Freitag, 21. September 2012

Michael Cunningham / Die Stunden (1)

Eine Buchbesprechung der o. g. Lektüre 
Ich habe das Buch gestern Abend zielgerecht durch bekommen. Für mich hat es sich wie eine Biografie gelesen, war mir aber erst nicht wirklich sicher darüber. Aufgrund diverser Recherchen im Internet konnte ich auf einer anderen Literaturseite entnehmen, dass das Buch eine Hommage sein sollte.
Das ist es sicher auch, aber eine Antwort auf meine Frage war es noch nicht.

Aber darauf komme ich später nochmals zu sprechen und möchte eher auf diesen Leseprozess eingehen, weshalb mich dieser Gedanke einer möglichen Biografie bis zum Schluss nicht mehr loslassen konnte.


Virginia Woolf hatte Stimmen gehört und stark darunter gelitten. Damit beginnt das Buch schon mal. Ihr Mann heißt Leonard, im Buch ebenso.

Und auf dem Cover ist Virginia Woolf abgebildet, da muss sich der Autor etwas dabei gedacht haben... . Viele Indizien, die mich darauf haben schließen lassen...

Mir ist dabei wieder Hemingway eingefallen, der gesagt haben soll:
"Alle guten Bücher haben eines gemeinsam: Sie sind wahrheitsgetreuer, als wenn es wirklich passiert wäre, und nachdem man eines gelesen hat, hat man das Gefühl, dass das alles passiert ist, und dann besitzt man es für alle Zeit: das Glück und das Unglück, das Gute und das Böse, die Ekstase und den Kummer, das Essen, den Wein, die Betten, die Menschen und das Wetter.(...) Sein Ziel hat man erreicht, wenn das Verhältnis zehn zu eins ist - d.h., wenn das, was man geschrieben hat, zehn mal wahrer und möglicher ist als die ursprüngliche Wirklichkeit, aus der man geschöpft hat."
  • Typisch für V. W. behandelten Themen z.B. waren, wie die Frau sich von der Sklaverei lösen kann, gefangen in Ehe und Kinderkriegen und Erziehung.
  • Innere Widersprüche ertragen, einerseits gerne eine Ehe eingehen wollen, aber andererseits die Unabhängigkeit wahren wollen, was oft in der Rolle als Frau, Ehefrau und Mutter sich schlecht vereinbaren lässt. Deutlich wird das bei Laura Brown.
  • Wenn Frau sich mehr für die Unabhängigkeit innerhalb der Familie einsetzt, dann muss sie mit starken Schuldgefühlen und innerer Zerrissenheit kämpfen. In allen diesen drei Frauen spiegelt sich in Teilen Virginia Woolf wieder, denn in all diesen Themen war sie ein Leben lang beschäftigt, nicht zu vergessen der Umgang mit der psychischen Erkrankung. Und der Umgang mit Leonard, von dem sie sich in übertriebenem Maße behütet gefühlt hat.
Die Sperlinge vor dem Fenster Virginias haben griechisch gesungen. Aus den Wänden dringen Stimmen, die ihr ins Gewissen reden. Das sind typische Symptome einer akustischen Halluzination. Und nur Menschen, die das aus dem eigenen Erleben heraus kennen, können darüber schreiben. Aber in dem Roman ist es ja nicht nur Virginia, die über akustische Phänomene klagt, nein, auch Clarissas Mann Richard. Demnach sind diese Leiden, die Virginia kannte, im Buch auf mehrere Personen verteilt.

Was die drei Frauen gemeinsam haben, meine Hypothese, zählt man alle drei zusammen, so ergeben sie für mich eine Virginia. Sie alle streben nach Unabhängigkeit, möchten sich emanzipieren, vor allem Laura ist bemüht, ein Mutter-Ich zu entwickelt, und eine gute Hausfrau zu sein, und gleichzeitig sehnt sie sich nach mehr Souveränität, nach mehr Zeit für sich selbst. Sie gerät in Selbstzweifeln, als sie das Buch Mrs. Dalloway liest, und ihr die Augen über ihre Frauenrolle aufzugehen scheinen. Sie bewundert ihren Mann, der, wenn er von der Arbeit kommt, sich an den gedeckten Tisch setzen kann und eine wohlwollende Wohnstruktur auffindet, wofür er nicht einen Finger gerührt hat. Er wird für seine Arbeit bezahlt, und wird zusätzlich von seiner Frau belohnt, die den Haushalt u.a.m. führt, für den sie keine Anerkennung in materieller Form erhält.


Alle drei Frauen führen ein unterschiedliches Leben, und haben trotzdem einiges gemeinsam. Die immer währende Suche nach sich selbst, im Widerspruch zur Rolle, die die Gesellschaft von ihnen erwartet.

Wenn man bedenkt, dass es viele Frauen gibt, die einfach stolz sind, Mutter zu sein, kann man das von diesen drei Damen nicht wirklich behaupten. Ich identifiziere mich vom Denkinhalt her mit diesen drei Damen, vor allem mit Clarissa, zweiundfünfzig Jahre alt und Mutter einer erwachsenen Tochter namens Julia.

Laura, schwanger und Mutter eines dreijährigen  Sohnes, fand ich klasse, dass sie den Mut hatte, den Geburtstag ihres Mannes einfach sausen zu lassen, indem sie sich einfach für vierundzwanzig Stunden. in ein Hotel einquartiert, um ganz für sich zu sein. Einen Raum ganz für sich alleine, auch um weiter in ihrem Buch Mrs. Delloway zu lesen, ohne gestört oder an ihren Pflichten erinnert zu werden.
Ich muss sagen, dass der Autor in dem Buch viele Bücher von Virginia Woolf reingepackt hat. Laura passt zu dem Buch "Ein Zimmer für sich allein" oder so ähnlich lautend. Das Zimmer ist ein Symbol für Unabhängigkeit und eigene Freiräume  und steht für Autonomie.

Laura konnte leider nicht durchhalten und hat den Geburtstag ihres Mannen mit zusammengebissenen Zähnen gefeiert.. Ähnlich wie Virginia, so ist auch sie von Schuldgefühlen und von massiven Versagensängsten geplagt, ob sie eine gute Mutter, Ehe- und Hausfrau werden könne. Macht sich viele Gedanken über die Geburtstagsvorbereitung via geglückte Geburtstagstorte versus missglückte Geburtstagstorte ...

Versagensängste, wie ich eingangs schon geschrieben habe, hatte Virginia weiterhin, die ihre Schreibfähigkeit als zu unperfekt empfindet.Clarissa ist diejenige, die sich viel über das Alter einer Frau  Gedanken macht, ob sie noch wertvoll genug sei, wenn die Schönheit später verwelkt und stellt dabei viele Vergleiche an gegenüber jüngerer Frauen... . Und sie macht sich viele Gedanken über den Tod, impliziert damit auch die Suche nach dem Sinn im Leben:
Wir führen unser Leben, verrichten unsere Tätigkeiten, und dann schlafen wir - so einfach und so gewöhnlich ist das. Ein paar springen aus dem Fenster, ertränken sich oder nehmen Tabletten; ein paar mehr sterben bei Unfällen; und die meisten von uns, die breite Masse, werden langsam von irgendeiner Krankheit verzehrt, oder, wenn wir großes Glück haben, vom Zahn der Zeit. Und es gibt diesen einen Trost: Eine Stunde hie und da, in der es uns wider aller Wahrscheinlichkeit und Erwartung so vorkommt, als schäume unser Leben über und schenke uns alles, was wir uns vorgestellt haben, obgleich jeder,  (…) weiß, dass auf diese Stunden unausweichlich andere folgen werden, die weitaus dunkler sind und schwerer. Dennoch ergötzen wir uns an der Stadt, dem Morgen; wir erhoffen uns, vor allem anderen, mir davon.
Weiß der Himmel, wieso wir das Leben so lieben.
 Diese Textstelle hat mich besonders angesprochen, weil auch mir fast täglich solche Gedanken durch den Kopf gehen. Was ist es, was uns am Leben hält, trotz der vielen Widrigkeiten?

Und nun zum Schluss, den Faden wieder hervorgeholt, ob das Buch als Biografie durchgehen kann oder nicht, so bediene ich mich eines Zitates des Autors, der mir im Schlusswort auf der letzten Seite diese Frage beantwortet hat:

Zitat des Autors:

"Virginia Woolf, Leonhard Woolf, Vanessa Bell, Nelly Boxsaal und andere Menschen, die einst tatsächlich gelebt haben, treten in diesem Buch zwar als Romanfiguren auf, doch habe ich versucht, die Ereignisse, wie sie sich an einem von mir frei erfundenen Tag im Jahr 1923 zugetragen haben könnten, so wahrheitsgetreu wie möglich wiederzugeben. Ich war dabei auf zahlreiche Quellen angewiesen, allen voran zwei hervorragende, ausgewogene und aufschlussreiche Biografien (…)."

Nichts anderes hat auch Tolstoi, Fallada und Hemingway gemacht, aus dessen (Auto) Biografie ich viel gelernt habe. Sie packen in Erfundenes biografisches Material hinein, demnach war es gut, bei meiner Meinung geblieben zu sein, dass das Buch biografisch gelesen werden kann. 

 
Ich freue mich sehr über dieses Ergebnis und ich kann jedem empfehlen, den eigenen Gedanken  und den eigenen literarischen Beobachtungen zu vertrauen..., ganz gleich, was andere LeserInnen für eine Meinung haben!
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„Die rechte Vernunft liegt im Herzen“ (Theodor Fontane)


Gelesene Bücher 2012: 67

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Montag, 17. September 2012

Michael Cunningham / Die Stunden


Verlag: Btb 2012
Sonderausg.Seitenzahl: 313
Gebunden Kleinformat 9,99 €
ISBN-13: 9783442744398
Klappentext
Ein Tag im Leben dreier Frauen: Clarissa Vaughan im New York der neunziger Jahre bereitet eine Party für ihren Jugendfreund vor; von ihm hat sie den Spitznamen »Mrs. Dalloway«, weil sie ihn an die Heldin in Virginia Woolfs gleichnamigem Roman erinnert. Laura Brown, Hausfrau und Mutter in einem Vorort von Los Angeles im Jahr 1949, entflieht ihrem Alltag und liest »Mrs. Dalloway«. Und schließlich Virginia Woolf in Richmond im Jahr 1929; sie vermisst die Großstadt London, obwohl sie weiß, dass das Leben auf dem Land ihrer angeschlagenen Gesundheit guttut, und sie ringt um den ersten Satz ihres Romans »Mrs. Dalloway«. Ein überwältigend schöner und bewegender Roman über Freundschaft und Liebe, über die Suche nach Anerkennung und Lebensglück. Ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis.

Autorenportrait im Klappentext

 Michael Cunningham wurde 1952 in Chinchinnati, Ohio, geboren und lebt heute in New York City und Provincetown. Sein Roman Die Stunden wurde unter anderem mit dem Pulitzerpreis und dem PEN / Faulkner Award ausgezeichnet und in 22 Sprachen übersetzt.

Mir geht es hauptsächlich um Virginia Wollf, weshalb ich im Label, s. u. auch England  als Land angegeben habe, da der Autor Amerikaner ist und er über eine Engländerin schreibt.

Ich hatte gestern Abend ein Probelesen und freue mich sehr auf weitere Seiten.


A. E. Hotchner / Papa Hemingway (1)



Eine Buchbesprechung der o. g. Lektüre

Gestern Abend habe ich die Biografie zu Ende bekommen und der Schluss stimmte mich besonders traurig und nachdenklich.
Im hohen Alter von einundsechzig Jahren wird Hemingway von einer schweren psychischen Krise gepackt, aus der sich Hemingway nicht mehr erholte und diese ihn durch einen Suizid in den Tod trieb. Er litt unter einer depressiven-paranoiden Psychose. Hemingway befand sich wiederholt in den Händen von Experten plus Klinikeinweisungen, allerdings ohne sichtbaren therapeutischen und pharmakologischen Erfolg. Nun kann ich sein freiwilliges Ausscheiden aus dem Leben besser nachvollziehen als zu Beginn der Lektüre. Schon auf den ersten Seiten wird Hemingways Angriff gegen sich selbst beschrieben, ohne auf die Ursachen eingegangen zu sein. Wohl mit Absicht.

Seine größte Angst war damals, nie wieder schreiben zu können und ohne das Schreiben hat Hemingway sämtlichen Lebenssinn verloren, auch nachdem sein enger Freund Hotchner ihm alle Hobbys und Fähigkeiten aufzählte, die ihm das Schreiben ersetzen hätten können. Doch Hemingway blieb untröstlich:
"Was, glaubst du, passiert einem Menschen, der ins zweiundsechzigste geht, wenn er merkt, dass er nie wieder Bücher und Geschichten schreiben wird, die er sich selbst versprochen hat? Dass er auch alles andere, dass er sich in den guten Zeiten erhofft hat, nicht mehr durchführen kann? (…) Hotch, wenn ich nicht mehr unter meinen eigenen Bedingungen leben kann, dann ist für mich das Leben unmöglich. (…) So habe ich immer gelebt, so muss ich leben - oder nicht mehr leben."

Diese Textstelle, die am Schluss auftaucht und ich sie nun  an den Anfang setze, hat in mir eine echte Traurigkeit bewirkt, ich Hemingway aber durchaus auch zu verstehen in der Lage bin. Ich bewundere sogar seinen Entschluss und die Fähigkeit, über sein Leben selbstbestimmt zu entscheiden. Obwohl er noch so viele andere Fähigkeiten und Hobbys besaß, so konnte nichts sein Schreiben ersetzen, was ich wiederum auch äußerst schade fand.

Hemingway war viermal verheiratet, und selbst mit seiner vierten Frau, Mary, war er nicht wirklich glücklich, obwohl er sie sehr liebte. Eine vierte Scheidung habe Hemingway nicht vollzogen, fand sich zu alt, diese auch noch durchzustehen. Und er fürchtete die Konsequenzen, die Mary ihm zu spüren geben würde. Zum Schluss ist aber Mary diejenige gewesen, die ihm die Treue hielt und ihm während seiner schweren psychiatrischen Erkrankung an seiner Seite blieb. 

Hemingway war in meinen Augen in Multitalent. Ein  großer Kopf, nicht nur physisch gemeint.  Was er alles an einem einzigen Tag schaffte. Er stand morgens um sechs Uhr auf. Begann mit seiner Schreibarbeit, die er mittags um zwölf Uhr beendete. Er ging Abenteuer nach, las Bücher und jede Menge fremdsprachige Tageszeitungen. Er verfügte über zusätzliche Sprachen wie z.B. spanisch, italienisch, französisch... .

Was sein Schreiben anbelangt, so erinnerte mich Hemingway stark an Tolstoi. Ohne dass sie ihre Erfahrungen 1:1 wiedergeben, packen sie allerdings ihre Erlebnisse in ihre fiktiven Romane und Erzählungen, so dass die Wahrheit, was sie letztendlich sei, stückweit relativiert wird:

Alle guten Bücher haben eines gemeinsam: Sie sind wahrheitsgetreuer, als wenn es wirklich passiert wäre, und nachdem man eines gelesen hat, hat man das Gefühl, dass das alles passiert ist, und dann besitzt man es für alle Zeit: das Glück und das Unglück, das Gute und das Böse, die Ekstase und den Kummer, das Essen, den Wein, die Betten, die Menschen und das Wetter.(...) Sein Ziel hat man erreicht, wenn das Verhältnis zehn zu eins ist - d.h., wenn das, was man geschrieben hat, zehn mal wahrer und möglicher ist als die ursprüngliche Wirklichkeit, aus der man geschöpft hat.

Hemingway erhielt mehrere Nobelpreise, fühlte sich aber elend, dass er auf diese nicht verzichten konnte, ähnlich wie es der Existentialist Sartre getan hatte, der alle literarische Preise abgelehnt hatte. Hemingway befürchtete, durch die Preisverleihung den Verlust seiner Schreibqualität:

Keiner der Hurensöhne, die jeden Nobelpreis gewonnen haben, hat danach noch etwas lesenswertes geschrieben. (…) Wie oft sprach Ernest mit Neid von Jean-Paul Sartre, der in weiser Voraussicht den Nobelpreis abgelehnt hatte.

Hemingway verglich den Nobelpreis mit einer Hure, als er von Sartre mit Hotchner spricht:

"Ich glaube, Sartre hat gewusst, (…) dass dieser Preis eine Hure ist, die dich verführen und dir eine unheilbare Krankheit bringen kann. Früher wusste ich das auch, aber jetzt habe ich sie, und sie hat mich. Weißt du, wer sie ist, diese Hure namens >Ruhm<?  die kleine Schwester des Todes."

Ein interessanter Vergleich mit der Hure, was nichts anderes bedeutet, als sich selbst zu verkaufen, nur des Ruhmes wegen.

Doch Hemingway machte sich nicht allzu viel Druck, was das Versagen betrifft. Auch hier äußert er gegenüber seinem Freund Hotchner, der selbst schriftstellerisch tätig ist, einen interessanten Ratschlag, um mit Misserfolgen fertigzuwerden:

Hab keine Angst vor dem Versagen, und miss dem Erfolg nicht zu viel Bedeutung bei.
Das war ein Grundsatz, nach dem er gelebt hat, und ein Vermächtnis, das mir sehr wertvoll ist.

Hemingway ist am 21.07.1899 geboren, einen Tag vor meinem Geburtstag, vierundsechzig Jahre später. Auch Fallada wurde am 21.07.geboren, aber 1893, ein paar Jahre vor Hemingway.

Überaus sympathisch habe ich seine Maskottchen empfunden. Er konnte ohne Talismann nicht auskommen. Seine Glücksbringer waren keine Gegenstände von hohem Wert, nein, es waren Gegenstände aus der Natur, die er in seiner Tasche trug, wie z.B. eine Kastanie, die ihm auf dem Kopf gefallen ist. Seinen Freunden riet er, nie den Glauben zur Mystik zu verlieren. Obwohl  Heminggway kein Kirchgänger war, hatte er auch seinen ganz individuellen Glauben.

Hemingway ist bekannt für seine Liebe zu Katzen. Über zwanzig lebten bei ihm, so dass seine Frau Mary dies zu viel wurde, und sie extra für die Katzen einen Turm errichten ließ, und sie die Katzen dort untergebracht hatte. Der Turm wurde mit vielen schönen gemütlichen Ecken und Zimmern ausgeschmückt, so dass sie nicht vernachlässigt wirkten. Hemingway trieb auch Tierkommunikation,  was mir imponierte. Die Katzen wurden oft mit löblichen Worten angesprochen, andere Tiere, wie z.B. Bären, beleidigte er vielmehr:

Ernest fuhr fort, den Hals der braunen Katze zu kraulen, und erklärte ihr mit leiser, aufrichtiger Stimme, wie schön sie sei.

Das hatte mich so sehr berührt.

Hemingway war auch ein Abenteurer. Während er die Katzen so sehr liebte und seinen Hund Black Dog ebenso, gab es andere, in der Wildins lebende Tiere, die er jagte und tötete. Seine Tierliebe war demnach begrenzt, sie dehnte sich nicht aus auf alle Tiere. Auch Bären erlegte er, was zu seiner Zeit auch normal war. Und dass er Profi im Angeln war, das muss ich nicht extra erwähnen. Das liest sich ja schon aus seinem Roman Der alte Mann und das Meer heraus.


Ich beende nun hier meine Aufzeichnung mit einem kurzen Zitat von Hemingway, das sich auch auf sein Lebensende widerspiegelt und seine Sicht zu seinem Kräfteabbau:

Der Mensch ist nicht für die Niederlage geschaffen. Der Mensch kann vernichtet, aber nicht besiegt werden.

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„Die rechte Vernunft liegt im Herzen“ (Theodor Fontane)

Gelesene Bücher 2012: 66
Gelesene Bücher 2011: 86

Sonntag, 16. September 2012

A.E. Hotchner / Papa Hemingway

  Do. 13.09.2012, 20:13
Broschiert: 412 Seiten
Verlag: Econ Tb. (1999)
gebraucht, 1966

Diese Biografie ist aktuell nicht neu aufgelegt worden, weshalb wir auf diese ältere Ausgabe zurückgreifen mussten. Ich finde das sehr, sehr schade, dass das Buch nicht neu aufgelegt wird. Das Buch habe ich von meiner Literaturfreundin Anne geschenkt bekommen, und sie war es, die es nun für die kommende Wochenendlektüre aus meinem kleinen SuB ausgsucht hat.
Ich habe schon die ersten zwanzig Seiten durch und es liest sich von der ersten Seite an recht spannend. 
Von Hemingway habe ich gelesen Der alte Mann und das Meer. Mehr leider nicht. Dafür befasse ich mich nun mit seinem Leben und bin gespannt, welche Eindrücke er mir hinterlässt und ob ich Lust bekomme mehr von ihm zu lesen.

Klappentext
Ernest Hemingway und A. E. Hotchner waren die engsten Freunde und Vertraute. Zwischen 1948 und 1961 verbrachten sie viel Zeit zusammen: Sie reisten von New-York nach Paris und nach Spanien. Sie gingen  gemeinsam fischen und jagen, sie besuchten Stierkämpfe oder erholten sich auf Hemingways kubanischer Finka. 


Über den Autor im Klappentext

A. E. Roger lebt als freier Autor zeitweise in Westport, Connecticut, und Manhattan. Neben Biografien schreibt er Theaterstücke, Romane und Drehbücher.

Über Wikipedia konnte ich noch in Erfahrung bringen, dass Hotchner 1920 geboren ist. Sollte er noch leben, dann müsste er jetzt zweiundneunzig Jahre alt sein.

Donnerstag, 13. September 2012

Zitate




Es gibt so viele schöne Zitate, die ich unbedingt festhalten möchte, um sie griffbereit zu halten. Deshalb fange ich nun damit an, ein extra Label anzulegen, um die Zitate hier schriftlich abzuheften. Dass ich nicht früher auf diese Idee gekommen bin.


Allende, Isabel
Musik ist eine Weltsprache

Eco, Umberto 
(...) wenn jemand schlecht über ein anderes Volk spricht, dass er sein eigenes für überlegen hält.

Fontante, Th.
Die rechte Vernunft liegt im Herzen.

 Hemingway, E.

Alle guten Bücher haben eines gemeinsam: Sie sind wahrheitsgetreuer, als wenn es wirklich passiert wäre, und nachdem man eines gelesen hat, hat man das Gefühl, dass das alles passiert ist, und dann besitzt man es für alle Zeit: das Glück und das Unglück, das Gute und das Böse, die Ekstase und den Kummer, das Essen, den Wein, die Betten, die Menschen und das Wetter. 

Der Mensch ist nicht für die Niederlage geschaffen. Der Mensch kann vernichtet aber nicht besiegt werden.

Wahre Freundschaft braucht Vergebung aber keine Freundschaft hält Falschheit aus.

Kristof, Agota: aus: Die Analphabetin
Wie man zum Schriftsteller wird  
Zuallererst muß man natürlich schreiben. Dann muß man weiterschreiben. Selbst wenn es niemanden interessiert. Selbst wenn man das Gefühl hat, daß es niemals jemanden interessieren wird. Selbst wenn die Manuskripte sich in den Schubladen stapeln und man sie vergißt, während man neue schreibt.

Martin, Georg R. R. 
Ein Leser durchlebt tausend Leben, ehe er stirbt. Wer nie liest, lebt nur sein eigenes. 

Mercier, Pascal 
Ich habe ein Jahr gebraucht, um herauszufinden, wie lang ein Monat ist.
Proust, Marcel 
Unser Gedächtnis und unser Herz ist für die Treue nicht groß genug.

Es gibt in unserer Seele Dinge, an denen wir mehr hängen, als wir selbst wissen.

Seghers, Anna 
Ich habe große Sehnsucht nach einer besonderen Art von Welt, in 
der man arbeiten und atmen und sich manchmal wie verrückt 
freuen kann.

Simonson, Helen 
Außerdem braucht jeder ein paar Schwächen, sonst ist man kein richtiger Mensch. 










Mittwoch, 12. September 2012

Willa Cather / Die Frau, die sich verlor (1)

Eine Buchbesprechung der o. g. Lektüre  

Ich habe soeben das Buch zu Ende gelesen und ich finde es erstaunlich, wie viele Bücher die Autorin nach ihrem Tod hinterlassen hat.Zwölf Romane, dazu Essays, Erzählungen u.a.m., doch ich selbst bin zuvor nie an ihre Bücher gestoßen.  

Die Protagonistin des Romans, mit dem Namen Marian Forrester, war mir überaus sympathisch, da sie eine Person ist, die doch recht ungewöhnlich ist verglichen zum Durchschnittsmenschen einer Gesellschaft. 

 Zwar ist ihr Frauenbild ein wenig eingeschränkt, sie konnte mit Frauenemanzipation nicht wirklich umgehen, á la die Frau müsse sich von dem Manne im Verhalten unterscheiden als sie sich mit einem jungen Architekturstudenten, den sie von Kind auf kannte, darüber unterhielt; 
"Und sage, Niel, rauchen jetzt wirklich Frauen nach dem Essen mit den Männern, anständige Frauen? Ich würde das nicht mögen. Bei Schauspielerin ist es ja ganz in Ordnung, aber Frauen können nicht attraktiv sein, wenn sie genau dasselbe tun wie Männer. (…) Mögen Männer nicht, dass Frauen anders sind als sie? (…)"
Und dabei lebte Mrs. Forrester alles andere als altmodisch. Hier galt sie als eine Frau im fortgeschrittenen Alter und als junges Mädchen von 19 Jahren schloss sie sich einer Bergsteigergruppe an, und bestieg Berge.

Sie besitzt Charme und ist auch beliebt bei den jungen Männern, die sie in Sweet Water seit Jugendzeit her kannte, als sie selbst noch eine junge Frau war. Eigentlich war sie eine Dame von Welt und nach Sweet Water kam sie nur zu bestimmten Jahreszeiten, da ihr Mann, Unternehmer und Eisenbahnmann, dort beruflich zu tun hatte. In Sweet Water hattwn sie auch ein Anwesen. Ihre Konversation mit Anderen pflegte sie leicht vom Trivialen in das Gehobene zu lenken, obwohl sie Bildungsgesprächen eher verabscheut. Über folgende Textstelle musste ich arg schmunzeln, als sie sich wieder Niels zuwendet, nach einer kurzen Phase des Rückzugs:

"Gibt es etwas Neues in den Zeitungen?"
Das hieß, gab es irgendwelche Nachrichten über die Leute, die sie kannten. 
Auf dem Land Sweet Water fühlt sie sich von ihren Aktivitäten her ein wenig verloren.
Ich habe hier nichts zu tun. Ich habe keine Bewegung. Ich kann nicht Schlittschuh laufen. In Kalifornien gab es das nicht, und meine Knöchel sind schwach. Ich habe im Winter immer getanzt, in Colorado Springs wird viel getanzt. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr mir das fehlt. Ich werde tanzen, bis sich achtzig bin. Ich werde die walzertanzende Oma sein! Es ist gut für mich, ich brauche das."
In Sweet Water gibt es zwei unterschiedliche Gesellschaftsschichten in den Präriestaaten: die Siedler und Handwerker, die dort ihren Lebensunterhalt verdienten, und dann gab es noch die Bankiers und die Gentlemen - Viehzüchter. Die Bankiers machten Bankrott, was sich auch auf die betuchten Einwohner bemerkbar machte. Von heute auf morgen wurden viele arm... .

Mrs. Forresters Mann erleidet einen Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder hundertprozentig erholte und somit brachte dies auch einen deutlichen Einschnitt seiner Frau gegenüber, die nur in Großstädten richtig gut leben konnte. Durch die Erkrankung ihres Mannes war sie nun gezwungen, ihren Aufenthalt vorübergehend auf eine unbestimmte Zeit auf Sweet Water zu verlegen, um ihren Mann zu pflegen.



Sie gerät in eine psychische Krise, die begleitet war von Alkoholsucht und Depression und sinkt immer mehr hinab, aber sie hatte auch Hilfe, Hilfe selbstloser Art von Niel, der sehr viel von Mrs. Forrester hält. Er setzte für eine bestimmte Zeit mit dem Studium aus. Niel, der in Sweet Water seinen Onkel besuchte, ersuchte sein Einverständnis, mit dem Studium zu pausieren:

" Onkel", (…)" ich sehe nicht, wie ich nach Boston zurückgehen und die Forrester hier im Stich lassen kann. Ich würde gern das College für ein Jahr sausen lassen und ihnen durchhelfen."

In dem Haus Forresters machten sich neugierige Nachbarn breit, taten so, als wären sie so sehr um Mr. Forrester besorgt und brachten Lebensmittel mit, und sie dadurch die Gelegenheit nutzten, sich in dem Haus umzusehen. Mrs.Forrester hatte selbst nicht die Kraft, sich dagegen zu wehren, und ließ alle Menschen zu sich hinein. Doch der sensible Niel gewährte Einhalt und ließ niemanden mehr in das Haus. Die Nachbarn tratschten  über das heruntergekommene Haus und über die schäbigen Wohnräume ... .


Obwohl das Buch den Titel trägt , Die Frau, die sich verlor, war die Frau allerdings nicht wirklich verloren, zumindest nicht auf Dauer, da ihr Schicksal später eine Wende durchläuft. Doch darauf gehe ich jetzt nicht ein, und verweise auf das Buch.


Auch wenn Marian Forrester dem emanzipierten Frauenbild eher skeptisch gegenübersteht, zeigte sie dafür ein sensibles Gespür Menschen gegenüber, die diskriminiert worden sind, wie z.B. die Indianer, die von den Weißen vertrieben wurden und sie für ihre Reservate fast nichts bekommen hatten. Diesbezüglich hatte sie ein Gerechtigkeitsempfinden und zeigte sich als antirassistisch. 
Ich bewundere Leute nicht, die Indianer betrügen, wirklich nicht!
Mir hat das Buch ganz gut gefallen aber doch nicht so gut, dass ich jetzt unbedingt noch Weiteres von ihr lesen müsste. Ich habe allerdings aus meiner großen SuB-Liste ersehen, dass ich doch noch einen Band von ihr besitze, sodann bleibe ich neugierig Weiteres über ihren Stil zu erfahren, was die Thematik an sich betrifft, die sie im nächsten Band behandelt, und um zu erfahren, ob sich die Themen dieser beiden Bände zueinander ähneln werden.


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„Die rechte Vernunft liegt im Herzen“ (Theodor Fontane)

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Montag, 10. September 2012

Willa Cather / Die Frau, die sich verlor

Verlag: Knaus 2009
Seitenzahl: 160, gebunden
ISBN 978-3-8135-0335-7

Klappentext
Ein Roman über eine Frau, die einen wesentlich älteren Eisenbahnpionier geheiratet hat. Über das Erwachsenwerden eines Jungen aus dem kleinen Ort namens Sweet Water. Über den Niedergang der Pionierzeit Anfang des 20. Jahrhunderts in Nordamerika.
Dieser Roman umfasst zwar "nur" 150 Seiten, aber eine ganze Ära, fast ein ganzes Leben.

Autorenportrait im Klappentext
Als Achtjährige übersiedelte Willa Cather (1873–1947) mit ihren Eltern von Virginia nach Nebraska, wo sie mit der unermesslichen Prärie, aber auch mit den dortigen Einwanderern aus der Alten Welt Bekanntschaft schloss. Diese Erfahrungen eines Neben- und Miteinander verschiedener Ethnien, Religionen und Kulturen prägten sie tief. Obwohl sie als Lehrerin, Redakteurin und später als erfolgreiche Schriftstellerin vor allem in New York lebte, spielen ihre Werke meist in der heroischen Weite der Prärie des amerikanischen Westens und Südwestens, der sie so ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Willa Cather erhielt den Pulitzer-Preis und gilt als eine der großen amerikanischen Erzählerinnen.


Das Buch ist eine Restauflage, das von 16,95 € auf 4,99 € reduziert wurde und bei Jokers zu erwerben war.  Mittlerweile wurde das Buch als Taschenbuch vom btb-Verlag neu aufgelegt.
Von der Autorin hatte ich bisher noch nichts gelesen und bin neugierig auf meine Leseerfahrung.




Manisha Jolie Amin / Der Klang der Sehnsucht (1)




Eine Buchbesprechung der o. g. Lektüre

Das Buch habe ich gestern Abend zu Ende gelesen und mir hat es ganz gut gefallen. Was mir allerdings als besonders aufgefallen ist, war, dass das Buch kaum Spannung besaß. Das Meiste verlief recht glatt, mit Ausnahme des Schlusses zu einigen Figuren. Da ich auch kein Fan von Action bin, hat mich das Buch trotzdem sehr angesprochen. Bewegt hat mich die darin beschriebene Kultur Indiens. 

Man erfährt sehr viel über Freundschaften und Treue und natürlich über die Nöte verschiedener Menschen.

Der Protagonist des Buches nennt sich Kalu, ein Straßenkind, dessen Zuhause nicht mal die Straße selbst ist. Kinder, die auf der Straße leben, werden größtenteils von der Geselleschaft verstoßen und von einem Platz zum nächsten gejagt. Kallu machte die selbe Erfahrung, aber er hatte auch Glück, dank seiner musikalischen Begabung. Kalu formte mit einem einzigen Baumblatt eine Flöte und provozierte daraus verschiedene musikalische Töne... .

Kalus FreundInnen waren Malti und Bal. 
Malti war ein junges Mädchen und weil ihre Familie recht arm ist, wurde sie zum Arbeiten als Dienstbotin in ein reiches Haus geschickt, fern von ihrer Herkunftsfamilie. Ihr Bruder Raja sollte studieren und Malti wurde aufgefordert, mit dem Dazuverdienst das Studium ihres Bruders zu ermöglichen. Malti ist ein recht bescheidenes Mädchen, das sich in ihrer Rolle als Frau demutsvoll zufrieden gibt und hegt keinerlei Groll gegenüber ihrem Bruder, der studieren darf, während sie selbst nicht einmal eine Schule besuchen konnte, um wenigstens Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen zu erwerben. 
Malti erfährt später ein schweres Schicksal, auch lebensbedrohlicher Art, das sie aber sehr wohl zu meistern versteht. 

Als Westlerin werde ich mich hüten, mich abfällig über die Kultur anderer Länder zu äußern, denn in jedem Leben steckt Potential, das zu wichtigen Lebenserfahrungen führt. Jeder Mensch macht andere Erfahrungen.

Bal ist ein gekaufter Sklave, der von seinem Herrn den Auftrag hat, die Büffelherde auf die Weide zu lotsen und sie wie ein Hirte zu betreuen hatte. Bal erfährt am Ende ein schweres Schicksal, das Kabul total aus dem Gleichgewicht bringt.
Auch Bal ist ein Junge, der in der Gesellschaft nicht viel zählt und er macht die Erfahrung, dass seine Büffelherde mehr Wert sei als er selbst:
Selbst die Büffel hatten mehr Platz und Komfort, aber sie waren ja auch, wie sein Herr einmal gesagt hatte, viel mehr Wert als er.
Dasselbe gilt auch für Straßenkinder und für Mädchen. Straßenkinder haben keinerlei Status in der Gesellschaft und in Familien, in denen so viele Mädchen geboren werden, kommt es oft vor, dass einige nach deren Geburt ertränkt werden.
Ich finde es recht erstaunlich, was die Armut mit Menschen so alles macht... .

Kalu, der eine schwere Fußverletzung erlitten hat, wird von einem Arzt naturheilkundlich versorgt. Der Bruder des Arztes, Guruji, ist ein Musiker, der die Musik auf sämtliche Flöten beherrscht. Der Arzt erkennt in Kalu das musische Talent, und versorgt ihn unter der Bedingung, bei seinem Bruder in die Lehre zu gehen. Etwas Besseres hätte Kalu gar nicht passieren können und sein Leben erfährt dadurch eine völlige Wende. Er bekommt dort neben des Unterrichts noch Kost und Logis frei. Auch die Musikinstrumente bekommt er gestellt mit der Auflage, später alles zurückzuerstatten, wenn Kalu ein berühmter Flöstist geworden ist und über ausreichend Einkünfte verfügt. Aber Kalu wird von seinem Musiklehrer,  dem Guru, unter eine schwere Prüfung gestellt... . 

Der Musiklehrer Guruji ist auch ein recht belesener Mensch, und so stellt er Kalu die Bedingung, bevor der eigentliche Musikunterricht losgeht, muss er auch erst Lesen und Schreiben lernen, damit er den Wert der Bücher zu schätzen lernt.

Bücher können dich vieles lehren, drängen sich an Orte, an die du sonst unmöglich gelangen könntest. Und sie machen alle Menschen gleich, (…), denn lesen kann jeder.

In dem Lehrers Haus lebt auch der Hausdiener  Ashwin, der sich recht fürsorglich über das seelische und körperliche Wohl des Jungen kümmert. Desweiteren singen sie gemeinsam recht viele Schlager aus dem Radio, die dadurch ein wenig das Heimweh des Jungen nehmen:


Das Lied:

Meine Schuhe sind japanisch
Meine Hose ist britaanisch
Mein roter Hut ist russiaanisch
Doch mein Herz ist Hindustaanisch
Diesen Vers fand ich recht amüsant.

Heimweh galt für Kalu, weit weg von seinen Freunden zu sein und kontaktieren sich regelmäßig über Briefe und Telefonate.


Kalu erfährt bei seinem Lehrer neben dem Schreib- und Leselehrgang auch eine geistige Erziehung und bekommt beigebracht, dass in der Tiefe, im Verborgenen sich das Wesentliche eines Menschen  verbirgt. Auch lernt Kalu die Bezeichnung Guru als die Zerstreuung der Dunkelheit.


Fasziniert fand ich, dass der Rassismus überall und in jedem Land lauert. Die farbigen Inder wurden von den weißen Inder diskriminiert.

Die weißen Inder mieden die Sonne, um bloß nicht von der Sonne gebräunt zu werden. Viele dunkle Inder gebrauchen sogar Mittelchen, in der Hoffnung,  damit die dunkle Haut ein wenig heller zu bekommen. Niht zu glauben, mit welchen Problemen sich doch ein Mensch herumschlagen muss, nur um in der Gesellschaft respektiert und geachtet zu werden. Oder andersherum, was für Probleme eine Gesellschaft Menschen verschaffen kann, die äußerlich anders aussehen, wobei doch alle  Menschen sich voneinander unterscheiden... .

Somit beende ich meine hiesige Buchbesprechung. Wer sich für die Kultur anderer Länder interessiert, in diesem Fall ist es Indien, so finde ich, dass es der Autorin recht gut gelungen ist, das Indienbild, das auch recht facettenreich ist, authentisch darzustellen.


Mir selbst ist aber bewusst, dass es zu dem Land Indien nur kleine Ausschnitte sind, die im Buch aufgezeichnet wurden.

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„Die rechte Vernunft liegt im Herzen“ (Theodor Fontane)

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Samstag, 8. September 2012

Manisha Jolie Amin / Der Klang der Sehnsucht


Erschienen: 12.03.2012
insel taschenbuch 4121, 309 Seiten
ISBN: 978-3-458-35821-3
14,99 €

Klappentext

Die Straßen von Hastinapur sind Kalus Zuhause. Der Junge arbeitet hart für ein paar Rupien und einen einfachen Schlafplatz auf dem Boden eines Tabakladens. Dennoch ist er glücklich: Wenn er Zeit mit seinen Freunden verbringt oder er sich in die schattigen Äste des großen Banyanbaumes am Fluß zurückzieht, um den Sonnenuntergang zu beobachten – und um Flöte zu spielen. Seine Melodien verzaubern die Welt und lassen ihn alles vergessen …
Als sich Kalu eines Tages die Chance seines Lebens bietet, muß er Hastinapur verlassen – und damit auch seine geliebte Freundin Malti. Er verspricht, zu ihr zurückzukommen. Doch kann es eine gemeinsame Zukunft geben?

Der Klang der Sehnsucht ist ein ergreifender Roman über die Macht der Musik und die alles überdauernde Kraft der Freundschaft.

Autorenportrait im Klappentext

Manisha Jolie Amin, als Tochter indischer Eltern in Kenia geboren, emigrierte 1974 mit ihrer Familie nach Australien. Sie promovierte an der University of Technology in Sydney (UTS), ihren M. A. erlangte sie im Fach Kreatives Schreiben.

Das Buch habe ich in einer Buchhandlung Darmstadts entdeckt, und der Klappentext hat mich sofort angesprochen, aber nicht nur der Klappentext, nein auch das Cover fand ich seeehr ansprechend.



Freitag, 7. September 2012

Friedrich Schiller / Kabale und Liebe (1)




 Eine Buchbesprechung der o. g. Lektüre


Ich habe das Drama nun zu Ende gelesen und ich kam nur recht langsam voran, obwohl Schiller über einen wunderschönen Schreibstil verfügt und das Thema auch nicht ganz so neu ist.
Alles dreht sich mal wieder um die verbotene Liebe zweier jungen Leute, ähnlich wie bei Shakespeare in Romeo und Julia. Die Väter beider Seiten versuchen, Liebe dieser jungen Menschen zu verhindern.

Die Musikertochter Luise Miller, sechzehn Jahre alt, gibt sich gemeinsam mit dem Sohn eines Barons, namens Ferdinand von Walter, als ein junges Liebespaar.

Wie diese junge Liebe verhindert wird, deutet ja schon der Titel Kabale des Dramas schon an. Und zwar mit Hilfe von Intrigen, denn. Kabale ist eine alte Bezeichnung zu Intrige.

Am Ende der Tragödie fragte ich mich, ob Schiller nicht von Shakespeare abgeguckt hat, denn Luise  wurde von Ferdinand vergiftet...
Ferdinand bekundet seinem Vater, dass er auf sein Erbe verzichtet, als er versuchte, ihn damit zu erpressen. Diese Beziehung mit einer Bürgerstochter stellt der Vater gleich mit einem Verbrechen.  

"Feierlich entsage ich hier meinem Erbe, das mich nur an meinen abscheulichen Vater erinnert."
"Hör nur, junger Mensch, bring mich nicht auf. - Wenn es nach deinem Kopfe ginge, kröchest dein Leben lang im Staube."
"O, immer noch besser, Vater, als kröche ich um dem Thron herum."
 Ferdinand steht demnach seinem Erbe und seinem gesellschaftlichen Status gleichgültig gegenüber und zeigt, dass er aus Liebe zu seiner Luise bereit ist, auf all das zu verzichten. Ferdinand zeigt sich als einen Menschen, der nach Idealen strebt und nicht nach gesellschaftlichem Komfort.


Mein Ideal von Glück zieht sich genügsamer in mich selbst zurück. In meinem Herzen liegen alle meine Wünsche begraben.-

 Ich finde, dass er sich recht mutig zeigt, sich gegen das Oberhaupt zu lehnen.

"Ich bitte Sie, Vater! Lassen Sie mich nicht länger in einer Vermutung, wo es mir unerträglich wird, mich ihren Sohn zu nennen. "

 Der Vater macht sich nichts aus den Drohungen seines Sohnes, und beschließt, Ferdinand mit einer feinen Damen der höheren Gesellschaft zu vermählen. Ferdinand bezeichnet seinen Vater als einen bösen Kuppler.

Es ist Lady Millford, die mir auch recht interessant erscheint, setzt sich mit der gesellschaftlichen Stellung der Frau auseinander:


Wir Frauenzimmer können nur zwischen Herrschen und Dienen wählen - aber die höchste Wonne der Gewalt ist doch nur ein elender Behelf, wenn uns die größere Wonne versagt wird, Sklavinnen eines Mannes zu sein, den wir lieben.

 Auch sie träumt eigentlich von der wahren Liebe, die wertvoller sei als jeder äußerer Glanz:

Gibt mir den Mann, den ich jetzt denke - den ich anbete - sterben, Sophie, oder besitzen muss. (...) Lass mich aus seinem Mund vernehmen, dass Tränen der Liebe schöner glänzen in unseren Augen, als die Brillanten in unserm Haar und ich werfe dem Fürsten sein Herz und sein Fürstentum vor die Füße,  fliehe mit diesem Mann, fliehe in die entlegenste Wüste der Welt.

Später stellt sie Ferdinand auf die Probe, anschließend sogar auch Luise.

Luises Vater zeigt sich äußerst betrübt, als er von der Liebschaft seiner Tochter, sein einziges Kind, erfährt und erpresst sie mit seiner Trauer, Luise an Ferdinand zu verlieren und auch hier wird die Liebe des jungen Paares stark auf die Probe gestellt. Doch im Gegensatz zum Ferdinand zeigt sie sich keinesfalls kämpferisch, sondern begibt sich schuldbeladen auf die Seite ihres Vaters:

Nun - was erschreckt mich denn?-Der alte Mann dort hat mir oft gesagt - ich habe es ihm nie glauben wollen. (Pause, dann wirft sie sich ihrem Vater laut weinend in den Armen.) Vater, hier ist deine Tochter wieder -Verzeihung, Vater- ein Kind kann ja nichts dafür, dass dieser Traum so schön war, und -- so fürchterlich jetzt das Erwachen--.

 Luise, die nicht den Mut hat, sich gegen ihren Vater zu entscheiden, wirft Ferdinand vor, dass er  der Liebe gar nicht fähig sei, weil er an seinem Stand gebunden sei:
 
Nein mein Geliebter! Wenn nur ein Frevel dich mir erhalten kann, so habe ich noch Stärke, dich zu verlieren. (…) Doch! Man verliert ja nur, was man besessen hat, und dein Herz gehört deinem Stande-.

 Später wird Luise gezwungen, einen Brief an Ferdinand zu schreiben, in dem die Beziehung gelöst wird. Luise gerät erneut in die Situation, sich zwischen mehreren Stühlen zu befinden. Auch ihr Vater erbettelt stark ihren Mitleid, und spricht ihr tief ins Gewissen:
Wenn du Gott liebst, wirst du nie bis zum Frevel lieben -- Du hast mich gebeugt, meine Einzige! Tief, tief, vielleicht zur Grube gebeugt. -Dort! Ich will dir dein Herz nicht noch schwerer machen-Tochter! (…) Ich glaubte allein zu sein. Du hast mich belauscht, und warum sollt ich´s noch länger geheim halten? Du warst mein Abgott. Höre, Luise, wenn Du noch Platz für das Gefühl eines Vaters hast -du warst mein Alles. Jetzt vertust du nicht mehr von deinem Eigentum. Auch ich hab alles zu verlieren. Du siehst, mein Haar fängt an grau zu werden. Die Zeit meldet sich allgemach bei mir, wo uns Vätern die Kapitale zustatten kommen, die wir im Herzen unserer Kinder anlegten - wirst du mich darum betrügen, Luise? Wirst Du dich mit dem Hab und Gut deines Vaters auf und davon machen?

 Mit solchen Worten hätte ich auch ein Problem, mich von dem Vater zu lösen. Luise hat es demnach nicht leicht, zwischen Vater und Geliebten stehend, sich zu entscheiden, während Ferdinand bis zum Schluss um sie kämpft. Auch er gilt als das einzige Kind, der einzige Sohn und der einzige Thronfolger seines Vaters... .

Wie das Drama ausgehen wird, und welche Intrigen innerhalb verschiedener Figuren gesponnen werden um diese Beziehung zu torpedieren, so verweise ich darauf, das Drama selbst zu lesen und beende hiermit meine Aufzeichnung.



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„Die rechte Vernunft liegt im Herzen“ (Theodor Fontane)

Gelesene Bücher 2012: 63
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Montag, 3. September 2012

Friedrich Schiller / Kabale und Liebe


Verlag: Reclam, Ditzingen
2005, 2,60 €
Seitenzahl: 128
Reclam Universal-Bibliothek Nr.33
 ISBN-13: 9783150000335
Klappentext

Das 1784 erschienene und uraufgeführte Drama 'Kabale und Liebe' (ursprünglich unter dem Titel 'Luise Millerin' geplant) von Friedrich Schiller beschließt, in Anlehnung an Gotthold Ephraim Lessings 'Emilia Galotti', die Entwicklung des bürgerlichen Trauerspiels im 18. Jahrhundert - eine literarische Form, die mit der klassizistischen Auffassung und Tragödie bricht und Probleme des häuslich-privaten Bereichs und den Konflikt der Stände zum Gegenstand der tragischen Handlung macht. In sehr direkter Weise wird in Schillers 'Kabale und Liebe' mit seinem auf Spannung angelegten klaren Aufbau Kritik an den politischen Zuständen in der Fürstentümern geübt: Willkür, Mätressenwirtschaft, Verkauf von Landeskindern. Das bürgerliche Trauerspiel kontrastiert die verrottete Moral des Hofes mit der Tugend des Bürgertums. Im Mittelpunkt des Sturm-und-Drang-Stücks steht die tragische Liebesbeziehung zwischen Angehörigen verschiedener Stände: zwischen dem Adligen Ferdinand und der Musikertochter Luise Miller. 'Kabale und Liebe' eroberte rasch die Bühne und gehört zu den großen Klassikern des deutschen Dramas.


Autorenportrait im Klappentext

Friedrich von Schiller wurde 1759 in Marbach geboren. Auf Befehl des Herzogs Karl Eugen musste der junge Schiller 1773 in die 'Militär-Pflanzschule' eintreten, wo er ab 1775 Medizin studierte; später wurde er Regimentsmedicus in Stuttgart, das er 1782 nach Arrest und Schreibverbot wegen seines Stückes 'Die Räuber' jedoch fluchtartig verließ. 1789 wurde er zum Professor der Geschichte und Philosophie in Jena ernannt, 1799 ließ er sich endgültig in Weimar nieder. Schiller starb am 9.5.1805 in Weimar.


In der Schule war Schiller bei mir nicht sonderlich beliebt, später, in den höheren Klassen dann doch und war von einem Stück so sehr angetan, ich mich allerdings nicht mehr erinnern kann, wie das Stück hieß. Es beschrieb Schillers Leben in einem Internat... und habe ihn im späteren erwachsenen Alter für mich nochmals neu entdeckt, über die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller.

Habe auch Weimar bereist, wo beide Dichter auch beheimatet waren, aber bevor ich jetzt korrigiert werde, mir ist durchaus bekannt, dass Goethes Geburtsstadt Frankfurt Main und nicht Weimar ist :mrgreen: .

Man kann im Laufe des Lebens mehrere Heimatländer / Heimatstädte sich bilden, was Goethe auch gelungen ist.

Wie beschränkt die deutsche Sprache manchmal doch ist, da Heimat nur im Singular gebildet werden kann. Ha, aber ich verfüge über eine große Portion von sprachlicher Kreativität und lasse mich doch in meinem Wortschatz nicht so einfach einschränken.

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„Die rechte Vernunft liegt im Herzen“ (Theodor Fontane)

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