Samstag, 16. April 2016

Michael Cunningham / Die Schneekönigin (1)

Roman
Erscheinungstermin: 23. Februar 2015

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Anfangs bin ich nicht so gut in die Thematik reingekommen. Später war ich ein wenig gespalten, weil ich noch immer nicht wusste, was mir der Autor mit seinem Titel Die Schneekönigin sagen möchte ...

Auch mit den Romanfiguren konnte ich erst nicht richtig warm werden. Es hat ein wenig gebraucht, bis ich dahinterkommen konnte, woran es gelegen hat. Später durchlebte ich aber eine kleine Wende. In den letzten 150 Seiten entwickelte sich der Roman für mich dermaßen ergreifend, sodass ich von einer inneren Unruhe ergriffen wurde, und ich, am Ende der Geschichte angelangt, jede Menge Kaugummi-Leichen entsorgen musste :-).

Dass der Buchtitel Die Schneekönigin nichts mit dem Märchen von Andersen zu tun hat, damit habe ich sehr wohl gerechnet. Ich wollte ja kein Märchen lesen. Ich war daher neugierig, welchen kreativen Weg der Autor mit dieser Schneekönigin wohl eingeschlagen haben mochte. Und diese neue Dame wollte ich kennenlernen.

 Sie muss eine Metapher sein, wie auch die Schneeflocken metaphorisch gemeint sind. Mir kommt alles in dem Roman tatsächlich recht kühl vor und ich tippe, dass die schwerkranke Beth, siehe unten, mit der Schneekönigin gemeint ist, die den Schnee so sehr liebt, dass sie es bis in die Wohnung hineinschneien lässt ...

Die Romanfiguren habe ich alle ein wenig exzentrisch erlebt. Beth ist krebskrank und bettlägerig. Tyler, ihr Mann, ist drogenabhängig. Von Beruf  ist er Musiker, der alles für seine kranke Frau tut, weil er sie abgöttisch liebt. Aber er schafft es nicht, ihr einen Song zu schreiben. Nicht, dass Beth dies von ihm verlangt, nein, er ist es selbst, der ihr diese Freude mit einem selbst gedichteten Lied bereiten möchte. Besonders erfolgreich ist er mit seiner Musik nicht.

Tylers jüngerer Bruder Barret schafft es nicht, einen eigenen Haushalt zu gründen und lebt bei Tyler und Beth in einer kleinen New Yorker Wohnung, weil er angeblich ein Außenseiter und vom Scheitern bedroht sein soll. Barret ist ein wenig adipös und  homosexuell. Sämtliche Beziehungen scheitern und wird schlecht damit fertig. Außerdem hegt Barret jede Menge Vorurteile gegen Menschen bestimmter Nationen, ohne diese Menschen tatsächlich zu kennen.

Liz ist Beths beste Freundin und mit Andree zusammen. Sie ist Ende fünfzig und Andree sechsundzwanzig Jahre alt. ... 
Da ich nicht zu viel verraten möchte, beschränke ich mich auf diese wenigen Personenbeschreibungen der ProtagonistInnen.

Nun möchte ich gerne beispielhaft eine Szene festhalten, die deutlich macht, womit ich meine Schwierigkeiten hatte:

Beth wird von ihrer Krebserkrankung wider Erwarten geheilt. Ihr Arzt spricht von einem Wunder. Selten gebraucht dieser Arzt, Naturwissenschaftler der Humanmedizin, diesen Ausdruck. Beth macht sich Gedanken über ihr zurückerworbenes Leben und glaubt, dem Universum nun etwas schuldig zu sein ...

Ein paar wenige Seiten später fängt eine neue Episode an. Fünf Monate später; man nimmt an einer Schifffahrt teil, an der Tyler, Barret und Liz beteiligt sind. Sie haben eine Dose in der Hand, die sie zu öffnen versuchen. Ich wusste ziemlich schnell, was das für eine Dose ist und was sich darin befindet. Es ist eine Urne und Beths Asche soll in die See verstreut werden.

Und damit hatte ich meine Schwierigkeit. Erst ist Beth geheilt und fünf Monate später ist Beth auf einmal tot, und zwar so tot, dass ihr Ableben sich schon in dieser Dose befindet. Mir war das zu abrupt, nicht wirklich authentisch, wobei die fünf Monate nicht in einem Inhalt verpackt wurden, sondern nur in ein paar Worten als eine Auskunft. Nach meinem Geschmack hat der Autor diesbezüglich zu oberflächlich gearbeitet. Mir hat der Prozess von dem einen Zustand in dem anderen gefehlt.

Ich habe als LeserIn nicht genügend Zeit bekommen, mich auf diese veränderten Szenen wirklich einzulassen, um mich an diese wichtigen Veränderungen gewöhnen zu können.

So richtig gut hat mir das Buch dann schließlich nach Beths Tod gefallen. Man hat viele zusätzliche Dinge über die ProtagonistInnen erfahren können und ich hegte den Verdacht, dass Beth erst sterben musste, um an  gewisse Informationen ranzukommen.

Mein Fazit?
Es hat sich gelohnt, das Buch nicht vorzeitig abgebrochen zu haben. Schließlich fing es an, mir doch noch zu gefallen. Veränderte Lebenssituationen spielten sich bei allen ProtagonistInnen ab, die ich durchaus als lesenswert empfunden habe. Und speziell, was die außergewöhnliche sexuelle Beziehung zwischen Liz und Tylor betrifft.

Auch wenn ich im obigen Buch die Kurve wiedergekriegt habe, hat mir Cunninghams Buch Die Stunden deutlich besser gefallen. Dieses Buch hatte ich damals regelrecht verschlungen.

Aber ich könnte mir vorstellen, Die Schneekönigin in ein paar Jahren ein weiteres Mal zu lesen.

Das Buch erhält von mir acht von zehn Punkten.


Weitere Informationen zu dem Buch:

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
 Verlag: Luchterhand Literaturverlag
 Sprache: Deutsch
 ISBN-10: 3630874584
 ISBN-13: 978-3630874586

Ich möchte mich ein weiteres Mal recht herzlich beim Bloggerportal, Bücherverlag Luchterhand, für dieses Buch bedanken.
____________
Ich hätte zwei Leben gebraucht,
doch ich habe nur eines gehabt.
(Spruch auf einem Grabstein)
(Bernardo Atxaga)

Gelesene Bücher 2016: 17
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Dienstag, 12. April 2016

Michael Cunningham / Die Schneekönigin

Roman
Erscheinungstermin: 23. Februar 2015

Klappentext

In Hans Christian Andersens Märchen »Die Schneekönigin« zerbricht ein Zauberspiegel in tausend Scherben. Trifft ein Splitter einen Menschen im Auge, so sieht er fortan alles um sich herum nur noch hässlich und böse. Wird ein Mensch dagegen im Herzen getroffen, wird es so kalt wie Eis … Michael Cunningham spielt auf brillante Weise, voller Poesie und mit einem guten Schuss Ironie versehen, mit Motiven aus Andersens Märchen. Und während er vor dem Hintergrund eines winterlichen New York eine Welt voll Eis, Schnee und Kälte heraufbeschwört, ist sein Roman in Wahrheit eine Hymne auf den Glauben an die Liebe und das Leben.
Der New Yorker Stadtteil Bushwick liegt jenseits von Brooklyn. In dieser Gegend sind die Mieten noch einigermaßen bezahlbar, die Häuser alt und die Leute nicht ganz so schick. Hier teilen sich die Brüder Tyler und Barrett eine Wohnung mit Tylers großer Liebe Beth, die unheilbar an Krebs erkrankt ist und um die sie sich beide aufopferungsvoll kümmern. Sie sind in den sogenannten besten Jahren und können es noch nicht ganz glauben, dass sich ihre Träume niemals erfüllen werden: Tyler, ein genialer Musiker, steht immer noch ohne Band und ohne Erfolg da. Aber er wird, das nimmt er sich vor und dafür sucht er sich heimlich Inspiration beim Kokain, das ultimative Liebeslied für Beth komponieren, ja, er wird es ihr bei der geplanten Hochzeit vorsingen ... Barrett, fast Literaturwissenschaftler, fast Startup-Unternehmer, fast Lord Byron, verkauft Secondhand-Designerklamotten in Beths Laden und trauert seinem letzten Lover nach, der ihn gerade schnöde per SMS abserviert hat. Als Beth sich wider alle Erwartungen zu erholen scheint, glaubt Tyler umso mehr an die Kraft der Liebe, während der Exkatholik Barrett sich fragt, ob das merkwürdige Licht, das er eines Nachts im Central Park amwinterlichen Himmel sah, nicht doch irgendwie eine göttliche Vision gewesen sein könnte …


Autorenporträt
Michael Cunningham wurde 1952 in Cincinnati, Ohio, geboren und wuchs in Pasadena, Kalifornien, auf. Er lebt heute in New York City und Provincetown und unterrichtet Creative Writing an der Columbia University. Sein Roman "Die Stunden" wurde vielfach preisgekrönt, u. a. mit dem Pulitzerpreis und dem PEN/Faulkner-Award, und wurde in 22 Sprachen übersetzt. Die überaus erfolgreiche Verfilmung "The Hours" mit Meryl Streep, Julianne Moore und Nicole Kidman wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. "Die Schneekönigin" ist Michael Cunninghams sechster Roman.
Von dem Autor habe ich Die Stunden gelesen. Eine Biografie zu Virginia Woolf und sie hat mir sehr gut gefallen. Mal schauen, was mir dieses Buch bringen wird. Der Titel Die Eiskönigin hat mich aus persönlichen Gründen sehr angesprochen.

Dies ist mein drittes Rezensionsexemplar und ich möchte mich recht herzlich beim Bloggerportal, -Verlag Luchterhand-  dafür bedanken.

66 Seiten habe ich bisher gelesen und ich muss sagen, ich bin schwer reingekommen. Erst in dem Kapitel 2004 konnte ich mit dem Kontext und den Figuren allmählich warm werden. Die Seiten davor, ich nehme an, dass diese als Vorspann gedacht sind, die werde ich ein weiteres Mal lesen, wenn ich mit dem Buch ganz durch bin.

Ich bin wohl ein wenig verwöhnt, da die letzten beiden Rezensionsexemplare von Jens Andersen und Noam Shpancer mich total gefesselt haben.






Montag, 11. April 2016

Noam Shpancer / Der gute Psychologe (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Der Autor hat sein Thema ziemlich versiert angepackt, sowohl was die klinische Berufspraxis betrifft, als auch die Tätigkeit als Schriftsteller. Den Schreibstil habe ich dazu noch als recht flüssig erlebt. Dadurch, dass Shpancer in seinem Roman die Perspektiven wechselt, hatte ich als Leserin jede Menge Abwechslung. Tagsüber behandelt der Psychologe seine KlientInnen und abends unterrichtet der Professor seine StudentInnen dahingehend, was einen guten Psychologen ausmacht. Beides hatte mich gefesselt.

 Es war schön, dass gestern Sonntag war, sodass ich das Buch bis zum Schluss mit nur ganz wenigen Pausen in vollen Zügen genießen konnte. Ich habe ein ganzes Döschen Kaugummis verbraucht, dermaßen spannend fand ich diese Lektüre.

Ich könnte so viel über das Buch schreiben, aber ich werde mich kurzhalten, um die Spannung, die ich selbst so sehr genossen habe, anderen LeserInnen nicht vorwegzunehmen.

Während des Lesens hatte ich das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.

Der Psychologe, dessen Namen erfährt man bis zum Schluss nicht, ist Professor für klinische Psychologie. Sein Spezialgebiet sind hauptsächlich Angststörungen, da KlientInnen mit dieser psychischen Problematik leichter zu behandeln seien als z. B. Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Der Psychologe beschreibt kurz das Leben von vier seiner AngstpatientInnen, doch der Fokus ist hauptsächlich auf die Angstproblematik der Stripperin namens Tiffany gelegt, die sich beruflich und familiär in einer schweren Krise befindet und hofft, sich mithilfe ihres Psychologen aus diesen seelischen Fesseln wieder zu befreien. Derzeit ist Tiffany so stark von ihrer Angststörung gefangen, dass sie gezwungen ist, sich beruflich eine Auszeit zu nehmen. Doch ihr Chef macht ihr Druck, er könne abends unmöglich auf Tiffany verzichten und macht auch dem Psychologen Druck, mischt sich in die Behandlung ein ...

Tiffany arbeitet in einem Nachtklub, aus dem sie unbedingt aussteigen möchte, aber ihr Chef nagelt sie fest, setzt sie psychisch und moralisch weiterhin unter Druck. Tiffany sei eine wichtige Tänzerin, mit der er gute Geschäfte machen würde. Tiffany selbst verdient auch nicht schlecht, aber der Preis, den sie mit ihren körperlichen Reizen zu bezahlen hat, ist recht hoch.

Die 25-jährigeTiffany hegt neue Lebenspläne und hofft bei der Umsetzung auf die psychische Mithilfe ihres Psychologen. Sie möchte unbedingt wieder gesund werden und neue Wege gehen. Ihr Chef möchte auch, dass sie schnellstmöglich wieder gesund wird, allerdings aus geschäftlichen Gründen, damit sie bald wieder zurück auf die Bühne kommt.

Tiffanys Probleme wühlen den Psychologen teilweise emotional auf, als er nebenbei erfährt, dass seine Klientin eine Tochter hat, die bei dem Vater lebt und sie das Kind unbedingt zurückhaben möchte. Hierzu gerät der Psychologe in einen inneren Konflikt, da er an sein eigenes unbewältigtes Problem erinnert wird …

Zum Ende hin nimmt der Roman durch Tiffanys Chef ein wenig angedeutet kriminalistische Züge an, doch der Autor weitet sie nicht weiter aus und lässt diese Episode einfach offen.

  Das fand ich auch ganz gut, wobei sich mir am Schluss viele Fragen gestellt haben.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieser Lektüre dieselbe Spannung, wie ich sie erleben durfte.

Das Buch erhält von mir zehn von zehn Punkten.

Ein großes Dankeschön nochmals an den btb-Buchverlag, Bloggerportal, über dieses so tolle Rezensionsexemplar. 

Weitere Informationen zu dem Buch:

Gebundene Sonderausgabe; 384 Seiten
Verlag: btb Verlag (9. Juni 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442747910
ISBN-13: 978-3442747917
_______
Man glaubt, was man sieht.
Man sieht, was man glaubt.
(Noam Shpancer)

Gelesene Bücher 2016: 16
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86









Samstag, 9. April 2016

Noam Shpancer / Der gute Psychologe


Ich beginne nun mit meinem zweiten Rezensionsexemplar, und ich möchte mich auch hier bei dem btb-buchverlag recht herzlich bedanken.


Klappentext
Er ist Psychologe, sein Spezialgebiet die Angst. Am Tag praktiziert er, am Abend erklärt er Studenten, was eine gute Therapie ausmacht. Als er wenig begeistert eine Nachtclubtänzerin mit Auftrittsphobie als Klientin annimmt, ahnt er nicht, wie sehr deren Probleme und Geheimnisse auf sein eigenes Leben abstrahlen werden. 


Autorenporträt
Noam Shpancer wurde 1959 in einem Kibbuz in der Nähe Jerusalems geboren. Er lebt heute in den USA, arbeitet als Professor für klinische Psychologie an der Otterbein University in Ohio und praktiziert außerdem als Therapeut. Sein erster Roman „Der gute Psychologe“ war ein internationaler Erfolg.
Vom dem Autor habe ich bisher noch kein Buch gelesen und bin immer neugierige auf neue Gesichter im Autorenporträt.
Ich habe nun die ersten hundert Seiten durch und ich finde das Buch sehr spannend, sodass es mir schwer fällt, es zu unterbrechen. Da ja nun Wochenende ist, kann ich mir größere Strecken vornehmen, ohne großartig unterbrochen zu werden. Das Buch ist sehr fesselnd geschrieben.

Donnerstag, 7. April 2016

Jens Andersen / Astrid Lindgren - Ihr Leben (1)


Ich möchte mich erneut recht herzlich für dieses tolle Rezensionsexemplar beim DVA-Buchverlag bedanken.

Lesen mit Anne ...


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Ich bin von dieser Biografie von Jens Andersen sehr angetan gewesen. Sie hat mich so tief berührt, dass ich über mehrere Nächte von Schweden geträumt habe.

Einen Traum habe ich noch deutlich in Erinnerung. Es war ein Landschaftstraum, umgeben von einem wunderschönen See, an dem ich mich allein befand. Nun, was hat dieser Traum denn mit Astrid Lindgren zu tun? Auf dem zweiten Blick wurde er mir schließlich verständlich. Mich hat das Thema Einsamkeit sehr beschäftigt, denn die Einsamkeit ist ein Thema, das in dieser Biografie recht häufig behandelt wird, und ich dem so gut nachfühlen konnte. Ich bin schon als Kind immer sehr gerne alleine gewesen. Und wie oft macht man die Erfahrung, dass man sich gerade unter Menschen recht einsam fühlen kann. Viele Menschen haben mit dem Alleinsein ein Problem, es macht ihnen Angst, sodass die Einsamkeit in einer Industrienation doch recht negativ besetzt ist. Doch nicht bei Astrid Lindgren. Selbst aus ihrem eigenen Erleben heraus und in ihren Kinderbüchern ist die Einsamkeit ein großes Thema, denn die jungen ProtagonistInnen sind fast alles einsame Wesen, die daraus aber Potenziale schlagen und keineswegs daran verzweifeln ...

Vieles war mir in dem Buch nicht neu, da ich schon andere Bücher von Astrid Lindgren und über sie gelesen habe. Aber die vorliegende Biografie ist aus meinem Leseerlebnis heraus, wie ein anderer Mensch Astrid Lindgren beschreibt, eine der authentischsten überhaupt. Die Texte waren gut durchstrukturiert und die vielen Fotos, darunter auch jede Menge Familienporträts, hat Andersen miteinfließen lassen. Dieser ganze Mix zwischen Text und Bildmaterial hat das Buch so richtig aufleben lassen.

Einige Gedanken, mit denen sich Astrid Lindgren beschäftigt hatte, fand ich auch in meinen eigenen Gedanken wieder, wie z. B. die kritische Nutztierhaltung in Form von Tierfabriken; doch auch die politische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus Hitlers über Tagebucheintragungen fand ich höchst interessant; und die fatale Steuerpolitik Schwedens hat mich beschäftigt. A.L. hatte von ihrem Einkommen als Schriftstellerin 102% Steuern an den Staat entrichten müssen. Literarisch versiert sagt sie den Kampf gegen diese absurde Steuerpolitik an ... Und das Allerwichtigste waren noch jede Menge reformpädagogische Gedanken und Aktivitäten. Astrid Lindgren setzte sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit für die Rechte der Kinder ein … Sie hatte sich auch mit den Büchern von Ellen Key vertraut gemacht, eine schwedische Reformpädagogin, die von 1849 bis 1926 gelebt hat, die Astrid Lindgren als großes Vorbild diente. Key schrieb Über das Recht des Kindes, seine Eltern selbst auszusuchen. Natürlich ist das symbolisch gemeint. Doch diese Thematik findet sich auch in einem der Kinderbücher von Astrid Lindgren wieder, wie z.B. in Rasmus und der Landstreicher. Und was ich zusätzlich ganz interessant fand, Key schrieb auch über die Seelenmorde in den Schulen. Seelenmorde, ein harter Begriff, doch er drückt genau das aus, was manche Kinder auch heute noch an Schulen durchmachen müssen, wenn sie nicht den Vorstellungen jener Bildungseinrichtung entsprechen …

Ein paar Sätze zu ihrer Herkunft möchte ich noch schreiben. Astrid Lindgren wuchs in  Näs, bei Vimmerby, auf. Sie wurde 1907 als zweites von vier Kindern vom Pfarrhofpächter Samuel August Ericsson und seiner Ehefrau Hanna Ericsson geboren. Die Eltern lebten streng religiös, was für die damalige Zeit normal war. Astrid Lindgren verlebte hier eine recht glückliche Kindheit. Sie beschreibt ihre Kindheit als die glücklichste Zeit ihres Lebens. Sie war ein sehr verspieltes Kind, und das blieb sie noch bis ins hohe Alter. Mit siebzig Jahren kletterte sie z.B. noch auf Bäumen. Sie starb 2002 mit 95 Jahren in Stockholm. Drei Jahre vor ihrem Tod erlitt sie einen Schlaganfall und wurde zu einem Pflegefall. Ihre Tochter Karin Nyman kümmerte sich bis zum Tod um ihre Mutter.

Als Erwachsene hatte Astrid Lindgren kein so einfaches Leben mehr. Sie gebär im Dezember 1926 als neunzehnjähriges Mädchen ihr erstes Kind, ein uneheliches Kind, das sie vor der schwedischen Gesellschaft zu verbergen versuchte. Sie brachte das Kind, Lasse, die ersten Jahre schweren Herzens heimlich und anonym bei einer Pflegemutter unter. Sie liebte ihr Kind über alles, und nach jedem Besuch fiel ihr die Trennung sehr schwer ... Dessen ungeachtet, dass ihre Eltern streng religiös lebten, lernten sie schließlich ihren unehelichen Enkel doch noch zu akzeptieren, sodass A. L. Lasse zu den Eltern bringen konnte, nachdem die Pflegemutter ernsthaft erkrankte. Die Großeltern lernten Lasse zu lieben wie ihr eigenes Kind ... Das ist doch eine immense Entwicklung vonseiten der Eltern/Großeltern, die mir imponiert hat.

Über Verhütungsmittel war Astrid Lindgren nicht richtig aufgeklärt. Obwohl der Kindsvater deutlich älter war als sie, da er sich schon in den reiferen Jahren befand, kümmerte er sich auch nicht um die Verhütung. Astrid Lindgren warf ihm Verantwortungslosigkeit vor  …

Nicht nur das Paar-Beziehungsleben von Astrid Lindgren zu  zwei wichtigen Männern wird hier sehr eindrucksvoll beschrieben, sondern auch die freundschaftlichen und beruflichen Kontakte greift Andersen auf. Es existieren dazu jede Menge Briefe zu FreundInnen und zu ihren Fans jeden Alters. Dadurch wird deutlich, wie Astrid Lindgren in ihrem Leben in der Beziehung zu anderen Menschen, bedeutsamen und weniger bedeutsamen, gewirkt hat. Sie blieb in der Öffentlichkeit immer menschlich und immer souverän.

Beruflich war Astrid Lindgren auf vielen Gebieten erfolgreich. In den ersten Jahren arbeitete sie als Sekretärin und als Stenotypistin und arbeite sich hoch als Lektorin in einem Verlag, doch hauptsächlich war sie als Schriftstellerin tätig. In dem Verlag lektorierte sie ihre eigenen Manuskripte ...

In den jungen Jahren hatte sich Astrid Lindgren vehement gesträubt, Schriftstellerin zu werden, obwohl ihre LehrerInnen zu ihrer Schulzeit dazu geraten haben.


Mein Fazit?

Das Buch ist sehr, sehr spannend geschrieben, man möchte gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Viele Punkte habe ich hier nicht erwähnt. Es gibt noch Vieles zu entdecken.

Es werden in der Biografie zusätzlich jede Menge Werkproträts zu den Kinder- und Jugendbüchern Astrid Lindgrens vorgestellt und kurz behandelt. Im Anhang hat uns der Biograf Andersen eine Liste erstellt, auf der alle ihre  Kinderbücher abgebildet sind. Es gab ein paar Bücher, die mir zuvor unbekannt waren. Nun bin ich so neugierig geworden, dass ich mir die Trilogie zu Kati in Amerika, Italien und Paris bestellt habe. Ich habe aber noch vor, mir Rasmus und der Landstreicher auch noch zuzulegen. Rasmus macht sich als Waisenkind auf die Suche nach neuen Eltern, die er sich selbst aussuchen möchte …

Die Biografie von Andersen, die ich als sehr lebendig und als recht empathisch erlebt habe, werde ich zu gegebener Zeit ein weiteres Mal lesen.

Das Buch erhält von mir zehn von zehn Punkten.


Nachtrag zum Telefongespräch mit Anne, 8.4.2016

Anne hat das Buch auch schon durch, und es hat ihr auch sehr gut gefallen. Dies war zu Astrid Lindgren ihre erste Biografie, und für sie war alles neu. Wir haben heute Abend telefoniert und über viele Szenen gesprochen, die wir nicht schriftlich festgehalten haben, wie z.B. der sensible Umgang mit ihren Kindern Lasse und Karin. Man wünscht jedem Kind eine Mutter wie Astrid Lindgren. Auch wenn sich heute in der Erziehungsmethode so manches verändert hat, gibt es noch immer sehr viele Kinder, die von ihren Eltern in jeder Form wie z.B. psychisch, sexuell oder körperlich missbraucht werden. 



Das Buch ist in München in der Deutschen Verlags-Anstalt erschienen und ist unter
der ISBN-Nummer  978-3-421-04703-8 erhältlich. 
___________
Will man glücklich sein, muss es aus einem selbst kommen
 und nicht von einem anderen Menschen.
(Astrid Lindgren)


Gelesene Bücher 2016: 15
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Sonntag, 3. April 2016

Jens Andersen / Astrid Lindgren - Ihr Leben

Lesen mit Anne ...

Die vorliegende Biografie zu Astrid Lindgren von Jens Andersen ist ein Rezensionsexemplar vom DVA-Buchverlag, und ich möchte mich ganz herzlich für diese sooo tolle Buchsendung bedanken.

Und wieder ist es so weit, Anne und ich lesen gemeinsam ein Buch. Nach einem etwas holprigen Neubeginn zum 1. April mit dem Buch von Fallada habe ich mich schlussendlich doch für die Lektüre von Jens Andersen entschieden, da er rechtzeitig zum 1. April bei mir zu Hause eingetroffen ist. Anne möchte immer gerne ein paar Tage vorher wissen, welches Buch wir gemeinsam lesen werden. Dieses Mal war ich mit dem Aussuchen unserer Lektüre dran und so entschied ich mich erst für Fallada und als das Buch von Andersen bei mir pünktlich zum 1. April eingetroffen ist, gab es einen leichten Umbruch in der Wahl unserer gemeinsamen Lektüre. Ich bin ein großer Astrid-Lindgren-Fan und so habe ich mich sehr über das Buch gefreut, als es bei mir eingetroffen ist und auch, dass Anne sich meinem so abrupten geänderten Buchwunsch flexibel anzupassen wusste, obwohl sie sich schon mit Falladas Kurzgeschichten eingelesen hatte.

Die Qual der Wahl, da ja Hans Fallada auch zu unseren Favoriten zählt. Und so lesen wir nun Falladas Kurzgeschichten eben parallel.


Klappentext
Vor siebzig Jahren begann Astrid Lindgrens außerordentliche Karriere als Schriftstellerin. Auf Pippi Langstrumpf folgten Bücher, die die Kinderliteratur revolutionierten – und ihre Autorin schon zu Lebzeiten zu einer Legende werden ließen. 2002 verstarb Lindgren 94-jährig; man kannte sie als engagierte Frau, die für Frieden, Gerechtigkeit und die Rechte von Kindern eintrat. Jens Andersen erzählt in seiner preisgekrönten Biografie „ihr Werk und Leben erschreckend neu“ (SZ). Über Jahre hinweg studierte er unveröffentlichte Quellen, und so kommt eine Autorin zu Wort, die nicht nur weltweit Erfolge feiern durfte, sondern Einsamkeit und Trauer kannte und ein Leben lang von Schuldgefühlen geplagt war, weil sie ihren unehelichen Sohn bei Pflegeeltern hatte unterbringen müssen. Zugleich aber erzählt Jens Andersen eine Geschichte von Moderne und Modernisierung – Astrid Lindgren, die das 20. Jahrhundert miterlebt und mitgeprägt hat, wird zu einer bewundernswerten Ikone des Jahrhunderts der Gleichberechtigung.
"Ich lebe einfach und glaube, man muss jeden Tag so leben, als wäre es der einzige." Astrid Lindgren


Autorenporträt
Jens Andersen, geboren 1955, hat sein Studium der Nordistik an der Universität von Kopenhagen mit einer Promotion abgeschlossen, arbeitete viele Jahre als Literaturkritiker für große dänische Zeitungen und lebt nun als Schriftsteller in Kopenhagen. Seit 1990 veröffentlicht er Biografien skandinavischer Persönlichkeiten, u.a. 2012 über Königin Margrethe II.; 2005 erschien auf Deutsch sein viel beachtetes Buch "Hans Christian Andersen", für das er mehrfach ausgezeichnet wurde. Jens Andersen erhielt u.a. den Georg-Brandes-Preis, den Søren-Gyldendal-Preis und den Preis des dänischen Schriftstellerverbands. "Astrid Lindgren. Ihr Leben" wurde in Dänemark 2015 zum "Sachbuch des Jahres" gekürt und erhielt den renommierten Politikens Litteraturpris; das Buch wurde in Dänemark und Schweden zum Bestseller.

Da ich Hardys Buch zuerst beenden wollte, bevor ich mit einem neuen Buch beginne, kam ich erst gestern Abend dazu, mir die vorliegende Biografie vorzunehmen. Ich war schon von den ersten Zeilen sehr angetan und möchte diese unbedingt  hier festhalten:
Was der Sinn des Lebens nicht ist, das weiß ich. Geld und anderes Zeug zsammenzukratzen, ein Promileben zu führen, auf den entsprechenden Seiten der Frauenzeitschrift zu posieren und solch eine Angst vor Einsamkeit und Stille zu haben, dass man nie in Ruhe und Frieden über die Frage nachdenken kann: Was mache ich mit meiner kurzen Zeit auf Erden?
Auch die folgenden Seiten berührten mich innerlich sehr. Jens Andersen hat so tief in die Seele von Astrid Lindgren geblickt, dass es ihm gelungen ist, sie absolut lebendig und authentisch wiederzugeben. Ich freue mich auf das weitere Lesen. Auch Anne ist sehr angetan.

Da ich mit Büchern von Astrid Lindgren aufgewachsen bin, habe ich mir einige Kinderbücher von ihr nachgekauft.


Und hier geht es zur gemeinsamen Bücherliste von Anne und Mira



Samstag, 2. April 2016

Thomas Hardy / Tess (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Mir hat das Buch von Thomas Hardy wiedermal sehr gut gefallen. Ich habe es als sehr gesellschaftskritisch erlebt. Auch hier behandelt er die Stellung einer Frau aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und den gesellschaftlichen Konventionen. Hardy hat sich, wie aus dem Anhang zu entnehmen ist, auch mit diesem Roman bei einigen seiner Leserschaft  unbeliebt gemacht. Es deprimierte ihn so sehr, dass er mit dem Schreiben von Romanen aufhören und in die Poesie flüchten wollte.

Das Buch Tess of the d´Urbervilles wurde im Dezember 1891 in England veröffentlicht. Der Roman spaltete seine LeserInnen in zwei Fronten. Die einen ehrten das Buch, andere lehnten es vehement ab. Besonders Literaturkritiker zerrissen sein Werk.

Hardy behandelt hier für seine Zeit brisante Frauenthemen wie z. B. die Sexualität vor der Ehe, die voreheliche Schwangerschaft und die soziale Stellung einer Frau, die nicht den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht. Aber sind das wirklich nur Frauenthemen? Hinten im Klappentext steht, dass der Roman zu den wichtigsten Frauenromanen der Weltliteratur gehören würde. Ich glaube, das sind aber Themen, die sehr wohl auch Männer betreffen ... Nur ist es in dieser Geschichte die Frau, die mit diesen Themen benachteiligt und allein gelassen wird. Sie trägt besonders bei sexuellen Fehltritten die alleinigen Konsequenzen …

Zum Leidwesen seiner LeserInnen behandelt Hardy auch Tabuthemen wie Tod und Leid, da diese ebenso zum Leben gehören würden. Der Autor wollte die nackte Realität aufzeigen und nichts beschönigen.

Aus dem Nachwort von Dorothee Birke:

Große Literatur, so schreibt Hardy, könne nur entstehen, wenn es möglich sei, sich über die engen Moralvorstellungen der Hauptleserschaft dieser Institutionen hinwegzusetzen und gerade das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ohne Prüderie und ohne den Blick durch eine rosarote Brille darzustellen.

Mir sind folgende Szenen hängen geblieben, die mich tief berührt haben. Tess, unsere Heldin dieses Romans, lebte ein völlig anderes Leben und um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, war sie sich für keine Arbeit zu schade. Sie arbeitete hart, sie wollte niemandem zur Last fallen, weder ihren Eltern, und später auch nicht ihrem Gemahl, der sich von ihr abgewendet hatte, als sie ihm ein Geständnis abgelegt hatte.

Bevor Tess Mister Clare kennengelernt hat und nach langem Hin und Her ihn schließlich auch geheiratet hat, lag sie in einer vorehelichen Beziehung mit Alec d´Urberville und wird von ihm schwanger. Man erfährt allerdings nicht wirklich, wie die Schwangerschaft zustande gekommen ist und man wusste nicht sofort, dass sie ein Baby erwartet. Auf einmal war der Nachwuchs da. Erst wusste ich nicht, von wem dieses Kind ist und war doch überrascht zu erfahren, dass Alec der Vater ist, wo Tess doch von diesem Mann nicht wirklich etwas wissen wollte und auf seine penetranten Annäherungsversuche total ablehnend reagiert hat. Er wirkte tatsächlich nicht wirklich sympathisch und nutzte Tess´ soziale Lage aus. Deshalb die Frage, ob Tess von Alec vergewaltigt wurde? Diese Antwort bleibt der Autor uns LeserInnen bis zur letzten Seite schuldig.

Das Kind wurde schließlich unehelich geboren. Als Tess sich ganz von Alec abgewendet hatte, brachte sie das Kind ohne sein Wissen zur Welt. Kein Pfarrer war bereit, das uneheliche Kind zu taufen. Als das Kind lebensbedrohlich erkrankte, nahm Tess schließlich die Taufe selbst in die Hand, damit es nach seinem irdischen Ableben in das Himmelreich Gottes gelangen konnte. Tess war keine Katholikin, sie ist protestantischer Herkunft und auch die protestantischen Pfarrer waren sehr auf kirchliche und gesellschaftliche Normen bedacht und ließen Tess mit ihren Sorgen allein. Tess eignete sich schließlich selbst lateinische Bibeltexte an, taufte das Kind noch schnell vor dem Tod und nach dem Tod hatte sie das Kind auch selbst bestattet.

Dies waren Szenen, die mich doch auch beschäftigt haben.

Obwohl Tess aus armen Verhältnissen stammt, hatte sie Glück und sie genoss eine gewisse Schulbildung. Tess träumte davon, Lehrerin zu werden, sie besaß dafür auch die entsprechende Begabung, doch sie geriet, auch durch den schlechten Einfluss ihrer Eltern, in völlig andere Gefilde. Tess sollte in den adligen Stand d´Urbervilles eingeheiratet werden, um ihren Namen aufzuwerten und um gleichzeitig die Eltern damit aus der Armut zu holen … Doch die elterlichen Pläne wollten nicht aufgehen und so geriet die Tochter immer mehr auf Abwege. Deshalb nahm Tess auch jede Arbeit an, um den Eltern ein wenig unter die Arme zu greifen … Sie litt unter großen Schuldgefühlen.

Tess wirkte auf mich in ihrer Charaktereigenschaft recht naiv. In ihrer Gutgläubigkeit verlor sie wiederholt in der Beziehung mit diesen beiden Männern ihre Menschenwürde. Sie nahm alle Schuld auf sich. Die Nöte ihrer Eltern, die voreheliche sexuelle Beziehung und das uneheliche Kind. Sie betrachtete sich selbst als sündiges Wesen, und traktierte sich
damit. Dass die anderen Bezugspersonen eine Teilschuld hatten, blieb hier im Bewusstsein der betroffenen ProtagonistInnen völlig unberührt.

Wie der Roman ausgeht, das möchte ich auf keinen Fall verraten. Man wird den Ausgang dieser tragischen Geschichte nicht erraten können, trotzdem stellte ich mir die Frage, wie realistisch die Szenen zum Ende hin waren?

Das Buch erhält von mir zehn von zehn Punkten.

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Ich hätte zwei Leben gebraucht, doch ich habe nur eines gehabt. (Spruch auf einem Grabstein)
(Bernardo Atxaga)

Gelesene Bücher 2016: 14
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86







Montag, 28. März 2016

Mirellas Leseprojekte Erich Maria Remarque

In meiner knapp vierjährigen Bloggerkarriere habe ich ein paar Leseprojekte veranstaltet, habe mir aber nie ein Label dazu angelegt. Dies noch nachträglich aufzuholen, wäre sehr zeitaufwendig, da sich mittlerweile sehr viele Bücher angehäuft haben. Deshalb habe ich überlegt, mir nun eine Liste zu erstellen, auf der alle meine Leseprojekte festgehalten sind, damit sie nicht versanden. Anfangs hatte ich noch keine Blogerfahrung, ich konnte noch nicht wissen, welche Schwerpunkte sich mir beim Lesen ergeben würden. Viele AutorInnen kannte ich zwar schon, aber viele kannte ich auch nicht. Wenn ich von gewissen AutorInnen sehr angetan war, hatte ich beschlossen, mir so viele Bücher wie nur möglich von diesen anzuschaffen und sie auch zu lesen.  Nun habe ich diese Liste doch gestückelt. Hier auf dieser Seite geht es um Erich Maria Remarque.


 Erich Maria Remarque

Gelesen habe ich, 
  1.  Arc de Triomphe
  2.  Der schwarze Obelisk
  3. Drei Kameraden
  4. Ein militanter Pazifist
  5. Im Westen nichts Neues
  6. Liebe Deinen Nächsten
  7. Zeit zu leben und Zeit zu sterben 
Ähnlich wie Hans Fallada zählt auch Erich Maria Remarque zu den sensiblen männlichen Autoren seiner  Zeit, der ebenso kriegserfahren war und unter den Folgen des entmenschlichten politischen Systems zu leiden hatte.  


Mirellas Leseprojekt

In meiner knapp vierjährigen Bloggerkarriere habe ich ein paar Leseprojekte veranstaltet, habe mir aber nie ein Label dazu angelegt. Dies noch nachträglich aufzuholen, wäre sehr zeitaufwendig, da sich mittlerweile sehr viele Bücher angehäuft haben. Deshalb habe ich überlegt, mir nun eine Liste zu erstellen, auf der alle meine Leseprojekte festgehalten sind, damit sie nicht versanden. Anfangs hatte ich noch keine Blogerfahrung, ich konnte noch nicht wissen, welche Schwerpunkte sich mir beim Lesen ergeben würden. Viele AutorInnen kannte ich zwar schon, aber viele kannte ich auch nicht. Wenn ich von gewissen AutorInnen sehr angetan war, hatte ich beschlossen, mir so viele Bücher wie nur möglich von diesen anzuschaffen und sie auch zu lesen. Nun habe ich diese Liste doch gestückelt. Hier auf dieser Seite geht es um Maarten ´t Hart.

Maarten ´t Hart

Gelesen habe ich,
  1. Das Paradies liegt hinter mir
  2. Das Wüten der ganzen Welt
  3. Die Sonnenuhr
  4. Unter dem Deich
Auch mit ihm habe ich nicht abgeschlossen und es wird weiter fortgesetzt. Maarten´t Haarts Schreibstil hat mir sehr zugesagt. 

Mit Erich Maria Remarque ging ich in das sechste Leseprojekt.





Mirellas Leseprojekte

In meiner knapp vierjährigen Bloggerkarriere habe ich ein paar Leseprojekte veranstaltet, habe mir aber nie ein Label dazu angelegt. Dies noch nachträglich aufzuholen wäre sehr zeitaufwendig, da sich mittlerweile sehr viele Bücher angehäuft haben. Deshalb habe ich überlegt, mir nun eine Liste zu erstellen, auf der alle meine Leseprojekte festgehalten sind, damit sie nicht versanden. Anfangs hatte ich noch keine Blogerfahrung, ich konnte noch nicht wissen, welche Schwerpunkte sich mir beim Lesen ergeben würden. Viele AutorInnen kannte ich zwar schon, aber viele kannte ich auch nicht. Wenn ich von gewissen AutorInnen sehr angetan war, hatte ich beschlossen, mir so viele Bücher wie nur möglich von diesen anzuschaffen und sie auch zu lesen. 

Foto: Carson McCullers, 31. Juli 1959 Fotografie von Carl van Vechten, aus der Van Vechten Collection der Library of Congress

Nachtrag

Nun habe ich diese Liste doch gestückelt. Hier auf dieser Seite geht es um Carson McCullers. 


Carson McCullers 

Gelesen habe ich von ihr:
  1. Das Herz ist ein einsamer Jäger 
  2. Die Autobiografie
  3. Die Ballade vom traurigen Café
  4. Frankie
  5. Spiegelbild im goldenen Auge
  6. Uhr ohne Zeiger
Die Autorin kannte ich zuvor nicht. Sie ist mir in anderen Büchern aufgefallen, sodass ich auf sie neugierig geworden bin.  Das Herz ist ein einsamer Jäger,  hat mir am besten gefallen aber die anderen Bände waren auch alle gut. Die Autorin wurde nicht alt, sie starb mit Anfang vierzig an einem wiederholten Schlaganfall. Den ersten Schlaganfall erlitt sie im Kleinkindalter von vier Jahren. Eine in diesem Alter sehr seltene Krankheit. Carson McCullers war eine sehr einsame Persönlichkeit, die mich innerlich ganz tief berührt hat. Durch ihr kurzes Leben konnte sie keine weiteren Bücher schreiben. Aber McCullers Bücher werden niemals aussterben. Ihre Bücher zählen für mich zu den modernen Klassikern.
Die Autorin hat noch einen Band mit Kurzgeschichten herausbringen können, der in meinem Regal steht, den ich aber erst zu einem späteren Zeitpunkt noch lesen werde, da ich mir Kurzgeschichten nicht lange behalten kann. 



Sonntag, 27. März 2016

Thomas Hardy / Tess

Klappentext
Durch Zufall erfährt die in ärmlichen Verhältnissen lebende Tess Durbeyfield, dass ihre Familie einem alten normannischen Adelsgeschlecht entstammt. Ihr Entschluss, vermeintliche Verwandte zu besuchen, hat fatale Folgen für die junge Frau: Sie trifft auf die zwei Männer, die den Gang ihres Schicksals unheilvoll lenken.
Mit Tess sorgte Thomas Hardy 1891 für Aufsehen. Der Roman zählt zu den großen Klassikern der englischen Literatur. Diese Neuausgabe in attraktiver Sonderausstattung bietet die zeitgemäße Übersetzung von Helga Schulz.


Autorenporträt
Thomas Hardy, geboren am 2. Juni 1840, war Sohn eines Baumeisters. Er ging nach der Architektenlehre nach London und begann neben seiner Arbeit als Kirchenrestaurator zu schreiben. 1871 erschien der erste seiner berühmten ›Wessex‹-Romane, die alle in seiner heimatlichen Umgebung angesiedelt sind. Hardy hinterließ ein umfangreiches Werk, darunter 14 Romane und fast 1000 Gedichte. Er starb am 11. Januar 1928.
Thomas Hardy ist mir nicht unbekannt. Habe von ihm zwei Werke gelesen, die mir so gut gefallen haben, dass ich mir noch weitere angeschafft habe. Leider sind nicht alle Bücher von ihm ins Deutsche übersetzt, sodass einige hier auf dem deutschen Buchmarkt nicht zu erwerben sind, was für mich unverständlich ist. Der Autor schreibt richtig gut. Er schreibt einfühlsam und nah an realen Ereignissen und Menschenschicksalen des 19. Jahrhunderts angelehnt. Er zählt zu meinen Favoriten.

Ich habe die ersten hundert Seiten durch und mir gefällt das Buch bis jetzt recht gut. Thomas Hardy bleibt seinem Schreibstil treu. Er hat mich bisher noch nicht enttäuscht.

Das neueste Hardy-Buch, das ins Deutsche übersetzt wurde, kam im Mai 2015 raus. Schon das erste Zitat, auf der Webseite von dtv. entnommen, zieht mich an:
»Es ist nicht einfach für eine Frau, ihre Gefühle in einer Sprache auszudrücken, die vor allem von Männern für Männer gemacht ist.«
 Und hier der Linkt zu dem Buch:



Das Schöne an Hardy ist, er schafft es immer sehr gut, die sozialen und gesellschaftlichen Nöte einer Frau aufzugreifen. Er macht deutlich, wie schwer es eine Frau in einer männerdominierten Welt doch hat. Auch im hiesigen Band geht es darum.

Ich liebe Thomas Hardy. Seine Schreibkunst gefällt mir und vor allem auch seine Sensibilität, mit der er es schafft, sich in das andere Geschlecht hineinzuversetzen und gibt das authentisch wieder. Das schafft nicht einmal ein Haruki Murakami mit seinen vielen Liebesgeschichten. Thomas Hardy schreibt immer sehr gesellschaftskritisch im viktorianischen England, in dem es sehr kalt und herzlos zugeht.




Samstag, 26. März 2016

Bernardo Atxaga / Der Sohn des Akkordeonspielers (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Der Schreibstil des Autors hat mir gut gefallen. Sehr wortgewandt und fantasievoll erwies er sich mir. Die Geschichte zu Spanien fand ich recht interessant. Ich hatte bisher noch kein Buch dazu gelesen.

Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:
Als Joseba nach über zwanzig Jahren seinen Jugendfreund David in Kalifornien wiedersieht, müssen die beiden sich erst an ihre gemeinsame Vergangenheit herantasten - zu viele offene Fragen stehen zwischen ihnen, zu viel Verheimlichtes, Unausgesprochenes. Als ehemalige Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation haben sie zwar Abstand gewonnen zu ihren Verstrickungen von damals, doch lasten quälende Schuldgefühle auf ihnen - Schuldgefühle angesichts eines Verrats, von dem sie beide wissen, daß er notwendig war. Wie war es dazu gekommen, daß sie, die jugendlichen Freunde und späteren Studenten, in den Bannkreis der militanten baskischen Idee gerieten? Sie müssen ins Reine kommen mit ihrer Vergangenheit, die sie auseinandergetrieben hat und die erst im Angesicht von Davids nahem Tod ihre Macht über sie verliert. Es ist eine beklemmende, zunehmend dramatische Geschichte, und Atxaga erzählt sie ebenso eindringlich wie differenziert. Denn hinter dem Gewissenskonflikt, den David und Joseba durchmachen müssen, liegt die ganz andere Geschichte ihrer unwiderruflichen Entfernung aus dem, was ein ländliches Paradies sein könnte. Wie konnte es geschehen, daß aus den musisch begabten, zweifelnden Jugendlichen, die sie waren, militante Aktivisten der ETA wurden? Daß der eine dafür seine erste große Liebe verriet; daß der andere in ein zwielichtiges Verhältnis zu all seinen ehemaligen Freunden geriet? Welchen menschlichen Preis mußten sie zahlen? Und wer, vor allem, hat damals im Jahr 1976 das Kommando verraten, dem sie beide angehörten?
Ich fand das schon sehr interessant, wie die beiden jungen Protagonisten David und Joseba sich der Euskadi Ta Askatasun (ETA)-Untergrundorganisation angeschlossen hatten, um gegen die Spanier für die Unabhängigkeit, für den Erhalt der baskischen Muttersprache und der Territorien zu kämpfen. Die Basken wurden von den Spaniern als minderwertiges Volk gefeiert. Begonnen hatte der Kampf in der Francodiktatur.

Ich hätte gerne mehr über Franco erfahren, der Hitler nachzueifern versuchte und gegen die Basken kämpfte, oftmals auch mit heftigen Repressionen und Foltermethoden, wenn baskische Verdächtigte aufgespürt wurden. Doch leider waren die Informationen hierzu recht spärlich.

Der Bürgerkrieg Spaniens begann Ende der 1960er Jahre und dauerte bis Ende der 1970er Jahre an. David setzte sich sehr genau mit der Geschichte Spaniens auseinander und ergründet die politischen Spuren seines Vaters. David fühlt sich stark zum Baskenland hingezogen, auch gegen den Willen seiner Eltern und er schafft es immer wieder, mit guten Argumenten sich auf dem Baskenland zu betätigen. Er schwärmt für das Land, das auf ihn durch die schöne Natur wie ein Paradies wirkt. Auch spricht er fließend baskisch.

 Es entstehen zwischen Vater und Sohn große Interessenskonflikte, da der Vater politisch auf der anderen Seite zu stehen scheint und der Verdacht entsteht, er könnte zu den Unterdrückern zählen. Genau weiß David das nicht, aber seine Recherchen sollen Aufschluss dazu geben. David wird damit nicht fertig, dass sein Vater in der Francodiktatur Menschen getötet haben könnte, und so entsteht ein immer distanzierteres Verhältnis zu ihm. Je älter David wird, umso rebellischer entwickelt er sich, bis er schließlich in der Untergrundorganisation abtaucht.

Die Beziehung zwischen David und seinem Vater fand ich insgesamt auch psychologisch recht interessant. Der Vater stellt hohe Erwartungen an seinen Sohn, die David nicht erfüllen möchte. Widerwillig lernt er Akkordeon spielen, mit dem Ziel, dass er später in die Fußstapfen seines Vaters treten sollte. Verständnis findet David oft bei seiner Mutter ...

Mehr möchte ich nicht verraten und gebe dem Buch neun von zehn Punkten.

______________
Ich hätte zwei Leben gebraucht, doch ich habe nur eines gehabt. (Spruch auf einem Grabstein)
(Bernardo Atxaga)

Gelesene Bücher 2016: 13
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86










Sonntag, 20. März 2016

Bernardo Atxaga / Der Sohn des Akkordeonspielers

Klappentext
Als Joseba nach über zwanzig Jahren seinen Jugendfreund David in Kalifornien wiedersieht, müssen die beiden sich erst an ihre gemeinsame Vergangenheit herantasten - zu viele offene Fragen stehen zwischen ihnen, zuviel Verheimlichtes, Unausgesprochenes. Als ehemalige Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation haben sie zwar Abstand gewonnen zu ihren Verstrickungen von damals, doch lasten quälende Schuldgefühle auf ihnen - Schuldgefühle angesichts eines Verrats, von dem sie beide wissen, daß er notwendig war. Wie war es dazu gekommen, daß sie, die jugendlichen Freunde und späteren Studenten, in den Bannkreis der militanten baskischen Idee gerieten? Sie müssen ins reine kommen mit ihrer Vergangenheit, die sie auseinandergetrieben hat und die erst im Angesicht von Davids nahem Tod ihre Macht über sie verliert. Es ist eine beklemmende, zunehmend dramatische Geschichte, und Atxaga erzählt sie ebenso eindringlich wie differenziert. Denn hinter dem Gewissenskonflikt, den David und Joseba durchmachen müssen, liegt die ganz andere Geschichte ihrer unwiderruflichen Entfernung aus dem, was ein ländliches Paradies sein könnte. Wie konnte es geschehen, daß aus den musisch begabten, zweifelnden Jugendlichen, die sie waren, militante Aktivisten der ETA wurden? Daß der eine dafür seine erste große Liebe verriet; daß der andere in ein zwielichtiges Verhältnis zu all seinen ehemaligen Freunden geriet? Welchen menschlichen Preis mußten sie zahlen? Und wer, vor allem, hat damals im Jahr 1976 das Kommando verraten, dem sie beide angehörten?

 Autorenporträt
Bernardo Atxaga, 1951 in Asteasu, Gipuskoa, geboren, ist seit seinem Roman Obabakoak der bekannteste und bedeutenste baskische Autor. Für seinen Roman der Sohn des Akkordeonspielers erhielt er den renommierten spanischen Kritikerpreis.
Der Autor ist mir unbekannt. Habe ein paar Seiten gelesen und schon auf den ersten Seiten sprudelte das Buch nur so vor mich hin. Sehr schöne Gedanken, die teilweise sogar personifiziert wurden. Ich hätte gleich mit dem Schreiben loslegen können. Hielt mich aber dann doch zurück. Hebe es mir für später auf.




Samstag, 19. März 2016

Neu im Regal ...


Sa. 16.04.2016

Und oben eine Biografie zu Charlie Chaplin. Habe ich recht preisgünstig beim Bücher-Oxfam erworben. Bin so ziemlich neugierig auf dieses Buch. Die Filme an sich haben mich nicht sonderlich interessiert. Mein Vater war eher ein großer Charlie Chaplin-Fan. Als Kind fand ich Stummfilme eher langweilig. Ich bin nur seinem Leben interessiert.





Fr. 15.04.2016

Welch ein Festtag; ich habe zwei neue Rezensionsexemplare zugeschickt bekommen. Dieses Mal vom Rowohlverlag, über die ich mich sehr gefreut habe.












Fr. 12.04.2016

Heute zog ein neuer John Irving bei mir ein.
Den werde ich mit Anne lesen.

Fr. 08.04.2016

Und wieder habe ich ein paar neue schicke Exemplare erworben, siehe rechtes Foto.. Teilweise neu und teilweise gebraucht. Von links nach rechts oben das Buch von Harry Rowohlt Poohs Corner und das Buch von Andrew Seen Greer Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli. Vor allem die beiden Cover haben mich sehr angesprochen. Das mittlere Buch ist eine Trilogie von Kati in Amerika, Kati in Italien, Kati in Paris von Astrid Lindgren. Bin durch die Biografie von Jens Andersen auf diese Jugendbücher gestoßen. Man muss sie bestellen, da die Buchläden nur die Gängigen Lindgren-Bücher in den Regalen stehen haben. Das untere Buch ist ein Buch von Michael Köhlhammer Das Mädchen mit dem Fingerhut. Ein Fehlgriff, ja das gibt es auch. Ich dachte, dass meine Bücherfreundin Anne das Buch auch hat, aber das hat sich als falsch herausgestellt, Nun gut, Vielleicht macht mir das Buch doch Freude. 







Joachim Meyerhoff / Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Der vorliegende Band von Meyerhoff hat mir sehr gut gefallen. Von allen drei Bänden fand ich den letzten am spannendsten. Manche Szenen fand ich ein wenig zu detailliert, weshalb ich einen Punkt abgezogen habe.

Ich verfolgte mit großem Interesse Joachims Ausbildung auf der Schauspielschule. Das ist, als würde man hinter die Kulissen der werdenden SchauspielerInnen schauen. So eine Ausbildung, sie ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Ein dickes Fell braucht man dafür schon, wie man aus dem Kontext entnehmen kann ...

In Alle Toten fliegen hoch, dritter Band, habe ich damit gerechnet, dass auch in diesem Band Familienmitglieder sterben. Und ich behielt recht. Da ich aber nicht zu viel verraten möchte, so halte ich mich hierzu bedeckt.

Auch das Leben der Großeltern fand ich interessant, obwohl sie doch auf ihre Weise ein recht spießiges Leben führen. Ihnen ist der Luxus in ihrem Haus fast lieber, als Menschen, von denen sie besucht werden. Gepolsterte Sitzgarnituren werden z. B. mit maßgefertigten Plastikhüllen abgedeckt, wenn sich Kinder in ihrer Villa aufhalten. Die Großeltern sind so eigen, so speziell, dass ich doch recht oft über ihr Verhalten vor mich hin schmunzeln musste. Zum Beispiel mussten die Ruhezeiten über den Tag verteilt strikt eingehalten werden. Niemand durfte sich zu diesen Zeiten bewegen, auch der junge Enkel nicht.

Joachims Schauspielschule befindet sich in München, sodass er von Norddeutschland in den Süden ziehen musste. Da er in München aber keine bezahlbare Wohnung finden konnte, durfte er sich in der Villa seiner Großeltern einquartieren. Er bekam das rosa Zimmer. Das rosa Zimmer muss man sich so vorstellen, dass die Gardinen, die Bettwäsche, Tücher... alles in rosa geschmückt wurde. In dem Zimmer durfte der Enkel nichts verrücken, nicht im Geringsten etwas verändern. Er durfte in dem Zimmer nichts Persönliches gestalten. In dem rosa Zimmer fühlte sich Joachim wie in einem Hotelzimmer ...

In dem Villenviertel sind auch die Nachbarn recht speziell. Auch sie waren schon sehr alt, und auch ihnen galt die Stille als das höchste Gut. Sie haben sich stumme Hunde angeschafft, die nicht laut kläffen konnten. Extra gezüchtet. Ich habe keine Ahnung, ob es tatsächlich solche gezüchteten Hunde gibt, ich gebe nur wieder, was ich gelesen habe.
Schon oft hatte ich mir ausgemalt, wie ein Einbrecher über diesen Zaun klettern und von den stummen Hunden angefallen werden würde. Mucksmäuschenstill würden sie sich auf ihn stürzen und ihn mit spitzen Zähnen innerhalb von Sekunden, ohne dass er auch nur hätte schreien können, bis auf die Knochen abnagen und diese dann im Garten vergraben. 
Joachims Ausbildung auf der Schauspielschule verläuft unverändert kompliziert. Die meisten LehrerInnen sind mit ihm sehr unzufrieden. Joachim ist psychisch gesehen dermaßen blockiert, und er schafft es nicht, sich von den Blockaden zu befreien. Mehrfache harte Kritik musste Meyerhoff sich von den DozentInnen gefallen lassen.

Meyerhoff ist, wie wir LeserInnen auch, ein leidenschaftlicher Buchliebhaber. Er brachte es sogar fertig, sich in ein Buch zu verlieben. Das imponierte mir. Er besuchte die größte Buchhandlung Münchens und machte die Bekanntschaft mit den Büchern von Carson McCullers. Ich habe mich darüber sehr gefreut, denn Carson McCullers zählt zu meinen Lieblingen. Durch mein McCullers-Leseprojekt habe ich alle ihre Romane gelesen. Meyerhoff hat sich mit dem Roman Uhr ohne Zeiger eingedeckt ... Ein Abenteuer erlebt Meyerhoff mit einem für ihn recht teuren Bildband. Er traut sich und klaut sich das Buch. Jede BuchliebhaberIn kommt früher oder später in solch eine Versuchung, der sie schwer oder gar nicht widerstehen kann.

Dazu ein Zitat:
Bis heute ist mir meine Entscheidung, den Fotoband nicht zu kaufen, sondern zu klauen, rätselhaft geblieben. Natürlich waren achtundvierzig Mark eine Menge Geld für mich, und doch wäre es ein Leichtes gewesen, zu meinen Großeltern zu sagen: >>Ich habe einen so tollen Fotoband gesehen und hab im Moment nicht genügend Geld. Könnte ich mir das vielleicht von euch leihen?<< Meine Großeltern hätten sich angelächelt und gefragt: >>Wie teuer ist er denn?<< Der von mir genannte Preis hätte sie nicht im Mindesten überrascht oder gar erschreckt. Wer Pinienkerne für acht Mark das Döschen
kauft, um damit Rotkehlchen zu füttern, dem können achtundvierzig Mark für einen Fotoband kaum mehr als ein liebevolles Nicken entlocken. Aber ich konnte sie nicht fragen, ich wollte es nicht. Ich wollte daran glauben, dass ich keine andere Wahl hatte, als das Buch zu stehlen. Ich wollte etwas Irrationales tun.  
Dazu, lieber Joachim, fällt mir folgendes Zitat ein:
Ein Buch, das nicht wert genug ist, gestohlen zu werden, ist  auch kein gutes Buch.
Irgendjemand von den Verlagen hat dies mal verlauten lassen, habe aber vergessen, von welchem Verlag dieses Zitat stammt.

Ich möchte damit aber niemanden zum Stehlen animieren. 
Und dann gab es noch einen weiteren und letztlich alles entscheidenden Grund für meine Absicht, den Fotoband nicht käuflich zu erwerben. Ich musste der Bedeutung, die die Bilder für mich in den letzten Tagen bekommen hatten, etwas entgegensetzen, das ein wenig Größe hatte, ein Wagnis war, und mich durch den Diebstahl wenigstens ansatzweise als ein den Fotografien Ebenbürtiger erweisen. Ich wollte nicht mit geliehenem, großbürgerlichen Großelterngeld bezahlen! Ich wollte auf eigenen Füßen stehen und stehlen gehen. Hunderte von abenteuerlichen Bildern auf abenteuerliche Weise in meinen Besitz bringen. 
Und wie dieses Abenteuer ausgeht, verrate ich nicht. Aber es ist spannend.

Ich mache hier nun Schluss. Zu den Großeltern habe ich ja nun wirklich wenig geschrieben. Die Episoden mit den alten Leuten waren manchmal sehr humoristisch dargestellt. Ja, es macht Spaß, diese zu lesen, auch wenn manche Szenen auch Ärger bereiten konnten, weil die Großeltern eben auch sehr zwanghafte Züge in ihrem Auftreten aufwiesen. Und diese vielen Zeremonien, ganz besonders wie der Konsum von Alkohol zelebriert wurde, denen sich Joachim angeschlossen hat, waren auch recht lustig.

Manchmal waren mir einige Szenen viel zu detailliert, weshalb das Buch von mir nur neun von zehn Punkten erhält.

Mein Fazit?

Die Bände eins bis drei bauen nicht aufeinander auf. Man kann sie voneinander unabhängig lesen. Ich habe ganz brav die Reihenfolge beachtet und war schließlich enttäuscht, dass die Bände nicht voneinander abhängig waren … Eine Chronologie gibt es auch nicht. Die Einteilung in drei Teilen ist eigentlich überflüssig. Der Autor hat sicher ein großes Interesse daran, dass die LeserInnen alle Bände kaufen, so wie ich es getan habe. Mit dieser Erfahrung würde ich mir einen vierten Band nicht mehr zulegen wollen. Bin nun mehr als gesättigt.

Adieu, Joachim Meyerhoff!
__________
Wer sich im Vertrauten verirrt
oder in der Fremde verloren geht,
braucht nur eine fürsprechende Seele,
um sich gerettet zu fühlen.
(Petra Oelker)


Gelesene Bücher 2016: 12
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Montag, 14. März 2016

Joachim Meyerhoff / Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Alle Toten fliegen hoch

Teil 3

Klappentext
Die Kindheit auf dem Gelände einer riesigen Psychiatrie und das Austauschjahr in Amerika liegen hinter ihm, die Schulzeit hat er überstanden, als vor dem Antritt des Zivildienstes das Unerwartete geschieht: Joachim wird auf der Schauspielschule in München angenommen und zieht zu seinen Großeltern in die großbürgerliche Villa in Nymphenburg. Er wird zum Wanderer zwischen den Welten. Seine Großmutter war selbst Schauspielerin und ist eine schillernde Diva, sein Großvater ist emeritierter Philosophieprofessor, eine strenge und ehrwürdige Erscheinung. Ihre Tage sind durch abenteuerliche Rituale strukturiert, bei denen Alkohol eine wesentliche Rolle spielt. Tagsüber wird Joachim an der Schauspielschule systematisch in seine Einzelteile zerlegt, abends ertränkt er seine Verwirrung auf dem opulenten Sofa in Rotwein und anderen Getränken. Aus dem Kontrast zwischen großelterlichem Irrsinn und ausbildungsbedingtem Ich-Zerfall entstehen die den Erzähler völlig überfordernden Ereignisse – und gleichzeitig entgeht ihm nicht, dass auch die Großeltern gegen eine große Leere ankämpfen, während er auf der Bühne sein Innerstes nach außen kehren soll und dabei oft grandios versagt. Joachim Meyerhoff hat seine Kunst, Komik und Tragik miteinander zu verbinden, noch verfeinert. Sein Held nimmt sich und seine Umwelt immer genauer wahr und erkennt überall Risse, Sprünge, Lücken.



Autorenporträt
Joachim Meyerhoff, geboren 1967 in Homburg/Saar, aufgewachsen in Schleswig, ist seit 2005 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. In seinem sechsteiligen Zyklus Alle Toten fliegen hoch trat er als Erzähler auf die Bühne und wurde zum Theatertreffen 2009 eingeladen. 2007 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt. Für seinen Debütroman wurde er mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis 2011 und dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. Weitere Titel bei Kiepenheuer & Witsch: Alle Toten fliegen hoch. Amerika, Roman, 2011, KiWi 1277, 2013, Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war, Roman, 2013, KiWi 1383, 2015.
Dieses Buch, so wie die beiden letzten Bände, lese ich zusammen mit einer Lesepartnerin, einer Klientin von mir, die sich den Autor ausgesucht hat, damals BD 1, wir haben die weiteren beiden Bände noch drangehängt.

Die ersten 150 Seiten habe ich schon durch und bin morgen gespannt, was meine Lesepartnerin zu dem Buch sagen wird. Unsere Eindrücke waren bisher immer recht ähnlich. Ich hatte mit BD 2 meine Probleme, als der Hund eingeschläfert wurde, das Einschläfern lief aus unserer Sicht doch eher auf einen Mord aus, weil die Hundebesitzer so unfähig waren, den Hund zu begleiten... Ich habe das Buch dann schließlich an dieser Stelle zugeklappt, und die letzten fünfzig Seiten ignoriert. Man geht so nicht mit Tieren um, selbst in der krankesten Stunde nicht, das war sehr würdelos. Der Hund war ein Familienmitglied ... Das wühlt mich immer noch sehr auf  und der Autor hat aus diesem Grunde bei mir Sympathiepunkte einbüßen müssen. ...

Das vorliegende Buch finde ich interessant, was die Ausbildung an dieser Schauspielschule betrifft. Joachim schafft es nicht mal, Szenen zu improvisieren, die Probezeit schafft er grad so und danach tun sich die Lehrer sehr schwer mit ihm, sodass ich mir die Frage stelle, weshalb er sich so quält? Übrigens, auch er stellt sich diese Frage. Ich finde nicht, dass seine Begabung dafür ausreicht. Seine Großmutter hatte in ihren Werkjahren an dieser Schauspielschule unterrichtet. Sicher haben die Pädagoginnen und Pädagogen darauf Rücksicht genommen und ihn bevorzugt aufgenommen. Aber sie haben ihren Kampf mit ihm als Schauspielschüler.

In jedem Band sterben Familienmitglieder, weshalb die Bände nicht umsonst mit  Alle Toten fliegen hoch unterbetitelt sind.
Nun bin ich vorbereitet, rechne damit, dass jemand von den Großeltern sterben wird.

So, diese waren meine ersten Eindrücke. Weitere folgen nach Beendigung dieses Buches ...