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Donnerstag, 11. Oktober 2012

Aldous Huxley / Schöne Neue Welt (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Mir hat das Buch partout nicht gefalten. Das sage ich gleich zu Beginn dieser Buchbesprechung.

Es drückt meine  Stimmung so runter, deshalb habe ich das Buch nicht bis zum Schluss durchhalten können.

Eine Gesellschaft, die von einem totalitärem Staat gelenkt und genetisch manipuliert wird. Der Staat nennt sich BUND und die Menschen stammen hauptsächlich aus ausgebrüteten, entkorkten Flaschen, hinein geboren in eine genormte Welt.
Die Embryoproduktion entsteht durch ein Bokanowskyverfahren: Ein bokanowsskyei bringt Knospen und Sprossen hervor, für jede Sprosse und Knospe entsteht ein Embryo, während ein natürliches Ei nur ein Embryo hervorbringt.

Das "Bokanowskyverfahren", schloss der BUND, besteht im wesentlichen aus einer Reihe von Unterbrechung des Entwicklungsverlaufs. Wir hemmen das normale Wachstum, und, so paradox es klingt, das Ei reagiert darauf mit Knospung.."

Die Geschichte beginnt mit einer Führung, mit einem Rundgang durch das gesamte Forschungsgebiet. Es sind StudentInnen, denen das gesamte Institut, die Arbeits- und Forschungsmethoden nahegebracht werden soll. Und Einweisung, wie die Gesellschaft mit jenen Menschen funktioniert.
Zu diesem Zeitpunkt wurden aus dem ursprünglichen Ei bereits acht bis sechsundneunzig Embryos-gewiss ein gewaltiger Fortschritt gegenüber der Natur! Völlig identische Geschwister, aber nicht lumpige Zwillinge oder Drillinge wie in den alten Zeiten des Lebendgebärens, als sich ein Ei manchmal zufällig teilte, sondern Dutzendlinge, viele Dutzendlinge auf einmal.
Das "Bokanowskyverfahren" ist eine der Hauptstütze für eine stabile Gesellschaft. Menschen einer einzigen Prägung, in einheitlichen Gruppen. Ein einziges Ei lieferte die Belegschaft für eine kleine Fabrik.Sechsundneunzig völlig identische Geschwister bedienen sechsundneunzig völlig identische Maschinen!" (…)" Da weiß man doch wirklich, woran man ist! Zum ersten Mal in der Weltgeschichte!" (...) Gemeinschaftlichkeit, Einheitlichkeit, Unbeständigkeit. Wenn sich das Verfahren unbegrenzt fortführen ließe, wäre das ganze Problem gelöst.Gelöst durch gleiche Gamma, identische Delta, einheitliche Epsilons. Millionenlinge. Massenproduktion, endlich auch in der Biologie.
Es herrscht hier auch ein Kastensystem. In der niederen Kaste wurden Menschen produziert mit einer geringen Intelligenz, die für monotone Arbeiten an Fabrikmaschinen eingesetzt werden. Menschen, die gerne diese Arbeiten verrichten und glücklich dabei sind.
Ein Student hob den Finger: Er sehe ja ein, dass es nicht gehe, Angehörige der niederen Kasten ihre der Allgemeinheit gehörende Zeit mit Büchern vergeuden zu lassen, ganz abgesehen von der Gefahr, dass sie etwas lesen könnten, das unerwünschter Weise einen ihrer an genormten Reflexe beeinflussen könnte (…).
Dieser Student wunderte sich ein wenig, weshalb die Menschen der niederen Kaste auch kein Interesse zur Natur habe. Sie besitzen keinerlei Naturempfinden. Ihr Empfinden reichte aus nur für Maschinen...  und künstlich hergestellte Werkzeuge.
Die Liebe zur Natur halte keine Fabrik in Gang. Man hat daher beschlossen, die Liebe zur Natur abzuschaffen, wenigstens bei den niederen Kasten, nicht aber den Hang, die Verkehrsmittel zu benutzen. Denn es war natürlich unerlässlich, dass sie auch weiterhin ins Grüne fuhren, selbst wenn es ihnen zum Hals herauswuchs. Das Problem lag darin, einen triftigeren wirtschaftlichen Grund für die Benutzung der Verkehrsmittel zu finden als bloßes Wohlgefallen an Priemeln und Landschaft. 
Oft wird die natürliche Welt mit der künstlichen Welt gegenübergestellt, während die natürlich Welt eher als primitiv und die künstliche Welt als hochentwickelt bezeichnet wird.

" Die Menschen pflegten damals (…) Sie pflegten die Kinder auszutragen

Was früher als natürliche Geburt galt, finden die Geburten in der hochentwickelten Welt über Entkorkungen der Flaschen statt.  Die Babys wurden nicht mehr geboren, sondern entkorkt. Das muss man sich mal vorstellen. Auch die Kindererziehung wurde als primitiv bewertet, da sie in den Händen der Eltern lag, während sie in der künstlichen Welt in den Händen des Systems liegt. Die Kindererziehung wird ersetzt durch eine Normzentrale.

Das ganze spielt sich in Berlin ab. Der Übersetzer hat den Ort zu Deutschland angepasst... .

Familienleben, trautes Heim, leibliche Mutter kannten die aus entkorkten Flaschen geborenen Menschen alles nicht.

Eine säugende Mutter galt ebenfalls als primitiv. Unästhetisch und unrein.
Das Traute Heim war ein Drecknest, und Körper wie Seele waren gleichermaßen davon betroffen. Ein seelischer Kaninchenstall, ein Misthaufen, dampfend von der Reibung zusammengepferchten Lebens, stinkend von Gefühlen. Diese ersticke Nähe, diese gefährlichen, ungesunden, obszönen Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern. Die Mutter, diese Wahnwitzige, säugt ihre Kinder, ihre eigenen Kinder, wie eine Katze ihre Jungen, aber wie eine Katze, die sprechen kann, die ohne Unterlass "mein Kleines, mein Süßes" sagen kann.
So ungefähr denken wir heute von den Naturmenschen in ihren Wäldern.

Einen allmächtigen Gott gibt es auch nicht mehr, Religionen wurden abgeschafft, allmächtiger Ford ist die neue Bezeichnung. Der allmächtige Ford ersetzt Familien und Religionen. Familien erfahren eine starke Abwertung, angelehnt an Freuds Theorien:
Ford der Herr - oder Freud der Herr, wie er sich in seinem unerforschlichen Ratschluss nannte, wenn er von psychologischen Dingen sprach-, Freud der Herr hatte als erster die entsetzlichen Gefahren des Familienlebens enthüllt. Die Welt war voller Väter - also voll von Elend; voller Mütter-also voll von jeder Art von Perversion, vom Sadismus bis zur Keuschheit; voller Brüder, Schwestern, Onkel und Tanten-voll von Wahnsinn und Selbstmord.
Abwertend standen diese neuen Menschen auch der damaligen Kultur gegenüber. Belustigten sich über das Christentum, über das Abendland, über die Römer und seine Gladiatoren, über die Ägypter und deren als  merkwürdig empfundene Pyramiden und vieles andere mehr.

Es gibt eine Figur namens Sigmund, die sich gegen das System auflehnt. Scheinbar ist bei diesem die Vernormung ein wenig misslungen. Dieser Mensch sehnt sich nach dieser primitiven Welt... und versucht sich bei seiner Bekannten Lenina auszusprechen. Lenina dagegen versteht ihn nicht und empfiehlt ihm stattdessen das Mittel Soma einzunehmen, das seinen Geist manipuliert und ihn ruhiger stimmt..Alle diese hochentwickelten Menschen besitzen dieses Mittelchen. Das System selbst versucht nun Sigmund auf eine Insel zu versetzen... .

So, ich mache hier Schluss, obwohl ich nicht alle Zettelchen in dem Buch ausgewertet habe. Wie oben schon gesagt, geht mir die Thematik recht nahe. Natürlich verstehe ich das Buch als einen Appell, nicht zu sehr in die Natur einzugreifen und ich halte auch den Autor als recht weitblickend. Er war aus meiner Sicht stark seiner Zeit voraus. Befinden wir uns gerade nicht in den Anfängen der Stammzellenforschung?

Von daher sind solche Bücher sehr wichtig aber mich muss man nicht erst überzeugen, ich bin schon vor dem  Lesen dieses Buches überzeugt gewesen, dass man nicht zu sehr in die Natur eingreifen solle.

Und wer liest diese Art von Büchern? Wahrscheinlich hauptsächlich die, die wie auch ich schon längst gegen diese Art von Gesellschaft überzeugt sind.

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„Die rechte Vernunft liegt im Herzen“ (Theodor Fontane)

Gelesene Bücher 2012: 72
Gelesene Bücher 2011: 86




Montag, 8. Oktober 2012

Aldous Huxley / Schöne Neue Welt


Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
Sonderausgabe 2012. Gebunden, 11,00 €
Miniausgabe, Seitenzahl: 352
ISBN 978-3-596-51228-7


Klappentext
Aldous Huxleys Schöne neue Welt ist einer der berühmtesten Zukunftsromane des 20. Jahrhunderts. Im Unterschied zu George Orwells 1984 besteht das Totalitäre bei Huxley nicht in der brutalen Unterdrückung eines Überwachungsstaates, sondern im genormten Wohlfühlglück einer hoch entwickelten Gesellschaft, in der alle Menschen am Luxus teilhaben, in der Unruhe, Elend und Krankheit überwunden, in der aber auch individuelle Freiheit, Kunst und Solidarität auf der Strecke geblieben sind. "Damals", schrieb Huxley selbst über seinen Roman, "verlegte ich diese Utopie sechshundert Jahre in die Zukunft. Heute scheint es durchaus möglich, daß uns dieser Schrecken binnen eines einzigen Jahrhunderts auf den Hals kommt."
Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon.


Autorenportrait im Klappentext
Aldous Huxley wurde 1894 in Godalming / Surrey geboren. Er wurde in Eton erzogen und studierte in Oxford. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Journalist und Kunstkritiker. Unter dem Einfluß der buddhistischen Lehre und der politischen Ereignisse in Europa entwickelte er sich in den dreißiger Jahren vom amüsiert beobachtenden Satiriker zum leidenschaftlichen Reformator, der die Welt durch eine universale mystische Religion zu heilen versucht. Huxley starb im Jahre 1963.
Sowohl das Buch als auch der Autor sind mir unbekannt und habe es in Frankfurt in der Bahnhofsbuchhandlung entdeckt. Habe gestern Abend ein paar Seiten gelesen, das Vorwort, kann aber noch keine Eindrücke nennen. Möchte mich heute richtig reinlesen. Diese Lektüre soll mich die Woche über begleiten (Werktagslektüre).