außer mir vor Wut und schrie den Taxifahrer an: >>Sie böser, böser Mann.<< Dann kroch ich zu meinem Bruder, und wir hielten uns an den Händen, um uns zu trösten, weil es nichts, nichts anderes gab, was wir tun konnten. Lucille musste eine gute Meile zu Fuß nach Hause gehen. (122)
Mich wundert das immer wieder, dass es Menschen gibt, die über eine so große Sensibilität verfügen, mit der sie die Ungerechtigkeiten benachteiligter Menschengruppen wahrzunehmen in der Lage sind, während die meisten Menschen die Diskriminierungen als gegeben hinnehmen und sich dem ungefragt und unreflektiert anpassen, statt sich zu widersetzen. Wobei die Eltern hierbei als Vorbild fungieren. 

Und nun ein wenig etwas zur Literatur, die die Autorin bevorzugte.
Die meisten Bücher, die in der Autobiografie vorgestellt wurden, waren mir selbst bekannt. Sie hat Marcel Proust gelesen, F. Dostojewski, Leo Tolstoi und natürlich als Amerikanerin jede Menge amerikanische AutorInnen, wie z. B. Henry James, F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, etc. so wie auch die Engländerin Virginia Woolf. Mit Virginia Woolf konnte C. McC. allerdings nicht wirklich warm werden.
Ich selbst bin völlig blind in Bezug auf Virginia Woolf. So sehr ich mich auch bemühe, ich kann mich einfach nicht wirklich für sie interessieren. Das ist insofern merkwürdig, als nicht nur viele meiner Freunde Virginia Woolf schlichtweg vergöttern, sondern ich viele Mitglieder des >>Bloomsbury Set<< persönlich kenne.
Man kann ja nicht jeden berühmten Schriftsteller mögen. Mir ging es mit Marcel Proust ähnlich. Ich  war auch um ihn so sehr bemüht und habe bisher nicht mehr als vier Bände von ihm zu lesen geschafft. Virginia Woolf dagegen ist mir von ihrem inneren Naturell eher vertraut.

Allerdings ist Vrginia Woolf im Gegensatz zu mir, wie ich aus ihrer Autobiografie entnehmen konnte, von Marcel Proust mehr als angetan gewesen. 

Interessant fand ich, wie C. McC. den Buchband von Dostojewski Der Idiot bewertete:
Das Buch hat eine wundervolle Groschen Roman-Qualität. Man wird einfach von einer unglaublichen Szene zur nächsten unglaublichen Szene weiter gerissen.(128)
Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, den Band von Dostojewski als Groschenroman abzutun. Ehrlich gesagt ist mir Dostojewski ein wenig zu anstrengend und sehr langatmig. Mein Fall ist Dostojewski nicht.

Beeindruckend fand ich die Beziehung zu ihrem Gatten James Reeves McCullers jun. Ihr erster intimer Freund. Sie bekam recht früh einen Heiratsantrag gemacht und Carson wollte, um Reeves besser kennenzulernen, noch vor der Ehe Sex haben. Sie fragte ihre Mutter, was Sex sei. Die Mutter war sehr verlegen, zog sie sanft zu sich heran und sprach;
Schatz, Sex ist, wenn man sich auf etwas draufsetzt. (Kaputt lach)
C. McC. war genauso schlau wie vorher auch und suchte Bibliotheken auf,  um sich über Bücher aufzuklären. Doch die damalige Literatur eignete sich zur sexuellen Aufklärung genauso wenig ...
Sie verständigte ihre Eltern, dass sie mit Reeves schlafen werde. Die Eltern hatten das akzeptiert. Sie unterstützen ihr Kind in allen Lebenslagen, was es sich vornahm. Die Liebe zwischen den Eltern und der ältesten Tochter war ganz deutlich zu spüren.

Obwohl so viel Liebe zwischen Reeves und C. McC. bestand, musste die Ehe scheitern. Die vielen Depeschen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, dem ist ein eigenes langes Kapitel im Buch >>Kriegsbriefe<< gewidmet, bezeugten diese Kriegsbriefe die Liebe füreinander. Reeves war in Europa als Soldat stationiert. Er überlebte zwar den Krieg, aber nicht seine psychischen Leiden. Leider war Reeves schwer depressiv, der sich zusammen mit Carson das Leben nehmen wollte. Er versuchte, seine Frau zu erwürgen. Carson war entsetzt und zog sich von ihm zurück und ließ sich sogar scheiden. Schade. Beide genossen einen regen literarischen Austausch. Sie las ihm ihre Werke vor, von denen Reeves hellauf begeistert war und sich dadurch inspiriert gefühlt hatte, selbst auch mit dem kreativen Schreiben zu beginnen.

Carson fragte ihn, ob er das Werk Das Herz ist ein einsamer Jäger gut finden würde, so antwortete er:

Ob ich das gut finde? Nein, ich finde das nicht gut, ich finde das großartig.

Ich beende nun hier meine Aufzeichnungen.

Mein Fazit

Carson McCullers kommt mir ein wenig seelenverwandt vor. Ihre Bücher könnte ich sinnbildlich betrachtet mit geschlossenen Augen lesen. Ich könnte sie trotzdem noch gut verstehen. Deshalb bin ich motiviert, die restlichen anderen Bände von ihr auch noch zu lesen. Carson McCullers zählt zu meinen absoluten Favoriten.
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Wie können die Toten wirklich tot sein, solange sie noch durch unser Herz wandern?
(C. McCullers zitiert aus einer alten Indianerlegende).

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Samstag, 10. Mai 2014

Carson McCullers / Die Autobiographie

Klappentext
»Ich wurde über Nacht zu einer etablierten literarischen Persönlichkeit, und ich war viel zu jung, um zu verstehen, was da mit mir geschah oder welche Verantwortung damit verbunden war. Ich muss unerträglich gewesen sein.« In ihren Memoiren, die sie nicht mehr vollenden konnte, schaut Carson McCullers zurück auf ihr liebevolles Elternhaus in Georgia, ihre ersten Schreibversuche, ihre turbulente Ehe, ihre Freundschaften mit Tennessee Williams, Karen Blixen, Elizabeth Bowen, Edith Sitwell und Marilyn Monroe – und nicht zuletzt auf ihre Krankheiten, die ihr Leben beeinträchtigten und weit vor der Zeit beendeten. Der Band enthält außerdem das Exposé zu ihrem Romandebüt und den Briefwechsel mit ihrem Mann Reeves McCullers aus den Jahren 1944 und 1945.


Autorenporträt

Carson McCullers, geboren 1917 in Columbus (Georgia), gestorben 1967 in Nyack (New York), dort begraben. McCullers wollte eigentlich Pianistin werden. Mit 500 Dollar fuhr sie 18-jährig alleine nach New York, um an der renommierten Juilliard-Musikschule zu studieren. Das Geld verschwand auf mysteriöse Weise, doch sie blieb in New York, arbeitete als Sekretärin, Kellnerin, Barpianistin und beschloss, Schriftstellerin zu werden. Der Erfolg ihres Erstlings, ›Das Herz ist ein einsamer Jäger‹, machte die 23-Jährige zum literarischen ›Wunderkind‹. Mit 23 erlitt sie den ersten von drei Schlaganfällen, ihr Leben wurde bestimmt durch die Krankheit, der sie ihr Werk abrang, und durch Einsamkeit, besonders nach dem Selbstmord ihres Mannes 1953.

Carson McCullers zählt zu meinen LieblingsautorInnen. Ich habe vor, nach und nach alle ihre Werke zu lesen.

Das Herz ist ein einsamer Jäger und Die Uhr ohne Zeiger habe ich gelesen und beide Bände haben mir sehr gut gefallen.

Freue mich nun auf die Autobiografie, aus der hervorgeht, dass die Autorin in ihrem Leben zwischen der Realität und Fiktion wandelte.
Carsons Herz war oft einsam, und es war ein unermüdlicher Jäger auf der Suche nach Menschen, denen sie es anbieten konnte; aber es war ein Herz, das mit einem Licht gesegnet war, das seine Schatten überstrahlte. 
Ein total schönes Bild, ein Zitat schon gleich auf der ersten Seite, das ich mir unbedingt herausschreiben musste.






Freitag, 9. Mai 2014

Steinunn Jóhannesdóttir / Das sechste Siegel (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch hat mir recht gut gefallen. Ich war erstaunt zu lesen, dass man im 16. / 17. Jhrd. Menschen aus dem hohen Norden auch zu Sklaven gemacht hat. Bekannt ist der Sklavenhandel zwischen  den Amerikanern und den Schwarzafrikanern.

Im hiesigen Buch wurde hauptsächlich mit den Isländern Menschenhandel betrieben. Man hatte die Insel dieser Menschen ausgeplündert. Die Menschen wurden von den Arabern nach Algier verschleppt. Kontinental nach unten betrachtet befindet sich dieser Menschenhandel fast am Ende des Globus. Die Isländer waren demnach extrem hohen Temperaturen ausgesetzt und erlitten einen Kulturschock. Ganz zu schweigen von dem Verlust ihrer Menschenwürde in jeder Hinsicht.

Die Menschen waren vier Wochen mit dem Schiff unterwegs. Algier  war eine recht reiche Stadt, umgeben von vielen Palästen. Erstaunlich, wenn man bedenkt, woher der Reichtum kam. Hauptsächlich durch den Menschenhandel und durch die Haltung von Sklaven auch im privaten Sektor. Die Sklaven mussten durch die Hölle gehen. Wenn mich einer fragen würde, ob ich nach dem Tod an die Hölle glaube, dann würde ich antworten, die Hölle ist nicht im Himmel, sie ist hier auf Erden. Macht euch die Erde Untertan. So waren oder sind noch immer die Starken die Götter auf Erden.

Man vermutete, dass die Isländer aus dem Grunde ausgeplündert wurden, weil sie in ihrer Existenz nicht gefestigt waren. Ihr Lebensstandard war geprägt von einfachsten Mitteln. Teilweise lebten viele noch in "Höhlen". Die Araber bezeichneten die Isländer als ein primitives Volk.
Jón Jónsson sagte, er kenne die Gründe für den Raubzug nach Island nicht genau, aber er könne sich am ehesten noch vorstellen, dass sie davon gehört hätten, wie schutzlos und wenig gefestigt das Land sei. (142)
Die Isländer waren sehr gläubige Leute. Sie richteten ihr Leben nach Luther aus. Ihr "sündiges Verhalten" bezeichneten viele Isländer als Strafe Gottes. 
„Und abgesehen davon, (…) haben die Isländer mit ihrem sündigen Lebenswandel und ihrer weitverbreiteten Sittenlosigkeit wohl selbst den Zorn Gottes auf sich herabbeschworen." Die Sklaverei wäre wahrscheinlich nichts anderes als eine verdiente Strafe für ihre Sünden. Die Geißel Gottes! (142)
Der Buchtitel, Das sechste Siegel, ist auch religiös zu deuten ...

Zur Erinnerung gebe ich noch einmal den Klappentext rein:
Island 1627: Auf den grünen Westmänner-Inseln leben gottesfürchtige Menschen, einfache Fischer und Bauern. Als eines Nachts algerische Freibeuter einfallen, mordend, plündernd und brandschatzend über die Insel ziehen und 252 Menschen verschleppen - Männer, Frauen und Kinder - glauben die Leute zunächst an ein apokalyptisches Strafgericht. Starr vor Entsetzen müssen sie erleben, wie sie nach einer qualvollen Reise über den Atlantik auf dem Sklavenmarkt von Algier verkauft werden. Die junge, hübsche Gudríd muss im Hause des Dey von Algier härteste Sklavenarbeit leisten, wird geschlagen und missbraucht. Doch sie kämpft entschlossen darum, ihren Sohn bei sich zu behalten und vor den fremden Einflüssen zu bewahren. Nach neun endlosen Jahren gibt es wieder Hoffnung: Ein holländischer Kaufmann ist in Algier aufgetaucht. Es heißt, er kaufe im Auftrag des dänischen Königs Sklaven frei. Gudríd schöpft neuen Mut ...
Ein Mensch ist ja nicht nur schlecht, er trägt auch Gutes in sich. Auch wenn man es nicht glauben möchte. Die Erfahrung hat zumindest die Protagonistin Gudrid gemacht.
Der Mann, der sie misshandelt und ihr solche Schande angetan hatte, der sie von ihrem Jungen getrennt hatte, brachte ihn ihr jetzt zurück! Wie konnte ein so schlechter Mensch noch so gut sein? (46)
Gudrid war eine sehr gläubige Persönlichkeit. Ihre Nöte als Sklavin überstand sie größtenteils mithilfe ihrer Religion. Es gab eine andere Landsmännin, Anna, die es geschafft hat, aus ihrer Sklaverei auszubrechen, indem sie ihren Herren geheiratet hat und dessen arabischen Lebenswandel anzunehmen wusste. Anna wurde eine reiche Frau und hielt ebenso Sklaven. Sie war mit Gudrid bekannt, und Gudrid haderte mit sich und kämpfte gegen destruktive Gefühle an, auf Anna nicht neidisch zu sein. Sie tröstete sich mit folgendem Gedanken:
Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt? (233)
Ich finde dieses Zitat sehr schön.

Mein Fazit:

Aus dem Anhang war zu entnehmen, dass sich die Ereignisse tatsächlich so abgespielt hatten, wie sie im Buch geschildert wurden. Ebenso existierten die Personen. Die Autorin hatte lediglich die Namen geändert und ein wenig an den Charakteren gefeilt.

Das Buch ist sehr authentisch geschrieben und ich finde es richtig schade, dass es auf dem Büchermarkt nur noch antiquarisch zu erwerben ist.

Das Buch erhält von mir zehn von zehn Punkten. Allerdings gibt es in dem Buch ein paar gravierende Druckfehler. Die stören mich aber nicht sonderlich.
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Wie können die Toten wirklich tot sein, solange sie noch durch unser Herz wandern?
(C. McCullers zitiert aus einer alten Indianerlegende).

Gelesene Bücher 2014: 32
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Montag, 5. Mai 2014

Steinunn Jóhannesdóttir / Das sechste Siegel

Klappentext

Island 1627: Auf den grünen Westmänner-Inseln leben gottesfürchtige Menschen, einfache Fischer und Bauern. Als eines Nachts algerische Freibeuter einfallen, mordend, plündernd und brandschatzend über die Insel ziehen und 252 Menschen verschleppen - Männer, Frauen und Kinder - glauben die Leute zunächst an ein apokalyptisches Strafgericht. Starr vor Entsetzen müssen sie erleben, wie sie nach einer qualvollen Reise über den Atlantik auf dem Sklavenmarkt von Algier verkauft werden. Die junge, hübsche Gudríd muss im Hause des Dey von Algier härteste Sklavenarbeit leisten, wird geschlagen und missbraucht. Doch sie kämpft entschlossen darum, ihren Sohn bei sich zu behalten und vor den fremden Einflüssen zu bewahren. Nach neun endlosen Jahren gibt es wieder Hoffnung: Ein holländischer Kaufmann ist in Algier aufgetaucht. Es heißt, er kaufe im Auftrag des dänischen Königs Sklaven frei. Gudríd schöpft neuen Mut ...


Autorenporträt

Steinunn Jóhannesdóttir
geboren 1948 in Akranes, Island, arbeitet als Regisseurin, Journalistin und Autorin in Reykjavík. Sie veröffenlichte neben mehreren Theaterstücke auch Kinderbücher, Biografien und Kurzgeschichte und legte nach sechsjähriger Recherchearbeit den auf historischen Geschehnissen basierenden Roman „Das sechste Siegel“ vor.
Das Buch habe ich antiquarisch im Bücher Oxfam erworben. Es ist eine ältere Ausgabe und wurde nicht wieder neu aufgelegt. Man kann es also im Buchhandel neu nicht mehr käuflich erwerben.

Ich habe die ersten einhundert Seiten probegelesen und es gefällt mir sehr gut.

Bin neugierig, wie es weitergeht und wie das Buch enden wird.