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Donnerstag, 11. Mai 2017

Kurban Said / Ali und Nino (1)

Ein Verriss


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Leider musste ich das Buch abbrechen, da es geradezu von Klischees wimmelt. Ich habe es bis zur 200. Seite geschafft. Ich hatte noch auf einen Wandel gehofft, aber der blieb aus, weshalb ich schließlich die Leserunde auf Whatchareadin wieder verlassen habe, da ich noch genug andere Bücher zu lesen habe. Meine Lesezeit ist so knapp bemessen, dass ich keine Zeit zu verschwenden habe.

Mich nervt, dass der Protagonist Ali von seinen Landsleuten der Einzige zu sein scheint, der es anders machen will mit seiner zukünftigen Frau, die z. B. keinen Schleier tragen müsse und sie als Christin auch nicht in den Islam zu konvertieren brauche ...

Aber er bekommt jedes Mal Ratschläge von seinen Landsleuten, wie er mit seiner zukünftigen Frau umzugehen habe, denn

        Frauen sind wie Kinder, nur um vieles listiger und bösartiger.

Gegenüber dem Vater verteidigt er seine angehende Frau Nino: 
>>Vater, aber ich liebe sie doch.<< Er schüttelte den Kopf.

>>Man soll im Allgemeinen eine Frau nicht lieben. Man liebt die Heimat, den Krieg, manche Leute lieben schöne Teppiche oder seltene Waffen.<< (2016,136)
Männer, die ihre Frauen lieben würden, bezeichnete der Vater als Irre. Es sei schließlich gottgewollt, dass Frauen ihre Männer lieben, und nicht umgekehrt.

Zwischen Ali und Ninos Vater, ein Fürst, kommt folgendes Gespräch zustande.
Der Fürst war feierlich. Er sprach von der Ehe ganz anders als mein Vater. Seiner Meinung bestand in gegenseitigem Vertrauen und gegenseitiger Achtung. Mann und Frau müssen mit Rat und Tat einander beistehen. Sie müssen auch immer daran denken, dass sie beide gleichberechtigte Menschen mit freier Seele sind. (Ebd)
Und wieder ein Buch, das sämtliche Vorurteile Menschen anderer Religionen und Kulturen schürt. Und so frage ich mich erneut, wer denn hier rückständig ist, wenn die Betrachterin von diesen stereotypen und klischeehaften Bildern nicht loslassen kann?


Mein Fazit?

Ich habe schon ein paar Bücher von Ländern aus dem Islam gelesen. Und sie waren in ihrer Denkweise sehr fortschrittlich. Mit so viel Weisheit waren die Bücher bestickt, die ich hier in unserem Buch auch vermutet hatte. Aber leider wurden meine Erwartungen recht schnell enttäuscht.

Ich habe schon ein paar Seiten weitergelesen, und die rigide Haltung zur Frau nimmt immer mehr zu. Erfüllt so ganz die Erwartungen und Vorurteile vieler Menschen aus der westlichen Welt. 
Ein Buch, das stark nach den Maßstäben und Wertevorstellungen der westlichen Welt geprägt ist. Im Autorenporträt steht, dass Kurban Said ein Pseudonym ist. Dahinter würde sich der Name einer Europäerin namens Elfriede von Ehrenfels verbergen. 

Das Buch erinnert mich ein wenig an Elena Ferrante von meiner Leseerfahrung her. 

Und zum Schluss noch ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe: 
Wer sich selbst und andere kennt
Wird auch hier erkennen
Orient und Occident
Sind nicht mehr zu trennen
Sinnig zwischen beiden Welten
Sich zu wiegen lass ich gelten
Also zwischen Ost und Weste.

1 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
0  Punkte: Differenzierte Charaktere
0  Punkte: Authentizität der Geschichte
1  Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
0  Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Vier von zwölf Punkten.


Weitere Informationen zu dem Buch

Ich möchte mich recht herzlich beim Forumsbetreiber Helmut Pöll auf Whatchareadin bedanken, der mit seinem Engagement Anfragen für dieses Buch beim Ullstein - Verlag gestellt hat. Auch ein herzliches Dankeschön an den Ullstein - Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Taschenbuch
ISBN: 9783548289045
Erschienen: 18.11.2016 im Ullstein - Verlag
Preis: €10.00

Und hier geht es auf die Verlagsseite von Ullstein. 

Und hier geht es zur Leserunde.

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LIEBE FÜR ALLE
HASS FÜR KEINEN
(www.ahmadiyya.de)

Gelesene Bücher 2017: 18
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
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Montag, 26. Dezember 2016

Eugen Ruge / Follower (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Lesen mit Tina 

Eine kurze Buchbesprechung

Nach 270 Seiten musste ich passen. Ich bin mit dem Buch nicht wirklich klar gekommen. Viel zu verkopft und recht handlungsarm habe ich das Buch erlebt. Als ich bei dem Kapitel Genesis angekommen bin, ging es bei mir nicht weiter, ich konnte nicht mehr folgen. Bei den dazugehörigen Kapiteln über die Generationen habe ich dann schließlich aufgehört weiter zu lesen. Ich konnte gar nichts damit anfangen. Einige andere Themen fand ich recht ansprechend. Dem Autor ist es recht gut gelungen, über diese virtuelle Welt zu sprechen, und welches Persönlichkeitsprofil die Follower abgeben. Das Meiste sei recht unsinnig, was andere über sich preisgeben, wie z.B. den verbrannten Kuchen einer Hausfrau zu posten. Auch dies konnte ich sehr gut nachspüren, wie belanglos viele Beiträge doch sind. Dabei stellt der Protagonist Schulz sich die Frage, weshalb man gewisse Kontakte nicht wieder entfreunden tut?

Desweiteren habe ich es schon als recht gruselig erlebt, dass jede Spur, die die UserInnen im Internet hinterlassen, erfasst wird. Es gibt kein privates Profil mehr. Und alle sind gläsern. Von jedem wird eine Persönlichkeitsanalyse erstellt, in der festgehalten wird, mit welchen Themen sich die Person beschäftigt hat. Diese Persönlichkeitsanalyse gibt alles preis. Mit der ID-Nummer fängt sie an und es wird ein Aktivitätsprotokoll erstellt. Wie politisch jemand ist, mit welchen Themen sich dieser Jemand passiv und aktiv beschäftigt hat. Und nicht nur das. Es wird eine Statistik erstellt, zu wie viel Prozent die oder der User kriminell gefährdet ist. Auch über die Gesundheit und über die Anfälligkeit gewisser Erkrankungen gibt es Daten ... Wie intelligent oder nicht intelligent jemand ist wird auch darüber Auskunft erteilt...  Das fand ich alles wirklich spannend, so dass ich mich selbst bei der Frage ertappt habe, welches Ergebnis mein PP aufwerfen würde? Es lief mir wirklich eiskalt den Rücken runter. 

Den Rest? Ich muss auch dazu sagen, dass ich mit Dystopien kaum Erfahrungen habe. Aber das ist nicht die Entschuldigung. Mir ist der Autor definitiv zu verkopft. Seine ganze assoziative Gedanken- und Ideenwelt waren mir mit obiger Ausnahme dermaßen fremd, dass ich tatsächlich nicht mehr folgen wollte. Ruge ist Mathematiker und dieses Naturwissenschaftliche spiegelt sich in seinem Buch potenziert wider. 

Nun ist etwas Zeit vergangen, und habe mir das letzte Kapitel vorgenommen, das mir recht gut gefallen hat. Nio Schulz versucht hier dem Überwachungsstaat zu entrinnen. Ob es ihm gelingt, lässt der Autor allerdings offen. Diese Szene möchte ich aber mit einem letzten Zitat belegen, weil mir diese Textstelle besonders gut gefällt:

... Schulz hört den Atem des Mannes und er riecht seinen Schweiß und der Schweiß riecht nach Schweiß und sein Atem klingt  wie echter Atem und der Sand ist kühl und die Luft ist voller Staub und der Hackklotz ist schwarz und das Schwert ist schwer und das Töten ist leicht denkt Schulz aber in Wirklichkeit ist es ein Spiel und jetzt ist sein Gehirn wieder da es ist alles Simulation es ist gut simuliert der Staub ist gut simuliert der Geruch ist gut simuliert und der Sand an seinen Füßen ist kühl aber auch seine Füße sind simuliert denkt Schukz und seine Hände sind simuliert jetzt ist er nur noch Gehirn aber wo ist sein Körper wo sind seine Hände wo ist der Ausgang er hört seinen Atem falls das sein Atem er seiht seine Hände falls das seine Hände falls das seine Augen sieht seine Hände legen das Schwert in den Sand dann läuft er die Füße laufen die Augen suchen den Ausgang die Hände tasten sich an Mauern entlang er stürzt Treppen hinauf er stolpert durch Tunnel stürzt Treppen hinauf rennt stolpert stürzt Treppen rennt durch Röhren stürzt und sieht endlich das Licht am Ende des Tunnels aber davor steht der Mannmit dem perfekten Gesichtund breitet die Arme ausund Schulz weiß, was er sagen wird, er sagt mit der Stimme des Basic-Input/Output-Systems:
Idenditiy please
und Schulz holt aus,seine mühsam trainierte Muskelgruppen kontrahieren, seine in langen Jahren an der Heavy-Grip-Fingerhantel ausgebildete Faust knallt in das Gesicht, (...) vier Wochen Widerufsrecht, kracht in die Silikonfresse,dann springt Schulz über die Schranke,greift den Elektro-Roller,und bevor er weiß, wie das Ding funktioniert,gibt er Gasund rollt ins Freie. 

Das sieht fast so aus, als habe Schulz seine Freiheit außerhalb dieser digitalen Welt zurückerobert. Nein, sicher ist das nicht, denn der Überwachungsstaat macht sich nun auf die Suche nach diesem Schulz ... 


Telefongespräch mit Tina

Tina hat sich gut durchgeschlagen. Aber auch sie fand den Romaninhalt sehr verkopft und die Kapitel zu den Generationen habe sie quergelesen. Auch ihr war nicht immer alles klar aber sie konnte mehr mit dem Buch anfangen als ich. Tina hat mir Mut gemacht, wenigstens das Schlusskapitel zu lesen. Mal schauen.

Es ist nicht so, dass ich das Buch nicht weiterempfehlen kann. Das Buch kann ich sehr wohl weiter empfehlen an Leserinnen und Leser, die solche Art von verkopfter Literatur mögen. Auch sind mir Menschen eingefallen, denen ich zu diesem Buch unbedingt raten möchte, denn auch auf deren Leseerfahrung wäre ich besonders neugierig. 

Tina und ich haben uns die Frage gestellt, für wen Ruge schreibt? Schreibt er nur für eine kleine Minderheit? Das wäre abzuwarten, um die Leseerfahrungen anderer LeserInnen zu beobachten und zu vergleichen. Das Buch ist noch ziemlich neu, und es braucht etwas Zeit, bis es sich herumgesprochen hat. 

Deshalb verweise ich hier ganz besonders auf Tinas Buchbesprechung.

Weitere Informationen zu dem Buch

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 1 (26. August 2016)
  • 22,95 €
  • ISBN-10: 3498058053

Und hier geht es auf die Verlagsseite von Rowohlt

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Gelesene Bücher 2016: 71
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86



Donnerstag, 1. Dezember 2016

Kitty Sewell / Zeit der Eisblüten

Lesen mit Anne ...

Und wieder haben wir Monatsbeginn, Anne und ich lesen gemeinsam ein Buch. Diesmal war Anne mit dem Aussuchen dran.

Klappentext
In Cardiff, der Hauptstadt von Wales, verläuft der Alltag des 45-jährigen Dr. Dafydd Woodruff ohne nennenswerte Höhen und Tiefen. Das einzige Problem in seinem Leben ist der unerfüllte Wunsch seiner Frau Isabel nach einem Kind.Da erhält Dafydd einen Brief aus Moose Creek, einem kleinen Ort im arktischen Norden Kanadas. Darin teilt ihm die dreizehnjährige Miranda mit, dass sie gerade von ihrer Mutter erfahren habe, wer ihr leiblicher Vater sei - niemand anders als Dafydd. Dafydd kennt diesen Ort. Dort hatte er sich seinerzeit verkrochen, nachdem er als junger Arzt einen schrecklichen Fehler begangen hatte. Dort hatte er auch Sheila, Mirandas Mutter, kennen gelernt. Doch zwischen ihm und Sheila war nie etwas gewesen. Aber der DNA-Test, mit dem Dafydd sich einverstanden erklärt, ist positiv.Dafydd sieht nur eine Möglichkeit: Er muss zurück nach Kanada und die Wahrheit finden. Die Reise führt ihn in das weiße Land der Arktis ═ zu schmerzhaften Erinnerungen und dunklen Geheimnissen, aber auch dem Zauber der uralten Kultur der Inuit und der heilsamen Magie einer wiedergefundenen Liebe.

Autorenporträt
Kitty Sewell, 1951 in Schweden geboren, lebte als Jugendliche mehrere Jahre in Spanien, emigrierte dann nach Kanada, und lebte später in England und Wales. Nachdem sie als Immobilienmaklerin im eisigen Norden Kanadas gearbeitet Hatte, absolvierte sie eine Ausbildung zur Psychotherapeutin und später zur Bildhauerin. Seit 1991 schreibt sie als Kolumnistin für verschiedene britische Zeitungen. Sie lebt als freie Schriftstellerin und Bildhauerin in zweiter Ehe mit einem Arzt im walisischen Cardiff und in Spanien. 

Meine ersten Leseeindrücke

Das Buch habe ich im Bücher-Oxfam für zwei Euro erworben. Neu hätte ich es mir nicht gekauft. Schon der Titel klingt ein wenig trivial und trivial ist aus meiner Sicht auch der Roman. Mich hat Kanada angezogen ... 
Ich befinde mich nun schon auf der Seite 140. So ganz mein Buch ist es nicht, aber manchmal ist es nicht schlecht, auch etwas Seichtes zu lesen. Mir fehlen bei solchen Büchern aber leider sehr schnell die tiefen Gedanken.

Ich habe nicht eine Textstelle markiert. Das Buch bleibt leer, so ganz ohne Blättchen. Die Buchbesprechung werde ich daher recht kurz halten. Das weiß ich jetzt schon. 

Ich werde es auslesen, auch, um Anne nicht alleine zu lassen; und am kommenden Montag geht es gleich weiter in einer Leserunde auf Wachtareadin. Mit Hool wahrscheinlich keine leichte Lektüre. Dann gehe ich nach der Eisblüte ausgeruht an das andere Werk heran.😁

Auf geht´s, hopp, hopp.

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Eine kurze Buchbesprechung

Abgebrochen ... 

Anne hat das Buch quer zu Ende gelesen, und sie hat meine Eindrücke bestätigt. Recht trivial und abgeflacht sind die Handlungen. Mit dieser erneuten schlechten Erfahrung habe ich nun beschlossen, meine Bücherregale nochmals durchzuforsten, und alle Bücher mit einem kitschigen oder trivialen Titel und oder Cover, von den Büchern, die ich noch nicht gelesen habe, werde ich aussortieren. Gott sei Dank sind das nur recht wenige, aber trotzdem. Ich möchte meine Zeit nicht weiter mit diesen Büchern vergeuden.

Die Autorin hat die Spannung mit einem Thema wie die Vaterschaft halten wollen, und das Herausfinden der Vaterschaft zieht sich das ganze Buch hindurch. Es geht darum, ob der verheiratete Protagonist vor dreizehn Jahren Sex mit einer Krankenschwester S. hatte und er der Vater von zweieiigen Zwillingen ist. Ehrlich gesagt hat mich das überhaupt nicht interessiert. Da kann ich auch gleich eine Klatschzeitschrift lesen, in der auch über das Leben prominenter Leute geschrieben wird. Brisante Themen aus dem Privaten, mit denen Schlagzeile gemacht wird. Und so habe ich auch das Buch erlebt. Mich interessiert es nicht, ob D. nun der Vater dieser Zwillinge ist oder nicht, mit wem er alles Sex hatte, etc.

Auch die Sprache fand ich sehr salopp, manchmal verniedlicht … und sehr klischeehaft. Wer mehr über diesen Roman wissen möchte, so verweise ich hier auf die Buchbesprechung von Anne-Marit. 

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Gelesene Bücher 2016: 66
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Monika Peetz / Die Dienstagsfrauen

Lesen mit Tina ...

Klappentext
Fünf Freundinnen. Seit über 15 Jahren treffen sie sich regelmäßig am ersten Dienstag im Monat. In ihrem Stammlokal nennt man sie die Dienstagsfrauen. Einmal im Jahr unternehmen die fünf Frauen etwas gemeinsam. Dieses Jahr haben sie etwas ganz Besonderes vor: Pilgern auf dem Jakobsweg. Am Ende dieser Reise ist nichts mehr, wie es war.
Würden sie sich heute begegnen, wären sie wohl gar nicht miteinander befreundet. Aber seit die fünf Frauen vor 15 Jahren nach ihrem Französischkurs auf einen Absacker bei Luc eingefallen sind, ist am ersten Dienstag im Monat der Kamintisch für sie reserviert. Fünf Frauen, nun dies- und jenseits der vierzig, mit sehr unterschiedlichen Temperamenten:
Da ist Caroline, die Strafverteidigerin, verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. Organisiert, konsequent und streitbar. Sie sagt, was sie denkt, und sie tut, was sie sagt. Und kann trotzdem gut mit Kikis Chaos umgehen. Kiki, chronisch gut gelaunt, gern verliebt, entwirft beruflich Haushaltsgegenstände. Sie hofft auch mit 35 noch, von der Wegwerfware wegzukommen. Bei Aufträgen und bei Männern. Eva wäre schon froh, wenn sie ein eigenes Leben hätte. Als Hausfrau, Ehefrau und Mutter mit brachliegender medizinischer Approbation ist sie geplagt von den schrecklichen »V’s«: vierzig, vier Kinder, verirrt. Estelle, die Apothekergattin, ist die Frau, die immer zu viel in den Koffer packt und das Tragen anderen überlässt. Einig sind sie sich nur, wenn es darum geht, ihrer Freundin Judith beizustehen. Die zierliche Kindfrau ist die Dramaqueen der Dienstagsfrauen. Sie bespricht ihre Probleme lieber, als dass sie sie löst. Doch wer will ihr das übel nehmen? Jetzt, wo sie gerade Witwe geworden ist?
Nach dem Tod ihres Mannes findet Judith ein Tagebuch, das er über seine Pilgerreise nach Lourdes geführt hat. Arne, an Krebs erkrankt, konnte den Weg nicht zu Ende gehen. Die fünf Freundinnen machen sich auf, Arnes Reise zu vollenden – und ahnen nicht, worauf sie sich einlassen. Schritt für Schritt kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, das ihr Leben durcheinanderwirbelt.
Die Pilgerreise, als Unterstützung für die trauernde Judith gedacht, wird für die fünf Freundinnen ein Augenöffner. Nichts ist, was es scheint.

Autorenporträt
Monika Peetz ist Jahrgang 1963, sie studierte Germanistik, Kommunikationswissenschaften und Philosophie in München. Nach Ausflügen in die Werbung und ins Verlagswesen war sie Dramaturgin und Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1998 lebt sie als Drehbuchautorin in Deutschland und den Niederlanden. Monika Peetz ist die Autorin der Bestsellerreihe »Die Dienstagsfrauen«. Ihre Romane um die fünf Freundinnen waren Spiegel-Bestseller und verkauften sich allein im deutschsprachigen Raum über 1 Million Mal. Ihre Bücher erscheinen in 25 Ländern und sind auch im Ausland Bestseller.

Kurze Buchbesprechung 

Das Buch haben Tina und ich nun abgebrochen. Ein Unterhaltungsroman auf niedrigem Niveau. Total abgeflacht; die Charaktere, die Handlungen, die Dialoge. Nachdem wir nun die Buchmesse hinter uns gebracht haben, und auf uns so viele wunderbare Bücher warten, möchte wir unsere Zeit mit diesem Buch nicht weiter vergeuden. Absolut Klischeehaft ... Es wimmelt geradezu von Klischees. Nicht nur was die Betrachtung des Katholizismus´ betrifft, sondern auch die klassische Rolle einer Frau ... Zum Beispiel eine Mutter, die sich für die Familie opfert ... Weiteres verweisen wir auf das Buch ... 

Und was den Umgang der fünf Frauen untereinander betrifft, so haben sie zudem aus meiner Sicht den Titel Freundin nicht verdient. Die gespielte Loyalität und das angeblich soziale Verhalten untereinander fand ich oftmals sehr perfide. Ich wollte mit keiner dieser Frauen befreundet sein ... Außerdem kommen sie mir alle pubertär vor, obwohl das reife Frauen sind. Auch kann man keinen intellektuellen Tiefgang finden ... Die Autorin schneidet viele Themen an, ohne sie richtig reflektiert zu haben. Da begeben sich fünf ungläubige Frauen auf eine Pilgerreise nach Lourdes, lästern über den Katholizismus ab, stellen ihn mit dem Taliban gleich, das hat mir schließlich den Rest gegeben ... 

Außerdem kann man in jeder Religion fündig werden, man kann auch in jeder Religion Verwerfliches finden. Aber diese Erkenntnis können diese Frauen gar nicht machen, da Tiefgang für sie ein Fremdwort zu sein scheint. Eine kleine Ausnahme bildet Judith ... So, und nun ist nach 250 geduldigen Seiten Schluss, nachdem Tina das Buch auch nicht weiter lesen möchte.



2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
0 Punkte: Differenzierte Charaktere
0 Punkte: Authentizität der Geschichte
1 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
0 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus

Drei von zehn Punkten. 

Wir geben guten Büchern den Vortritt.

Und hier geht es per Mausklick auf Tinas Seite.


Weitere Informationen zu dem Buch


  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch (24. November 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462043757

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Gelesene Bücher 2016: 58
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86



Freitag, 16. September 2016

Howard Jacobson / J (1)

Eine kurze Buchbesprechung zur o. g. Lektüre 


Leider bin ich mit der Geschichte, die der Autor in sein Buch verpflanzt hat, überhaupt nicht zu Rande gekommen. Nach 280 Seiten musste ich es schließlich aufgeben. Die letzten 130 Seiten habe ich nicht mehr geschafft.

Nicht, dass der Inhalt kompliziert wäre. Das nicht mal. Mich hat er nur nicht überzeugen können. 

Mich hat diese Art von Gesellschaft, wie sie in dem Buch beschrieben wird, gelangweilt. Ich habe sie als arg übertrieben erlebt.

Eine Gesellschaft, die aus Inzucht besteht, streng abergläubig ist und versessen auf die Einhaltung von Regeln und Normen ist. Menschen, die eine Partnerschaft aus anderen Ortschaften eingehen, werden von den Familien verstoßen ... 

Die Idee fand ich an sich nicht schlecht. Trotzdem ...

Ich gebe gerne noch einmal den Klappentext rein für Leserinnen und Leser, die sich für diese Thematik interessieren und die gerne ihre eigenen Leseerfahrungen machen möchten, und ich selbst auch dazu einlade, da meine Leseerfahrung einerseits sehr subjektiv ist, bin ich andererseits dennoch bemüht, ein wenig Objektivität in diese Buchbesprechung reinzubringen, da es mich selbst ein wenig traurig stimmt, wenn ich ein Buch abbrechen muss. Schließlich ist das nicht die Schuld des Autors, wenn ich einen anderen Geschmack habe ...


2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
1 Punkte: Differenzierte Charaktere
0 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
Die Bewohner Port Reubens leben in scheinbarer Harmonie, sie hören nur noch Schnulzen und lesen kitschige Liebesromane, und nach dem schrecklichen Ereignis, über das nur als »Was geschah, falls es geschah« gesprochen wird, bekamen alle neue Namen. Kevern Cohen misstraut als Einziger dieser »großen Familie« und ihrer freiwilligen Ahnungs- und Meinungslosigkeit. Er ist ein Eigenbrötler, der die Bücher und Jazzplatten seines Vaters aufbewahrt hat und allein in einer Hütte auf den Felsen wohnt. Eines Tages wird ihm Ailinn Solomons vorgestellt, eine schwarzhaarige Schönheit, und die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Doch Keverns Unbehagen wächst: Ist ihre Liebe wirklich nur aus ihren spontanen Gefühlen genährt, oder haben andere Interesse an ihrer Beziehung? Ist er nur paranoid, oder werden sie tatsächlich überwacht und sind Teil eines allumfassenden, perfekt ausgeklügelten Plans? 
Wenn ich nur nach meinem Lesegeschmack gehen würde, dann würde ich dem Buch nur fünf von zehn Punkten vergeben. 

Und so erhält das Buch nach den obigen Kriterien sieben von zehn Punkten. Ich glaube, dass das fair ist. 

Ach, und übrigens, sollte jemand den Buchtitel suchen, das J auf dem Cover steht nicht für Jacobson. Das J, das dazu noch in der Mitte mit zwei Querbalken versehen ist, ist als Buchtitel gedacht. Aber auch der hat mich nicht so recht überzeugen können. 


Weitere Informationen zu dem Buch:

Ich möchte mich recht herzlich beim DVA-Bücherverlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar bedanken. 

€ 22,99 [D] inkl. MwSt.
€ 23,70 [A] | CHF 30,90* 

(* empf. VK-Preis) 
DVA-Verlag: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-421-04688-8

Erschienen: 12.10.2015 

Nachtrag, 18.09.2016
Ich habe auf www.perlentaucher.de noch eine Rezension von der Buchreporterin Anja Hirsch gefunden, die das ausdrückt, was ich auch mit dem Buch erlebt habe. Ich habe es nur nicht so schön beschreiben können. Anja Hirsch rezensiert für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Und hier der Link per Mausklick zu der Rezension.

Aber auf der DVA-Verlagsseite kann Jede/jeder selbst eine Leseprobe entnehmen. Hierzu folgender Link: per Mausklick.

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Gelesene Bücher 2016: 51
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86



Mittwoch, 29. Juni 2016

Olivia Monti / Luna Park 2, Abgebrochen

Dieses Buch hatte ich erst als ein modernes Märchen eingestuft. Die Ideen darin fand ich recht spannend. Die Namen der ProtagonistInnen habe ich als sehr originell erlebt, die gut zu diesem Fantasy-Roman passen. Diese Namen konnten keinem reellen Land zugeordnet werden. Doch dann kam der Knick. Es gab in dieser Geschichte einen Chinesen, der ein Kind verprügelt … Warum ein Chinese? Wieso ist die Autorin nicht in ihrer fantastischen Welt geblieben?

Luna Park Nord und Luna Park Süd behandeln das Nord-Südgefälle, wie man es von bestimmten Ländern her kennt. Luna Park Nord, reich und vermögend, hatte eine fiktive Währung, bis dann schließlich der Euro eingeführt wird. Und auch hier verlässt die Autorin somit das Fiktive. Denn Luna Park Süd, arm und von einer hohen Kriminalität bedroht, bekommt ebenso den Euro, und so lebt das wirtschaftlich arme Luna Park Süd durch den Euro über seine Verhältnisse, und gerät immer stärker in die Misere. Die Namen der ProtagonistInnen in Luna Park Süd verlieren auch hier wieder das Fantastische. Man bekommt es mit italienischen Namen zu tun. Mich hat das so an das Nord-Südgefälle Italiens erinnert, oder an das Nord-Südgefälle innerhalb der EU. Ich musste an das Krisenland Griechenland denken ...

Auch der Bankencrash wird hier behandelt … 

Politische Sichtweisen, die in der Population ziemlich weit verbreitet sind ...

Deshalb hat die Geschichte aufgehört, mich zu überzeugen …

Und deshalb setzte ich hier meinen Punkt. Man wird doch gewollt oder ungewollt beeinflusst, indem man junge LeserInnen politisch in gewisse Richtungen lenkt.

Hätte die Autorin ihren Fantasy-Schreibstil beibehalten, hätte ich es liebend gern bis zur letzten Seite weitergelesen.


Weitere Informationen zu dem Buch

  • Taschenbuch: 424 Seiten, 12,83 €
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (5. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 153088960X
  • ISBN-13: 978-1530889600


Sonntag, 31. Januar 2016

Bruce Chatwin / Traumpfade (Abbruch)

Abgebrochen

Dieses Buch musste ich gestern wieder abbrechen. So einen langweiligen Reisebericht habe ich bisher noch gar nicht gelesen. Brrrrr. Das Buch erhält von mir nur vier Punkte. Da ich morgen mit Anne zusammen wieder ein Buch lesen werde, habe ich gestern meine Zeit mit zwei Literaturfilmen gefüllt und habe mit einem recht dicken Buch über Astrid Lindgren, das als ein Werkporträt deklariert ist, begonnen. Werde es am Montag dann wieder vorübergehend zur Seite legen, bis Anne und ich unser Buch ausgelesen haben.

Sicher gibt es das Eine oder Andere zu dem Buch zu sagen. Aber wenn mir ein Buch so gar nicht gefallen hat, dann fehlt mir doch die Muse, darüber zu schreiben. Vier von zehn Punkten habe ich bisher noch keinem Buch vergeben.

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Wer sich im Vertrauten verirrt
oder in der Fremde verloren geht,
braucht nur eine fürsprechende Seele,
um sich gerettet zu fühlen.
(Petra Oelker)

Gelesene Bücher 2016: 05
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86



Samstag, 19. September 2015

Lutz Seiler / Kruso (Abbruch)

Abgebrochen ...

Wieder ein Buch, das ich soeben zu Grabe getragen habe.

Ich hätte auf meine innere Stimme hören sollen. Mich hat das Cover partout nicht angesprochen und habe mich von der Buchwerbung locken lassen.

Ich bin mit allen Romanfiguren nicht wirklich warm geworden. Die ganze Story hat mich gelangweilt. Ständig schweifte ich mit meinen Gedanken ab. Ich mag mich nicht weiter quälen, und breche ab. Ich habe mir nun erneut vorgenommen, nach jedem abgebrochenen Buch suche ich mir einen Band von einer meiner LieblingsautorInnen aus.

Nach Carson McCullers, Isabel Allende, Haruki Murakami setze ich nun die Reihe mit Maarten t´Hart fort. Weiteres im nächsten Posting. 

Schade trotzdem.





Donnerstag, 17. September 2015

Juan Carlos Onetti / Das kurze Leben (abgebrochen)


Abgebrochen ...

Das Buch konnte ich nach 115 Seiten nicht mehr weiter lesen. Es ist mir zu verrückt. Ich lese und lese und der Inhalt will einfach nicht in den Kopf ... Ich wollte durchhalten. Aber es geht einfach nicht weiter. Mein Inneres sperrt sich mittlerweile.
Die Rezensionen im Internet fallen alles andere als gut aus. Ich stehe mit meiner Leseerfahrung nicht alleine da. 

Es ist kein schlechtes Buch, ohne Frage, recht anspruchsvoll, trotzdem nicht für mich geeignet. 

Schade ... 

Von dem Autor werde ich mir kein Buch mehr kaufen. Er zählt für mich zu denjenigen, denen ich keine zweite Chance geben möchte.

Aber, ich muss sagen, ich bin mit jedem Buch, das ich abgbrochen habe, sehr, sehr traurig. 

Adieu, Onetti. 











Montag, 15. Juni 2015

Anne Michaels / Fluchtstücke (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch habe ich als sehr sprachgewandt erlebt und war anfangs von den vielen Symbolen im Text recht angetan. Doch leider flachte es nach ca. zweihundert Seiten zunehmend ab. Ich konnte mit den Figuren partout nicht warm werden und wusste nicht, woran das liegen könnte. Auf mich wirkte der Stoff, den die Autorin hier behandelt, recht kühl, manchmal sogar kalt und ich merkte deutlich, dass die Autorin den Nationalsozialismus selbst nicht miterlebt hat, aber so manches darüber gelesen haben muss. Außerdem schreibt sie recht kopflastig und emotionsarm. Bietet wenig psychische Reibungsfläche, zu harmonisch wurden die verschiedenen problembehafteten Ereignisse miteinander verwoben, weshalb ich mich schließlich durch die Seiten schleppte. Ich fing an mich zu langweilen. In den naturwissenschaftlichen Fächern wie z.B. der Botanik, Geologie … arbeitete die Autorin viel zu detailliert, die Details benötigte sie wahrscheinlich, um viele, viele ihrer Seiten damit füllen zu können, während es ihr nach meinem Empfinden nicht gelang, über die facettenreiche Psyche eines Menschen, der den Nationalsozialismus erlebt hat, zu schreiben … Ich hatte das Buch schon auf Facebook zu früh hochgelobt, so wurde ich anfangs wohl zu sehr von der wunderbaren literarischen Sprache geblendet …
Der kleine Jakob wird Zeuge, als die Nazis 1942 seine gesamte Familie umgebracht haben. Er selbst konnte fliehen. Im Wald wird er von einem griechischen Archäologen gefunden, der das Kind zu sich nimmt. Er deportiert Jakob nach Griechenland. Und somit entpuppt sich der Archäologe zum Ziehvater des Jungen ...

Zu Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:
Der siebenjährige polnisch-jüdische Jakob wird Zeuge, wie seine Familie von deutschen Soldaten ermordet wird. Er flüchtet sich in die Ausgrabungsstätte der versunkenen Stadt Biskupin. Dort entdeckt ihn ein griechischer Archäologe, der ihn nach Griechenland schmuggelt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebt Jakob mit Athos, der ihn alles lehrt, was er weiß: Geografie, Geologie, Dichtkunst, Botanik, Archäologie. Langsam taucht Jakob aus seiner Verstörung auf und kehrt in die Welt zurück.
Dass der Junge durch sein traumatisches Erlebnis verstört gewesen sein soll, das kam meines Erachtens psychologisch gesehen zu wenig rüber. Stattdessen wird man von einer Kette reflektiver Gedanken genährt, die Jakob von sich gibt.

Ich habe trotzdem einige Zettelchen in meinem Buch kleben und schaue nun, was ich daraus machen werde …

In Griechenland, auf der Insel Zakynthos, findet Jakob zeitweise eine neue Heimat … Er lebt bei dem Archäologen namens Athos Roussos …

Oftmals gehen ihm schaurige Bilder über die Nazis durch den Kopf. Er nimmt bewusst wahr, dass er verglichen mit vielen seiner Landsleute einfach Glück hatte, und den Nazis entkommen konnte … 
Während ich mich in dem strahlenden Licht von Athos´ Insel versteckte, erstickten Tausende im Dunkeln. Während ich im Luxus eines Zimmers Unterschlupf fand, wurden Tausende in Backöfen, Abflusskanälen und Mülltonnen gestopft. In den Kriechverschlägen doppelter Zimmerdecken, in Hühner- und Schweineställen. Ein Junge in meinem Alter versteckte sich in einer Kiste; nach zehn Monaten war er blind und stumm, Arme und Beine waren verkümmert. Eine Frau stand anderthalb Jahre lang in einem Schrank, ohne sich jemals setzen zu können; das gestaute Blut ließ ihre Venen platzen. Während ich mit Athos auf Zakynthos lebte, Griechisch und Englisch lernte, Geologie, Geografie und Poesie, füllten Juden alle Winkel und Spalten Europas aus, jeden zugänglichen Raum. Sie vergruben sich in fremden Gräbern. Jeder Raum, der ihren Körper aufnahm, war ihnen recht, denn ihnen wurde in der Welt gar keinen Platz mehr zugestanden. 
Diese Bilder sind recht grausam, allerdings weiß ich nicht, wie realistisch sie medizinisch betrachtet tatsächlich sind. Wie kann sich ein Kind zehn Monate lang in einer Kiste verstecken? Der Junge müsste schon längst verhungert sein. Ebenso die Frau in dem Kleiderschrank, die anderthalb Jahre lang stehend darin zugebracht haben soll, bevor ihre Venen platzten …. Auch sie müsste längst verhungert sein. Kein Mensch hält das so lange körperlich in irgendeiner Art und Weise aus. Ist der Nationalsozialismus nicht schon grausam genug? Muss man unbedingt diese Bilder noch künstlich überspitzen? 

Die Grausamkeit der Nazis ist grenzenlos. Die Autorin beschreibt eine Krankenschwester, die versuchte unter ihrem Kleid einen Säugling zu schmuggeln, wurde von den Nazis erwischt, die ihr das Kind wegnahmen, es in die Luft schleuderten und es dabei abknallten, noch bevor das Kind auf den Boden fiel. Die Krankenschwester bekam eine Kugel in den Mund geschossen.
Einige andere Frauen waren schwanger, bekamen Wehen, in der Gaskammer, das Kind wurde nur zu Hälfte geboren, die andere Hälfte befand sich noch im Leib der Mutter, bis Kind und Mutter an dem Gas erstickten. Grausame Bilder. Das kann man sich nicht vorstellen.

Die Nazis hielten sich auch in Griechenland auf. Es wird eine Szene beschrieben, in der sie Oliven kauten, die Kerne ausspuckten, damit die kleinen, hungrigen Kinder diese abgelutschten Kerne auflasen, um das letzte Restchen abgenagter Olive vom Kern abzubeißen. Die Nazis hatten ihre Freude bei diesem Anblick …
Die Soldaten, die ihrer Pflicht nachkamen, als sie Müttern die abgetrennten Köpfe ihrer Töchter zurückgaben - mit den Zöpfen und Haarklemmen noch an ihrem Platz; hatten nichts Böses in ihren Zügen. 
Das sind von mir eine Aneinanderreihung von Gewaltszenen, die mit wenig Tiefe von der Autorin hingeschrieben wurden.

Natürlich findet eine Auseinandersetzung zwischen Jakob und den Nazis statt. Doch die Art und Weise, wie er damit umgeht, war mir zu wenig authentisch. Ein seelisches Trauma, das der kleine Jakob durch eine Vielzahl an erlittenen grausamen Erlebnissen und Verluste haben muss, spielt sich ganz anders ab. Ab und zu ein paar Albträume ist mir zu wenig.

Dass die Nazis die Juden entmenschlicht haben, sie wie Parasiten behandelten, das ist nichts Neues. Es gibt genug AutorInnen, die über das Thema schon geschrieben haben. Neue Literatur zur NS – Vergangenheit sollte auch neue Erkenntnisse bringen, sonst wüsste ich nicht, welchen Sinn dieses Buch haben könnte. Angelesenes zu reproduzieren finde ich recht langweilig und monoton.

Nichtsdestotrotz bekommt die Autorin von mir sechs von zehn Punkten, weil mir der literarische Schreibstil nach wie vor sehr gut gefallen hat.
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Ein Gedicht in einer Übersetzung zu lesen, ist, als küsste man eine Frau durch einen Schleier.

Wenn du ein Buch in der Hand hältst, bist du ein Pilger an den Toren einer neuen Stadt.
(Anne Michaels)

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